{"id":50032,"date":"2014-08-11T10:23:00","date_gmt":"2014-08-11T08:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=50032"},"modified":"2014-09-30T09:31:11","modified_gmt":"2014-09-30T07:31:11","slug":"koran-antisemitismus-khorchide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/koran-antisemitismus-khorchide\/","title":{"rendered":"Koran Antisemitismus Khorchide"},"content":{"rendered":"<p>In seinem Beitrag &#8222;<a title=\"Antisemitismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/antisemitismus\/\">Antisemitismus<\/a> im Islam? &#8211; Was es bedeutet, wenn im Koran scharfe Kritik an <a title=\"Juden\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/\">Juden<\/a> ge\u00fcbt wird&#8220; (DIE ZEIT, 31.7.2014,S. 4) unterscheidet der <a title=\"Islam\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/\">Islam<\/a>-Theologe Khorchide zwei Lesarten des Korans: Die literalistische Lesart (LL): Satz, Sure bzw. Vers gilt isoliert f\u00fcr sich allein, <a title=\"Islam-Gelehrtenrat Aufklaerung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/islam-gelehrtenrat-aufklaerung\/\">w\u00f6rtlich genommen<\/a>. Und die geschichtliche Lesart (GL): Satz im historischen Kontext interpretieren.<!--more--><\/p>\n<p>Diese Unterscheidung begr\u00fcndet Prof. Khorchide so: &#8222;Im Koran begegnen uns auch Aussagen, die scharfe Kritik an Juden \u00fcben. Doch wenn der Koran dies tut, dann keineswegs, um die Juden zu diskreditieren, sondern, damit die Muslime Schlu\u00dffolgerungen f\u00fcr ihr eigenes Verhallten ziehen Aber genau diese interpretierende Leistung wird von vielen Muslimen heute nicht erbracht. Der Text wird als historische Information \u00fcber alle Juden und Christen gelesen. Diese &#8218;literalistische Lesart&#8216; (LL) des Korans, die sich weder f\u00fcr den historischen Kontext noch f\u00fcr den tieferen Sinn der Aussagen interessiert. bietet eine Grundlage daf\u00fcr, Judenhass im Namen des Islam zu legitimieren. Wer den Koran so liest, kann alles M\u00f6gliche herauslesen.&#8220;<\/p>\n<p>Khorchide erl\u00e4utert dies an diesem Beispiel: &#8222;Du wirst sicher finden, dass diejenigen Menschen, die sich den Muslimen am meisten feindlich zeigen, die Juden und die Heiden sind&#8220; (Koran 5:82). Nach LL gilt also die daraus abgeleitete Gleichsetzung &#8218;Jude = Heide = Feind&#8216; mit allen schlimmen Konsequenzen bis hin zur Vernichtung, also Judenhass und Antisemitismus pur. Nach GL hingegen bezieht sich diese Sure nicht auf alle Juden, sondern nur auf diejenigen, mit denen die Muslime damals im Krieg standen (Prophet Mohammed schloss im Jahr 622 nach der Auswanderung nach Medina einen Vertrag, in dem die j\u00fcdischen St\u00e4mme explizit in die Umma (Gemeinschaft) eingebunden waren. Erst sp\u00e4ter kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen diesen j\u00fcdischen St\u00e4mmen und Muslimen, die dann im o.a. Koran 5:82 dokumentiert wurden. In Koran 5:82 geht es also mehr um konkret historisch-politische als theologische Belange).<\/p>\n<p>Khorchide weist darauf hin, dass die Kritik des Korans am christlichen Glauben weitaus sch\u00e4rfer ausf\u00e4llt als an den Juden (Islam lehnt Dreifaltigkeit, Inkarnation Gottes, Erbs\u00fcnde, Erl\u00f6sung ab)<\/p>\n<p>Khorchide stellt fest, dass Muslime und Juden in der Geschichte die meiste Zeit friedlich miteinander gelebt haben. &#8222;Der Nahostkonflikt hingegen ist ein trauriges Kapital der j\u00fcdisch-muslimischen Beziehung: ein politischer Konflikt, der ins religi\u00f6se \u00fcbertragen wird. Da ist Aufkl\u00e4rung bitter n\u00f6tig.&#8220;<\/p>\n<p>Nicht nur Islamisten wie Al Kaida, Hamas, IS, Muslimbr\u00fcder und Saudis, sondern auch vermeintlich gem\u00e4\u00dfigte Muslime (Sunniten, Schiiten) f\u00fchlen sich von\u00a0Khorchide mit dem Vorwurf &#8222;Aber genau diese interpretierende Leistung wird von vielen Muslimen heute nicht erbracht&#8220; angegriffen. Es ist Khorchides Vorwurf an die Bequemlichkeit &#8211; es ist\u00a0 bequem, sich die gerade passende Sure herauszupicken und losgel\u00f6st\u00a0wortw\u00f6rtlich zu verwenden.\u00a0So ist zu erkl\u00e4ren, dass seit Ende 2013 sogar der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland gegen\u00a0Khorchide vorgeht und ihm\u00a0die Professur aberkennen will (siehe unten).<\/p>\n<p><em>Mouhanad Khorchide ist Professor f\u00fcr bekenntnisgebundene Islamische Theologie an der Universit\u00e4t M\u00fcnster und dabei auch mit der Ausbildung islamischer Religionslehrer bzw. Immame betraut. In seinem Buch &#8222;Islam ist Barmherzigkeit&#8220; (Herder-Verlag Freiburg, 2013)\u00a0 fordert er die Modernisierung der Religion. Muslimischen Verb\u00e4nden sind Khorchides Ansichten zu modern und im Dezember 2013 erkl\u00e4rte der bundesweite Koordinationsrat der Muslime <\/em><em><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/studium\/hochschule\/2013-12\/khorchide-muenster-universitaet-theologie\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #0000ff; font-size: small;\"><span style=\"color: #0000ff; font-size: small;\">ein &#8222;irreparables&#8220; Zerw\u00fcrfnis<\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\">. <\/span>Dieser Rat hatte Khorchide im Jahr 2010 die religionsverfassungsrechtlich unverzichtbare Lehrerlaubnis erteilt und will nun Khorchide als Hochschullehrer absetzen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Islam ist Barmherzigkeit<\/strong><br \/>\nMouhanad Khorchide begr\u00fcndet in diesem Buch erstmals f\u00fcr den deutschsprachigen Raum eine zeitgen\u00f6ssische islamische Theologie. Er zeigt, wie der Islam aus sich selbst heraus, nicht von au\u00dfen, zu einem Selbstverst\u00e4ndnis kommen kann, das eine fundamentale Wende hin zu einer Theologie eines barmherzigen Gottes vollzieht. Eine nicht nur wissenschaftliche Sensation.<br \/>\nVerlag Herder , Aufl.\/Jahr: 2. Aufl. 2013, 220 S., ISBN 978-3-451-30572-<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einem Reform-Islam\u00a0den R\u00fccken st\u00e4rken<\/strong><br \/>\nDer Koran ist eigentlich seinem Wesen nach ein konsequenter Versuch, das selbst\u00e4ndige Denken zu unterdr\u00fccken, weil alle Abweichungen unter h\u00e4rteste Strafen gestellt werden, weil alle Augenblicke gesagt wird: &#8222;Allah wei\u00df es am besten&#8220;, weil er jeden vorstellbaren Gedanken, jede m\u00f6gliche Handlung in \u00b4erlaubt\u00b4 und \u00b4unerlaubt\u00b4 einteilt, weil die gesamte menschliche Praxis der &#8222;Rechtleitung&#8220; unterstellt wird.<br \/>\nDas Neue Testament hat da einen ganz anderen Charakter: es befasst sich viel st\u00e4rker mit dem, was man tun soll. An Verboten gibt es eigentlich nur die acht Verbote (nebst zwei Geboten) in den Zehn Geboten.<br \/>\nAls Unterschied kommt hinzu, dass wesentlich f\u00fcr den Islam die Auffassung ist, dass der Koran Wort f\u00fcr Wort dem Propheten Mohammed von Allah diktiert worden ist und als f\u00fcr alle Zeiten unab\u00e4nderlich gilt. Alle Abweichungen von Text des Koran gelten als Abfall vom Glauben und sind entsprechend zu bestrafen. Mohammed (oder Allah) hat also damit \u00e4u\u00dferst wirksame Mittel eingesetzt, Ver\u00e4nderungen des Korantextes, bzw. der Glaubensinhalte zu verhindern. Wie wirkungsvoll, sehen wir ja t\u00e4glich.<br \/>\nDer Hinweis auf den Antijudaismus im Christentum geht hier v\u00f6llig an der Sache vorbei: im NT gibt es jedenfalls keinen, die Autoren (samt Jesus) waren ja schlie\u00dflich Juden, es gibt aber jede Menge nackten Judenhass im Koran.<br \/>\nEin weiterer Unterschied: Die Lehren Jesu sind rein ethischer Natur, die Lehren Mohammed rein machtpolitisch begr\u00fcndet. Es ging ihm um die Etablierung eines eigenen Machtbereichs, woraus sich auch die Unterschiede zwischen den mekkanischen Suren (in Mekka war er noch machtlos und musste sich gef\u00fcgig und tolerant geben) und den medinatischen (in Medina hatte er einen eigenen Machtbereich und konnte auftrumpfen) ergibt. Seitdem teilt der Islam die Welt in das &#8222;Haus des Friedens&#8220; (bereits der islamischen Herrschaft unterworfen) und das &#8222;Haus des Krieges&#8220; (noch zu unterwerfende Gebiete) ein. Er ist eine Welteroberungsstrategie und nicht die Friede-Freude-Eierkuchen-Religion, f\u00fcr die manche Gutmenschen ihn halten. Die derzeitige Praxis des IS ist eine minuti\u00f6se Umsetzung der koranischen Gebote, ebenso wie bei den Salafisten, bei El Qaida, in der Charta der Hamas, in Saudi-Arabien, im Iran, ebenso bei hier lebenden Muslimen, die ihre T\u00f6chter versto\u00dfen oder umbringen, wenn sie nicht so leben, wie der Koran es vorschreibt usw.<br \/>\nNat\u00fcrlich m\u00fcsste man Leuten wie Lamya Kaddor, die einen Reform-Islam wollen, den R\u00fccken st\u00e4rken &#8211; was aber bleibt vom Islam, wenn man aus dem Koran all das streicht, was mit der westlichen Moderne unvereinbar ist? Was aber bliebe von der Identit\u00e4t der Muslime, was von ihrem Selbstverst\u00e4ndnis, von ihrem Stolz, wenn jetzt von ihnen gefordert w\u00fcrde, anzuerkennen, dass die bisherige Geschichte des Islam eine der Barbarei ist? Nachdem sie sich 1400 Jahre lang als uns haushoch \u00fcberlegen angesehen haben (Juden und Christen = Affen und Schweine). Und so f\u00fchren jetzt schon viele Muslime ihre jetzige offensichtliche Unterlegenheit gegen\u00fcber dem Westen in Technologie und Wirtschaft auf eine Abkehr von der reinen Lehre (sprich: Koran) zur\u00fcck und fordern eine R\u00fcckkehr zu den fr\u00fchislamischen Prinzipien und Lebensweisen.<br \/>\nDas Christentum ist das Neue Testament (und \u00fcbrigens nicht das AT, das ist die Vorgeschichte &#8211; weshalb es v\u00f6llig daneben ist, wenn Islamverharmloser und Christentumhasser Gewaltverse aus dem AT zitieren) und der Islam ist der Koran &#8211; es sind eben Buchreligionen: es gilt also das, was dort geschrieben steht. Und weil der Koran seine Anh\u00e4nger sehr viel strenger regelt und bindet, nicht nur in allgemeingehaltenen ethischen Anleitungen, sondern in allerkleinsten Details des konkreten, privaten Alltags, aber eben auch in Politik und im Rechtswesen, in der Sexualit\u00e4t, weil er also allumfassend die endg\u00fcltige menschliche Gesellschaftsordnung definiert, die eine Theokratie ist, die penibel eingehalten werden muss (auch die Bek\u00e4mpfung der Juden!), weil sonst nicht der J\u00fcngste Tag kommt, deshalb ist es unabdingbar, ihn gelesen zu haben, bevor man sich eine Meinung \u00fcber ihn bildet.<br \/>\nIslamversteher wie auch Lamya Kaddor sagen letztlich, der Islam ist nicht der Islam. Das Problem, das die Welt mit dem Islam (den Muslimen) hat, l\u00e4sst nicht dadurch l\u00f6sen, dass man die Wahrheit verschleiert. Ich stelle nicht in Abrede, dass sie Gutes bewirken wollen, dass sie die Welt von Hass und Gewalt befreien wollen, das wird aber nicht dadurch gehen, dass man das leugnet, was ist. Reden Sie doch mal mit den Fundamentalmuslimen im Irak oder wo auch immer und sagen ihnen, sie d\u00fcrften Frauen nicht schlagen, Juden nicht hassen, Homosexuelle nicht diskriminieren, die lachen sich halbtot und verweisen auf den KORAN, auf Gottes eigenes Wort. Wie wollen Sie diese Leute, die ja offensichtlich nicht aussterben, von Ihren \u00dcberzeugungen abbringen?<br \/>\nDie Islamophobie ist ja keineswegs Rassismus, sondern ein gesunder Reflex eines europ\u00e4isch-westlich kulturierten Menschen, der seine eigene Kultur bewahren will. Die islamische Kultur des Koran ist mit der westlichen nicht kompatibel (Demokratie ist das Werk des Satans!).<br \/>\nEs stellt sich mir die Frage: Welche Motive haben eigentlich diejenigen, die unabl\u00e4ssig in den letzten Jahrzehnten den Import von immer mehr Anh\u00e4ngern einer Religion nach Europa propagiert haben, die uns Europ\u00e4er 1400 Jahre lang als Ungl\u00e4ubige bek\u00e4mpft haben?<br \/>\n9.8.2014, Hans-Joachim Pook<\/p>\n<p>Sie haben nat\u00fcrlich genau den springenden Punkt getroffen, weshalb Menschen anderen Glaubens oder Atheisten allergisch auf den Islam\/Koran reagieren. Eine Religion, die sich nicht nur \u00fcber alle anderen stellt, sondern per Schrift gleich noch dazu aufruft, diese Ungl\u00e4ubigen aufzusp\u00fcren, zu bekehren und sollte das nicht m\u00f6glich sein, sie zu t\u00f6ten, kommt nun wirklich nicht sympathisch r\u00fcber.<br \/>\nHinzu kommen all die Dinge, die auch in den westlichen L\u00e4ndern muslimischen Frauen und M\u00e4dchen angetan werden, Zwangsverheiratung, Beschneidungen sind keine absolut exotischen Ausnahmen. Es wird immer wieder dar\u00fcber berichtet.<br \/>\nDie Dschihadisten, die jetzt in der arabischen Welt einen Fl\u00e4chenbrand ausl\u00f6sen berufen sich einzig und allein auf den Koran. Alle Menschen anderen Glaubens, Christen, Kurden, Jesiden, aber auch Muslime mit anderer Ausrichtung werden entweder vertrieben oder get\u00f6tet. Viele andere islamische L\u00e4nder schauen dabei zu. Wie kann man dieses verstehen? Ich kann es nicht.<br \/>\nTrotzdem, hier leben Menschen, die einfach nur ihr Leben leben wollen, die meisten sind nicht radikal, sondern wollen in Frieden leben. Und das sollten wir respektieren, auch wenn wir den Islam an sich ablehnen.<br \/>\nMaria Traxler, 10.8.2014<\/p>\n<p><strong>Bibelwissenschaftlich-theologische Methoden der Textkritik m\u00fcssen gelten<\/strong><br \/>\nDie Bibelwissenschaften der christlichen Konfessionen arbeiten l\u00e4ngst mit den Methoden der Textkritik. Bibel (Neues Testament, NT) und Koran, die wesentlich sp\u00e4ter als zur Zeit des Lebens von Mohammed und Jesus aufgeschrieben worden sind, werfen die Frage auf (als Bsp.), was die Niederschreiber noch wissen k\u00f6nnen, wenn die Zeitzeugen gestorben sind. Eine aufgekl\u00e4rte westliche Gesellschaft tut sich schwer damit, mit einer Religion zu leben, deren Mitglieder glauben, dass alles im Koran unmittelbar von Gott (Allah) stammt und dass sie damit auch Gottes Willen viel besser kennen als die christlichen &#8222;Dumpfbacken&#8220;.<br \/>\n10.8.2014, Ekkehard Senn<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Beitrag &#8222;Antisemitismus im Islam? &#8211; Was es bedeutet, wenn im Koran scharfe Kritik an Juden ge\u00fcbt wird&#8220; (DIE ZEIT, 31.7.2014,S. 4) unterscheidet der Islam-Theologe Khorchide zwei Lesarten des Korans: Die literalistische Lesart (LL): Satz, Sure bzw. 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