{"id":47662,"date":"2014-05-02T12:56:55","date_gmt":"2014-05-02T10:56:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=47662"},"modified":"2014-05-21T10:49:08","modified_gmt":"2014-05-21T08:49:08","slug":"ruth-pfau-leben-in-karachi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/ruth-pfau-leben-in-karachi\/","title":{"rendered":"Ruth Pfau &#8211; Leben in Karachi"},"content":{"rendered":"<p>Ruth Pfau, deutsche Ordensfrau und Lepra\u00e4rztin, lebt ihre radikale christliche Existenz seit \u00fcber 53 Jahren an der Seite der Kranken, Bed\u00fcrftigen und <a title=\"Behinderung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/behinderung\/\">Behinderten<\/a> und gibt dadurch ein Zeugnis, das ausstrahlt. K\u00fcrzlich hat sie, in ihrem 85. Lebensjahr und von ungebrochenem Tatendrang beseelt, eine Bilanz ihres Lebens vorgelegt: \u00bbLeben ist anders. Lohnt es sich? Und wof\u00fcr?\u00ab Karachi gilt als \u00bbgef\u00e4hrlichste Megacity der <a title=\"EineWelt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/einewelt\/\">Welt<\/a>\u00ab, <!--more-->Pakistan als Land auf dem Pulverfass. Die Ehrenb\u00fcrgerin Pakistans stellt in einem Klima von Hass und Terror unbeirrt Fragen nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Frieden und dem Zusammenleben von Religionen &#8211; aber auch nach dem, was christliches Glaubenszeugnis in dieser Zeit bewirken kann. Immer wieder st\u00f6\u00dft sie auf existenzielle Fragen: Wie an Gott glauben, wenn das Leiden \u00fcberbordet, wenn ER sich nicht zeigt, wenn Liebe ohne Resonanz bleibt? Was tr\u00e4gt ein solches Leben &#8211; \u00fcber Abgr\u00fcnde hinweg und durch ein halbes Jahrhundert? Im Gespr\u00e4ch wird die Begegnung mit einer faszinierenden Frau m\u00f6glich. Wir laden Sie herzlich dazu ein!<br \/>\n2.5.2014<\/p>\n<p>Ruth Pfau: Leben ist anders<br \/>\nMo. 12.05.2014, 19:00 &#8211; 22:00<br \/>\nKath- Akademie Freiburg<\/p>\n<p>Information und Anmeldung: <a href=\"https:\/\/www.katholische-akademie-freiburg.de\/\">https:\/\/www.katholische-akademie-freiburg.de<\/a> <a href=\"https:\/\/www.katholische-akademie-freiburg.de\/html\/media\/dl.html?i=96178\">https:\/\/www.katholische-akademie-freiburg.de\/html\/media\/dl.html?i=96178<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Leben ist anders<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Nonne, \u00c4rztin und Menschenfreundin Ruth Pfau wird mit der Ehrendoktorw\u00fcrde der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Freiburg ausgezeichnet .<\/em><br \/>\n&#8222;Das Mysterium findet auf dem Hauptbahnhof statt&#8220;, hat Joseph Beuys einmal gesagt. Vermutlich w\u00fcrde Ruth Pfau dem zustimmen. Denn hinter dem Hauptbahnhof von Karatschi fing bei ihr alles an. Mitten im Leben, in der McLeod Road, einem morastigen Slum der pakistanischen Millionenstadt. Fragt man die Nonne und Lepra\u00e4rztin, die am Dienstag n\u00e4chster Woche die Ehrendoktorw\u00fcrde der Freiburger Theologischen Fakult\u00e4t erh\u00e4lt, nach dem Geheimnis ihres Lebens, erz\u00e4hlt sie immer noch diese Geschichte: Wie sie den Flug nach Indien wegen eines Visaproblems unterbrechen musste und von einer Mitschwester in die Leprakolonie mitgenommen wurde, wo sie den verst\u00fcmmelten Leprabettler Mohammed Hassan traf, der auf allen vieren in den Bretterverschlag kroch und sein Schicksal ergeben akzeptierte: &#8222;Ich wusste pl\u00f6tzlich: Hier, hier musste es geschehen. Wie? Gleichg\u00fcltig. Jetzt! Es war, wie wenn man seine gro\u00dfe Liebe trifft: ein f\u00fcr alle Mal.&#8220;<br \/>\nDas war 1960. Die Lepra, dieser Fluch, der \u00fcber den Menschen zu liegen schien, ist heute unter Kontrolle. Es ist das Lebenswerk dieser Deutschen, die Pakistan zur Ehrenb\u00fcrgerin gemacht hat. Sie ist nicht nur eine \u00c4rztin, die sich den \u00c4rmsten der Armen zugewandt hat. Sie ist auch Gesundheitsmanagerin und charismatische Lehrerin, Intellektuelle und Mystikerin, Menschenrechtlerin, engagiert im Dialog mit den Muslimen und als \u00fcberzeugte Pazifistin in der Friedensarbeit, f\u00fcr die sie h\u00f6chste internationale Auszeichnungen erhielt, unter anderem den Magsaysay-Award, den asiatischen Friedenspreis.<br \/>\nUnglaublich schier: Als katholische Nonne stand sie im Rang einer Gesundheitsstaatssekret\u00e4rin der Zentralregierung. Eine Erfolgsstory sondergleichen, so scheint es. Und ein abenteuerliches \u2013 sie selber nennt es: ein verr\u00fccktes \u2013 Leben. Ihre B\u00fccher \u2013 mehr als 200 000 verkaufte Exemplare \u2013 waren in Deutschland ein Erfolg. Ihr neuestes Buch, schlug ich als ihr Lektor vor, sollte in einem ruhigen Kloster im Schwarzwald entstehen. Sie schrieb zur\u00fcck: &#8222;Die Liobaschwestern. Ein Traum. Aber das Leben ist anders. Wenigstens f\u00fcr 80 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Und deshalb w\u00fcrde ich das Buch gerne hier machen, und ich bin mir sicher, es wird wesentlicher.&#8220; Leben ist anders: Das ist der Punkt. Es wurde auch der Titel des Buches.<br \/>\nKaratschi im September 2013. Die Stadt ist hei\u00df, laut, bunt, inzwischen ein Moloch von 20 Millionen Einwohnern. Gewalt ist an der Tagesordnung. Mittendrin steht das Krankenhaus, MALC, \u00fcberwuchert von Bougainvilleen, eine Insel. Die Mitarbeiter feiern Ruth Pfaus 84. Geburtstag mit \u00c4rzten, Patienten, mit Reden und Torte, dem Krankenhauschor und einer feierlichen Lesung \u2013 aus dem heiligen Koran, aus der hinduistischen Gita und der Bibel. Christen, Hindus, Muslime (Schiiten und Sunniten, die sich in Pakistan sonst gegenseitig umbringen), sie arbeiten hier zusammen. Eine Idylle. Noch ahnt niemand, dass zwei Wochen sp\u00e4ter ein Selbstmordattentat in der Kathedrale von Peschawar das Land ersch\u00fcttern wird, \u00fcber 200 Tote. Der Leiter der Sozialabteilung des Krankenhauses wird allein f\u00fcnf Familienangeh\u00f6rige verlieren.<br \/>\nAm Tag nach dem Geburtstagsfest ist Karatschi &#8222;zu&#8220;. Ein Politiker ist verhaftet worden, weil er zwei Polizisten ermordet hat, seine Anh\u00e4nger, Schl\u00e4gertrupps, gehen auf die Stra\u00dfe. So ist erst zwei Tage sp\u00e4ter der Besuch der Au\u00dfenstation in Malir m\u00f6glich, einem der 18 Stadtteile von Karatschi. Hier hat Ruth Pfau ein neues Projekt ins Leben gerufen: Das Team besucht Schwerstbehinderte in den Slums, Menschen mit fortschreitender Muskell\u00e4hmung, um die sich sonst niemand k\u00fcmmert. Sie selber h\u00e4lt derweil Sprechstunde, nach kurzer Zeit ist der Raum voll: eine demente Alte, die sie seit Jahren als Leprapatientin kennt, der sie Zeit und Zuwendung schenkt; eine Mutter mit ihrem schwerstbehinderten Kind. Der Strom der Hilfsbed\u00fcrftigen rei\u00dft nicht ab. Dazwischen zwei ausgeheilte Leprakranke. Sie zeigen ihr die Wunden an verkr\u00fcppelten F\u00fc\u00dfen. Sie haben nicht die richtigen Schuhe. Das l\u00e4sst ihr keine Ruhe. Hat man schon Kontakt mit einem Schuster aufgenommen, fragt sie den verantwortlichen Leiter? Ja, aber das h\u00e4tte nicht geklappt. Sie ist unzufrieden, fragt nach. Man sieht, wie es in ihr arbeitet.<br \/>\nIst es nicht ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein? Ja, sagt sie. Sie hat auch keine Antwort auf das Leiden. &#8222;Vielleicht ist es unsinnig, etwas zu tun. Aber nichts zu tun, w\u00e4re noch unsinniger.&#8220; Also macht sie weiter. Trotz ihres Alters, trotz der Gebrechen, die auch sie kennt. Wenn sie nicht wirklich \u00fcberzeugt w\u00e4re, dass Liebe das letzte Wort ist, trotz allen Augenscheins, sagt sie, dann st\u00fcnde ihr eigenes Leben auf dem Spiel. &#8222;Deshalb mache ich weiter.&#8220;<br \/>\n7.5.2014, Rudolf Walter ist Cheflektor beim Herder-Verlag Freiburg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wunder hat sie mehr als eines vollbracht<\/strong><br \/>\nRuth Pfau ist f\u00fcr mich eine nicht kanonisierte Heilige. Der Vatikan t\u00e4te gut daran, \u00fcber seine Heiligsprechungen neu nachzudenken. Wunder hat Ruth Pfau mehr als eines vollbracht. Oder ist es kein Wunder, wenn Christen, Hindus und Muslime im Dienst kranker Menschen zusammenarbeiten?<br \/>\n10.5.2014, Herta Siebler-Ferry<\/p>\n<p><strong>Unsere Gesellschaft braucht solche Lichtgestalten<\/strong><br \/>\nDer begeisterten \u00c4u\u00dferung von Frau Siebler-Ferry in ihrem Leserbrief anl\u00e4sslich des Vortrags in der Katholischen Akademie in Freiburg ist voll beizupflichten: Ruth Pfau ist eine (noch) nicht kanonisierte Heilige! Der Ruf &#8222;Santa subito&#8220; kam uns sogleich in den Sinn \u2013 obwohl die zu Ehrende in ihrer Bescheidenheit das gewiss weit von sich weisen w\u00fcrde. Sie k\u00f6nnte stellvertretend stehen f\u00fcr die vielen Heiligen in Karachi (die sie selbst erw\u00e4hnte). Ob der Vatikan sie vorerst wenigstens noch mehr finanziell und ideell unterst\u00fctzen k\u00f6nnte, wie das \u00fcber das DAHW (jetzt: Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe) schon durch viele geschieht? Unsere Gesellschaft ben\u00f6tigt dringend solche humanit\u00e4ren Lichtgestalten, die sich in unserer so friedlosen Welt (sowohl im kleinen pers\u00f6nlichen Kreis wie in der Weltpolitik) vorbildlich f\u00fcr Frieden, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Toleranz und ein wertsch\u00e4tzendes Miteinander einsetzen. Und es ist hoffnungsvoll, dass ihr Werk mit Hilfe von (ebenfalls anwesenden und vorgestellten) j\u00fcngeren Mitarbeitern und Nachfolgern weiter fortgesetzt werden kann. Verdienstvoll und dankenswert ist sicher auch, dass es dem Freiburger Herder-Verlag mit Herrn Walter gelungen ist, diese inzwischen mehrfach Ausgezeichnete und jetzt von der Theologischen Fakult\u00e4t geehrte Frau nach Freiburg zu holen.<br \/>\n21.5.2014, Monika u. Jens-C. Sch\u00f6nwandt, Freiburg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruth Pfau, deutsche Ordensfrau und Lepra\u00e4rztin, lebt ihre radikale christliche Existenz seit \u00fcber 53 Jahren an der Seite der Kranken, Bed\u00fcrftigen und Behinderten und gibt dadurch ein Zeugnis, das ausstrahlt. K\u00fcrzlich hat sie, in ihrem 85. Lebensjahr und von ungebrochenem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/ruth-pfau-leben-in-karachi\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,52],"tags":[409,443],"class_list":["post-47662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-einewelt","tag-armut","tag-termin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47662"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47662\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}