{"id":51620,"date":"2014-11-27T09:52:39","date_gmt":"2014-11-27T08:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=51620"},"modified":"2024-04-23T14:08:31","modified_gmt":"2024-04-23T12:08:31","slug":"bomben-auf-freiburg-27-11-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bomben-auf-freiburg-27-11-44\/","title":{"rendered":"Bomben auf Freiburg 27.11.44"},"content":{"rendered":"<p>Am 27. November 2014, also vor 70 Jahren, wurde <a title=\"Freiburg1944\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/freiburg1944\/\">Freiburgs Altstadt bombardiert<\/a>. Zwischen 19.48 und 20.21 Uhr wurden 150300 Bomben\u00a0abgeworfen und lie\u00dfen 2797 Tote, 9600 Verletzte und 11000 Obdachlose zur\u00fcck. 4\/5 der Altstadt wurden zerst\u00f6rt.\u00a0Informationen zum <a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">furchtbaren Geschehen<\/a> liefert das von\u00a0<a title=\"Freiburg 1944-2014 Hilfsgesuch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freiburg-1944-2014-hilfsgesuch\/\">Carola Schark<\/a>\u00a0im Herbst 2014 vorgelegte <a title=\"Buch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/buch\/\">Gedenkbuch<\/a> &#8222;Dem Vergessen entrei\u00dfen&#8220;, in dem sie die Schicksale der Bombardierten recherchiert.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gedenkbuch von Carola Schark zum 27.11.2014<br \/>\n<\/strong>Der Unterschied zwischen einem ersten Gedenkbuch von 1954 und Scharks Arbeit &#8222;Dem Vergessen entrei\u00dfen&#8220;: W\u00e4hrend 1954 die Namen der Opfer &#8222;nur&#8220; aufgelistet wurden, hat die 49-J\u00e4hrige nun versucht, die Schicksale hinter den Namen zu recherchieren und zu erz\u00e4hlen. Daf\u00fcr griff sie auf Dokumente im Stadt- und BZ-Archiv zur\u00fcck und rief in den Medien Zeitzeuginnen und Zeitzeugen dazu auf, ihr ihre Erlebnisse zu erz\u00e4hlen. &#8230;\u00a0 Die Opfergeschichten werden durch lesenswerte Aufs\u00e4tze zum Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln erg\u00e4nzt. Autoren sind Andreas Meckel, die f\u00fcr den M\u00fcnsterbauverein arbeitende Kunsthistorikerin Heike Mittmann, BZ-Autor Manfred Gallo und der mittlerweile verstorbene Bernhard Adler. Auch Carola Schark hat drei Beitr\u00e4ge verfasst. &#8230;.<br \/>\nMehr\u00a0 vom 4.11.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/praegend-verstoerend-zerstoerend--94063017.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/praegend-verstoerend-zerstoerend&#8211;94063017.html<\/a><\/p>\n<p>Carola Schark, Andreas Meckel, Heike Mittmann und andere: &#8222;Dem Vergessen entrei\u00dfen&#8220;.<br \/>\nRombach-Verlag, Freiburg 2014, 310 Seiten, 29,90 Euro (auch erh\u00e4ltlich in der BZ-Gesch\u00e4ftsstelle am Bertoldsbrunnen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf Zeitzeugen:<\/strong><\/p>\n<p><em><span class=\"ngBold\">Anita Stoll sah als 17-J\u00e4hrige den Angriff auf Freiburg von Todtnauberg aus. Noch heute hat die 88-J\u00e4hrige diese Bilder ganz klar vor Augen und in ihrem Ged\u00e4chtnis:<\/span><\/em><br \/>\n&#8222;Am 27. November 1944 fuhr meine Mutter nach Freiburg, um meinen vermissten Vater zu suchen. Am Abend kam meine Freundin atemlos angerannt und rief: &#8222;Der Himmel \u00fcber Freiburg ist feuerrot, ich glaube jetzt bombardieren sie die Stadt.&#8220; Wir liefen auf einen H\u00fcgel vor dem Bauernhaus, wo pausenlos Flugzeuge in niedriger H\u00f6he \u00fcber uns flogen. Wir hatten furchtbare Angst, meine Gro\u00dfmutter z\u00fcndete Kerzen an. Meine Mutter wurde am Bahnhof von einem Soldaten aus den Tr\u00fcmmern gerettet. Sie lief \u00fcber den Schauinsland in Etappen m\u00fchsam nach Todtnauberg. Zwei Tage lang habe ich nicht gewusst, ob sie noch lebt und mein Vater hatte sie auch nicht gefunden. Meine Mutter hat nicht gesprochen und immer wieder geweint.&#8220;<\/p>\n<p><em><span class=\"ngBold\">Der Freiburger Bernhard Leupolz lag damals als Kind nach einer Operation in der Uni-Klinik. Die Bombennacht geh\u00f6rt zu den schlimmsten Erlebnissen seines Lebens:<br \/>\n<\/span><\/em>&#8222;Als es krachte, bin ich aufgewacht. Das gesamte Fenster fiel ins Krankenzimmer. Ich wusste nicht, was los ist, stand auf, suchte den Weg in den Luftschutzkeller. Das Licht war ausgefallen. Es kamen immer mehr schreiende Kinder, jeder war auf sich gestellt. Am Morgen wurden wir notversorgt. Die Stations\u00e4rztin zog mir mit brennender Zigarette die F\u00e4den und machte mir einen festen Verband auf die Wunde. Ich dachte: Wo steckt meine Mutter mit den zwei Br\u00fcdern? Stundenlang suchten sie mich in der Klinik. Gegen Mittag kamen sie, ganz schmutzig im Gesicht und den Kleidern. Sie hatten nur einen kleinen Koffer und ein zusammengebundenes Leintuch. Wir wurden total ausgebombt.&#8220;<\/p>\n<p><em><span class=\"ngBold\">Freia Hermann, 1929 in Freiburg geboren, musste mit einer Stablampe einen gro\u00dfen Bombenkrater an der Ecke Sternwald-\/Zasiusstra\u00dfe bewachen:<\/span><\/em><br \/>\n&#8220; Die Leute kamen barfu\u00df, die Kinder auf dem Arm,im Nachthemd auf der Flucht Richtung H\u00f6llental. Es war sehr m\u00fchsam, alle daran zu hindern, in das Loch zu fallen. Ein anfahrendes Auto mit Offizier, von mir angehalten, hat dann Hilfe gebracht. Das Viertel wurde evakuiert ins Forstamt Wendlingen. Die noch intakte Bombe, vor der ich dien halbe Nacht gestanden hatte, wurde entsch\u00e4rft, und ich freut mich auf ein Schl\u00e4fchen im Keller.&#8220;<\/p>\n<div id=\"beacon_7de2421823\">\n<p><em><span class=\"ngBold\">J\u00fcrgen Bross erlebte die Bombennacht als Sechsj\u00e4hriger \u2013 und zwar in einem Luftschutzkeller in Freiburg:<\/span><\/em><br \/>\n&#8222;Unsere Mutter wollte uns ins Bett bringen. Da jaulten Sirenen auf, dr\u00f6hnten markersch\u00fctternd: Fliegeralarm! In den Keller! Die Treppe hinunter. Das Licht zitterte. Von drau\u00dfen ein tiefes Brummen, Krachen, wie wenn Gasflaschen aufeinander schlagen. Wo ist Mutti? Sie kommt mit meinen zwei kleinen Br\u00fcdern und dem Kellerkoffer. Im Keller waren einige Hausbewohner. Endlich kam auch Oma Theres vom Hinterhaus. Oben heulte und krachte es. Das war &#8222;der Angriff&#8220;! Oma und Mama beteten. Heilige Maria&#8230;! Waren das die Flieger, von denen ich gestern am blauen Herbsthimmel einen gesehen hatte, geduckt aus meinem Terrassenversteck? Dann eine Riesendetonation. Jetzt hat&#8217;s eingeschlagen. Glas splittert die Kellertreppe herunter. Staub. Husten. Alles dunkel. Jesus, Maria. Das Haus h\u00e4lt. Es st\u00fcrzt nichts ein.&#8220;<\/p>\n<p><em><span class=\"ngBold\">Pfarrer Willi Gall\u00e9 aus Kirchzarten suchte im ausgebombten Freiburg seine 18-j\u00e4hrige Tochter Elfriede. In einem Brief berichtete er am 29.11. 1944 seinen Eltern in Mannheim davon:<\/span><\/em><br \/>\n&#8222;Es war Elfriedes erster Tag im Kriegshilfsdienst-Einsatz in Freiburg im Diakonissenhaus. Kaum eine halbe Stunde dauerte der Angriff \u2013 ein schaurig-sch\u00f6nes Schauspiel. Rote und gr\u00fcne Raketen und mitten drin Sternfeuer, wie bei einem Feuerwerk. Dann bricht die H\u00f6lle \u00fcber unserer Stadt los. Und mitten drin unser Kind. Mein Entschluss war gefasst: Ich gehe nach Freiburg und suche Elfriede. Der im Schwarzwald zur\u00fcckgehaltene 19-Uhr-Zug kam nach 21 Uhr und brachte mich bis in die Wiehre. Und nun h\u00f6rt: 3,5 Stunden habe ich einen Weg durchs Stadtzentrum nach Norden gesucht. Nirgends war ein Durchgang durch die Feuersbr\u00fcnste m\u00f6glich. Immer musste ich umkehren. Brand, Funkenflug, Staub, bei\u00dfender Qualm, Schuttberge, st\u00fcrzende Mauern. Die Hauptpost brennt. Das Telegraphenamt ist ein Schutthaufen, die Beamtinnen liegen darunter. Das Diakonissenhaus steht! Um zwei Uhr fand ich Elfriede. Sie hatte im Keller des Schwesternhauses die grausige halbe Stunde erlebt.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erinnerungen an die Bombennacht: &#8222;Wie wir in den Keller gest\u00fcrzt sind&#8230;&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><em>70 Jahre nach dem schweren Luftangriff sind am 27. November 1944\u00a0wohl bei vielen Freiburgerinnen und Freiburgern die Gedanken in jene Nacht gegangen. Eva Schneider-Borgmann hat 70 Jahre nach der Bombennacht aufgeschrieben, wie sie als Siebenj\u00e4hrige die Bombennacht und die Zeit danach erlebt hat.<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Heute vor 70 Jahren war der Luftangriff auf Freiburg. Wir, die vier Geschwister und die Eltern Borgmann, haben ihn im Luftschutzkeller in der Draisstra\u00dfe im St\u00fchlinger erlebt. Wir erinnern uns:<br \/>\nWie beim Voralarm die Eltern die &#8222;Kleinen&#8220; aus den Betten gerissen haben;<br \/>\nWie wir in den Keller gest\u00fcrzt sind;<br \/>\nWie dort schon Orths und Reimuths, die Hausbesitzer, waren, sie lagen teilweise in den Feldbetten;<br \/>\nWie Frau Reimuth, sie war schwanger, unentwegt st\u00f6hnte;<br \/>\nWie wir dann alle auf dem Boden lagen;<br \/>\nWie der Vater, der gottlob \u2013 wie w\u00e4re es ohne ihn weitergegangen? \u2013 wegen einer Anfang der Woche in der Stra\u00dfe gefallenen Bombe auf Heimaturlaub von der Front in der Normandie war, die kleine Margrit, erst zwei Jahre alt, kniend zwischen den Knien hielt;<br \/>\nWie wir alle beteten;<br \/>\nWie die schweren Propellermaschinen dr\u00f6hnten;<br \/>\nWie es zuerst pfiff und dann krachte, als die Bomben einschlugen;<br \/>\nWie der L\u00e4rm nicht enden wollte;<br \/>\nWie der Himmel, als wir in die Waschk\u00fcche zur Toilette gingen, glut-, blutrot durchs Fenster zu sehen war;<br \/>\nWie wir, als gegen 20.20 Uhr alles vor\u00fcber zu sein schien, erschrocken ins Treppenhaus gingen;<br \/>\nWie dieses von Schutt \u00fcbers\u00e4t war;<br \/>\nWie die Eltern einige Sachen zusammenpackten;<br \/>\nWie sie die Fahrr\u00e4der aus der Garage holten;<br \/>\nWie sie uns, die Gro\u00dfen, beim Vater, die Kleinen bei der Mutter vorne und hinten auf die R\u00e4der setzten;<br \/>\nWie sie an den Lenkstangen Taschen hatten;<br \/>\nWie sie in der Dunkelheit den Weg suchten nach S\u00fcden in Richtung Sch\u00f6nbergstra\u00dfe, wo unser Dienstm\u00e4dchen wohnte, in der Hoffnung, dass deren Haus vielleicht verschont war;<br \/>\nWie wir an Bombentrichtern vorbei kamen;<br \/>\nWie die Stra\u00dfen voll lagen von Tr\u00fcmmern und Elektroleitungen;<br \/>\nWie sie schlie\u00dflich in die Sch\u00f6nbergstra\u00dfe kamen, wo tats\u00e4chlich nichts zerst\u00f6rt war;<br \/>\nWie wir dort auf dem Boden bei der Familie des Pflichtjahrm\u00e4dchens endlich schlafen konnten;<br \/>\nWie die Eltern mit uns auf den R\u00e4dern am n\u00e4chsten Morgen Richtung Stegen zum Kloster der Herz-Jesu-Priester aufbrachen;<br \/>\nWie sie mit uns durch die brennende Stadt liefen, an Fahren war nicht zu denken, erst nach Ebnet;<br \/>\nWie wir durch die Kart\u00e4userstra\u00dfe kamen;<br \/>\nWie dort und an anderen Stellen die Leute verzweifelt versuchten, ihre brennenden H\u00e4user zu l\u00f6schen;<br \/>\nWie wir schlie\u00dflich, wir Kinder ganz ver\u00e4ngstigt, in Stegen ankamen;<br \/>\nWie wir dort in Stegen im Waisenhaus, das im Schloss, aus Westfalen evakuiert, untergebracht war, Unterschlupf fanden;<br \/>\nWie unsere Mutter im Br\u00fcderhaus ein Zimmer fand, das sie mit Freundinnen, J\u00fcdinnen, vom Pater Rektor Middendorf dort versteckt, teilte;<br \/>\nWie wir aber auch dankbar daf\u00fcr waren, dass die Eltern Kontakt zum Herz-Jesu-Orden, bei dem unser Vater Abitur gemacht und studiert hatte, gehalten hatten, sodass wir und die j\u00fcdischen Familien dort unterkommen konnten;<br \/>\nWie wir dauernd Heimweh hatten und unsere Mutter nur selten sehen durften;<br \/>\nWie wir h\u00f6rten, dass immer wieder Bomben auf Freiburg fielen;<br \/>\nWie wir erfuhren, dass unsere Mutter dennoch regelm\u00e4\u00dfig per Fahrrad nach Freiburg fuhr, um Lebensmittel zu organisieren und weitere Besorgungen f\u00fcr das Kloster zu machen;<br \/>\nWie wir schlie\u00dflich dort das Kriegsende erlebten, als franz\u00f6sische Panzer in den Klosterhof rollten und uns Kinder mit Schokolade beschenkten.<br \/>\nDies alles hat mich heute Nacht fast nicht zur Ruhe kommen lassen.&#8220;<br \/>\n27.11.2014, Eva Schneider-Borgmann<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>An der Bombardierung Freiburgs sind die Deutschen Schuld<\/strong><\/p>\n<p>Am 27. November 1944 war der Krieg f\u00fcr Deutschland bereits total verloren. Noch nicht einmal eine Chance auf einen Verhandlungsfrieden bestand mehr. Das war jedem Milit\u00e4r, jedem Politiker und den meisten B\u00fcrgern klar. Dennoch hat niemand kapituliert oder sich gegen diese Politik erhoben.<br \/>\nAdolf Hitler hat eine wirksame Verteidigungswaffe gegen die alliierten Bomber n\u00e4mlich den ersten D\u00fcsenj\u00e4ger ME 262 nicht produzieren lassen, weil er ihn zu einem Schnellbomber umbauen wollte. Ihm lag somit mehr an einer Bombardierung Gro\u00dfbritanniens als an einem wirksamen Schutz der eigenen Bev\u00f6lkerung vor Luftangriffen. Auch die Strategie britische Bomberverb\u00e4nde bereits \u00fcber der Nordsee zu attackieren, wo sie sich gruppierten und folglich ziemlich schutzlos waren, hat Hitler abgelehnt. Abgeschossene Flugzeuge w\u00e4ren dann in&#8217;s Meer gest\u00fcrzt und h\u00e4tten der deutschen Bev\u00f6lkerung nicht als Abwehrerfolge pr\u00e4sentiert werden k\u00f6nnen. Propaganda ging dem Regime \u00fcber den Schutz der Bev\u00f6lkerung. Deutschland opferte seine B\u00fcrger freiwillig.<br \/>\nDas Dritte Reich bombardierte seinerseits Gro\u00dfbritannien mit V 1 und V 2 Waffen. Dies unter lautem Beifall der Bev\u00f6lkerung, die sehr gerne in Kauf nahm, dass als Vergeltung auch britische Zivilisten get\u00f6tet wurden. Auch um das tragische Los der in Deutschland Entrechteten scherte sich der deutsche Durchschnittsb\u00fcrger einen Dreck. Er emp\u00f6rte sich nur dann, wenn die Alliierten ihm das gleiche Schicksal aufb\u00fcrdeten, und \u00fcbte mittels Lynchjustiz Vergeltung an abgeschossenen und gefangen genommenen Piloten.<br \/>\nDie deutschen Truppen verteidigten im Winter 1944\/45 im Elsass einen Br\u00fcckenkopf der von Schlettstadt bis etwa M\u00fclhausen reichte. Die einzigen Bahnverbindungen zur Versorgung der Truppen f\u00fchrten \u00fcber Neuenburg und Breisach. Die Breisacher Bahn wiederum m\u00fcndet mitten im bombardierten Gebiet in die Rheintalstrecke. Auch die H\u00f6llentalbahn war unter der Kriegslage Ende 1944 eine Hauptverbindung f\u00fcr Nachschub aus dem Hinterland an die els\u00e4ssische Front. Sie wurde auch rege genutzt. Schlie\u00dflich wurde im Bahnhof von <a title=\"Littenweiler\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/littenweiler\/\">Littenweiler<\/a> ein Munitionszug durch Bomben zur Explosion gebracht.<br \/>\nDas Bild der BZ von der Kaiser-Joseph-Stra\u00dfe zeigt das zerst\u00f6rte Kaufhaus Knopf. Dieses Kaufhaus war fr\u00fcher in j\u00fcdischem Besitz gewesen, und wurde von Ariseuren unter anderem der Sparkasse den rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmern gestohlen. Mit Sicherheit sind das nicht die einzigen gestohlenen Geb\u00e4ude, die danach den Bomben zum Opfer fielen. K\u00f6nnen sich die Diebe ernsthaft als Opfer des Bombenkrieges gerieren?<br \/>\nAm 27. November 1944 war noch kaum ein Vernichtungslager der SS befreit worden. Laut FAZ hat an diesem Tage Himmler die Zerst\u00f6rung der Gaskammern und Krematorien von Auschwitz befohlen, um die Beweise des Massenmordes zu beseitigen. Deutsche Soldaten verteidigten an diesem Tage aber immer noch zahllose Gaskammern, damit dort das T\u00f6tungswerk fortgef\u00fchrt werden konnte. H\u00e4tte es die Bombenangriffe nicht gegeben h\u00e4tte dies Kapazit\u00e4ten der deutschen Industrie freigesetzt, die nicht f\u00fcr die Wiederinbetriebnahme bombardierter Anlagen und den Bau von Flakkanonen ben\u00f6tigt worden w\u00e4ren. Mit ihnen h\u00e4tte man die Verteidigung von Auschwitz vor seinen Befreiern sicherlich noch effektiver unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Zerst\u00f6rungen in Freiburg sind auch deshalb so schmerzlich, weil vieles was besch\u00e4digt war, nicht wieder rekonstruiert sondern abgerissen wurde. W\u00e4hrend zu fr\u00fcheren Kriegszeiten die zerst\u00f6rten St\u00e4dte wieder mit sch\u00f6nen Bauten des Barock oder auch des Art Deko errichtet wurden, haben wir in Deutschland und auch in Freiburg unsere St\u00e4dte nach dem Krieg mit dem h\u00e4sslichsten verschandelt, was Architekten sich ausdenken konnten. Zuletzt h\u00e4tte es beim Freiburger Hof s\u00fcdlich des Martinstores die Chance gegeben, ein kriegsversehrtes aber stadtbildpr\u00e4gendes Haus wieder zu reparieren. Man hat sich f\u00fcr ein nichtssagendes modernes Dach entschieden. Insgesamt ist weit mehr alte Bausubstanz dem Modernisierungswahn der Nachkriegszeit zum Opfer gefallen als den alliierten Bomben.<br \/>\nIch glaube daher nicht, dass wir Deutsche auch nur den geringsten Grund haben, mit dem Finger auf Gro\u00dfbritannien und die USA zu zeigen.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nDas Problem eines Krieges zwischen Nationen ist, dass die Nation keinen Unterschied macht, ob man f\u00fcr das jeweilige Regime oder dagegen gar verfolgt von ihm ist. Man ist dennoch Mitglied und Teil der Schicksalsgemeinschaft, die sich f\u00fcr einen Kampf mit einer anderen Nation entschieden hat. Daher muss man sich als B\u00fcrger Kriegseinwirkungen gefallen lassen, auch wenn man selbst gerne Frieden schlie\u00dfen w\u00fcrde. Es geht mir auch nicht so sehr um die Sinnhaftigkeit der n\u00e4chtlichen Fl\u00e4chenbombardements. Es geht mir darum, klar zu stellen, dass die Verantwortung daf\u00fcr bei der deutschen F\u00fchrung zu suchen war. Sie hat einen l\u00e4ngst verlorenen Krieg fortgesetzt und dabei nicht nur die Zerst\u00f6rung fast aller deutschen Gro\u00dfst\u00e4dte in Kauf genommen, sondern auch mehr als die H\u00e4lfte aller deutschen im Krieg gefallenen Soldaten geopfert. Dass auch die Judenvernichtung erst zu einem Zeitpunkt richtig zum Laufen kam, als der Krieg bereits verloren war, ist nur ein weiterer Aspekt dieses unbedingten Vernichtungswillens den die Nazis \u00fcber Deutschland gebracht haben, und dem schlussendlich Verfolgte, Gegner aber auch die Anh\u00e4nger und Mitl\u00e4ufer des Regimes zum Opfer gefallen sind. Und h\u00e4tte es nicht ein paar Offiziere und Nazif\u00fchrer mit Restverstand gegeben, so h\u00e4tte der Befehl Hitlers, die Lebensgrundlagen des deutschen Volkes vollst\u00e4ndig zu zerst\u00f6ren, noch viel unermesslicheres Unheil an den Deutschen angerichtet.<br \/>\nDiese unbeschreiblichen Untaten, die sich gegen alle Menschen im Herrschaftsbereich der Nazis richteten einfach wegzuschieben, und die Schuld bei den Alliierten abzuladen, ist in Wahrheit eine ungeheuerliche Leugnung der Naziverbrechen.<br \/>\nDass neben diesen \u00dcberlegungen auch Kritik am Bombenkrieg der Alliierten zul\u00e4ssig ist, und man sich die Frage stellen darf und muss, was f\u00fcr einen Sinn diese Angriffe letztendlich hatten, ist v\u00f6llig legitim, solange diese Frage nicht unter der Pr\u00e4misse gestellt wird, den Alliierten Kriegsverbrechen zu unterstellen, und sie auf eine Verbrecherstufe mit dem Hitlerregime zu heben. Der Bombenkrieg war schlussendlich nicht erfolgreich. Er hat das Volk eher hinter seinen Hitler geeint, statt die gew\u00fcnschte Spaltung zu erreichen. Die R\u00fcstungsproduktion konnte nicht dauerhaft zerst\u00f6rt sondern nur behindert werden. Vielleicht h\u00e4tten andere Ma\u00dfnahmen wie eine klare Zukunftsgarantie f\u00fcr Deutschland nach einem verlorenen Krieg mehr bewirkt, um den Schrecken vor dem totalen Zusammenbruch durch eine Revolte gegen das Regime zu beenden.<br \/>\nAber hinterher ist man immer kl\u00fcger. Hinterher haben auch viele Deutsche erkannt, wohin dieser Rassenwahn gef\u00fchrt hat. Hinterher sollten wir aber mindestens dar\u00fcber Einigkeit erzielen, dass Rechtsextremisten immer und \u00fcberall ein furchtbares \u00dcbel sind, denen es nicht nur um die Ausrottung des Feindes sondern immer um die Vernichtung aller Menschen geht. Leider k\u00f6nnen wir selbst \u00fcber diese Erkenntnis keine Einigkeit erreichen.<br \/>\n&#8230;&#8230;<br \/>\nZum einen gibt es im Kriegsrecht keinen absoluten Schutz einer Bev\u00f6lkerung . Es gibt nur einen relativen Schutz, der je nach den Umst\u00e4nden gr\u00f6\u00dfer oder geringer sein kann. Befinden sich in einer Stadt R\u00fcstungsbetriebe in der Innenstadt wie in Coventry, ist der Schutz der in direkter Nachbarschaft lebenden Zivilisten faktisch nicht vorhanden, weil diese R\u00fcstungsbetriebe ein legitimes Kriegsziel darstellen. Auch die dort besch\u00e4ftigten Arbeiter kann man als indirekte Kombattanten ansehen, die aktiv bek\u00e4mpft werden d\u00fcrfen. Damit verlieren auch deren Familien faktisch jeden Schutz, wenn sie sich weiterhin in den Arbeitersiedlungen aufhalten. Diese Rechtsauslegung hat das Deutsche Reich durch seinen Bombenangriff geschaffen. Es konnte sich daher nicht dagegen verwahren, wenn Gro\u00dfbritannien die Regeln in gleicher Weise auslegte.<br \/>\nWenn ein Staat selbst massive Kriegsverbrechen vornimmt, und wie Deutschland aus besetzten Gebieten verschleppte Menschen massenhaft mordet, ergibt sich daraus f\u00fcr den Kriegsgegner eine viel dringlichere Notwendigkeit den Krieg so schnell als m\u00f6glich siegreich und mit der totalen Besetzung des Feindeslandes zu beenden, als wenn die andere Kriegspartei den Schutz der Bev\u00f6lkerung in den besetzten Gebieten peinlich beachtet, und somit kein schnellstm\u00f6gliche Beendigung von Kriegsverbrechen notwendig ist. Im ersten Fall halte ich fast jede Ma\u00dfnahme f\u00fcr gerechtfertigt, die die Chance f\u00fcr einen schnelleren Sieg birgt, als im zweiten Fall, wo der Schutz von Zivilisten einen weitaus h\u00f6heren Stellenwert genie\u00dfen kann.<br \/>\nAuch die Area Bombing Directive ist kein statischer Befehl, sondern der Beginn einer strategischen Bombardierung, bei der Anfang 1942 noch \u00fcberhaupt nicht klar war, welche M\u00f6glichkeiten sich im Laufe des Krieges daraus ergeben w\u00fcrden. Weder hatte die Royal Air Force damals ausreichend Maschinen, um gr\u00f6\u00dfere Luftangriffe auszu\u00fcben, noch waren die technischen Unterst\u00fctzungen, um Ziele sicher anfliegen zu k\u00f6nnen, entwickelt worden. Ganz zu schweigen davon, dass man die sp\u00e4ter erworbenen F\u00e4higkeiten, ganze St\u00e4dte mit Bombenteppichen anz\u00fcnden zu k\u00f6nnen, zu dem Zeitpunkt noch gar nicht hatte. Die Area Bombing Directive bezog sich am Anfang nur auf die Legitimation Industriearbeiter angreifen zu d\u00fcrfen, was eine logische Folge des bereits im 1. Weltkrieg begonnenen Abnutzungskrieges war. Dieser wurde nicht mehr durch siegreiche Schlachten gewonnen, sondern durch den fortw\u00e4hrenden Nachschub an R\u00fcstungsmaterial , mit dem der Feind nach und nach zu Tode geschossen wurde. Bei solch einer Strategie ist der R\u00fcstungsbetrieb ein viel wichtigeres Kriegsziel als die Zerst\u00f6rung der einzelnen Kanone auf dem Feld, die der Betrieb herstellt.<br \/>\nDa sich auch der Holocaust im Laufe des Krieges entwickelte, und immer abscheulichere Ausma\u00dfe annahm, hat sich meiner Ansicht nach das Recht der Alliierten den sich steigernden Massenmorden mit immer grausameren Angriffen entgegen zu treten fortw\u00e4hrend erweitert. Wobei ich nat\u00fcrlich einr\u00e4ume, dass die Befreiung der Konzentrationslager nicht das Hauptkriegsziel der Alliierten gewesen ist.<br \/>\nUnd ganz zum Schluss, als die Konzentrationslager fast schon befreit waren, und die Befreiung nur noch von der Geschwindigkeit alliierter Panzer abhing, stellt sich auch f\u00fcr mich die Frage, ob die allerletzten Angriffe z. B auf Potsdam am 15.04.1945 noch irgendeinen milit\u00e4rischen Sinn hatten, oder ob es sich dabei nicht um Kriegsverbrechen gehandelt haben mag. Aber auch dabei darf man nicht vergessen, dass z. B. Anne Frank erst Anfang M\u00e4rz 1945 im KZ Bergen-Belsen gestorben ist. Das Lager wurde am 13. April befreit.<br \/>\n27.11.2014, Rainer Brombach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bomben auf Freiburg-Littenweiler vor 70 Jahren am 27.11.1944<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p>gel\u00f6scht 19.4.2024<br \/>\n&#8230; Alles vom 3.12.2014\u00a0 bitte lesen auf <a href=\"https:\/\/www.littenweiler-dorfblatt\/downloads\/lit1-15.pdf\">https:\/\/www.littenweiler-dorfblatt\/downloads\/lit1-15.pdf\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"beacon_7de2421823\">\n<p>Am 27. November 2014 j\u00e4hrte sich die Bombardierung Freiburgs zum 70. Mal. Innerhalb von 25 Minuten verloren 2.800<br \/>\nMenschen ihr Leben. 351 Bomber der Britischen Royal Air Force legten mit 20.0000 Sprengbomben, Luftminen, Brand- und Phosphorbomben die Stadt in Tr\u00fcmmer. Von Littenweiler aus sah der bekannte Autor Christoph Meckel, damals f\u00fcnf Jahre alt, das Inferno. \u201eDer Himmel ist rot gewesen, die Flammen flackerten, der Rauch zog \u00fcber die brennende<br \/>\nStadt\u201c, berichtet er j\u00fcngst bei der Buchvorstellung \u201eDem Vergessen entrei\u00dfen\u201c (Carola Schark, Rombach-Verlag).<br \/>\nAuch die damals achtj\u00e4hrige Ursula Dierstein-Emmerich erinnert sich: \u201e\u2026 der Gro\u00dfvater (Hermann Molz) nahm uns drei Kinder an die Hand, bis sich der Bunker (im Winkel) geleert hatte. Er wollte uns \u2026 vom nahe gelegenen Eichberg aus die Stadt zeigen. \u2026 In der Kurve der Eichbergstra\u00dfe angekommen, sahen wir Folgendes: Die in dunklem Rot leuchtende Kulisse der zerst\u00f6rten Stadt blendete uns und Gro\u00dfvater zeigte auf das M\u00fcnster, dessen Turm wie ein Finger herausragte. \u2026 Es kam mir vor, als schaute ich in eine H\u00f6lle. Ein Schock, keiner sprach, obwohl wir hier<br \/>\nnicht alleine standen. Viele Menschen kamen und schauten entsetzt auf die brennende Stadt; andere waren schon aus der Wiehre nach Osten gefl\u00fcchtet und suchten Unterkunft. Wir liefen bald mit Gro\u00dfvater nach Hause und kurz darauf kamen Freunde mit Kindern zu uns, deren Haus am M\u00fcnsterplatz, der Rappen, von Bomben getroffen war. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/littenweiler1945.htm\">www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/littenweiler1945.htm<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. November 2014, also vor 70 Jahren, wurde Freiburgs Altstadt bombardiert. Zwischen 19.48 und 20.21 Uhr wurden 150300 Bomben\u00a0abgeworfen und lie\u00dfen 2797 Tote, 9600 Verletzte und 11000 Obdachlose zur\u00fcck. 4\/5 der Altstadt wurden zerst\u00f6rt.\u00a0Informationen zum furchtbaren Geschehen liefert das &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bomben-auf-freiburg-27-11-44\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49,235],"tags":[520,337],"class_list":["post-51620","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-freiburg","category-geschichte","tag-frieden","tag-historie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51620","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51620"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51620\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122923,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51620\/revisions\/122923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51620"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51620"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}