{"id":5080,"date":"2012-06-15T13:48:53","date_gmt":"2012-06-15T13:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=5080"},"modified":"2012-06-18T12:22:13","modified_gmt":"2012-06-18T12:22:13","slug":"tag-der-artenvielfalt-16-juni-in-fr-betzenhausen-gewann-obergruen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/tag-der-artenvielfalt-16-juni-in-fr-betzenhausen-gewann-obergruen\/","title":{"rendered":"Tag der Artenvielfalt 16.Juni in FR-Betzenhausen Gewann Obergruen"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag findet der diesj\u00e4hrige Tag der Artenvielfalt\u00a0 statt. Untersuchungsgebiet ist das zwei Hektar gro\u00dfe Gewann Obergr\u00fcn zwischen Anne-Frank-Schule und Gaskugel im Stadtteil Betzenhausen: Mitten in der Stadt findet man dort Wiesen, Hecken, Feuchtbiotope und einen Bach. BZ-Mitarbeiter Andreas Braun befragte Ralf Hufnagel vom Leitungsteam der \u00d6kostation zu diesem Aktionstag.<br \/>\nDen Tag der Artenvielfalt gibt es in Freiburg nun schon seit 2003. Welche Erkenntnisse hat er seitdem gebracht?<br \/>\nRalf Hufnagel: Im Schnitt wurden jedes Mal 380 verschiedene Tier- und Pflanzenarten gez\u00e4hlt. Um die Daten nicht zu verf\u00e4lschen, ist das Jahr 2010, als die bundesweite Hauptaktion in Freiburg stattfand, nicht ber\u00fccksichtigt: Damals waren n\u00e4mlich sehr viele Spezialisten vor Ort, die \u00fcber 2300 Arten fanden. <!--more-->Dies zeugt von einer hohen Artenvielfalt in der Stadt, ebenso aber auch von einem gro\u00dfen Interesse seitens der Bev\u00f6lkerung, denn jedes Jahr haben mehrere hundert Leute mitgemacht.<br \/>\nIst angesichts dieser Zahlen \u00fcberhaupt noch damit zu rechnen, dass neue Tiere und Pflanzen gefunden werden?<br \/>\nHufnagel: Es geht uns in erster Linie nicht darum, neue Arten oder so viele Arten wie m\u00f6glich zu entdecken. Vielmehr liegt uns in die Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Reichtum an Arten und Lebensr\u00e4umen in der Stadt am Herzen. Das ist eine wichtige Aufgabe, denn auf dieser biologischen Vielfalt baut letztlich unsere Existenz auf. Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen 2011 ja die Dekade der Biodiversit\u00e4t, und damit auch der Artenvielfalt, ausgerufen.<br \/>\nDass sich die Vorbereitungsgruppe, das so genannte Freiburger Netzwerk Artenvielfalt, diesmal f\u00fcr das Obergr\u00fcn als Exkursionsgebiet entschieden hat, ist durchaus bemerkenswert: Verschiedene Gruppen bef\u00fcrchten ja, dass diese Naturinsel von Bebauung bedroht sein k\u00f6nnte und fordern von der Stadt ihren Erhalt. Hat dies bei Auswahl eine Rolle gespielt?<br \/>\nHufnagel: Neben dem Obergr\u00fcn wurde auch das Dietenbachgel\u00e4nde vorgeschlagen. Mit den artenreichen Wiesenfl\u00e4chen, die teilweise durch Beweidung gepflegt werden, haben wir im Obergr\u00fcn jedoch einen Gebietstyp, den wir in den letzten Jahren noch nicht besucht hatten. Hinzu kommt, dass das naturp\u00e4dagogische Konzept des dort ans\u00e4ssigen Vereins Bauernhoftiere f\u00fcr Stadtkinder unserem Ziel, Familien mit Kinder f\u00fcr den achtsamen Umgang mit der Natur zu sensibilisieren, entgegen kommt. Letztlich waren also diese beiden Punkte entscheidend. Das Netzwerk Artenvielfalt versteht sich \u00fcbrigens nicht als kommunalpolitische Speerspitze f\u00fcr Naturschutz: Letzteres ist vielmehr Aufgabe der einzelnen Mitgliedsverb\u00e4nde, die in Bezug auf das Obergr\u00fcn ja auch klare Positionen bezogen haben.<br \/>\nHalten Sie es dennoch f\u00fcr m\u00f6glich, dass sich die Ergebnisse des Aktionstags \u2013 etwa durch den Nachweis gesch\u00fctzter Arten \u2013 positiv auf den Erhalt des Obergr\u00fcns auswirken k\u00f6nnen?<br \/>\nHufnagel: Die erhobenen Artenlisten werden ver\u00f6ffentlicht und stehen damit allen Interessierten, also auch der Stadt Freiburg, zur Verf\u00fcgung. Wie zu lesen war, hat die Stadt ja ein Gutachten f\u00fcr das Obergr\u00fcn in Auftrag gegeben. Die von uns erhobenen Daten k\u00f6nnen da sicherlich eine Erg\u00e4nzung sein. Es w\u00fcrde uns nat\u00fcrlich freuen, wenn wir damit einen Beitrag zur Sicherung dieses wertvollen Gebiets leisten k\u00f6nnten.<br \/>\nMit welchen Seltenheiten oder besonderen Arten rechnen Sie konkret?<br \/>\nHufnagel: F\u00fcr die gesch\u00fctzte Zauneidechse sind die extensiv bewirtschafteten und strukturreichen Fl\u00e4chen im Obergr\u00fcn wichtige R\u00fcckzugsorte. Zu erwarten ist auch die Gottesanbeterin: Mitte Juni d\u00fcrften ihre Jugendstadien bereits zu beobachten sein. Und mit etwas Gl\u00fcck k\u00f6nnte man bei der morgendlichen Vogelexkursion auch die Dorngrasm\u00fccke zu h\u00f6ren bekommen.<br \/>\nAndreas Braun, 15.6.2012<\/p>\n<div>Ralf Hufnagel (53 Jahre) ist Biologe und arbeitet im Leitungsteam der \u00d6kostation.<\/div>\n<div><!-- RSPEAK_STOP --><!-- RSPEAK_START --><strong>Tag der Artenvielfalt<\/strong><br \/>\nDer &#8222;Tag der Artenvielfalt&#8220; wurde 1999 vom Naturmagazin &#8222;Geo&#8220; ins Leben gerufen. Gem\u00e4\u00df dem Motto: &#8222;Nur was man kennt, will man auch sch\u00fctzen&#8220; werden jedes Jahr an einem Samstag im Juni vielerorts Veranstaltungen zum Kennenlernen der Natur angeboten. F\u00fcr die Teilnehmer gilt es, innerhalb von 24 Stunden m\u00f6glichst viele Arten zu entdecken. Dadurch soll das Bewusstsein f\u00fcr die Naturvielfalt vor der Haust\u00fcr gef\u00f6rdert werden, zugleich werden Ver\u00e4nderungen des Artenspektrums erkannt und dokumentiert. In Freiburg beginnt der Aktionstag, zu dessen Vorbereitung sich mehrere naturkundliche Vereine sowie das Forstamt und Waldhaus zum &#8222;Freiburger Netzwerk Artenvielfalt&#8220; zusammengeschlossen haben, mit einer Vogelexkursion um 7 Uhr morgens. Danach werden bis Mitternacht zehn weitere Exkursionen angeboten, die auch f\u00fcr Familien mit Kindern geeignet sind. Au\u00dferdem gibt es Info-St\u00e4nde und f\u00fcr Bewirtung ist ebenfalls gesorgt. Zentraler Treffpunkt f\u00fcr die meisten Exkursionen ist das Vereinsgel\u00e4nde der Bauernhoftiere f\u00fcr Stadtkinder hinter der Anne-Frank-Schule, Wilmersdorfer Stra\u00dfe 19. Weitere Informationen sind im Internet unter <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.oekostation.de\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.oekostation.de<\/a> sowie bei der \u00d6kostation unter Tel.\u00a00761\/892333 erh\u00e4ltlich.\u00a0<!-- RSPEAK_STOP -->\u00a0<\/div>\n<div>\u00a0<\/div>\n<div>\u00a0<\/div>\n<div><strong>Der Natur in der Stadt auf der Spur &#8211; Freiburger Artentag<br \/>\n<\/strong><!-- RSPEAK_STOP --><!-- RSPEAK_START -->Zahlreiche Exkursionen beim Tag der Artenvielfalt am 16.6.2012. Ein beeindruckendes Bild von der Naturvielfalt mitten in der Stadt konnten sich am Samstag die Besucher des diesj\u00e4hrigen Freiburger Artentags machen: Von fr\u00fch am Morgen bis sp\u00e4tabends waren um die 200 Leute gekommen, um bei mehreren Exkursionen unter Anleitung von Fachleuten die Tier- und Pflanzenwelt im Gewann &#8222;Obergr\u00fcn&#8220; zu erforschen. Diese im Stadtteil Betzenhausen gelegene Gr\u00fcnparzelle hatten sich die Veranstalter, das so genannte &#8222;Netzwerk Artenvielfalt&#8220;, im Vorfeld als Untersuchungsgebiet ausgew\u00e4hlt. &#8222;Es ist sch\u00f6n hier und interessant&#8220;, meinte Anwohnerin Silke Pfaff: Bereits um sieben Uhr war die Naturliebhaberin auf den Beinen, um mit Josef Ruf vom Naturschutzbund und anderen Interessenten die Vogelwelt im Gebiet hinter der Anne-Frank-Schule zu erkunden. Innerhalb von anderthalb Stunden entdeckte die Gruppe 20 Arten \u2013 so auch die Heckenbraunelle und den Grauschn\u00e4pper. &#8222;Jetzt habe ich einen Eindruck davon, was vor meiner Haust\u00fcr so lebt&#8220;, freute sich Pfaff. Eine weitere Vormittags-Exkursion besch\u00e4ftigte sich mit den Lebewesen des M\u00fchlbachs: Dem neunj\u00e4hrigen Moritz Herlyn aus der Oberau machte es dabei sichtlich Spa\u00df, gemeinsam mit den Freiburger Gew\u00e4sserf\u00fchrern nach den Larven von K\u00f6cher- und Eintagsfliegen zu suchen, die auch zahlreich gefunden wurden. Im Mittelpunkt des Aktionstags standen jedoch vor allem die Wiesen und Weiden, welche das Gebiet &#8222;Obergr\u00fcn&#8220; in erster Linie pr\u00e4gen: &#8222;Man findet verschiedene Typen von Gr\u00fcnland nahe beieinander&#8220;, betonte Kerstin Geigenbauer vom Verein Bauernhoftiere f\u00fcr Stadtkinder. So seien einige Parzellen von Hecken und Gestr\u00fcpp bewachsen, andere Bereiche w\u00fcrden indes gem\u00e4ht und gestalteten sich deshalb l\u00fcckiger und \u00e4rmer an N\u00e4hrstoffen. &#8222;Das ist auch der Grund daf\u00fcr, warum dort Pflanzen wachsen, die auf gut ged\u00fcngten Wiesen fehlen&#8220;, erkl\u00e4rte die Biologin. Mehrere solcher Kr\u00e4uter wurden den Teilnehmern vorgestellt, beispielsweise der Hornklee und die Wiesenflockenblume.<br \/>\nAnhand der letztgenannten Art zeigte Insektenfachmann Klaus Rennwald am Nachmittag die enge Verzahnung zwischen Tier- und Pflanzenwelt auf: Mit einem Kescher fing er n\u00e4mlich eine besondere Bohrfliege, die ihre Eier in den Rispen dieser violett bl\u00fchenden Pflanze ablegt. &#8222;Wo es keine Flockenblumen gibt, fehlt auch diese Fliege&#8220;, brachte es der Zoologe auf eine einfache Formel. Neben dem pflanzlichen Artenspektrum spiele f\u00fcr manche Insekten ebenso die Bewirtschaftungsform eine Rolle: &#8222;Das Ochsenauge etwa legt seine Eier gerne an frisch gem\u00e4hten Wiesen ab&#8220;, erl\u00e4uterte Rennwald. Mehrere Besucher hatten diesen dunkelbraun gef\u00e4rbten Schmetterling gefunden, au\u00dferdem etliche Heuschrecken wie das Gr\u00fcne Heupferd. Laut Einsch\u00e4tzung Rennwalds k\u00f6nnten auf der Fl\u00e4che des &#8222;Obergr\u00fcns&#8220; insgesamt mehr als tausend Insektenarten vorkommen.<br \/>\nDass die Krabbeltiere am Samstag relativ leicht beobachtet werden konnten, war in erster Linie dem guten Wetter zu verdanken. Auch die Stadtverwaltung leistete einen Beitrag dazu: &#8222;Eigens wegen des Aktionstags hat das Garten- und Tiefbauamt einen M\u00e4htermin nach hinten verschoben&#8220;, hob Ralf Hufnagel vom Veranstalter-Netzwerk lobend hervor. Zuvor hatte der Leiter des Waldhauses, Markus M\u00fcller, in einem Gru\u00dfwort als Vertreter des Rathauses den Freiburger Tag der Artenvielfalt als ein ganz besonderes Ereignis benannt: &#8222;Auch, weil er Kinder f\u00fcr die Natur begeistert&#8220;, so der F\u00f6rster.<\/div>\n<div>\u00a0<\/div>\n<div>\n<div id=\"attachment_5196\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/2012\/06\/15\/tag-der-artenvielfalt-16-juni-in-fr-betzenhausen-gewann-obergruen\/heuschrecken120616\/\" rel=\"attachment wp-att-5196\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5196\" class=\"size-thumbnail wp-image-5196\" title=\"heuschrecken120616\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/heuschrecken120616-180x123.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"123\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/heuschrecken120616-180x123.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/heuschrecken120616.jpg 590w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5196\" class=\"wp-caption-text\">Regine Perschers mit zwei gro\u00dfen Heuschrecken, den \u201eGr\u00fcnen Heupferden\u201c. Foto: Andreas Braun<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div>\nEtliche kleine Naturforscher waren dann auch noch nach 22 Uhr anwesend, um mit Johanna Hurst von der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz den Ultraschalllauten dieser n\u00e4chtlichen J\u00e4ger zu lauschen: Mehrere Zwergflederm\u00e4use und ein Abendsegler wurden dabei entdeckt. Deren Beutetiere, n\u00e4mlich Nachtfalter, lockte Klaus Rennwald bis gegen Mitternacht mit einer Lampe an. Dabei kamen \u00fcbrigens auch mehrere Exemplare des aus Ostasien eingeschleppten Buchsbaumz\u00fcnslers ans Licht, dessen Raupen gef\u00fcrchtete Pflanzensch\u00e4dlinge sind. Eine Liste der nachgewiesenen Arten gibt es nach Abschluss der Auswertung in einigen Tagen unter <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.oekostation.de\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.oekostation.de<\/a><br \/>\nAndreas Braun, 18.6.2012<\/div>\n<div>\u00a0<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<ol>\n<li><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag findet der diesj\u00e4hrige Tag der Artenvielfalt\u00a0 statt. Untersuchungsgebiet ist das zwei Hektar gro\u00dfe Gewann Obergr\u00fcn zwischen Anne-Frank-Schule und Gaskugel im Stadtteil Betzenhausen: Mitten in der Stadt findet man dort Wiesen, Hecken, Feuchtbiotope und einen Bach. 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