{"id":46366,"date":"2014-03-22T09:05:27","date_gmt":"2014-03-22T08:05:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=46366"},"modified":"2020-02-24T10:12:51","modified_gmt":"2020-02-24T09:12:51","slug":"heidegger-schwarze-hefte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/heidegger-schwarze-hefte\/","title":{"rendered":"Heidegger &#8211; Schwarze Hefte"},"content":{"rendered":"<p>Die Ver\u00f6ffentlichung der drei B\u00e4nde 94-96 der Gesamtausgabe von <a title=\"Dichter\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/\">Martin Heidegger <\/a>(1889-1976) &#8211;\u00a0&#8222;Schwarze Hefte&#8220; bzw. Verm\u00e4chtnis genannt &#8211; polarisiert: Denn in den von Peter Trawny herausgegebenen Aufzeichnungen bis 1941 geht Heidegger\u00a0nicht, wie bisher angenommen, auf Distanz zum <a title=\"Juden\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/\">Nationalsozialismus<\/a>. Im Gegenteil,\u00a0einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts philosophierte <a title=\"Antisemitismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/antisemitismus\/\">antisemitisch<\/a>.<!--more--><br \/>\n.<strong><br \/>\nEine sehr schmerzhafte Bedeutung<\/strong><br \/>\nDie Manuskripte der &#8222;Schwarzen Hefte&#8220; sind in ihrer Gedankendichte einzigartig. Ihre Entstehung erstreckt sich \u00fcber 40 Jahre. Ich w\u00fcrde behaupten, dass solch ein Manuskript in der deutschen <a title=\"Vergangenheit vergeht nicht\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vergangenheit-vergeht-nicht\/\">Geistesgeschichte<\/a> des 20. Jahrhunderts einzigartig ist. Die Frage, warum er die antisemitischen Stellen nicht gestrichen hat, ist schwer zu beantworten. Vielleicht wollte er alles so belassen, weil er meinte, dass auch Irrt\u00fcmer zu seinem Denken geh\u00f6ren. Vielleicht hat er die Stellen nicht f\u00fcr antisemitisch gehalten. &#8230;.<br \/>\nKomplettes Interview von Bettina Schulte mit Herausgeber Peter Trawny, der am 19. M\u00e4rz in der Kirchzartener Rainhofscheune\u00a0die B\u00e4nde vorstellt, vom 18.3.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kultur-sonstige\/eine-sehr-schmerzhafte-bedeutung--81997021.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kultur-sonstige\/eine-sehr-schmerzhafte-bedeutung&#8211;81997021.html<\/a>.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Martin Heidegger, der verblendete Prophet<\/strong><br \/>\n\u00dcber die Vollendung der Neuzeit und das barbarische Prinzip:\u00a0Diese W\u00fcrdigung der &#8222;Schwarzen Hefte&#8220; durch den Freiburger Philosophen Rainer Marten nimmt den Antisemitismus Heideggers nicht isoliert in den Blick, sondern bettet ihn ein in den seinsgeschichtlichen Entwurf des Messkircher Denkers, der im Nationalsozialismus vor\u00fcbergehend die Vollendung der Neuzeit im barbarischen Prinzip sah. Marten ist seit 1949 mit dem Verfasser von &#8222;Sein und Zeit&#8220; befasst \u2013 und versteht sich als Anwalt des (einzelnen) Menschen gegen den Propheten.<br \/>\nAlles zu &#8222;Der verblendete Prophet&#8220; von Rainer Marten\u00a0vom 22.3.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/literatur-rezensionen\/martin-heidegger-der-verblendete-prophet--82140280.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/literatur-rezensionen\/martin-heidegger-der-verblendete-prophet&#8211;82140280.html<\/a><\/p>\n<p>Martin Heidegger: Gesamtausgabe.<br \/>\nBd 94: \u00dcberlegungen II-VI (Schwarze Hefte 1931-1938). 563 S., 68 Euro.<br \/>\nBd 95: \u00dcberlegungen VII \u2013 XI (Schwarze Hefte 1938\/39) 456 S., 48 Euro.<br \/>\nBd 96: \u00dcberlegungen XII- XV (Schwarze Hefte 1939- 1941). 286 S., 37 Euro. Hrsg. von Peter Trawny, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2014.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Genie und Wahnsinn schlie\u00dfen sich so wenig aus wie Genie und Antisemitismus<\/strong><br \/>\nDen Antisemitismus Heideggers zu klassifizieren, indem man versucht, ihn als akademischen, philosophischen oder dem Zeitgeist unterworfenen Antisemitismus zu interpretieren, ist ebenso zum Scheitern verurteilt als w\u00fcrde man versuchen, einen Vulg\u00e4rnationalsozialismus und einen &#8222;geistigen&#8220; NS zu differenzieren. Heideggers Antisemitismus kann sich lediglich im Schaden unterscheiden, den Menschen mit derartiger Gesinnung anrichten. Hier eine philosophische Variante herauszulesen, w\u00e4re eine rein euphemistische Inszenierung. Heidegger gilt unter seinesgleichen als philosophischer Halbgott. Bei Menschen, die seinen philosophischen Erg\u00fcssen keinen praktischen Nutzen abgewinnen k\u00f6nnen, wird er entweder als normaler B\u00fcrger betrachtet oder, wie es Thomas Bernhard in einer mehrseitigen Abhandlung \u00fcber Heidegger tat, als &#8222;Voralpenschwachdenker&#8220;. Letzterer Klassifikation w\u00fcrde ich eine weitere hinzuf\u00fcgen, n\u00e4mlich: Charakterlosigkeit. Herbert Marcuse warf Heidegger vor, niemals zu seinen Handlungen Stellung bezogen zu haben. Die gleiche Charakterlosigkeit hat auch ein Grass, ein Schleyer oder ein Eggebrecht an den Tag gelegt, Menschen also, bei denen man eine gewisse Intelligenz vermuten w\u00fcrde. Und im Falle Heideggers scheint so etwas wie eine gespaltene Pers\u00f6nlichkeit vorgelegen zu haben. Die Bemerkung Trawnys, man &#8222;m\u00fcsse durchdenken, was die antisemitischen Passagen f\u00fcr eine Bedeutung haben&#8220; halte ich nicht nur f\u00fcr naiv, sondern f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig. Antisemitismus ist immer ein Zeichen von Borniertheit. Genie und Wahnsinn schlie\u00dfen sich so wenig aus wie Genie und Antisemitismus. Heideggers Antisemitismus, den er durch hirnloses Nachplappern von Stereotypen erwarb, erfordert daher keine neuen Denkans\u00e4tze.<br \/>\n28.3.2014, Michael Weiss, Freiburg<\/p>\n<p><strong>Sein Denken ist beides \u2013 Rettendes und Gefahr<br \/>\n<\/strong>Wer einen H\u00fcgel aufwirft, gr\u00e4bt auch ein Loch, in das er zuweilen selbst hineinf\u00e4llt. So geschehen auf dem Feld des Denkens bei Martin Heidegger, der jetzt wieder \u2013 ausgel\u00f6st durch die Ver\u00f6ffentlichung der &#8222;Schwarzen Hefte&#8220; \u2013 in der Kritik steht. Weltweit haben Philosophinnen und Philosophen \u2013 auch der Schreiber dieser Zeilen geh\u00f6rt dazu \u2013 versucht, diesen Denkh\u00fcgel zu besteigen und ihre Auseinandersetzung mit Heidegger hat ihn noch weiter wachsen lassen. Heideggers Denken pr\u00e4gte und pr\u00e4gt die Philosophie, das hei\u00dft, dass zumeist auch noch die Kritiker in ihrer Ablehnung seines Denkens von diesem Denken her bestimmt sind. Irgendwie also hockt die ganze Philosophenzunft auf Heideggers Denkh\u00fcgel. Die einen preisen die H\u00f6he, auf der sie stehen und rufen Heideggers Botschaften hinaus in die Welt, die anderen rufen auch, aber mahnend, und zeigen hinab in die Abgr\u00fcnde, die sich unter ihnen auftun. Beide Fraktionen verdanken Heidegger ihre erhobene Position und ihre Aussicht und beide haben nat\u00fcrlich Recht mit ihren philosophischen Unternehmungen. Heideggers Denken ist eines, das es vermochte, sich vom Mittelma\u00df weg in beide Richtungen zu katapultieren, nach oben und nach unten. Geht so was? Ja, das geht. Heidegger war einer der m\u00e4chtigsten Philosophenzauberer, und sein Denken \u2013 um es in Anspielung auf seine H\u00f6lderlin-Interpretation zu sagen \u2013 ist beides, es ist &#8222;Rettendes&#8220; und es ist &#8222;Gefahr&#8220;.<br \/>\n28.3.2014, Klaus Scherzinger, Glottertal<\/p>\n<p><strong>Wie kann ein Mann dieser Intelligenz so dumm sein?<\/strong><br \/>\nDer v\u00f6lkisch-arisch gepr\u00e4gte Philosoph Heidegger wird und wurde von vielen zu hoch eingesch\u00e4tzt. Wie kann ein Mensch, der die &#8222;Macht des Denkens&#8220; verk\u00f6rperte und glaubte, seinen Mitmenschen die Welt erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, indem er ihnen mit &#8222;Letztbegr\u00fcndungen&#8220; das Sein erl\u00e4uterte \u2013 wie kann ein Mann dieser Intelligenz gleichzeitig so dumm, so stupide und geistig so brutal sein, die Ideen einer NSDAP nicht nur gut zu hei\u00dfen, sondern der Partei 1933 freiwillig beizutreten . Ebenfalls 1933 wurde er (in Abwesenheit der j\u00fcdischen Professoren) an der Freiburger Uni zum Rektor gew\u00e4hlt und wollte den &#8222;Arbeitsdienst, Wehrdienst und Wissensdienst&#8220; bei seinen Untergebenen und Studenten einf\u00fchren. Bei seiner Antrittsrede sprach er von der &#8222;Gr\u00f6\u00dfe und Herrlichkeit dieses Aufbruchs&#8220; (das war politisch gemeint) und gleichzeitig wurden woanders in Deutschland B\u00fccher verbrannt &#8230; und es brannten auch Synagogen, j\u00fcdische Gesch\u00e4fte und zum Schluss die Juden selbst. Trotzdem blieb Heidegger diesem eigenartigen Aufbruchsglauben treu, schrieb flei\u00dfig seine &#8222;Schwarzen Hefte&#8220; voll und hielt sie bis zu seinem Tod unter Verschluss. So wurden uns wahrscheinlich (schreckliche) Durchhalte- und Siegesparolen, viel Deutscht\u00fcmelei, viel philosophisches Gew\u00e4sch \u00fcber das metaphysische Volk der Deutschen erspart.<br \/>\n28.3.2014, Klaus G. Hofe, Freiburg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Martin Heideggers Verm\u00e4chtnis sind sie genannt worden: Die eben erschienenen drei B\u00e4nde der Gesamtausgabe seiner Werke, die die sogenannten Schwarzen Hefte des Freiburger Philosophen \u00f6ffentlich machen. Es sind Aufzeichnungen aus den 1930er Jahren, in denen Heidegger (1889-1976) nicht \u2013 wie bisher angenommen \u2013 auf Distanz zum Nationalsozialismus geht. Im Gegenteil. Bettina Schulte sprach mit dem Herausgeber Peter Trawny, der am 19. M\u00e4rz in der<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.buchladen-rainhof.de\/php\/start.php\/rainhof\/?SS=1hakva76ma8v0a6r7f54h252t6&amp;d1=4_Veranstaltungen&amp;f=00_Veranstaltungen.html&amp;id=2878&amp;p=2890&amp;n=2784&amp;cmd=e\" target=\"_blank\">Kirchzartener Rainhofscheune<\/a>\u00a0die B\u00e4nde vorstellt.<\/p>\n<p>Zu: &#8222;Eine sehr schmerzhafte Bedeutung&#8220;,<br \/>\nBZ-Interview mit dem Philosophen und Herausgeber Peter Trawny von Bettina Schulte vom 18.3.2014 auf<br \/>\n:<\/p>\n<p><strong>Armes Jahrhundert der Holzwege<\/strong><br \/>\nPeter Trawny berichtet dar\u00fcber, dass uns Heidegger in seinen &#8222;Schwarzen Heften&#8220; als ein \u00fcberzeugter Nationalsozialist entgegentritt. Ole Haldrup hat diesen Befund, der in bedr\u00fcckender Weise best\u00e4tigt, was wir schon aus anderen Verlautbarungen des Philosophen wussten, in folgendem F\u00fcnfzeiler verdichtet: Martin Heideggers \u00dcberlegung\/bringt noch heut unsern Geist in Erregung. \/ Spricht in v\u00f6lliger Klarheit\/von der &#8222;inneren Wahrheit\/und Gr\u00f6\u00dfe&#8220; der Hitler-Bewegung. Der Limerick bezieht sich auf Heideggers Vorlesung &#8222;Einf\u00fchrung in die Metaphysik&#8220; von 1935, in der er von der &#8222;inneren Wahrheit und Gr\u00f6\u00dfe des Nationalsozialismus&#8220; sprach. Als 1953 ein Neudruck anstand, rieten ihm seine Sch\u00fcler, diese Wendung zu streichen. Daraufhin f\u00fcgte Heidegger folgende \u00c4nderung ein: &#8222;mit der inneren Wahrheit und Gr\u00f6\u00dfe der Bewegung&#8220;. Und er setzte als Erkl\u00e4rung hinzu: &#8222;n\u00e4mlich mit der Begegnung der planetarisch bestimmten Technik und des neuzeitlichen Menschen&#8220;. Als Rektor der Universit\u00e4t Freiburg hat er aus eigenem Antrieb allen Professoren den Hitlergru\u00df vor und nach der Vorlesung vorgeschrieben. Trotzdem bleibt er f\u00fcr Trawny &#8222;einer der gr\u00f6\u00dften Philosophen des 20. Jahrhunderts&#8220;. Da kann man nur sagen: Armes Jahrhundert der Holzwege!<br \/>\n28.3.2014, Prof. Dr. Rudolf Happle, Freiburg<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Die Verjudung unserer Kultur und Universit\u00e4ten ist\u00a0schreckenerregend<\/strong><br \/>\nHeidegger schrieb am 18.\u00a0Oktober 1916 an seine Frau: &#8222;Die Verjudung unserer Kultur und Universit\u00e4ten ist allerdings schreckenerregend und ich meine die deutsche Rasse sollte noch so viel innere Kraft aufbringen, um in die H\u00f6he zu kommen. Allerdings das Kapital&#8220;. 1933 als Rektor der Uni Freiburg f\u00fchrte er ohne Widerstand das Gesetz zur &#8222;Wiederherstellung des deutschen Berufsbeamtentums&#8220; aus. J\u00fcdische Mitarbeiter der Universit\u00e4t wurden entlassen. Auch als sp\u00e4ter der &#8222;Freund&#8220; Engelbert Krebs entlassen wird, findet Heidegger kein Wort dazu. Zur Beerdigung seines Lehrers Husserls ging er auch nicht. Braucht es mehr, um &#8222;fanatischen rassistischen Antisemitismus&#8220; zu zeigen, in Wort und Tat?<br \/>\nNach dem Krieg erleidet Heidegger selbst einen Nervenzusammenbruch, als er nicht mehr lehren durfte. Auf den Gedanken, dass er 1933 den Kant\u2019schen Imperativ gr\u00f6blich verletzt hatte, kam er wohl nicht. Wenn nun noch seine Auslassungen zur Universit\u00e4t im Allgemeinen betrachtet werden, in denen er der Universit\u00e4t in Deutschland dringenden &#8222;v\u00f6lkischen&#8220; Reformbedarf und das &#8222;F\u00fchrerprinzip&#8220; empfiehlt, fehlt es nicht wirklich zum &#8222;volksverhetzenden&#8220; Ideologen. Er schrieb durchaus \u00fcber die &#8222;NS-Ideologie&#8220;, aber nicht im &#8222;kritischen Sinn&#8220; (wie L\u00fctkehaus schreibt), sondern er kritisiert die Spie\u00dfigkeit der Nazis. Der Egomane verga\u00df v\u00f6llig, dass die Universit\u00e4t nicht nur aus Philosophen besteht. Bis in die 30er Jahre sammelten deutsche Chemiker, Mediziner und Physiker \u00fcber 30 Nobelpreise. Viele der Ausgezeichneten lehrten an deutschen Universit\u00e4ten. Im Gegensatz zu einigen dieser Kollegen, \u00fcberlebte Heidegger unbeschadet, behielt sein Haus am R\u00f6tebuck, seine H\u00fctte in Todtnauberg, niemand seiner Familie endete in Exil oder Gaskammer. In seinen Briefen findet sich kein Wort von Einsicht oder Reue.<br \/>\n30.4.2014, Werner Heiland, Endingen<\/p>\n<p>.<br \/>\n<strong>Acht Tatsachen widerlegen seinen angeblichen Antisemitismus<\/strong><\/p>\n<p>Der angebliche Antisemitismus Martin Heideggers wird durch folgende Tatsachen widerlegt:<\/p>\n<p>1. Die Jugendfreundin von Elfride Heidegger, die Halbj\u00fcdin Elisabeth Blochmann, wurde auch Freundin und Geliebte von Heidegger und blieb Freundin des Ehepaars bis zu ihrem Tod. Bei ihrer Emigration 1933 bekam sie durch Heideggers Vermittlung eine Stelle in England.<\/p>\n<p>2. Edmund Husserl, ein Jude, war von 1919 bis 1933 v\u00e4terlicher Freund von Martin Heidegger. Auf den vielen Fahrten von Marburg nach Todtnauberg und zur\u00fcck \u00fcbernachtete die Familie Heidegger jeweils in der Lorettostra\u00dfe in Freiburg bei Husserls. Die Aufk\u00fcndigung der Freundschaft geschah im Mai 1933 durch das Ehepaar Husserl, das erkannt hatte, dass Heidegger nicht Husserls Ph\u00e4nomenologie fortf\u00fchrte, sondern eigene Denkwege ging. Heidegger hatte als frisch gew\u00e4hlter Rektor als erste Ma\u00dfnahme daf\u00fcr gesorgt, dass die von seinem Vorg\u00e4nger Professor Sauer durchgef\u00fchrte Beurlaubung der vier j\u00fcdischen Dozenten der Philosophischen Fakult\u00e4t mit badischem Regierungserlass vom 28. April 1933 wieder aufgehoben wurde. Husserl bekam noch im Sommersemester 1933 \u00fcber das Rektorat Heidegger auf dem Dienstweg die Mitteilung, dass er wieder lesen d\u00fcrfe.<\/p>\n<div class=\"boxOhne breakerAd\">\n<div id=\"zoneAdserverMrec\" class=\"top20\">\n<div id=\"helperAdserverMrec\">\n<div id=\"oms_gpt_mr_ad_container\">3. Der Halbjude Werner Brock blieb Assistent Heideggers bis September 1933, als er durch Unterst\u00fctzung Heideggers eine Stelle in England bekam. Solange Heidegger Rektor war, konnte der j\u00fcdische Professor und Klinikdirektor Thannhauser an der Universit\u00e4t gehalten werden.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>4. Heidegger verbot die von den Nationalsozialisten geplante B\u00fccherverbrennung. Die B\u00fccher Husserls blieben unangetastet im Philosophischen Seminar.<\/p>\n<p>5. Die enge Freundschaft mit dem j\u00fcdischen Ehepaar Szilasi dauerte von 1919 bis zum Tod von Wilhelm Szilasi 1966 und wurde mit Lily Szilasi noch bis zu deren Tod weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p>6. Als sein j\u00fcdischer Sch\u00fcler Karl L\u00f6with, der in Marburg hin und wieder die Kinder Heideggers geh\u00fctet hatte, ihn nach dem Krieg zum ersten Mal wiedersah, umarmte er seinen Lehrer und blieb ihm seither freundschaftlich verbunden.<br \/>\n7. Hannah Arendt, seine j\u00fcdische Sch\u00fclerin und Geliebte aus Marburger Tagen, nahm ab 1950 wieder eine freundschaftliche Beziehung zu Heidegger auf. Sie besuchte das Ehepaar Heidegger im August 1975 zum letzten Mal, bevor sie im Dezember 1975 starb.<\/p>\n<p>8. In den &#8222;Schwarzen Heften&#8220; sind Bemerkungen zum Judentum eher randst\u00e4ndig und leiten sich ab aus der Kritik am neuzeitlichen Menschentum. Diese betrifft ebenso den r\u00f6mischen Katholizismus, den Amerikanismus und Bolschewismus, ferner Technik, Wissenschaft und Universit\u00e4t und nicht zuletzt den Nationalsozialismus.<\/p>\n<p>Anstatt sich von Verunglimpfung, Schlagworten und Begriffsungeheuern beirren zu lassen, m\u00f6ge sich der geneigte Leser von Heideggers Schriften selbst ein Urteil bilden.<br \/>\n17.7.2015,\u00a0Dr. Hermann Heidegger, Stegen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Philosophie lebt von der Diskussion &#8211; Freiburger Tagung<\/strong><\/p>\n<p class=\"vorwort\">Zu: &#8222;Mit Heidegger auf dem Holzweg \u2013 Eine Freiburger Tagung besch\u00e4ftigte sich mit dem Philosophen&#8220;, Beitrag von Eggert Blum (Kultur, 12. Dezember):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/literatur-und-vortraege\/mit-heidegger-auf-dem-holzweg--115105047.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/literatur-und-vortraege\/mit-heidegger-auf-dem-holzweg&#8211;115105047.html<\/a><\/p>\n<p>Wenn man den Bericht \u00fcber die Tagung liest, findet man nur negative Beschreibungen nicht nur der Schwarzen Hefte, sondern auch der gesamten Heidegger\u2019schen Philosophie. Es liegt mir fern, manche Einstellungen Heideggers zu besch\u00f6nigen. Aber es bleibt die Frage, inwieweit die f\u00fcr viele von uns unverst\u00e4ndliche und zu verurteilende Haltung Heideggers zum Nationalsozialismus (die sich ja auch ge\u00e4ndert hat) und zum Judentum sein gesamtes Werk kontaminiert hat. Darauf wurde auf dieser Tagung offensichtlich keine \u00fcberzeugende Antwort gefunden. Insgesamt schildert der Verfasser des Artikels nur eine Ansammlung von negativen Urteilen, die sich auch auf das gesamte Werk Heideggers beziehen. Selbst die Berechtigung, ein Philosoph zu sein, wird Heidegger von einem Teilnehmer abgesprochen.<br \/>\nVon R\u00fcdiger Safranski, ein besondereren Kenner von Heideggers Werk, wird eine Kontaminierung der Schriften von Heidegger, insbesondere hinsichtlich des Buches &#8222;Sein und Zeit&#8220;, verneint.<\/p>\n<p>Philosophie lebt, wie die Politik, von unterschiedlichen Meinungen, von der Diskussion. Diese ist schlecht m\u00f6glich, wenn es nur eine Meinung mit verschiedenen Schattierungen gibt, wie es hier dargestellt ist.<br \/>\n<span class=\"ngBriefAutor\">2.1.2016, Eckard Ulrich, Kirchzarten<\/span><\/p>\n<p>.<br \/>\n<strong>Das Tagungsergebnis kommt einem philosophischen Armutszeugnis gleich<\/strong><\/p>\n<p class=\"vorwort\">&#8222;Alles muss jetzt neu gelesen werden&#8220;, Eggert Blum, 19.1.2016<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kultur-sonstige\/alles-muss-jetzt-neu-gelesen-werden--116306321.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kultur-sonstige\/alles-muss-jetzt-neu-gelesen-werden&#8211;116306321.html<\/a><\/p>\n<div class=\"sticky-intext-roll\">\n<div>Das Ergebnis der zweiten Tagung zu Martin Heideggers Schwarzen Wachstuchheften an der Universit\u00e4t Freiburg kommt einem philosophischen Armutszeugnis gleich, das die Referenten und allen voran der Initiator dieser Tagung sich selbst ausstellen. Es ist der Versuch, Heideggers zweiten Ausarbeitungsweg der Seinsfrage, das seins- oder ereignisgeschichtliches Denken, das 1931 einsetzt, ideologisch zu verd\u00e4chtigen.<br \/>\nEs sind die wenigen und auch knapp gehaltenen Textpassagen, die einen kritischen Blick auf das Judentum werfen, sofern auch dieses vom rechnenden Denken der neuesten Neuzeit, das hei\u00dft der Moderne, bestimmt wird. Diese Textstellen wecken bei jenen Referenten den Verdacht, dass deren kritische Haltung den Quellgrund f\u00fcr das seinsgeschichtliche Denken bilden, sodass das gesamte seinsgeschichtliche Denken antisemitisch sei. Dazu lese man jedoch die &#8222;Beitr\u00e4ge zur Philosophie (vom Ereignis)&#8220;, S. 163, &#8222;Der reine Bl\u00f6dsinn&#8230;&#8220;.<br \/>\nMan wird davon ausgehen d\u00fcrfen, dass jene Ahnungslosen die seinsgeschichtlichen Abhandlungen, allen voran die &#8222;Beitr\u00e4ge zur Philosophie (vom Ereignis)&#8220;, kaum oder gar nicht studiert haben, weil sie zu diesen keinen Zugang fanden. Seit dem Erscheinen der &#8222;Beitr\u00e4ge&#8220; (1989) habe ich selbst in meinen Freiburger Lehrveranstaltungen dieses Werk, und nicht nur dieses, Satz f\u00fcr Satz mit meiner international zusammengesetzten Studentenschaft ph\u00e4nomenologisch und systematisch durchgearbeitet: ph\u00e4nomenologisch in der gewandelten Blickstellung und systematisch, indem wir dem Wandel des transzendental-horizontalen Gef\u00fcges der Seinsfrage von &#8222;Sein und Zeit&#8220; in das ereignisgeschichtliche Gef\u00fcge schrittweise nachgegangen sind. Aus dieser gemeinsamen Arbeit ist eine Reihe sehr guter Dissertationen hervorgegangen. Von hier aus gesehen, erh\u00e4lt die Tagungsparole &#8222;Alles muss jetzt neu gelesen werden&#8220; eine andere Ausrichtung: Die Texte seit 1931 m\u00fcssen nun endlich im Mitgang mit ihrer eigenen denkerischen Intention, nicht aber mit vorgefassten Vorurteilen gelesen und erarbeitet werden. Leider hat der Zeitungsartikel in der BZ die philosophisch aufgeschlossenen B\u00fcrger Freiburgs, von denen viele meine Gasth\u00f6rer waren, mit dem absurden Fehlurteil, Heidegger habe eine antisemitische Philosophie geschaffen, v\u00f6llig in die Irre gef\u00fchrt.<br \/>\n<span class=\"ngBriefAutor\">29.1.2016, Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Herrmann,<\/span> <span class=\"ngBriefAutor\">Freiburg<\/span><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ver\u00f6ffentlichung der drei B\u00e4nde 94-96 der Gesamtausgabe von Martin Heidegger (1889-1976) &#8211;\u00a0&#8222;Schwarze Hefte&#8220; bzw. Verm\u00e4chtnis genannt &#8211; polarisiert: Denn in den von Peter Trawny herausgegebenen Aufzeichnungen bis 1941 geht Heidegger\u00a0nicht, wie bisher angenommen, auf Distanz zum Nationalsozialismus. 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