{"id":4385,"date":"2011-08-22T07:57:30","date_gmt":"2011-08-22T07:57:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=4385"},"modified":"2012-06-03T08:06:42","modified_gmt":"2012-06-03T08:06:42","slug":"haushaltsschule-st-elisabeth-in-herdern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/haushaltsschule-st-elisabeth-in-herdern\/","title":{"rendered":"Haushaltsschule St.Elisabeth in Herdern"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Entwicklung <a title=\"Hebsack\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/hebsack\/\">Herderns<\/a> von der b\u00e4uerlich strukturierten Vorstadt zum Villenvorort am Ende des 19. Jahrhunderts begann man im Stadtteil auch mit der Errichtung von Ausbildungsheimen und Pensionaten. Hier waren es zun\u00e4chst kirchliche Institutionen, die in gr\u00f6\u00dferem Umfang in die &#8222;T\u00f6chterausbildung&#8220; investierten. Vorreiter war dabei das Mutterhaus der Franziskanerinnen im Kinzigtalst\u00e4dtchen Gengenbach. Dessen Schwestern hatten am 2. November 1891 im Stadtteil St\u00fchlinger die &#8222;Haushaltsschule St. Elisabeth&#8220; er\u00f6ffnet. Sechs Jahre sp\u00e4ter wurde dann in Herdern ein Anwesen an der Immentalstra\u00dfe, Ecke L\u00e4ngenhardstra\u00dfe, gekauft. Hier lie\u00dfen die Franziskanerinnen bis 1899 durch den Freiburger Architekten Lukas Geis ein Schwesternhaus errichten. Mit dem Schwesternhaus war die Haushaltsschule verbunden, f\u00fcr die drei Arbeitss\u00e4le vorhanden waren. <!--more-->Neben Kapelle, Refektorium und Speisesaal gab es im Erdgeschoss sogar zwei B\u00e4der. Zur Ausstattung geh\u00f6rten auch ein Musik- und ein Krankenzimmer. Die Einrichtung wurde der heiligen Elisabeth geweiht, das Wohnheim erhielt den Namen des heiligen Franziskus. Noch vor 1900 zogen die ersten 30 Internatsz\u00f6glinge in die Schule ein. Seit der Er\u00f6ffnung der Schule k\u00fcmmerten sich die Ordensschwestern hier vor Ort um die Aus- und Fortbildung von jungen Frauen, die in erster Linie hauswirtschaftliche Kenntnisse erlernten. \u00d6fters war auch ein Kinderhort eingerichtet, einmal sogar ein Altenheim und in den beiden Weltkriegen diente das Geb\u00e4ude teilweise als Lazarett. Erst 1926 wurde die private Schule &#8222;staatlich zugelassen&#8220; und durfte 1938 sogar offiziell als Berufsfachschule firmieren. Mehrmals \u00e4nderte sich auch die Bezeichnung der Einrichtung, vom &#8222;Institut St. Elisabeth&#8220; \u00fcber &#8222;Private Haushaltsschule&#8220; bis hin zu &#8222;Privates T\u00f6chterheim&#8220; reichten die Varianten. Manch eine der in Herdern ausgebildeten Frauen blieb auch in Freiburg &#8222;h\u00e4ngen&#8220;. Schlie\u00dflich galt St. Elisabeth vor dem Zweiten Weltkrieg bei den heiratswilligen M\u00e4nnern des Breisgaus (und auch in Herdern) als &#8222;Geheimtipp&#8220;. Hier fand man nicht nur h\u00fcbsche, sondern auch recht lebenst\u00fcchtige Partnerinnen f\u00fcr ein Leben zu zweit.<br \/>\nIm Laufe der langen Zeit \u00e4nderte sich auch immer wieder Charakter und Inhalt des Schulangebotes. Waren es in den ersten 50 Jahren vor allem junge M\u00e4dchen aus gehobenen Schichten, die hier tugend-\u2011 und sittsam erzogen wurden und eine gute und solide Ausbildung f\u00fcr den Beruf &#8222;Hausfrau und Mutter&#8220; erhielten, so kamen nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem lernschwache weibliche Jugendliche hierher, die in einem ganzheitlichen Bildungsangebot die notwendige Stabilit\u00e4t f\u00fcr ein normales Berufsleben erhalten sollten. Auch diese F\u00f6rdersch\u00fclerinnen erhielten vor allem eine gute hauswirtschaftliche Ausbildung, daneben wurden das Gruppenverhalten, die Freizeitgestaltung und der musische Bereich stark gef\u00f6rdert. Mussten fr\u00fcher die Eltern noch in die eigene Tasche greifen, um die Ausbildung ihrer T\u00f6chter zu finanzieren, so \u00fcbernahm sp\u00e4ter die Bundesanstalt f\u00fcr Arbeit die Kosten f\u00fcr die F\u00f6rderlehrg\u00e4nge. Neben den Schwestern waren seither auch weltliche Lehrkr\u00e4fte und Erzieherinnen an der Schule besch\u00e4ftigt. Das gro\u00dfe im Stile der Neorenaissance errichtete Geb\u00e4ude wurde mehrmals renoviert. In den Jahren 1964\/65 wurde die Haushaltungsschule durch den Architekten Walter Griesbaum erweitert und ein eigenes Sch\u00fclerinnen-Wohnheim im bisherigen Gartengel\u00e4nde errichtet.<br \/>\nIm Jahre 1991 feierte man das 100-j\u00e4hrige Bestehen mit einem gro\u00dfen Fest. Um die Jahrtausendwende lief das umfassende F\u00f6rderprogramm aus. Man hat inzwischen deshalb auch einen Verein (Leben-Lernen-Arbeiten) gegr\u00fcndet, der einen Teil der ausgebildeten Frauen weiter betreut und sie in Teilzeitarbeit vermittelt. So stehen tageweise die jungen Frauen als Hauswirtschaftshilfen zur Verf\u00fcgung, wenn man beispielsweise ein gro\u00dfes Fest feiert oder wenn es gilt, die Mutter zu vertreten, weil diese in eine Kur ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_4386\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/2011\/08\/22\/haushaltsschule-st-elisabeth-in-herdern\/herdern1910-st-elisabeth\/\" rel=\"attachment wp-att-4386\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4386\" class=\"size-thumbnail wp-image-4386\" title=\"herdern1910-st-elisabeth\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/herdern1910-st-elisabeth-180x136.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/herdern1910-st-elisabeth-180x136.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/herdern1910-st-elisabeth.jpg 590w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4386\" class=\"wp-caption-text\">Haushaltungsschule St. Elisabeth rechts unten, 1910 noch mitten in den Weinbergen. Heute ist durch den inzwischen \u00fcber einhundert j\u00e4hrigen Baumbestand und die dichte Besiedlung die Sicht weitgehend eingeschr\u00e4nkt - Archiv Hans Sigmund<\/p><\/div>\n<p>Auf alten Fotos ist noch die topografische Situation ersichtlich, die zur Zeit der Errichtung der Haushaltsschule im Immental vorhanden war. Damals, im Jahre 1899, wurden noch Reben sowohl an den H\u00e4ngen als auch bis hinunter an die Stadtstra\u00dfe angebaut. Nur wenige Villen standen schon an den Schlossbergh\u00e4ngen. Das Gewann L\u00e4ngenhard tr\u00e4gt heute statt den Weinbergen eine oft mehrst\u00f6ckige (Terrassen-) Wohnbebauung. Es steht aber noch das alte, zu Wohnzwecken umgebaute \u00d6konomiegeb\u00e4ude hinter dem Schulgeb\u00e4ude am sogenannten Hexenwegle, einem Fu\u00dfweg, der die L\u00e4ngenhard- mit der Wintererstra\u00dfe verbindet.<br \/>\nHans Sigmund, Freiburg-Herdern, 22.8.2011<!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Entwicklung Herderns von der b\u00e4uerlich strukturierten Vorstadt zum Villenvorort am Ende des 19. Jahrhunderts begann man im Stadtteil auch mit der Errichtung von Ausbildungsheimen und Pensionaten. Hier waren es zun\u00e4chst kirchliche Institutionen, die in gr\u00f6\u00dferem Umfang in die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/haushaltsschule-st-elisabeth-in-herdern\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[235,95],"tags":[],"class_list":["post-4385","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-schulen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4385","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4385"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4385\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}