{"id":48421,"date":"2014-06-01T11:43:59","date_gmt":"2014-06-01T09:43:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=48421"},"modified":"2014-06-02T14:29:46","modified_gmt":"2014-06-02T12:29:46","slug":"nigeria-perspektivlose-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nigeria-perspektivlose-jugend\/","title":{"rendered":"Nigeria &#8211; perspektivlose Jugend"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Afrika\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/\">Nigeria<\/a> ist de fakto geteilt in einen christlichen S\u00fcden und einen muslimischen Norden mit jeweils 85 Mio Einwohnern. Von einem <a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Krieg<\/a> &#8222;<a title=\"Islam\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/\">Muslime<\/a> gegen <a title=\"Christen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/christen\/\">Christen<\/a>&#8220; zu sprechen, ist falsch. Das Hauptproblem Nigerias liegt nicht in &#8222;Bibel oder Koran&#8220;, sondern in &#8222;Arbeit und Zukunft oder nicht&#8220;:\u00a0Jeder zweite der 170 Mio Nigerianer ist\u00a0unter 15 Jahre alt, <a title=\"Youth bulges \u2013 Jugend und Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/youth-bulges-jugend-und-krieg\/\">Millionen junger M\u00e4nner<\/a> wachsen\u00a0ohne <a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Hoffnung<\/a> heran,\u00a0ohne Perspektive auf Arbeit und Anstellung. Dies<!--more--><\/p>\n<div>\n<div>\n<p>in einem Land, das sechstgr\u00f6\u00dfter Erd\u00f6lexporteur der Welt ist, 95 Universit\u00e4ten hat bei gleichzeitig 40 % Analphabeten und UN-Friedensmissionen in viele Krisenstaaten entsendet, obwohl zuhause Chaos nahe des B\u00fcrgerkriegs\u00a0herrscht. In dem Film &#8222;Krieger Gottes &#8211; Gottes Feinde&#8220; bringt es der interviewte katholische Priester in der Stadt Jos auf den Punkt: Die\u00a0arbeitslos herumh\u00e4ngenden Jugendlichen verbringen ihre Zeit mit Nixtun, Drogen sowie Waffenhandel und warten sehns\u00fcchtig darauf, durch das n\u00e4chste religionsbedingtes Scharm\u00fctzel &#8222;Christ gegen Muslim&#8220; oder &#8222;Muslim gegen Christ&#8220; an Geld, Handy, Mofa, Zigaretten, Alkohol\u00a0usw. zu kommen. Zudem ist\u00a0der Islam mit seinem ganzheitlichen Ansatz (totale Unterwerfung an unumst\u00f6\u00dfliche Regeln, klares Feindbild) f\u00fcr die Jungen attraktiver als das\u00a0Christentum mit seinem durch die Aufkl\u00e4rung bedingten Z\u00f6gern (wird ein Koran verbrannt, dann ist auch in Nigeria blutige Rache gefordert &#8211; geht eine Bibel in Flammen auf; dann sind F\u00fcrbitten f\u00fcr den Brandstifter erbeten).<br \/>\nNach dem Kriegsforscher Gunnar Heinsohn entstehen durch bev\u00f6lkerungspolitisch verursachte <a title=\"Youth bulges \u2013 Jugend und Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/youth-bulges-jugend-und-krieg\/\">youth bulges <\/a>die Voraussetzungen f\u00fcr B\u00fcrgerkrieg, V\u00f6lkermord, Imperialismus und Terrorismus. Wenn gro\u00dfe Teile der m\u00e4nnlichen Jugend zwar ausreichend ern\u00e4hrt sind, aber keine Aussicht haben auf Zukunft, stehe ihnen als einziger Weg die Gewalt offen: Gewalt nach innen gegen die Andersgl\u00e4ubigen, da in Nigeria das Ventil nach au\u00dfen versperrt ist (Nigeria hat keinen \u00e4u\u00dferen Feind). Nigeria gesellt sich so zu den typischen \u201eyouth bulge\u201c-L\u00e4ndern\u00a0Pakistan, Bangladesch, Kongo, Iran, Irak, Somalia, Sudan, Afghanistan, aber auch\u00a0\u00c4gypten,\u00a0<a title=\"Bethlehem\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel2013\/bethlehem\/\">Westjordanland<\/a>\u00a0und Gaza<br \/>\n1.6.2014<\/p>\n<p>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Gottes Krieger &#8211; Gottes Feinde<\/strong><br \/>\nDie Produktion &#8222;Gottes Krieger &#8211; Gottes Feinde&#8220; ist die erste TV-Dokumentation, die sich auf der Suche nach den Hintergr\u00fcnden der seit Jahren anhaltenden, blutigen Konflikte an die Geburtsst\u00e4tte des islamistischen Terrors in Nigeria begibt. Sendung So. 01.06.14, 22.30 Uhr<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.phoenix.de\/content\/phoenix\/die_sendungen\/gottes_krieger_gottes_feinde\/844307?datum=2014-06-01\">https:\/\/www.phoenix.de\/content\/phoenix\/die_sendungen\/gottes_krieger_gottes_feinde\/844307?datum=2014-06-01<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>Nigerias Besonderheit und gr\u00f6\u00dftes Problem, liegt in dem einzigartigen Umstand, dass rund die H\u00e4lfte der gesch\u00e4tzten 150 Millionen Einwohner Christen, die andere H\u00e4lfte Muslime sind. Das hat bereits dazu gef\u00fchrt, dass sich Afrikas bev\u00f6lkerungsreichster Staat praktisch zweiteilt: in einen vornehmlich muslimischen Norden, der weitestgehend unter der islamischen Gesetzgebung der Scharia regiert wird, und einen christlich dominierten S\u00fcden. Dazwischen verl\u00e4uft eine unsichtbare Trennungslinie, entlang des sogenannten &#8222;Middle Belts&#8220;, jener kulturell-religi\u00f6sen Verwerfungszone zwischen dem nordafrikanischen Sahel und Schwarzafrika, der Region Nigerias mit den meisten gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen. Nur naheliegend also, die Stadt Jos im Bundesstaat Plateau im Middle Belt zum Ausgangspunkt der Recherchen nach den Ursachen f\u00fcr die jahrelang andauernden gewaltt\u00e4tigen Konflikte zu machen.<\/p>\n<p>Bis heute gilt Jos als Keimzelle der heute andauernden Gewalt zwischen Christen und Muslimen in Nigeria. Alles begann mit einer Attacke auf eine junge Frau, die die jahrzehntelangen unterschwelligen Aggressionen zur Eruption brachte. Ruth wollte w\u00e4hrend des muslimischen Freitagsgebets eine Stra\u00dfe mit betenden Muslimen queren. Diese f\u00fchlten sich von ihr gest\u00f6rt, sahen ihre Religion durch die Christin beschmutzt. Binnen weniger Minuten verwandelte sich die brutale Hatz auf die junge Frau in einen t\u00f6dlichen Fl\u00e4chenbrand \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus.<br \/>\nDie Zerrissenheit und Gewaltt\u00e4tigkeiten Nigerias werden jedoch nirgendwo deutlicher sichtbar als an dem derzeit wohl gef\u00e4hrlichsten Ort des Landes, der Stadt Maiduguri im n\u00f6rdlichen Borno State. Von den Regierenden zur &#8222;Heimat des Friedens&#8220; deklariert, ist sie in Wahrheit eine Stadt im permanenten Kriegszustand. Als Geburtsort der islamistischen Sekte Boko Haram und deren Gr\u00fcnder Mohammed Yusuf ist sie auch das Zentrum der milit\u00e4rischen Offensive der nigerianischen Sicherheitskr\u00e4fte gegen den islamistischen Terror: Tausende Soldaten der Joint Task Force (JTF), verschiedene Einheiten von Armee, Polizei, Geheimpolizei und anderen verdeckt operierenden Sicherheitsdiensten kontrollieren die Stra\u00dfen und praktisch jeden Winkel der Stadt.\u00a0 Ihnen werden massive Menschenrechtsverletzungen, Folter und j\u00e4hrlich Tausende Morde zugeschrieben.<strong><br \/>\n<\/strong>Als Journalist bis nach Maiduguri vorzudringen ist schier unm\u00f6glich: Reisegenehmigungen in die Stadt werden praktisch nicht erteilt, sofern doch vorhanden, wird deren G\u00fcltigkeit von der \u00f6rtlichen Kommandantur grunds\u00e4tzlich in Abrede gestellt. Die Gefahr von Entf\u00fchrungen oder Attentaten durch Boko Haram, die westliche Medien explizit zu Feinden ihrer islamistischen Weltanschauung erkl\u00e4rt haben, ist allgegenw\u00e4rtig. Ein hartes Vorgehen der JTF gegen Journalisten &#8211; sollten diese sich &#8222;illegal&#8220; aufhalten &#8211; ist die Regel, denn die nigerianischen Beh\u00f6rden lassen nichts unversucht, um die Presse an der freien Berichterstattung \u00fcber die Zust\u00e4nde in Krisengebieten und die zweifelhaften Polizeimethoden bei der &#8222;Befriedung&#8220; des Landes zu hindern. Die Einsch\u00fcchterung durch mehrfache Festnahmen, Verh\u00f6re, Hausarrest und Ausweisung musste das Filmteam am eigenen Leib erfahren. An einem Ort wie diesem nach den Hintergr\u00fcnden des Konflikts zu suchen ist lebensgef\u00e4hrlich. Ein beinahe t\u00f6dlicher \u00dcberfall auf das Team brachte dessen Arbeit zun\u00e4chst zu einem vorzeitigen Ende. Die Stadt des Terrors ist verh\u00fcllt in einen unsichtbaren Schleier des Schweigens. Wer als Fremder die Gefahr auf sich nimmt, an diesen Ort zu reisen, muss vorab verl\u00e4ssliche Kontakte aufgebaut haben.<\/p>\n<p>Erster Anlaufpunkt ist der christliche Journalist Ibrahim Mshelizza. Er steht vor dem Rohbau seiner neuen Kirche. Das alte Geb\u00e4ude z\u00e4hlt zu jenen zerst\u00f6rten 50 von insgesamt 52 christlichen Gottesh\u00e4usern der Stadt. Dennoch ist es nicht vorrangig sein Glaube, der Ibrahim das Leben kosten k\u00f6nnte. &#8222;Als Journalist muss ich hier noch mehr um mein Leben f\u00fcrchten denn als Christ.&#8220; Wenige Wochen nach einem geheimen Treffen wird ein wichtiger Informant und Unterst\u00fctzer des Filmprojekts auf offener Stra\u00dfe von Unbekannten exekutiert. Ibrahim legt den Kontakt zu einem muslimischen Journalistenkollegen, der wiederum als Verbindungsmann zu Boko Haram fungiert. Letztlich gelingt es dem Filmteam, ein Interview mit zwei Boko-Haram-K\u00e4mpfern zu f\u00fchren und auch mit Aisha Wakil, jener Anw\u00e4ltin und selbst ernannten Menschenrechtlerin, die als &#8222;Mutter der Boko Haram&#8220; fungiert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nigeria ist de fakto geteilt in einen christlichen S\u00fcden und einen muslimischen Norden mit jeweils 85 Mio Einwohnern. Von einem Krieg &#8222;Muslime gegen Christen&#8220; zu sprechen, ist falsch. 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