{"id":49142,"date":"2014-07-03T18:15:25","date_gmt":"2014-07-03T16:15:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=49142"},"modified":"2015-12-31T18:17:53","modified_gmt":"2015-12-31T17:17:53","slug":"nationalismus-und-fussball-wm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nationalismus-und-fussball-wm\/","title":{"rendered":"Nationalismus und Fussball-WM"},"content":{"rendered":"<p>Im einsamen Hinterland von <a title=\"Italien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/italien\/\">Ligurien<\/a> werde ich angehupt, nur weil mein\u00a0Auto auch ein FR-Kennzeichen hat. Wir halten an, reden miteinander und freuen uns. Nur aufgrund\u00a0des FR. Bin ich jetzt ein Extrem-<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Patriot<\/a> und\u00a0<a title=\"Nationalismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalismus\/\">Nationalist<\/a>? Nach der Gr\u00fcnen Jugend mit ihrem Sticker &#8222;Patriotismus &#8211; nein danke&#8220; gegen den schwarz-rot-goldenen Schlandwahn zur <a title=\"Fussball\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sport\/sportlern\/fussball\/\">Fussball-WM<\/a>\u00a0schon. Denn was in F, I, ES, P, NL\u00a0und GR normal ist, darf in D nicht sein?<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcne Jugend mit Aufklebern gegen Partynationalismus zur Fu\u00dfball-WM<\/strong><br \/>\nSoziologische Untersuchungen legen nahe, dass der Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus weniger gro\u00df ist als behauptet. Viele Aussagen und Ereignisse, die im Rahmen der WM geschehen, haben einen klar nationalistischen Charakter. W\u00e4hrend der WM und in den Wochen danach steigen nicht nur die Zustimmung zu nationalistischen und rassistischen Positionen, sondern auch die Zahl der rassistisch motivierten Gewalttaten. &#8230;<br \/>\nAlles vom 2.7.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/mit-aufklebern-gegen-den-schlandwahn\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/mit-aufklebern-gegen-den-schlandwahn<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die gr\u00fcnen gutmenschlichen Quartiersdiktatoren<\/strong><br \/>\nDas ist mal wieder typisch Gr\u00fcn. Statt auf solche Fahnen, &#8222;Au\u00dfenspiegelkondome&#8220; oder andere schwarz-rot-goldene Fanartikel einfach zu verzichten, will man anderen mal wieder das eigene Verhalten aufzwingen. Dabei kommt es unseren gutmenschlichen Quartiersdiktatoren noch nicht einmal in den Sinn, dass die Nation eine \u00e4u\u00dferst wichtige Funktion in einer Gesellschaft erf\u00fcllt. Sie schafft n\u00e4mlich die notwendige Solidarit\u00e4t zwischen Menschen eines Staates, ohne die es v\u00f6llig unm\u00f6glich w\u00e4re B\u00fcrger, die hunderte oder tausende Kilometer von einander entfernt leben, sich nicht kennen, und nie mit einander reden werden, \u00fcber Sozialversicherungen, Steuern und andere Pflichten ihre Schicksale miteinander verbinden und f\u00fcreinander einstehen zu lassen, wie dies bei Menschen gleicher Nationalit\u00e4t \u00fcblich ist, und niemals in Frage gestellt wird. Daher sind solche Events wie die Fu\u00dfballweltmeisterschaft besonders f\u00fcr gr\u00fcne Umverteilungsorgiasten wichtig. Nur durch diesen nationalen Zusammenhalt kommt es n\u00e4mlich nicht zu Aufst\u00e4nden, wenn reiche Regionen Verm\u00f6genssteuern und sonstige Abgaben entrichten m\u00fcssen, damit in armen Regionen \u00fcppige Hartz IV Leistungen bezahlt werden k\u00f6nnen, die sie selbst nie erwirtschaften k\u00f6nnten.<br \/>\n3.7.2014<\/p>\n<p><strong>Elit\u00e4r?<\/strong><br \/>\nIst doch gut, dass wir wenigstens zur Fussball-WM\u00a0so ausgelassen, happy,\u00a0f\u00e4hnchen-schwenkend, national eingef\u00e4rbt, laut, unbeherrscht\u00a0und fr\u00f6hlich sein k\u00f6nnen wie die Italiener, Franzosen, Spanier, Holl\u00e4nder oder Griechen. Aber f\u00fcr die Gr\u00fcnen und sogar die Gr\u00fcne Jugend haben wir in D\u00a0sogar im Fussball die Anderen, Besseren und Wohl\u00fcberlegteren zu sein &#8211; eben die Gutmenschen.\u00a0Ist das von den Gr\u00fcnen geforderte Schwarz-Rot-Gold-Flaggenverbot nicht im Grunde elit\u00e4r?<br \/>\n3.7.2014, A. Hildebrandt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die\u00a0Leichtigkeit verdr\u00e4ngt die deutsche Selbstverd\u00fcsterung<\/strong><\/p>\n<p>Bei gro\u00dfen internationalen Spielen bzw. Meisterschaften liefert der Fussball einer Nation Momente, in denen sich die B\u00fcrger fragen &#8222;Sind wir so?&#8220; Ob\u00a0Fan (Fussball ist mein Leben), Abstinenzler (22 laufen hinter 1 Ball her) oder Hasser (Alles mitsamt Fifa korrupt) &#8211; diese weltweit beliebteste Sportart h\u00e4lt einer Nation den Spiegel hin: &#8222;Sind die so?&#8220;. Bei der Fussball-WM 2006 in Deutschland hat\u00a0unser Land der Welt ein wunderbares Fest beschert &#8211; allm\u00e4hlich beginnt die Selbstverd\u00fcsterung und Schwerf\u00e4lligkeit\u00a0einer ansteckenden\u00a0Fr\u00f6hlichkeit und Leichtigkeit zu weichen.<\/p>\n<p><em>Deutsche Leichtigkeit 2010 und 2014:<\/em> Bei der WM in S\u00fcdafrika 2010 spielten die deutschen Fussballer\u00a0st\u00fcrmisch, sch\u00f6n und leicht, die Welt wunderte und freute sich. Und nun bei der Weltmeisterschaft 2014\u00a0in Brasilien spielte die deutsche Nationalmannschaft bis zum 15.7.2014 mit Reife und Leichtigkeit. Die Weltpresse staunte und applaudierte, sogar die englische Presse verzichtete auf Panzer und Feldwebel, nur nach dem 7:1 gegen Brasilien hie\u00df es in GBR wie \u00fcblich: \u00a0&#8222;Deutschland entspann dich, ihr seid nicht in Polen&#8220;. Wie lange noch?<\/p>\n<p><em>Deutsche Leichtigkeit ertr\u00e4gt Pannen:<\/em> Die Unf\u00e4higkeit der Ingenieure, die Korruption der Baufirmen und das Unverm\u00f6gen der Planer bei Gro\u00dfprojekten wie dem Flugplatz Berlin-Sch\u00f6nefeld,\u00a0der Philharmonie Hamburg\u00a0usw. wird nicht mit Demos und Protesten beantwortet, sondern quasi toleriert &#8211; eben &#8222;auf die leichte Schulter&#8220; genommen.<\/p>\n<p><em>Deutsche Leichtigkeit l\u00e4\u00dft Fahnen zu:<\/em> Kein anderes Volk hat der Welt so Gr\u00e4ssliches angetan wie die Deutschen, kein anderes Land hat sich so intensiv mit seiner dunklen Geschichte seiner Verbrechen auseinandergesetzt. Doch heute hei\u00dft erinnern nicht mehr: nicht lachen und nicht fr\u00f6hlich sein k\u00f6nnen. Die deutsche Leichtigkeit ist dabei, die Nazi-Keule nach nunmehr 70 Jahren \u00a0ins Leere laufen zu lassen. Auch bei der Fussball-WM k\u00f6nnen Fahnen geschwungen und Schwarz-Rot-Gold gezeigt\u00a0werden, sogar Gauchos-T\u00e4nze und etwas weniger political correct sind m\u00f6glich &#8211; einfach nur, weil man sich freut und happy ist.<\/p>\n<p><em>Deutsche Leichtigkeit als fr\u00f6hlicher Biedermeier?<\/em> &#8222;Deutschland macht derzeit den Eindruck, dass es so zufrieden ist mit allem, dass es den Status quo am liebsten einfrieren w\u00fcrde. Keine neue Infrastruktur, keine neue Kanzlerin und m\u00f6glichst wenig Politik. Das ist Biedermeier, aber immerhin ein fr\u00f6hliches&#8220; (Die entkrampfte Nation, DER SPIEGEL 29\/2014, S. 57-63). Nehmen&#8217;s nun\u00a0die Pension\u00e4rs-Wutb\u00fcrger und <a title=\"Dagegen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/dagegen\/\">Dagegen-Gutmenschen <\/a>auch etwas leichter?<\/p>\n<p><em>Deutsche Leichtigkeit dank deutscher Tugenden:<\/em> Im Sommer 2014 erlebt Deutschland ein kleines Wirtschaftswunder, dank Flei\u00df und Disziplin. \u00dcber 42 Mio in Arbeit (so viel wie noch nie) und Jugendarbeitslosigkeit praktisch gleich Null (im Gegensatz zu Spanien oder Frankreich). Gestiegende L\u00f6hne und\u00a0niedrige Zinsen ermuntern zu Konsum und Shoppen. F\u00fcr 2015 wird 2% Wachstum prognostiziert.<\/p>\n<p><em>Deutsche Leichtigkeit st\u00e4rkt Selbstbewu\u00dftsein:<\/em> Wir sind wieder wer und d\u00fcrfen dies auch zeigen. In der EU ist Deutschland gro\u00df, in der Welt aber klein. Ein k\u00fchler deutscher Nationalismus ist m\u00f6glich, ohne Auftrumpfen, ohne Pathos, ohne besondere Symbolik. Zum Gl\u00fcck haben die Deutschen genug vom Krieg. &#8222;Nie wieder Krieg&#8220; &#8211; in keiner Industrienation sind die Zustimmungswerte mit \u00fcber 70% so hoch wie in Deutschland. Leichtigkeit funktioniert eben nur im Frieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fussballmomente leben weiter<\/strong><br \/>\n&#8222;Der Finalsieg der Deutschen ist schon wenige Tage alt, aber sp\u00e4testens seit der Weltmeisterschaft 2006 wissen wir: Gef\u00fchle, die der Fussball in uns weckt, besitzen manchmal die Kraft, die anderen Emotionen nachhaltig zu \u00fcberstrahlen. Manche Fussballmomente leben auch dann weiter, wenn der erste Rausch vorbei ist.&#8220; (Demut war der Schl\u00fcssel zum deutschen Erfolg, DIE ZEIT vom 17.7.2014, S. 1).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es spielt sich gelassener ohne nationalen Rettungsauftrag<\/strong><br \/>\n&#8222;Was ist die unheimliche Zauberei der 7:1 und was das Jungsommerm\u00e4rchen von 20006 gegen die Realit\u00e4t aus tiefenentspannten Weltmeistern, die die zur Feier ihres hart erarbeiteten Sieges am 13.7.2014 vor der Welt\u00f6ffentlichkeit anderer Leute Kinder (Mario G\u00f6tze die Tochter von Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger den Podolski junior) auf dem R\u00fccken spazieren tragen.&#8220;<br \/>\nAlles zu &#8222;We are Family&#8220; in DIE ZEIT, 17.7.2014, S. 18<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Debatte um Gaucho-Dance &#8211; typisch deutsch<br \/>\n<\/strong>Politisch nicht hundertprozentig korrekte Fu\u00dfballer waren f\u00fcr alle Tugendw\u00e4chter ein gefundenes Fressen. Typisch deutsch. &#8230;.. Alles vom 17.7.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/debatte-um-gaucho-dance-typisch-deutsch\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/debatte-um-gaucho-dance-typisch-deutsch<\/a><\/p>\n<p>Warum ist man gleich ein schlechter Gewinner, wenn man sich diese kleinen Albernheiten erlaubt. Was glaubst Du denn, wie sich in solchen Situationen bspw. die Engl\u00e4nder verhalten. Ich sage nur Pickelhauben, Panzer usw. Da muss man dr\u00fcber stehen, die Revanchem\u00f6glichkeit auf dem Platz wird kommen. Aber es gibt halt immer wieder Leute, die sich (und ihre Nationalit\u00e4t?) viel zu ernst nehmen. Mann, lach doch dr\u00fcber. Solange es nichts wirklich beleidigendes ist<br \/>\n15.7.2014, Duracell<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bitte nicht immer political correct<\/strong><br \/>\nOh bitte, man muss doch nicht immer &#8222;political correct&#8220; sein, vor allem nicht nach zwei Tagen Party! Das war doch noch relativ nett gesittet. Nat\u00fcrlich gehen die Argentinier zur Zeit etwas geknickt. Die Jungs haben sich nicht den Hintern mit einem Argentinier-Trikot abgeputzt, wie seinerzeit ein Holl\u00e4nder mit einem Deutschen Trikot!<br \/>\n15.7.2014<\/p>\n<p><strong>Gauchotanz &#8211; mit dem &#8222;Polen&#8220; Miro Klose<\/strong><br \/>\nSehr begl\u00fcckend im Sinne von Integration fand ich, da\u00df Miro Klose, in dessen Familie Polnisch gesprochen wird, trotzdem keine Probleme hatte, sich als Deutscher, als der er sich f\u00fchlt und als den wir ihn best\u00e4tigen, sich in diese Gruppe einzubringen und mitzumachen. Vom andern Stern betrachtet und nur Deutsch k\u00f6nnend und von political correctness nichts wissend, w\u00fcrde man wohl den Auftritt loben, wie ich.\u00a0Die Gruppe hatt in bester deutscher Sprachlichkeit visualisiert, was geschah. Die Argentinier waren entt\u00e4uscht und im Wortsinn geknickt, die Deutschen gl\u00fccklich, aufrecht h\u00fcpfend vor Freude. Das war wahrhaftig, wof\u00fcr unsere Zeit leider immer weniger Verst\u00e4ndnis hat.<br \/>\n17.7.2014, Heinrich\u00a0Franzen<\/p>\n<p><strong>Gauchotanz &#8211; Grenz\u00fcberschreitungen sind notwendig<\/strong><br \/>\nDieses Land hat noch immer einen Weg zur\u00fcckzulegen, bis endlich Normalit\u00e4t einkehrt in Deutschland. Daher war der Gauchotanz notwendig um klarzustellen, dass wir auch mal ein wenig aus der Rolle fallen d\u00fcrfen, ohne uns gleich in Nazis zur\u00fcck zu verwandeln. Erst wenn sich \u00fcber solche schr\u00e4gen, ein wenig niveaulosen und politisch unkorrekten Sp\u00e4\u00dfe kein Schwanz mehr erregt, k\u00f6nnen wir eine Debatte dar\u00fcber beginnen, ob man das Niveau bei diesen Feierlichkeiten ein wenig heben kann. Bis dahin ben\u00f6tigen wir die Grenz\u00fcberschreitungen, um den Kritikern klar zu machen, dass ihre Denkweise h\u00f6chst unnat\u00fcrlich ist, und auf Dauer nicht geduldet werden kann.<br \/>\n17.7.2014, Rainer Brombach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im einsamen Hinterland von Ligurien werde ich angehupt, nur weil mein\u00a0Auto auch ein FR-Kennzeichen hat. Wir halten an, reden miteinander und freuen uns. Nur aufgrund\u00a0des FR. Bin ich jetzt ein Extrem-Patriot und\u00a0Nationalist? 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