{"id":51878,"date":"2014-12-05T17:19:26","date_gmt":"2014-12-05T16:19:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=51878"},"modified":"2014-12-05T17:21:58","modified_gmt":"2014-12-05T16:21:58","slug":"umwelt-jahresrueckblick-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/umwelt-jahresrueckblick-2014\/","title":{"rendered":"Umwelt-Jahresrueckblick 2014"},"content":{"rendered":"<p>2014: Umweltpolitischer Jahresr\u00fcckblick des <a title=\"BUND\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/bund\/\">Bund<\/a>\u00a0&#8211; <a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Mensch<\/a>, <a title=\"Natur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/\">Natur<\/a> und <a title=\"Agrar\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/agrar\/\">Umwelt<\/a> am Oberrhein. Das Jahr 2014 war weltweit kein gutes Jahr:\u00a0Die globale Krise, die auch eine Krise nicht-<a title=\"Nachhaltigkeit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/klima\/nachhaltigkeit\/\">nachhaltigen<\/a> Wirtschaftens ist, ist noch lange nicht \u00fcberwunden. Mit Ebola erleben wir die Wiederkehr der gro\u00dfen Seuchen und auch die weltweiten Kriege r\u00fccken immer n\u00e4her an uns heran. Im hundertsten Jahr nach Beginn<!--more--> einer der schrecklichsten menschengemachten Katastrophen, dem Ersten Weltkrieg, wird uns bewusst wie wertvoll es ist, in Frieden zu leben.<br \/>\nDas Krisen- und Kriegsjahr 2014 best\u00e4tigte wieder einmal die Unf\u00e4higkeit der Menschen aus den Katastrophen der Vergangenheit zu lernen. Gerade von &#8222;Qualit\u00e4tsmedien&#8220; h\u00e4tten wir uns in diesen Fragen mehr analytisch kluge Differenziertheit gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p><b>\u00dcberall in Europa und auch am Oberrhein fanden im Jahr 2014 hochoffizielle Erinnerungsfeiern<\/b> zum Beginn des Ersten Weltkrieges statt. Ein trauriges Beispiel f\u00fcr &#8222;Erinnerungskultur&#8220; war das Treffen von Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck und dem franz\u00f6sischen Staatspr\u00e4sidenten Francois Hollande am 3.8.14 auf dem Hartmannsweilerkopf in den Vogesen. Bei der \u201emilit\u00e4risch umrahmten\u201c deutsch-franz\u00f6sischen Friedensfeier waren Pazifisten und Friedensfahnen unerw\u00fcnscht. Das Zeigen einer Friedensfahne erregte den Unmut der franz\u00f6sischen Polizeikr\u00e4fte derart, dass sie den Aktivisten ohne Angabe von Gr\u00fcnden ein Platzverbot erteilten und sie zu ihrem Fahrzeug geleiteten.<\/p>\n<p><b>An einer Stelle hat uns das bedrohliche Chaos im Nahen Osten<\/b> auf eine traurige Art best\u00e4tigt: Schon im Jahr 2007 hatten wir die gef\u00e4hrlichen Pl\u00e4ne des franz\u00f6sischen Staatspr\u00e4sidenten Sarkozy kritisiert, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen und in andere Spannungsgebiete des Nahen Ostens exportieren zu wollen. Herr Gaddafi war damals gerade wieder ein \u201eguter Diktator\u201c, mit dem sich gute Gesch\u00e4fte machen lie\u00dfen. W\u00e4ren 2007 AKW exportiert worden, dann h\u00e4tten die kriegf\u00fchrenden Parteien im Nahen Osten jetzt vermutlich Atomwaffen oder \u201eschmutzige\u201c Bomben.<\/p>\n<p><b>100 Jahre nach dem schrecklichen Ersten Weltkrieg<\/b> konnten wir aber auch an ein sehr erfreuliches Kapitel badisch-els\u00e4ssischer Geschichte erinnern. Im els\u00e4ssischen Marckolsheim wurde im Jahre 1974, vor vierzig Jahren, ein wichtiges Kapitel der Umweltgeschichte geschrieben. Trinational-gemeinsam und erfolgreich besetzten Menschen aus Frankreich, aus Deutschland und der Schweiz das Gel\u00e4nde eines geplanten, extrem umweltbelastenden Bleichemiewerks und verhinderten die massive Umweltvergiftung. Der damalige Erfolg hat auch dem BUND am S\u00fcdlichen Oberrhein wichtige Impulse gegeben.<\/p>\n<p><b>Entsetzt sehen wir das globale und regionale Verschwinden von Arten.<\/b> Der Mensch hat in nur vier Jahrzehnten die Zahl der Wirbeltiere auf unserem Planeten um die H\u00e4lfte reduziert. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der weltweit untersuchten S\u00e4ugetiere, V\u00f6gel, Reptilien, Amphibien und Fische in den vergangenen 40 Jahren halbiert und aktuell sterben t\u00e4glich 380 Tier- und Pflanzenarten aus.<\/p>\n<p><b>Unsere Aufgabe ist es, die Themen Naturschutz, Artenschutz und Landschaftsschutz <\/b>immer wieder auf die Region zu beziehen und regional gegen den explodierenden Fl\u00e4chen-, Natur- und Landschaftsverbrauch und gegen die \u201eVermaisung\u201c anzugehen und Mensch und Natur zu sch\u00fctzen. Wir danken allen, die uns geholfen haben, unsere sehr umfangreiche und wichtige Stellungnahme zur Fortschreibung des Regionalplanes zu erstellen. Gerade die Fortschreibung des Regionalplanes zeigte \u00fcberdeutlich, dass Fl\u00e4chenverbrauch, Verbreiung der Landschaft und Verscheu\u00dflichung am Oberrhein ungebrochen weiter gehen sollen, wenn sich die Mehrheit der B\u00fcrgermeister durchsetzt.<\/p>\n<p><center><\/center><span class=\"text\"><b>Eines von vielen Beispielen ist das immer noch wundersch\u00f6ne Tennenbacher Tal.<\/b> Wenn es nach der Kreisverwaltung im Landkreis Emmendingen geht, dann wird die Stra\u00dfe im Tennenbacher Tal massiv ausgebaut und PKW und LKW fahren zuk\u00fcnftig mit hoher Geschwindigkeit direkt an der historischen Klosterkapelle vorbei. Der BUND will menschen-, landschafts- und naturgerechte Kompromisse in Sachen Tennenbacher Tal. Kompromisse, die den Menschen in Freiamt und den Stra\u00dfenbenutzern nur wenige Sekunden Zeitverz\u00f6gerung abverlangen, die gleichzeitig aber Respekt f\u00fcr Natur, Landschaft, Kapelle und eines der landschaftlich (noch) sch\u00f6nsten T\u00e4ler in S\u00fcdbaden aufzeigen.<\/span><\/p>\n<p><b>Elf Jahre nach dem Brand des &#8222;nicht brennbaren&#8220; Giftm\u00fclls in der Deponie Stocamine <\/b>in Wittelsheim im S\u00fcdelsass wurde 2014 damit begonnen den M\u00fcll in ein fr\u00fcheres Salzbergwerk in Th\u00fcringen zu bringen. Es ist gut und richtig den Giftm\u00fcll aus der maroden Deponie Stocamine zu bergen und die vom BUND immer kritisierte Billigl\u00f6sung in der Vergangenheit, wird jetzt f\u00fcr die franz\u00f6sischen Steuerzahler sehr teuer. Doch in einem so gro\u00dfen Land wie Frankreich m\u00fcsste es m\u00f6glich sein, den aus der Stocamine geborgenen Giftm\u00fcll im eigenen Land sicher zu deponieren.<\/p>\n<p><b>Die Diskussion um die Windenergie nahm auch am Oberrhein an Heftigkeit zu. <\/b>In Denzlingen gab es eine Gro\u00dfveranstaltung von Windradgegnern, die von Atomlobbyisten und den organisierten Klimawandelleugnern von EIKE dominiert wurde.<br \/>\nDie Fragen des Artenschutzes und des Landschaftsbildes werden auch vom BUND sehr intensiv gepr\u00fcft und in die Verfahren eingebracht. Dennoch m\u00fcssen wir in der Windenergiedebatte auch immer auf die Folgen der bisherigen Energieerzeugung aufmerksam machen. Windr\u00e4der erzeugen im Gegensatz zu Atomkraftwerken keinen Kinderkrebs, Atomm\u00fcll und keine Atomunf\u00e4lle und im Gegensatz zur Nutzung der letzten fossilen Energievorr\u00e4te auch keinen Klimawandel. Gerade im Vergleich zu manchen neuen B\u00fcrgerinitiativen zeigt sich die gemeinwohlorientierte Differenziertheit eines Naturschutzverbandes.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><b>Globale und regionale Erfolge:<\/b><\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Das lebensbedrohende Ozonloch ist endlich kleiner geworden und unsere fr\u00fcheren Proteste gegen den Einsatz von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) haben sich gelohnt. Nach UN-Prognosen erholt sich die Ozonschicht, die die Erde vor den krebserregenden UV-Strahlen der Sonne sch\u00fctzt. Bis 2050 k\u00f6nnten wieder Ozonwerte wie in den 1980er Jahren erreicht werden.<\/li>\n<li>Am 1. Januar 2014 wurde endlich der viel zu kleine Nationalpark Nordschwarzwald gegr\u00fcndet.<\/li>\n<li>Im Jahr 2014 war Strom aus Wind und Sonne bereits wesentlich billiger als Atomstrom.<\/li>\n<li>Wer h\u00e4tte noch vor wenigen Jahren geglaubt, dass die Atomkonzerne im Jahr 2014 ihre teuren atomaren Altlasten gerne verstaatlicht h\u00e4tten, um die Kosten auf die Allgemeinheit abzuw\u00e4lzen?<\/li>\n<li>Regional freuen wir uns \u00fcber die beginnende Renaturierung von Elz, Glotter und Dreisam. Nachdem wir jahrzehntelang und erfolgreich f\u00fcr eine bessere Wasserqualit\u00e4t gek\u00e4mpft haben, geht es jetzt darum, mit den Ausgleichsgeldern f\u00fcr den Bahnausbau aus den geradgestreckten, naturfernen Kan\u00e4len wieder \u201erichtige B\u00e4che\u201c zu machen. Es freut uns sehr, dass unsere alten BUND-Forderungen langsam umgesetzt werden.<\/li>\n<li>Gemeinsam mit dem BUND-Landesverband, der BUND-Bezirksgruppe Sch\u00f6nberg und der B\u00fcrgerinitiative \u201eB\u00fcrger f\u00fcr den Urberg\u201c konnten wir einen sch\u00f6nen juristischen Erfolg erzielen. Der Abbau von Kalk am Urberg bei Bollschweil ist endg\u00fcltig gestoppt und die Naturzerst\u00f6rung verhindert.<\/li>\n<li>Seit vielen Jahren sagen wir, dass der eingeschleppte Maiswurzelbohrer am besten mit der \u00f6konomisch und \u00f6kologisch sinnvollen Fruchtfolge bek\u00e4mpft werden kann. Jetzt zeigt sich auch in der Praxis, dass wir Recht hatten und dass der massive Gifteinsatz der letzten Jahre unn\u00f6tig war. Das massive Bienensterben im Jahr 2008 h\u00e4tte durch Fruchtfolge verhindert werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span class=\"text\"><br \/>\n<b>Ein gro\u00dfes und wichtiges Thema im Jahr 2014 war das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. <\/b><a title=\"Freihandelsabkommen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/freihandelsabkommen\/\">TTIP<\/a> wird die demokratiegef\u00e4hrdende Macht der Konzerne verst\u00e4rken. Es \u00f6ffnet die europ\u00e4ischen T\u00fcren f\u00fcr Genfood, Hormonfleisch, Sozialdumping, geheime Schiedsgerichte und Monsanto. Eine der gr\u00f6\u00dften Gefahren des Abkommens sind die Schiedsgerichte- , eine Konzerngerichtsbarkeit, die den Rechtsstaat schon heute bedroht. 4,7(!) Milliarden Euro will der Energiekonzern Vattenfall daf\u00fcr, dass er unser Leben nicht mehr mit Atomkraftwerken bedrohen darf und klagt vor einem geheimen Schiedsgericht.<br \/>\nDas Finanzamt Frankfurt hat im Sp\u00e4therbst 2014 Attac die Gemeinn\u00fctzigkeit entzogen. Dieses Vorgehen war zwar formell und rechtsstaatlich begr\u00fcndet, hatte aber einen politischen Hintergrund. Es war ein massiver Angriff auf eine Nichtregierungsorganisation, der auch im Zusammenhang mit den bundesweiten Aktivit\u00e4ten vieler NGO\u00b4s gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA gesehen werden muss.<br \/>\n<\/span><br \/>\n<span class=\"text\"><span class=\"text\"><b>Am 19. September 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht<\/b> die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von \u00d6kologischen Flutungen beim IRP best\u00e4tigt. Ein wichtiges Urteil um Hochwasserschutz mit Naturschutz zu verbinden.<br \/>\n<\/span><br \/>\n<b>Ende 2014 gab es leider wieder einmal ein typisches Urteil gegen einen gro\u00dfen Umweltvergifter.<\/b> Das oberste italienische Gericht hat im Prozess um den Asbest-Tod vieler Menschen das Urteil der Vorinstanz gegen den Schweizer Unternehmer Stephan Schmidheiny aufgehoben. Der Kassationsgerichtshof in Rom annullierte die Verurteilung zu 18 <\/span>Jahren Haft und hohe Schadensersatzzahlungen aus der Vorinstanz.<br \/>\nIn der Vergangenheit konnten sich in fast allen gro\u00dfen Umweltprozessen (Bhopal, Seveso, Bayer-Holzschutzgiftprozess, Contergan&#8230;) die Konzerne und die Verursacher von Leid, Tod und Krankheit mit teuren Anw\u00e4lten und teilweise l\u00e4cherlichen Entsch\u00e4digungszahlungen fast ungestraft aus der Aff\u00e4re ziehen. Einzelne, gelegentliche Fehlurteile k\u00f6nnen und m\u00fcssen in demokratischen Rechtssystemen akzeptiert werden. Doch ein R\u00fcckblick auf die wirklich gro\u00dfen Umweltstrafverfahren zeigt eine nicht akzeptable, erschreckende Tendenz zu einseitigen und tendenzi\u00f6sen Urteilen und ein Nichtinteresse der Medien an solchen Themen.<\/p>\n<p>Im Dezember 2014 \u00fcberraschte die franz\u00f6sische EDF die Menschen am Oberrhein mit einem Genehmigungsverfahren f\u00fcr das AKW Fessenheim. Es zeigt sich schnell, dass es sich eher um ein &#8222;Beteiligungsbehinderungsverfahren&#8220; zur Wasserentnahme und zur genehmigten Einleitung von Radioaktivit\u00e4t, Bor und Abw\u00e4rme in den Rhein -in die Trinkwasserquelle f\u00fcr Millionen Europ\u00e4erInnen- handelte.<\/p>\n<p>Das Jahr 2014 war ein schwieriges Jahr.<br \/>\nUmwelt- und Naturzerst\u00f6rung, Kriege, Krisen, Gef\u00e4hrdung von Demokratie und Freiheit, \u00dcberwachung, Hunger in der Welt, undemokratisch wachsende Konzernmacht, eine Zunahme von Gewalt, Irrationalit\u00e4t und Intoleranz&#8230; Ein Blick in die Welt zeigt zunehmende Gef\u00e4hrdungen, Krisen, politische und manchmal auch gesellschaftliche Aufl\u00f6sungserscheinungen&#8230;<br \/>\nEingebunden in diese Gro\u00dfthemen ist es unsere Aufgabe, uns auch in zunehmend schwierigen Zeiten f\u00fcr Mensch, Natur, Umwelt, f\u00fcr Nachhaltigkeit und Zukunft zu engagieren.<\/p>\n<p>5.12.2014, Axel Mayer, <a title=\"BUND\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/bund\/\">BUND<\/a>-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer<br \/>\n<i><br \/>\n<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2014: Umweltpolitischer Jahresr\u00fcckblick des Bund\u00a0&#8211; Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein. 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