{"id":44017,"date":"2014-01-16T15:56:01","date_gmt":"2014-01-16T14:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=44017"},"modified":"2014-01-16T15:56:01","modified_gmt":"2014-01-16T14:56:01","slug":"buergerinitiativen-der-konzerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/buergerinitiativen-der-konzerne\/","title":{"rendered":"Buergerinitiativen der Konzerne"},"content":{"rendered":"<p>Konzern- bzw. industriegelenkte B\u00fcrgerinitiativen und Umweltorganisationen\u00a0nehmen nach amerikanischem Vorbild zwecks <a title=\"Greenwash\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/greenwash\/\">Greenwash<\/a> zu, gerade bei gro\u00dfen Themen wie Atomkraft, <a title=\"Gentechnik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/gentechnik\/\">Gentechnik<\/a>, Saatgut, Nahrungsmittelspekulation: Namen zum Verwechseln (Bsp: Genepeace), <a title=\"Seitenwechsler\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/seitenwechsler\/\">Seitenwechsler<\/a> liefern Knowhow\u00a0und viel Geld. Axel Mayer vom <a title=\"BUND\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/bund\/\">BUND <\/a>gibt hierzu einen \u00dcberblick &#8211; zur <a title=\"Landwirt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/\">Landwirtschaft<\/a>-Gro\u00dfdemo am 18.1. in Berlin.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nPatrick Moore: Der &#8222;fliegende Wechsel&#8220; einzelner &#8222;Umweltaktivisten&#8220; zur Industrie geh\u00f6rt zum PR-Gesch\u00e4ft der Gentechnik- und Atomkonzerne.<br \/>\nSie wollen in der Industrie als Atom- oder Genlobbyist Karriere machen? Dann gibt es zwei M\u00f6glichkeiten. Sie k\u00f6nnen den \u00fcblichen, langen Weg gehen und sich in den Konzernen langsam und m\u00fchsam nach oben dienen. Oder Sie werden erst einmal Umweltaktivist und wechseln dann spektakul\u00e4r die Seite&#8230;\u00a0Vor einigen Jahren sind die &#8222;Ex-Aktivisten&#8220; Bjorn Lomborg und Mark Lynas\u00a0diesen Weg sehr erfolgreich gegangen. Nach seinem medial hervorragend inszenierten Seitenwechsel warf Bjorn Lomborg den Umweltorganisationen in seinem industriefreundlichen Buch &#8222;Apokalypse No&#8220; vor, sie sch\u00fcrten unbegr\u00fcndete Umwelt-\u00c4ngste. Der sehr medienwirksame Hinweis auf die ehemalige Greenpeace-Mitgliedschaft geh\u00f6rte zum gezielten Marketing.<\/p>\n<p>Der Biochemiker Jens Katzek \u00a0hatte beim BUND jahrelang gegen Gentechnik &#8222;gek\u00e4mpft&#8220;, bevor er zum Saatguthersteller KWS wechselte. Sein Seitenwechsel wurde ihm hoch angerechnet: Bei der Bio Mitteldeutschland GmbH verdiente er fast so viel wie der Ministerpr\u00e4sident, schreibt der Spiegel.\u00a0Doch ab und zu m\u00fcssen &#8222;neue&#8220; Seitenwechsler aufgebaut werden und der neue Star der Genlobby ist nach Mark Lynas jetzt der ehemalige Greenpeace-Aktivist Patrick Moore.<br \/>\nAm 18. Januar 2014 findet in Berlin eine Gro\u00dfdemo gegen die industrielle Landwirtschaft, gegen Massentierhaltung, gegen Gentechnik und gegen die Gro\u00dfkonzerne statt, die daran verdienen. Allerdings w\u00e4ren Monsanto, Bayer und Co. ziemlich dumm, wenn sie als &#8222;Monsanto, Bayer und Co.&#8220; und als Konzerne erkennbar bei einer Gegendemo auftreten w\u00fcrden. F\u00fcr solche Zwecke gibt es in Amerika schon lange industrienahe &#8222;Vorfeldorganisationen&#8220;, die echten B\u00fcrgerinitiativen durchaus \u00e4hnlich sehen. Auch in Deutschland werden &#8222;industrienahe&#8220; B\u00fcrgerinitiativen immer aktiver. Eine dieser &#8222;B\u00fcrgerinitiativen&#8220; ist die Gentechnik-Lobbyorganisation mit dem h\u00fcbschen Namen &#8222;Forum Gr\u00fcne Vernunft&#8220;.\u00a0Das &#8222;Forum Gr\u00fcne Vernunft&#8220; hat jetzt f\u00fcr den Vortag der Gro\u00dfkundgebung eine Aktion angek\u00fcndigt. Ein &#8222;Gr\u00fcndervater&#8220; von Greenpeace, der Kanadier Patrick Moore, wird am Freitag, 17. Januar um 11:00 Uhr vor der Greenpeace-Zentrale in Hamburg mit weiteren europ\u00e4ischen Wissenschaftlern eine Mahnwache durchf\u00fchren.\u00a0Patrick Moore ist der neue Star der Genlobby und er wirbt f\u00fcr seine weltweite Kampagne \u201eAllow Golden Rice Now\u201c. Der Protest der Genlobbyisten am 17.1.14 vor der Greenpeace Zentrale ist die Auftakt-Protest-Veranstaltung der Europa-Tour von Patrick Moore. Wer sich die Internetseiten des &#8222;Forum GR\u00dcNE Vernunft&#8220; betrachtet gewinnt schnell den Eindruck, dass es Ziel des Forums ist, mit vorgeschobenen Argumenten die Gewinn- und Machtinteressen der Genkonzerne zu &#8222;maskieren&#8220;. Eine industrienahe \u201eB\u00fcrgerinitiative&#8220;, die Aktionsformen der Umweltbewegung \u00fcbernimmt, ist presse- und werbewirksam.<br \/>\nPatrick Moore wirbt f\u00fcr den &#8222;Golden Rice&#8220;, \u00fcber den man trefflich streiten kann.\u00a0Die Gentechnik-Konzerne haben am Golden Rice haupts\u00e4chlich ein propagandistisches Interesse. Sie erwirtschaften einen wichtigen Teil ihres Umsatzes mit chemischen Spritzmitteln. Ihr vorrangiges Interesse ist es, herbizidresistente Pflanzen und dazugeh\u00f6rige Spritzmittel in Kombination zu verkaufen. Herbizidresistente Pflanzen &#8211; das sind \u00fcber 70 % der weltweit angebauten gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen (GVO-Pflanzen) &#8211; erbringen keine h\u00f6heren Hektarertr\u00e4ge als konventionelle Pflanzen. GVO-Pflanzen werden in der Regel nur auf Gro\u00dffl\u00e4chen und von Gro\u00dfgrundbesitzern angebaut (zumindest bei den herbizidresistenten Pflanzen ist der einzige Vorteil f\u00fcr den Anbauer, dass sich gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen mit weniger Arbeit bewirtschaften lassen), was in der Folge dazu f\u00fchrt, dass h\u00e4ufig Nahrungspflanzen durch Exportpflanzen &#8211; Soja, Energiepflanzen und Baumwolle &#8211; ersetzt werden. Dies wiederum f\u00fchrt dazu, dass ein Sahel-Hungerland wie Burkina Faso GVO-Export-Baumwolle anbaut&#8230; Es geht den Konzernen nicht um den Welthunger, sondern um Geld, Habgier und Macht. Die Gen-Konzerne, die heute mit &#8222;Golden Rice&#8220; und dem Argument des Welthungers Greenwash betreiben, versuchen gleichzeitig durch Patente auf Saatgut Monopole auf die landwirtschaftliche Produktion und Ern\u00e4hrung zu erlangen. Die Agrar-Konzerne Monsanto, Syngenta und Bayer verschaffen sich global immer mehr Patentanspr\u00fcche auf unsere Hauptnahrungspflanzen und bestimmen so die Nahrungsmittelpreise, aus denen sie massive Profite ziehen. Der Welthunger ist immer mehr auch eine Folge der Nahrungsmittelspekulation.<\/p>\n<p>Es gibt in der Werbung ein Grundprinzip:\u00a0&#8222;Lob dich nicht selber &#8211; Lass dich von anderen loben&#8220;. Wenn McDonalds sagt, McDonalds-Hamburger seien die besten, wenn \u00d6l- und Kohlekonzerne den Klimawandel leugnen, wenn die Tabakindustrie das Krebsrisiko herunter spielt, wenn Monsanto die Gentechnik lobt und Atomkonzerne die sichere Kernenergie preisen, dann ist das weniger glaubw\u00fcrdig als wenn &#8222;neutrale Dritte&#8220; die Werbung \u00fcbernehmen und die Konzernmeinung geschickt verkaufen. Immer wieder haben aus diesem Grund Tabak-, Atom- und Genkonzerne WissenschaftlerInnen gekauft und &#8222;ehemalige Umweltsch\u00fctzerInnen&#8220; sind noch &#8222;glaubw\u00fcrdiger&#8220; als ProfessorInnen.<\/p>\n<p>Wenn ein ehemaliger &#8222;Umweltsch\u00fctzer&#8220;\u00a0nach dem Wechsel zur Industrie &#8222;fast so viel verdienen kann wie der Ministerpr\u00e4sident&#8220; (Quelle: Der Spiegel), dann kann sich so ein Wechsel auch finanziell lohnen. Schade, dass \u00fcber solche Zusammenh\u00e4nge \u00e4u\u00dferst selten berichtet wird.\u00a0Selbstverst\u00e4ndlich ist es auch m\u00f6glich, \u00a0dass Umweltsch\u00fctzerInnen ihre Meinung \u00e4ndern und das muss auch f\u00fcr die aufgef\u00fchrten Personen gelten. Nicht jeder, der von einem Umweltverband oder einer B\u00fcrgerinitiative zur Industrie wechselt, darf unter Generalverdacht stehen. Auffallend bei Patrick Moore, Mark Lynas, Bjorn Lomborg, Jens Katzek und anderen prominenten Seitenwechslern sind allerdings die mehr als professionellen, effizienten und aufw\u00e4ndigen Medien-Kampagnen, mit denen die &#8222;Meinungs\u00e4nderung&#8220; verkauft wird. Geben Sie einmal den Namen &#8222;Patrick Moore&#8220; bei einer Suchmaschine ein und Sie werden feststellen, wie eine aufw\u00e4ndige, gut gemachte Werbekampagne funktioniert. Atom- und Genkonzerne haben Werbeetats von vielen Millionen Euro.<\/p>\n<p>Industriegelenkte B\u00fcrgerinitiativen und Umweltorganisationen\u00a0nehmen nach amerikanischem Vorbild immer st\u00e4rker zu:<br \/>\n&#8211; Da gibt es den &#8222;Umweltverband&#8220; &#8222;Entlang des Rheins &#8211; aufildurhin &#8222;, den die Energiekonzerne EDF und EnBW ins<br \/>\neben gerufen haben, um Akzeptanz f\u00fcr das altersschwache AKW Fessenheim zu schaffen.<br \/>\n&#8211; Der Verein &#8222;B\u00fcrger f\u00fcr Technik (BfT)&#8220; arbeitet als &#8222;unabh\u00e4ngige B\u00fcrgerinitiative&#8220; und verbreitet Lobeshymnen \u00fcber<br \/>\ndie Kernkraft, wie Christian Fuchs in einem Artikel der Zeit vom 17.4.2008 schrieb.<br \/>\n&#8211; Energiekonzerne und Aluminiumindustrie &#8222;unterst\u00fctzen&#8220; auch einige B\u00fcrgerinitiativen gegen Windkraft.<br \/>\nOrganisationen wie &#8222;Waste Watcher&#8220;, &#8222;Aktionskreis Energie e.V&#8220;, &#8222;Informationskreis Kernenergie&#8220;,<br \/>\ndas &#8222;Forum Gr\u00fcne Vernunft&#8220; oder &#8222;Genepeace&#8220; sind vergleichbare Scheininitiativen und Lobbyorganisationen.<br \/>\n&#8211; Die taz berichtet, dass es im Bereich Stra\u00dfenbau \u00e4hnliche Industrieaktivit\u00e4ten gibt.<\/p>\n<p>Harte &#8222;amerikanische Methoden&#8220;\u00a0halten Einzug bei den gro\u00dfen sozialen Auseinandersetzungen und Umweltkonflikten, insbesondere und immer dann, wenn sie wirtschaftliche Interessen betreffen. Durch das geplante Freihandelsabkommen mit den USA werden sich diese Probleme noch versch\u00e4rfen. Bei vielen dieser gro\u00dfen Konflikte, insbesondere im Bereich der Atomindustrie und der Gentechnik, geht es um Milliarden von Euro. Soziale Bewegungen, GlobalisierungskritikerInnen und die Umweltbewegung sind seit Jahren mit Spionage, Bespitzelung, Greenwash, Wikipediamanipulation, Akzeptanzforschung und industriegesteuerten Scheinb\u00fcrgerinitiativen konfrontiert. Und auch der &#8222;fliegende Wechsel&#8220; einzelner &#8222;Umweltaktivisten&#8220; von den Umweltverb\u00e4nden zur Industrie, das geschickt genutzte Saulus-Paulus-Prinzip (oder m\u00fcsste es hier Paulus-Saulus-Prinzip hei\u00dfen?) geh\u00f6rt zum PR-Gesch\u00e4ft, in dem die teuersten und &#8222;besten&#8220; PR-Agenturen mitmischen.<\/p>\n<p>16.1.2014,\u00a0Axel Mayer, BUND-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Freiburg<br \/>\nhttps:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/patrick-moore-genlobby.html<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzern- bzw. industriegelenkte B\u00fcrgerinitiativen und Umweltorganisationen\u00a0nehmen nach amerikanischem Vorbild zwecks Greenwash zu, gerade bei gro\u00dfen Themen wie Atomkraft, Gentechnik, Saatgut, Nahrungsmittelspekulation: Namen zum Verwechseln (Bsp: Genepeace), Seitenwechsler liefern Knowhow\u00a0und viel Geld. 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