{"id":49061,"date":"2014-06-27T09:46:18","date_gmt":"2014-06-27T07:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=49061"},"modified":"2014-06-30T10:17:35","modified_gmt":"2014-06-30T08:17:35","slug":"beinhaus-am-muenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/beinhaus-am-muenster\/","title":{"rendered":"Beinhaus am Muenster"},"content":{"rendered":"<p>Das Beinhaus an der <a title=\"Muensterplatz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/muensterplatz\/\">Nordseite<\/a> des <a title=\"Muenster\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirchen\/muenster\/\">Freiburger M\u00fcnsters<\/a>: Rund um die 1146 erstmals urkundlich erw\u00e4hnte Freiburger Pfarrkirche befand sich schon im 12. Jahrhundert der Hauptfriedhof der Stadt. Auf diesem erst 1267 genannten, ummauerten Kirchhof fanden seinerzeit die meisten Freiburgerinnen und Freiburger ihre letzte Ruhe. Die Mitglieder der st\u00e4dtischen Oberschicht lie\u00dfen sich gerne in den zahlreichen Kl\u00f6stern, <!--more-->vor allem aber im Inneren des M\u00fcnsters bestatten. Die nicht unerheblichen Geb\u00fchren f\u00fcr dieses Privileg waren eine wichtige Einnahmequelle zur Finanzierung des Bauwerks, insbesondere f\u00fcr den Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen Chor mit seinem Kranz von Kapellen als sogenannte Familiengrablegen. Je n\u00e4her man dem Allerheiligsten und den in der Kirche aufbewahrten Reliquien der Heiligen war, desto n\u00e4her glaubte man sich der Gnade Gottes und der Auferstehung am Tag des Gerichts. Mit Mess-Stiftungen wurden das Totengedenken und die Totengebete sichergestellt, die nach allgemeiner Vorstellung die Zeit im Fegefeuer verk\u00fcrzten oder abmilderten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/beinhaus-am-muenster\/muenster1700beinhaus140627\/\" rel=\"attachment wp-att-49062\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-49062\" alt=\"muenster1700beinhaus140627\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/muenster1700beinhaus140627-118x180.jpg\" width=\"118\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/muenster1700beinhaus140627-118x180.jpg 118w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/muenster1700beinhaus140627.jpg 419w\" sizes=\"auto, (max-width: 118px) 100vw, 118px\" \/><\/a><\/p>\n<div>\n<div id=\"zoneAdserverMrec\">\n<div id=\"helperAdserverMrec\">\n<div id=\"beacon_8d0440db38\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/w.online-verlag-freiburg.de\/www\/delivery\/lg.php?bannerid=784&amp;campaignid=365&amp;zoneid=65865&amp;loc=1&amp;referer=http%3A%2F%2Fwww.badische-zeitung.de%2Ffreiburg-mitte%2Feinst-eine-kapelle-fuer-die-toten--86806450.html&amp;cb=8d0440db38\" width=\"0\" height=\"0\" \/><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die Nordseite des M\u00fcnsterplatzes mit Beinhaus, Kreuz und der Totenleuchte \u201eB\u00e4ckerlicht\u201c zeigt die linke Abbildung eines Ausschnitts aus dem \u201ePergamentplan\u201c der Festung Freiburg, der um 1706\/15 entstanden<\/p>\n<p>Auf dem eigentlichen Friedhof n\u00f6rdlich des M\u00fcnsters befand sich die den Heiligen Michael und Andreas geweihte zweist\u00f6ckige Kapelle, deren Untergeschoss als &#8222;Beinhaus&#8220; (nach dem alten Wort f\u00fcr Knochen) diente. Seit 1314 ist sie in Urkunden nachweisbar. Im Beinhaus oder Karner wurden die nach etwa achtj\u00e4hriger Liegezeit ausgegrabenen und gereinigten Gebeine sauber gestapelt aufbewahrt. Damit sollte neuer Platz auf dem engen Kirchhof geschaffen werden \u2013 aber der Anblick der Gebeine ihrer Vorfahren sollte auch die Lebenden an die eigene Sterblichkeit erinnern.<\/p>\n<p>Solcherma\u00dfen exhumiert wurden allerdings nicht alle Toten. Die noch laufenden Grabungen der Denkmalpflege auf dem M\u00fcnsterplatz zeigen, dass Grabstellen h\u00e4ufig mehrfach belegt wurden, wobei die \u00e4lteren Bestattungen unter die neuen Begr\u00e4bnissse zu liegen kamen, oder \u00e4ltere Knochen von den Totengr\u00e4bern auf die neuen S\u00e4rge gelegt wurden. Die Publikation der Grabungsergebnisse darf man jedenfalls mit Spannung erwarten.<\/p>\n<p>Der Ausschnitt aus dem zwischen 1706 und 1715 gezeichneten &#8222;Pergamentplan&#8220; oben links zeigt die Andreaskapelle nach einem um 1570 erfolgten durchgreifenden Umbau. Vor der Kapelle steht das gro\u00dfe Friedhofskreuz, weiter westlich die steinerne Totenleuchte, das &#8222;B\u00e4ckerlicht&#8220;. Es wurde 1508 von der Bruderschaft der B\u00e4ckerknechte gestiftet, die f\u00fcr die Unterhaltung des in der Laterne brennenden Ewigen Lichts sorgten.<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 1512 hatte Kaiser Maximilian wegen der Seuchengefahr, die von solchen Orten ausging, die Schlie\u00dfung von Friedh\u00f6fen in den Zentren \u00f6sterreichischer St\u00e4dte verf\u00fcgt. Die Freiburger wollten am alten Standort nahe der Hauptkirche aber festhalten. Erst ab 1514 wurde auf Kosten der M\u00fcnsterfabrik hinter der Nikolauskirche in der weniger dicht besiedelten &#8222;Neuburg&#8220; n\u00f6rdlich der Altstadt ein neuer Friedhof angelegt, der 1515 vom Konstanzer Weihbischof eingeweiht wurde. Schon 1585 wurde der Nikolaifriedhof nach Osten erweitert. Bestattungen im M\u00fcnster selbst wurden aber bis zu einem Verbot Kaiser Josephs\u2005II. Im Jahr 1784 weiter vorgenommen. Ein Jahr sp\u00e4ter fiel die Friedhofsmauer.<\/p>\n<p>Die Andreaskapelle \u2013 wohl bei der franz\u00f6sischen Belagerung 1744 schwer besch\u00e4digt \u2013 war schon 1753 abgebrochen worden. Auch das B\u00e4ckerlicht wurde abgetragen, seine gotische S\u00e4ule wurde sp\u00e4ter in einen Strebepfeileraufsatz am Chor eingebaut. Das Friedhofskreuz wurde 1786 auf den heutigen Alten Friedhof versetzt.<br \/>\nIm Jahr 1973 wurde bei Bauarbeiten das Untergeschoss der Andreaskapelle zuf\u00e4llig angeschnitten und anschlie\u00dfend freigelegt. In der Osth\u00e4lfte fanden sich noch die zwei Meter hoch aufgeschichteten menschlichen Knochen. Nach der arch\u00e4ologischen und anthropologischen Untersuchung wurde das Grabungsfeld mit Betonplatten abgedeckt und der Grundriss der Kapelle im Pflaster des Platzes nachgezeichnet.<br \/>\n27.6.2014, Peter Kalchthaler<\/p>\n<\/div>\n<p><em>Der Ausstellungsteil im Wentzingerhaus (Museum f\u00fcr Stadtgeschichte), M\u00fcnsterplatz 30, endet am 6.7.2014, die Kernausstellung im Augustinermuseum, Augustinerplatz 1-3, wird noch bis zum 5.\u2005Oktober zu sehen sein. Diesmal geht es um das fr\u00fchere &#8222;Beinhaus&#8220; auf dem M\u00fcnsterplatz.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beinhaus an der Nordseite des Freiburger M\u00fcnsters: Rund um die 1146 erstmals urkundlich erw\u00e4hnte Freiburger Pfarrkirche befand sich schon im 12. Jahrhundert der Hauptfriedhof der Stadt. 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