{"id":4398,"date":"2011-06-20T12:36:39","date_gmt":"2011-06-20T12:36:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=4398"},"modified":"2012-06-03T12:46:03","modified_gmt":"2012-06-03T12:46:03","slug":"pferdewiese-an-der-sonnhalde-wie-eine-stiftung-zu-gelande-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/pferdewiese-an-der-sonnhalde-wie-eine-stiftung-zu-gelande-kam\/","title":{"rendered":"Pferdewiese an der Sonnhalde &#8211; Wie eine Stiftung zu Gel\u00e4nde kam"},"content":{"rendered":"<p><!-- RSPEAK_STOP --><!-- RSPEAK_START -->Die &#8222;Kleine Pferdewiese&#8220; an der Sonnhalde in Herdern geh\u00f6rte einst zum &#8222;<a title=\"Hebsack\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/hebsack\/\">Hebsackgut<\/a>&#8222;, bevor das verkauft wurde. Derzeit k\u00e4mpfen die Herdermer B\u00fcrger um den Erhalt der sogenannten &#8222;Kleinen Pferdewiese&#8220;, f\u00fcr die durch die Stiftungsverwaltung eine Bebauung vorgesehen ist. Dies gibt die M\u00f6glichkeit, einmal zu berichten, wie vor fast genau 100 Jahren das Riesengel\u00e4nde des &#8222;Hebsackgutes&#8220; an die Stadt Freiburg gelangte. Wahrscheinlich befand sich schon zu Zeiten des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges auf der H\u00f6he \u00fcber Herdern ein landwirtschaftlich genutztes Anwesen. Erstmalig wird in den Freiburger Stadtarchiv-Akten im Jahre 1689 ein &#8222;Gut, der Hebsack genannt&#8220; erw\u00e4hnt, das damals der Zunftmeister und Tuchh\u00e4ndler Wilhelm K\u00f6nig zu eigen hatte. <!--more-->1737 brachte seine Tochter Maria Verena bei der Hochzeit mit Franz Baumann ihren Anteil an dem Hebsackgut mit in die Ehe. Am 4. Januar 1782 \u00fcbergab Anna Elisabetha M\u00fcllerin, geborene K\u00f6nigin, das Hofgut in die H\u00e4nde ihres Schwiegersohnes Fridolin Stork. Dieser war Verwalter der Deutschordenskomtur und \u00fcbernahm die Bewirtschaftung des gro\u00dfen landwirtschaftlichen Anwesens, das zu der Zeit bis zur S\u00e4kularisation auch teilweise im Besitz des Freiburger Klosters Allerheiligen war. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/w.online-verlag-freiburg.de\/www\/delivery\/lg.php?bannerid=778&amp;campaignid=363&amp;zoneid=65795&amp;loc=1&amp;referer=http%3A%2F%2Fwww.badische-zeitung.de%2Ffreiburg%2Fwie-eine-stiftung-zu-gelaende-kam--46537768.html&amp;cb=766ffdc19a\" alt=\"\" width=\"0\" height=\"0\" \/>1822 heiratete Albert Moritz Schinzinger die Tochter von Fridolin Stork, Josephine Stork und \u00fcbernahm das Hofgut, zu dem auch eine gro\u00dfe Lehmgrube (Ziegelei) im Gewann Neuen Berg geh\u00f6rte. Schinzinger war als Wirtschaftsadministrator f\u00fcr die Verm\u00f6gensverwaltung der Universit\u00e4t verantwortlich. Das von ihm umgebaute Anwesen ging nach seinem Tod (1858) an den Sohn Fridolin, der im gleichen Jahr die Freifrau Fanny von Linden aus dem schw\u00e4bischen Ellwangen heiratete. Nur wenige Jahre konnte er sich der sch\u00f6nen Aussicht \u00fcber Freiburg erfreuen, denn Fridolin Schinzinger starb nur sieben Jahre nach seinem Vater im Jahr 1865. Seine Witwe aber lebte noch weitere 50 Jahre auf dem Hebsackgut. Eines ihrer vier Kinder, das ebenfalls den Namen Fridolin erhielt, wurde sp\u00e4ter Eigent\u00fcmer des Hofgutes. Aber auch die Tochter Sara, die ledig blieb und in Herdern als Wohlt\u00e4terin bekannt ist, wohnte weiterhin im Haus. Sie war ma\u00dfgeblich an der Erbauung und Einrichtung des ersten katholischen Kindergartens, der &#8222;Kleinkinderbewahranstalt&#8220; St. C\u00e4cilia in Herdern beteiligt. Fridolin wurde ein bekannter Freiburger Schularzt. Doch durch \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Landkauf in Herdern stark verschuldet musste er im Jahre 1912, kurz vor seinem Tod, das gesamte Anwesen mit einem gro\u00dfen, 17 Hektar z\u00e4hlenden Feld- und Wiesenanteil f\u00fcr 300 000 Reichsmark an die Heiliggeistspitalstiftung, die heutige Stiftungsverwaltung, verkaufen. Er hatte zun\u00e4chst der Stadt ein Verkaufsangebot in H\u00f6he von 650 000 Reichsmark unterbreitet, lie\u00df sich aber dann gewaltig herunter handeln. Zu diesem Entgegenkommen bewog ihn vor allem, &#8222;dass das Gut Hebsack der Allgemeinheit zu gute kommt, und nicht, was voraussichtlich wohl der Fall gewesen w\u00e4re, auf dem Weg der Spekulation geteilt w\u00fcrde&#8220;, wie in dem noch vorhandenen Schriftwechsel im Stadtarchiv nachgelesen werden kann. Das gro\u00dfe Herrenhaus wurde von der K\u00e4uferin bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Altenheim genutzt. Danach wohnte bis zu seinem Tod 1970 Oberbaudirektor Joseph Schlippe, der ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Wiederaufbau Freiburgs verantwortlich zeichnet, im Obergeschoss des Geb\u00e4udes. Die Landwirtschaft wurde verpachtet und von dem aus Horben stammenden Bauern Wilhelm Lebtig mit seiner neunk\u00f6pfigen Familie 20 Jahre lang betrieben. Als dieser 1971 den Meierhof in der <a title=\"UWC-Freiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/schulen\/uwc-freiburg\/\">Kartaus<\/a> \u00fcbernahm, wurde er als &#8222;letzter Landwirt Herderns&#8220; verabschiedet. Danach wurde die Scheune im Innern vollkommen umgebaut und in zwei Wohneinheiten, die in Erbpacht \u00fcberlassen wurden, aufgeteilt. Waschhaus und Herrenhaus werden weiterhin direkt durch die Stiftungsverwaltung vermietet und betreut.<br \/>\nBeim Bau der Sonnhalde in den Jahren 1934 bis 1936 wurde erstmals durch die Stiftungsverwaltung ein Teil der Grundst\u00fccke verkauft und bebaut. Dabei wurde bewusst die jetzige untere &#8222;Pferdewiese&#8220; als zentraler Aussichtspunkt hin\u00fcber zum Kaiserstuhl und den Vogesen freigelassen. Sie erhielt sogar ausdr\u00fccklich den Status als Landschaftsschutzgebiet, der jetzt zum Zwecke der Bebauung aufgehoben wurde.<br \/>\nHans Sigmund, 20.6.2011<!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &#8222;Kleine Pferdewiese&#8220; an der Sonnhalde in Herdern geh\u00f6rte einst zum &#8222;Hebsackgut&#8222;, bevor das verkauft wurde. Derzeit k\u00e4mpfen die Herdermer B\u00fcrger um den Erhalt der sogenannten &#8222;Kleinen Pferdewiese&#8220;, f\u00fcr die durch die Stiftungsverwaltung eine Bebauung vorgesehen ist. 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