{"id":50745,"date":"2014-09-21T10:29:12","date_gmt":"2014-09-21T08:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=50745"},"modified":"2014-09-21T10:34:30","modified_gmt":"2014-09-21T08:34:30","slug":"bauernhof-und-denkmalschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bauernhof-und-denkmalschutz\/","title":{"rendered":"Bauernhof und Denkmalschutz"},"content":{"rendered":"<p>Alte <a title=\"Bauernhof\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bauernhof\/\">H\u00f6fe<\/a> pr\u00e4gen das Landschaftsbild des Schwarzwalds und sind beeindruckende Zeugen einer Jahrhunderte alten b\u00e4uerlichen Baukultur. Das Netzwerk von<a title=\"Bergbauern\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/bergbauern\/\"> Hofeigent\u00fcmern <\/a>im Naturpark S\u00fcdschwarzwald macht sich f\u00fcr den <a title=\"Denkmal\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/denkmal\/\">Erhalt<\/a> und die behutsame Sanierung dieser H\u00f6fe stark, denn viele stehen leer und sind vom Verfall bedroht. Diese Frage wurde bei einer Besichtigung des Kleisermartinshofs in <a title=\"Titisee\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/titisee\/\">Titisee-Neustadt <\/a>diskutiert, zu der das Netzwerk eingeladen hatte.<!--more--><\/p>\n<p>Der Kleisermartinshof liegt auf gut 900 Metern H\u00f6he im Spriegelsbachtal, einem offenen Hochtal zwischen Titisee und Neustadt. Schon vor dem Jahr 1620 gab es den Hof nachweislich. Der klassische Schwarzw\u00e4lder Eindachhof, wie er heute da steht, datiert aus dem Jahr 1729. Der Kleisermartinshof soll der erste Hof im Schwarzwald sein, der in L\u00e4ngsrichtung parallel zum Tal errichtet wurde. Zuvor hatte man die H\u00f6fe mit bergliegendem Wohnteil gebaut, um den Wohnteil vor W\u00e4rmeverlust zu sch\u00fctzen. &#8222;Wir haben eigentlich immer irgendwo umgebaut oder saniert. Das war die ganzen Jahrhunderte so, seit es den Hof gibt&#8220;, sagte Eugen Ketterer, der mittlerweile der 19. Bauer auf dem Hof ist und ihn seit 1976 im Vollerwerb bewirtschaftet. Mit seinem j\u00fcngsten Sohn Jens steht schon die 20. Generation bereit und will weitermachen.<br \/>\nEgal, was der Grund f\u00fcr Umbauten und Sanierungen war, eines war \u00fcber die Jahrzehnte gewiss: Konflikte mit der Denkmalpflege waren programmiert. Mal machte der Sturm Lothar im Jahr 1999 eine Dach- und Dachstuhlsanierung erforderlich. Ein anderes Mal waren es landwirtschaftliche Erfordernisse, die Anpassungen im Stall oder in der Scheune notwendig machten. Landwirt und Denkmalpflege kamen selten zusammen, zu unterschiedlich waren die jeweiligen Ziele. Wollte das Denkmalamt die typischen Bauelemente des Schwarzwaldhofes erhalten, musste der Landwirt Arbeitstechniken und Maschineneinsatz ver\u00e4ndern, um den Vorgaben zu entsprechen \u2013 und vor allen, um wirtschaftlich erfolgreich Landwirtschaft betreiben zu k\u00f6nnen. Ketterer zeigte der Besuchergruppe die Scheune. Die Denkmalpflege hatte vorgeschlagen gehabt, ihren Dachstuhl zu sanieren, um m\u00f6glichst viel Originalsubstanz zu erhalten. Ketterer wollte auf Anraten des Zimmermanns den Dachstuhl erneuern. Nach l\u00e4ngeren Diskussionen tat Eugen Ketterer genau das \u2013 ohne Zusch\u00fcsse der Denkmalpflege. Den Heukran wollte die Denkmalpflege erst gar nicht genehmigen. Ketterer setzte sich durch. Und musste dennoch einen Kompromiss machen: Er h\u00e4tte den Heukran gerne zwei Meter h\u00f6her gesetzt, dann w\u00e4ren die Arbeitsabl\u00e4ufe effektiver zu gestalten gewesen. Doch die zwei Meter gibt die Scheune nicht her.<\/p>\n<p>Hier steht der neue Stall separat: der Kreuzhof von Eugen Tritschler. Andere haben alte und neue Geb\u00e4ude zusammengebaut.\u00a0Foto:\u00a0Gabriele\u00a0Hennicke<\/p>\n<div>Moderne Milchwirtschaft funktioniert nicht im alten Hof<br \/>\n&#8222;Bis in die 90er Jahre hat man immer versucht zu beweisen, dass Landwirtschaft in alten Schwarzwaldh\u00f6fen funktioniert&#8220;, sagte Christian Lehmann aus St. Georgen, der Zimmermann und Restaurator von Beruf ist und selbst von einem gro\u00dfen Schwarzwaldhof stammt. &#8222;Erst seit f\u00fcnf bis zehn Jahren besteht Einigkeit darin, dass im historischen Schwarzwaldhof keine moderne Milchviehhaltung geht&#8220;, betonte er. Die moderne Landwirtschaft stelle Anforderungen an die Geb\u00e4ude, die der Schwarzwaldhof nicht hergebe, darin waren sich viele der Besucher einig. it den Auflagen der Denkmalpflege erst recht nicht. Diese ber\u00fccksichtige die Erfordernisse der Landwirtschaft viel zu wenig, lautete der Vorwurf. &#8222;Wie es in der Scheune aussieht, spielt doch keine Rolle, Hauptsache der Schwarzwaldhof ist noch da&#8220;, meinte Landwirt Eugen Ketterer. Lehmann sprach gar von einem &#8222;zerr\u00fctteten Verh\u00e4ltnis zwischen Landwirtschaft und Denkmalpflege&#8220;.<\/div>\n<p>Eugen Ketterer f\u00fchrte die Besucher in den Kuhstall. Der zwei Meter hohe Stall ist ein klassischer Anbindestall. Hier stehen und liegen die 35 Milchk\u00fche, hier werden sie gef\u00fcttert, hier wurden sie bis vor kurzem gemolken. Eng und dunkel und umst\u00e4ndlich zu wirtschaften ist es im Stall. 2013 hat Eugen Ketterer deshalb einen neuen Laufstall mit Liegepl\u00e4tzen und einem neuen Melkstand mit sieben Pl\u00e4tzen gebaut. Altstall und Neustall sind miteinander verbunden, die K\u00fche k\u00f6nnen sich im gesamten Stall bewegen. Der Neubau wurde als Liegehalle direkt an den historischen Hof angebaut. 2012 habe ich die \u00dcberpr\u00fcfung der Denkmaleigenschaft beantragt, weil ich wissen wollte, was geht&#8220;, berichtete Eugen Ketterer. &#8222;Bis heute hat sich keiner von der Denkmalpflege bei mir sehen lassen.&#8220; Ketterer hat dann einfach gebaut. Zuvor hat er einige H\u00f6fe besucht und geschaut, welche L\u00f6sungen dort gefunden worden waren. Der Bezirksvorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, Eugen Tritschler, der ebenfalls anwesend war und ganz in der N\u00e4he lebt, hat den neuen Stall neben seinen Hof gebaut. Eine L\u00f6sung, die viele w\u00e4hlen, die aber nicht f\u00fcr alle passt.<\/p>\n<div>Petra Wichmann vom Fachbereich Denkmalpflege des Freiburger Regierungspr\u00e4sidiums hat an diesem Nachmittag keinen leichten Stand. Dabei ist sie f\u00fcr die Beratung der Landwirte gar nicht zust\u00e4ndig. Sie begleitet vielmehr das Netzwerk und ist hier quasi privat dabei. &#8222;Es gibt ein Arbeitsheft der Denkmalpflege mit dem Titel \u2019Schwarzwaldh\u00f6fe von gestern f\u00fcr die Landwirtschaft von heute\u2019 aus dem Jahr 1986&#8220;, sagte sie. &#8222;Diese Arbeitshilfe bed\u00fcrfte dringend einer Neuauflage unter Ber\u00fccksichtigung der heute relevanten Fragestellungen und der Anforderungen der beteiligten Beh\u00f6rden.&#8220; In einem solchen Arbeitsheft k\u00f6nnten gelungene Beispiele gesammelt und zur Verf\u00fcgung gestellt werden, meint sie. Eugen Ketterers L\u00f6sung f\u00fcr den Neubau findet sie gar nicht schlecht, h\u00e4tte sich aber eine Versetzung des Melkstandes um einige Meter gew\u00fcnscht, dann w\u00e4re die historische Substanz des Wohnteils nicht angegriffen worden.<\/div>\n<p>Das Netzwerk von Hofeigent\u00fcmern regte an, vor Umbauten an historischen Schwarzwaldh\u00f6fen eine Art runden Tisch der beteiligten Fachleute und Beh\u00f6rden auf dem Hof einzuberufen. Das w\u00e4re eine gute Sache, meinten die Besucher des Kleisermartinshofes. Nur wer soll diesen runden Tisch einberufen und dessen Arbeit koordinieren?<br \/>\n17.9.2014, Gabriele Hennicke<\/p>\n<div>Netzwerk von Hofeigent\u00fcmern zur Erhaltung von Landschaft und Ortsbild pr\u00e4genden Schwarzwaldh\u00f6fen<br \/>\nHelmut und Friedgard May, Blasiwald,\u00a0\u00a0Tel 07656\/ 988863,<br \/>\n<a title=\"\" href=\"mailto:friedgard.may@t-online.de\" target=\"_blank\">friedgard.may@t-online.de<\/a><br \/>\n.<\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/spriegelsbach5.htm\">www.freiburg-schwarzwald.de\/spriegelsbach5.htm<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alte H\u00f6fe pr\u00e4gen das Landschaftsbild des Schwarzwalds und sind beeindruckende Zeugen einer Jahrhunderte alten b\u00e4uerlichen Baukultur. 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