{"id":50819,"date":"2014-09-26T18:53:02","date_gmt":"2014-09-26T16:53:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=50819"},"modified":"2016-05-30T08:47:05","modified_gmt":"2016-05-30T06:47:05","slug":"reproduktionsmedizin-genesis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/reproduktionsmedizin-genesis\/","title":{"rendered":"Reproduktionsmedizin Genesis"},"content":{"rendered":"<p>Die <a title=\"Kinderwunsch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/kinder\/kinderwunsch\/\">Reproduktionsmedizin<\/a> beendet die Genealogie und\u00a0l\u00f6st eine Revolution aus, derer wir erst allm\u00e4hlich gewahr werden: Die Selektion bei der Z\u00fcchtung von Milchk\u00fchen und Rennpferden wird auch beim Menschen gelingen. Der &#8222;<a title=\"Kinderlos\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/kinder\/kinderlos\/\">Geburtenfatalismus<\/a>&#8220; (Peter Sloterdijk) wird durch eine Zuchtwahl auf wiss. Basis ersetzt. Allein in D entstehen pro Jahr etwa 100000 <a title=\"Kinderwunsch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/kinder\/kinderwunsch\/\">Kinder<\/a> unklarer oder verborgener biologischer Herkunft. Die <a title=\"Medizin\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/gesund\/medizin\/\">Medizin<\/a> kann <a title=\"Baby\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/kinder\/baby\/\">Menschen<\/a> machen.<!--more--><\/p>\n<p>In Thailand ist eine Leihmutter schon f\u00fcr 10.000 Euro zu haben. Den Fertilit\u00e4tskliniken arbeiten junge M\u00e4nner zu, die einen florierenden Handel mit k\u00fcnstlich hergestellten Babys betreiben. So hat ein Japaner 15 Eizellen von Frauen aus Schweden mit seinem Samen befruchtet und von Thai-Leihm\u00fcttern austragen lassen.<\/p>\n<p>(1) Die Reproduktionsmedizin hat zwei Folgen:<br \/>\na) Die erste Folge ist die Eugenik. Wer Menschen machen kann, will sie optimal machen: ges\u00fcnder, sch\u00f6ner, gr\u00f6\u00dfer, h\u00fcbscher, intelligenter, schlanker, vollbusiger, lockiger, langlebigerer, stabiler, &#8230;\u00a0 Die Optimierungsvision wird zum Optimierungswahn.<br \/>\nb) Die zweite Folge ist die Aufhebung der Genealogie: Ahnentafeln, also das Abstammungssystem &#8222;Geschlecht&#8220;, wird es k\u00fcnftig nicht mehr geben.<\/p>\n<p>(2) Mit zunehmender Routine werden k\u00fcnstliche Befruchtungen in profitablen Reproduktionszentren zwar preiswerter, aber nicht umsonst. Dies f\u00fchrt zur weiteren Polarisierung in Reiche und Arme: Die gebildete Schicht bedient sich der optimierten Menschenherstellung, w\u00e4hrend sich das Volk auf althergebrachte Weise fortpflanzt.<\/p>\n<p>(3) Gegen die Reproduktionsmedizin gibt es kaum Proteste (<a title=\"Medizinethik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/gesund\/medizinethik\/\">Medizinethik)<\/a>, zumal sie nach Fortschritt aussieht und sowieso geschieht. Allenfalls altmodische Christen und Wertkonservative lehnen sich auf. So nennt die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff in ihrer Dresdner Rede die Reproduktionstechniken schlicht &#8222;abscheulich&#8220;, und &#8222;Mein Schicksal liegt in Gottes Hand und nicht in meinen H\u00e4nden.&#8220;\u00a0 Elisabeth Beck-Gernsheim\u00a0 in der FAZ: &#8222;Ob das schwule Paar aus Oslo, das im Labor eigenes Sperma mit den Eizellen einer Ukrainerin mixen und die Embryonen von einer indischen Leihutter austragen l\u00e4\u00dft &#8211; mit Hilfe der globalisierten Reproduktionsmedizin werden Weltb\u00fcrger in einem ganz neuen Sinne gezeugt. &#8230; D\u00fcrfen wir sie uns Wegbereiter einer friedlicheren Weltordnung vorstellen?&#8220; das d\u00fcrfen wir nat\u00fcrlich als moderne Gutmenschen.<\/p>\n<p>(4) J\u00e4hrlich gibt es \u00fcber 100000 durch Samenspende gezeugte Kinder, deren Recht auf Auskunft nach dem biologischen Vater nichts nutzt, da anonym gespendet wurde. Ist das schlimm f\u00fcr diese Kinder?<\/p>\n<p>(5) Eltern, Geschwister, &#8230; das ist den Kaninchen egal, Hauptsache Nachkommen. Es war eine der gr\u00f6\u00dften kulturellen Leistungen, das Kaninchenprinzip au\u00dfer Kraft zu setzen. Der genealogischen Ordnung war jeder Mensch unterworfen und aus dieser Selbstverortung bezog er sein Selbstbewu\u00dftsein. &#8222;Je suis mon pass\u00e9&#8220; &#8211; ich bin meine Vergangenheit, sagt Jean-Paul Sartre. Ab nun wird das Kaninchenprinzip \u00fcber die Reproduktionsfabriken wieder modern: Die Macht der Vorv\u00e4ter erlischt, die Selbstachtung h\u00e4ngt nicht mehr an der Tradition, sondern am Hier und Jetzt, am Geldbeutel\u00a0und an der Samenqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>(6) Die Elternschaft ist reproduktionstechnisch gesehen nur noch ein schwaches soziales Konstrukt, fern von Blutsbanden: &#8222;Die Liebe zwischen zwei Partnern ist erheblich nur noch f\u00fcr die Aufzucht, f\u00fcr Zeugung und Geburt jedoch bedeutungslos. Deshalb spricht alles daf\u00fcr, die Reproduktion jenen zu \u00fcberlassen, die sie am besten beherrschen &#8211; den Technikern.&#8220; (Ulrich Greiner, Die Herstellung des Menschen, DIE ZEIT vom 25.9.2014, S. 55).<\/p>\n<p>(7) Mit der Pille wurde Sexualit\u00e4t von Fortpflanzung getrennt. Nun wird Prinzip Verh\u00fctung durch das Prinzip Herstellung erg\u00e4nzt. Es gilt die Wirkungskette &#8222;Verh\u00fctung &gt; Sex &gt; Herstellung &gt; Fortpflanzung&#8220;. Dabei ist der Vater auf der Strecke geblieben, Mitscherlichs Buch &#8222;Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft&#8220; von 1963 bewahrheitet sich auf ungeahnte Weise. Die moderne Frau l\u00e4\u00dft ihre Eizellen einfrieren, um sich sp\u00e4ter mal den passenden Samen von der Bank zu besorgen und mit eigenen oder fremden Eizellen zu mixen und selbst oder in Indien auszutragen. Die moderne Generation ist vom biologischen Fatalismus befreit.<\/p>\n<p>&#8222;Den Fantasien der Selbsterm\u00e4chtigung und Selbsterl\u00f6sung kommt die Reproduktionsmedizin aufs Verlockendste entgegen. Sie verspricht, jeden, der es bezahlen kann, zum Herrn oder zur Herrin des eigenen Lebens zu machen. Sie optimiert den Menschen als Kunstprodukt.&#8220; (Ulrich Greiner, s.o.). Und die beim Optimieren \u00fcbrig bleibenden IVF-befruchteten Eizellen, Samen bzw. Embryonen werden ihrem Schicksal als Abfall \u00fcberlassen &#8211; kriminell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reproduktionsmedizin beendet die Genealogie und\u00a0l\u00f6st eine Revolution aus, derer wir erst allm\u00e4hlich gewahr werden: Die Selektion bei der Z\u00fcchtung von Milchk\u00fchen und Rennpferden wird auch beim Menschen gelingen. Der &#8222;Geburtenfatalismus&#8220; (Peter Sloterdijk) wird durch eine Zuchtwahl auf wiss. 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