{"id":51808,"date":"2014-12-03T18:10:20","date_gmt":"2014-12-03T17:10:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=51808"},"modified":"2014-12-03T18:42:43","modified_gmt":"2014-12-03T17:42:43","slug":"jerusalem-israel-palaestina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/jerusalem-israel-palaestina\/","title":{"rendered":"Jerusalem &#8211; Israel &#8211; Palaestina"},"content":{"rendered":"<p>Im Konflikt zwischen <a title=\"Israel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/\">Israel<\/a> und <a title=\"Palaestina\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/palaestina\/\">Pal\u00e4stina<\/a> (Westbanks, Gaza) droht\u00a0ein <a title=\"Religion\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/\">Religionskrieg<\/a> zwischen <a title=\"Islam\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/\">Muslimen<\/a> und <a title=\"Juden\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/\">Juden<\/a>. Steht eine weitere Eskalation nach dem erwarteten Sieg der J\u00fcdisch-Orthodoxen bei den Neuwahlen in Israel bevor? Wolfgang Schmidt, ehemaliger Freiburger Pfarrer\u00a0und jetzt ev. Probst in <a title=\"Jerusalem\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/jerusalem\/\">Jerusalem<\/a>, schildert sein Erleben des Konflikts in einer <a title=\"Jerusalem-Altstadt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel2013\/jerusalem-altstadt\/\">Stadt<\/a>, wo <a title=\"Christen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/christen\/\">Christen<\/a>, Muslime und Juden dicht beieinander wohnen. <!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>Wie erleben Sie das Miteinander der Religionen in Jerusalem?<br \/>\n<\/b>Da ist zum Beispiel unser Krankenhaus auf dem \u00d6lberg, das Auguste Victoria Hospital, mit seinem christlichen Chefarzt und vielen muslimischen \u00c4rzten und anderen Besch\u00e4ftigten. Die arbeiten ganz selbstverst\u00e4ndlich mit dem israelischen Hadassah-Krankenhaus zusammen, in dem ebenfalls muslimische aber vor allemnat\u00fcrlich j\u00fcdische \u00c4rzte und Mitarbeiter t\u00e4tig sind. Bei uns in der Propstei ist es \u00e4hnlich: unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Christen verschiedener Konfessionen und Muslime. Eine unserer Mitarbeiterinnen ist in der T\u00fcrkei aufgewachsen, hat als Muslima dann sp\u00e4ter ein katholisches Internat in Deutschland besucht und nun ist sie mit einem j\u00fcdischen Israeli verheiratet und arbeitet f\u00fcr die evangelische Gemeinde. Es gibt ein allt\u00e4gliches Miteinander auf vielen Ebenen, es gibt aber vor allem auch ein schiedlich- friedliches Nebeneinander. Allein die Stadtteile und die verschiedenen Quartiere in Jerusalem sind ja zumeist nach Religionen getrennt. Ostjerusalem ist mehrheitlich muslimisch, der Westen j\u00fcdisch. Die Christen sind dazwischen ein wenig verstreut, mit einem Schwerpunkt ihrer Kirchen in der Altstadt von Jerusalem.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\"><span lang=\"de-DE\"><b>Und wie erleben Sie das Gegeneinander der Religionen in Jerusalem?<br \/>\n<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">Auch hier ein paar Beispiele: wenn ich in meinem Lutherrock, meinem offiziellen Gewand, und mit dem Propstkreuz auf der Brust zu offiziellen Anl\u00e4ssen unterwegs bin, passiert es mir immer wieder, dass ultraorthodoxe Juden, die mir entgegen kommen, demonstrativ vor mir ausspucken. Das Kreuz ist f\u00fcr Sie ein G\u00f6tzensymbol, das sie verabscheuen. Auch gibt es in den letzten Monaten und Jahren vermehrt Auseinandersetzungen auf dem <\/span><em><span lang=\"de-DE\">al<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">&#8211;<\/span><em><span lang=\"de-DE\">haram<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> asch-<\/span><em><span lang=\"de-DE\">scharif<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">, dem urspr\u00fcnglichen Tempelplatz, auf dem heute der Felsendom und die Al Aqsa Moschee stehen. Gruppen aus dem j\u00fcdisch-nationalreligi\u00f6sen Spektrum besuchen unter Polizeischutz dieses muslimische Areal. Der jordanische K\u00f6nig ist offiziell der H\u00fcter der christlichen und muslimischen St\u00e4tten Jerusalems. Eine wachsende Zahl von Juden m\u00f6chte gerne an der Stelle des Felsendoms den dritten j\u00fcdischen Tempel errichten. Und so ist jeder Besuch der entsprechenden Gruppierungen auf dem <\/span><em><span lang=\"de-DE\">al<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">&#8211;<\/span><em><span lang=\"de-DE\">haram<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> asch-<\/span><em><span lang=\"de-DE\">scharif <\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">eine Provokation f\u00fcr die Muslime, die mit Steinw\u00fcrfen und gewaltsamen Protesten reagieren. Von unserer Terrasse aus k\u00f6nnen wir fast w\u00f6chentlich die Tr\u00e4nengasgranaten h\u00f6ren, wenn israelische Polizisten und Soldaten gegen die Proteste der Pal\u00e4stinenser vorgehen. Wir erleben auch, wenn diese vom Besuch der Al Aqsa Moschee durch die israelische Polizei zur\u00fcckgehalten werden und vor den Stra\u00dfensperren ihre Gebetsteppiche ausrollen um in Richtung ihres Heiligtums zu beten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><b>Hat das Christentum eine vermittelnde Sonderstellung in Israel?<br \/>\n<\/b>Die Christen haben Anteil an der politischen Konfliktlage, wie alle anderen Einwohner dieses Landes. Im Gegenteil, manches ist f\u00fcr sie schwieriger, denn die meisten von ihnen sind ja arabischer Abstammung und damit den Muslimen geschichtlich und sozial eng verbunden. Aus j\u00fcdisch israelischer Sicht geh\u00f6ren sie zu den 20% Arabern im Land, aus Sicht der Muslime werden sie wiederum oft mit den Interessen des Westens identifiziert. Auf pal\u00e4stinensischer Seite nehmen die Christen immer weiter ab. Sie sind die Besatzung durch Israel, die schwierige wirtschaftliche Lage und die Minderheitenposition unter den Muslimen Leid und viele nutzen ihre gute Bildung und die guten Kontakte in den Westen zur Auswanderung.<\/p>\n<p class=\"western\"><b>Wo erkennen Sie hoffnungsvolle Ans\u00e4tze\/Projekte in Israel\/Pal\u00e4stina?<br \/>\n<\/b>Im Augenblick gibt es leider wenig solcher Ans\u00e4tze! Es gibt eine ganze Menge kleiner Projekte in Israel und Pal\u00e4stina, die sich um Menschenrechte, Vers\u00f6hnung und Verst\u00e4ndigung bem\u00fchen, aber alle haben wenig politischen Einfluss. Trotzdem verdienen sie jede Unterst\u00fctzung, denn sie halten die Hoffnung wach. Die Friedensinitiative der Arabischen Liga von 2002 ist ein Ansatz, der in letzter Zeit wieder aufgegriffen wird. Das k\u00f6nnte ein Schritt sein, der Zukunft hat. Es kann nur gemeinsam gehen und in einem internationalen Rahmen.<\/p>\n<p class=\"western\"><b>Wie kann die evangelische Erl\u00f6serkirche auf die Konflikte der j\u00fcngsten kriegerischen Auseinandersetzung reagieren?<br \/>\n<\/b>Wir haben Spenden nach Gaza gebracht. Das war eine konkrete Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Arbeit des CVJM mit traumatisierten Kindern. Wir haben Friedensgebete gehalten. Wir versuchen differenzierte Sichtweisen zu vermitteln. Mehr ist nicht m\u00f6glich. Bei den Konfliktparteien sind wir nicht gefragt. H\u00f6chstens als bedingungslose Unterst\u00fctzer f\u00fcr die eine oder die andere Seite. Aber damit wird man nicht der Situation gerecht.<\/p>\n<p class=\"western\"><b>L\u00e4sst sich etwas zum Verh\u00e4ltnis von christlichen und muslimischen Pal\u00e4stinensern sagen?<br \/>\n<\/b>Sie teilen das gleiche Schicksal: der Verlust ihrer H\u00e4user und D\u00f6rfer 1948, Leben unter israelischer Besatzung seit 1967, schwierige wirtschaftliche Lebensbedingungen. 2008 sagten 33% der Christen, die nach ihrer Selbstdefinition gefragt wurden sie seien zuerst \u201ePal\u00e4stinenser\u201c, 25% sie seien zuerst\u201eAraber\u201c und 21 % verstanden sich an erster Stelle als Christen. Aber viele Christen f\u00fchlen sich heute durch das erstarkte muslimische Selbstbewusstsein an den Rand gedr\u00e4ngt. Die Lebenswelten von Christen und Muslimen sind meist stark getrennt, au\u00dfer z.B in den christlichen Schulen, die da eine wichtige Arbeit leisten. Dass die muslimischen M\u00e4dchen in christlichen Schulen kein Kopftuch tragen, wird von fanatischen Muslimen in j\u00fcngster Zeit verst\u00e4rkt angefeindet.<br \/>\n3.12.2014<br \/>\nDas Interview f\u00fchrte Pfarrer J\u00f6rg Wegner von der<a title=\"Auferstehung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirchen\/auferstehung\/\"> ev. Auferstehungsgemeinde<\/a>\u00a0in Freiburg-Littenweiler<\/p>\n<p>Wolfgang Schmidt, Propst<br \/>\nChurch of the Redeemer, Muristan Road, Old City,<br \/>\n<span lang=\"de-DE\">P.O.B. 14076, Jerusalem 911<\/span>40, Tel. +972 2 6266 800<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Israel zerst\u00f6rt die H\u00e4user der Attent\u00e4ter &#8211; Sippenhaft<\/strong><br \/>\nAuge um Auge, Zahn um Zahn \u2013 so stand es schon im Alten Testament, und die israelische Regierung h\u00e4lt sich daran. Sie zerst\u00f6rt die H\u00e4user, aus denen die Attent\u00e4ter stammen, und nehmen so seine Familie in Sippenhaft. Wann h\u00f6rt der Irrsinn auf? Die israelische Regierung mag kurzfristig Erfolge mit der Ma\u00dfnahme haben, aber die pal\u00e4stinensischen Jugendlichen, deren Elternh\u00e4user zerst\u00f6rt wurden \u2013 sie werden die ersten K\u00e4mpfer oder schlimmer noch zu Selbstmordattent\u00e4tern werden, die die Hamas rekrutieren kann. Die Spirale der Gewalt nimmt kein Ende. Wann werden die Europ\u00e4ische Union und Amerika t\u00e4tig, um Druck auf die israelische Regierung auszu\u00fcben, n\u00f6tigenfalls mit Sanktionen, um Israel und die Pal\u00e4stinenser wieder an den Verhandlungstisch zu bringen? Mit den Methoden des Alten Testamentes wird kein Frieden geschaffen.<br \/>\n3.12.2014, Hans-Peter Lenzen, Offenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Konflikt zwischen Israel und Pal\u00e4stina (Westbanks, Gaza) droht\u00a0ein Religionskrieg zwischen Muslimen und Juden. 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