{"id":42536,"date":"2013-12-16T14:35:07","date_gmt":"2013-12-16T13:35:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=42536"},"modified":"2013-12-16T14:36:41","modified_gmt":"2013-12-16T13:36:41","slug":"umwelt-jahresrueckblick-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/umwelt-jahresrueckblick-2013\/","title":{"rendered":"Umwelt-Jahresrueckblick 2013"},"content":{"rendered":"<p>Umweltpolitischer Jahresr\u00fcckblick 3013 &#8211; Mensch, <a title=\"Naturschutz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/naturschutz\/\">Natur<\/a> und <a title=\"Oeko\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/oeko\/\">Umwelt<\/a> (nicht nur) in S\u00fcdbaden und am <a title=\"Trirhena\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/trirhena\/\">Oberrhein<br \/>\n<\/a>Mit der Weihnachtsreklame flatterte uns ein Hochglanzprospekt f\u00fcr teure Edeljeans ins Haus. F\u00fcr &#8222;nur&#8220; 99 Euro wurde eine neue, abgewaschene, <a title=\"Altkleider\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handel\/altkleider\/\">stark zerl\u00f6cherte Jeans <\/a>angeboten. Solange solche Produkte <a title=\"Konsum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/verbraucher\/konsum\/\">K\u00e4ufer und K\u00e4uferinnen<\/a> finden, hat es eine vernunftorientierte Umwelt- und Naturschutzarbeit nicht einfach.<!--more--><\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2013 gabs im Osten der Bundesrepublik<br \/>\nein heftiges <a title=\"Hochwasser\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/wasser\/hochwasser\/\">Hochwasser<\/a>. Die Rheinanlieger blieben verschont. Wir und alle St\u00e4dte rheinabw\u00e4rts hatten ein riesiges Gl\u00fcck, denn in der Zeit des Starkregens war es in den Alpen richtig kalt. Bei h\u00f6heren Temperaturen w\u00e4re zum Starkregen noch die Schneeschmelze hinzugekommen und auch am Rhein w\u00e4re wieder einmal &#8222;Landunter&#8220; gewesen. Der menschengemachte Klimawandel verst\u00e4rkt diese Probleme, nicht nur auf den Philippinen, sondern auch bei uns. Darum engagieren wir uns schon lange f\u00fcr ein Miteinander von Hochwasserschutz und Naturschutz am Rhein, aber auch f\u00fcr die Renaturierung der naturfernen Rheinzufl\u00fcsse unserer Heimat, von Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig. Gerade das sch\u00f6ne Naturschutzgebiet Taubergie\u00dfen braucht regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberflutungen.<\/p>\n<p>Der 28.November 2013 war ein guter Tag f\u00fcr Baden W\u00fcrttemberg<br \/>\nDer Landtag von Baden-W\u00fcrttemberg beschloss endlich das Gesetz zur Errichtung eines Nationalparks im Schwarzwald mit 71 zu 63 Stimmen. Die FDP und fast die gesamte CDU stimmen gegen Natur und Nationalpark. GR\u00dcNE und SPD stimmen daf\u00fcr. Der &#8222;umstrittene&#8220; Nationalpark Nordschwarzwald soll leider nur die Mindestfl\u00e4che von ca. 10.000 Hektar (100 Quadratkilometer) umfassen. Der t\u00e4gliche Fl\u00e4chenverbrauch in Deutschland liegt bei ca. 100 Hektar am Tag. Der Park hat also diejenige Fl\u00e4che, die in Deutschland in hundert Tagen bebaut, zersiedelt, entwertet und zerst\u00f6rt wird. Auch der BUND am S\u00fcdlichen Oberrhein hat mit Veranstaltungen, Plakaten, Aufklebern und Aktionen f\u00fcr den Nationalpark gek\u00e4mpft. Dennoch \u00e4rgert uns unsere eigene Argumentation. Wir mussten stets in der zerst\u00f6rerischen &#8222;Mehr-Haben-Logik&#8220; argumentieren, also beispielsweise mit den vielen zus\u00e4tzlichen Arbeitspl\u00e4tzen im Tourismus, die ein neuer Nationalpark schaffen wird. Der &#8222;Wert der Natur an sich&#8220; spielt in Zeiten der Gier in der \u00f6ffentlichen und ver\u00f6ffentlichten Debatte fast \u00fcberhaupt keine Rolle. Da gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen Nationalparkdebatten im Schwarzwald, in Afrika oder Amazonien.<\/p>\n<p>Die Macht der Konzerne<br \/>\nsp\u00fcrten wir durch einen massiven Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer. In einem Artikel zur umweltfreundlichen Bek\u00e4mpfung des Buchsbaumz\u00fcnslers hatten wir auf unserer Homepage ein Neonicotinoid, ein Produkt mit dem Bayer viel Geld verdient, als bienengef\u00e4hrlich bezeichnet. Doch wenn von 100 Bienen, die mit diesem Gift in Ber\u00fchrung kommen, am zweiten Tag noch 51 Bienen \u00fcberlebt haben, dann darf dieses Gift nicht als bienengef\u00e4hrlich bezeichnet werden. Unter Androhung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro (!) mussten wir innerhalb von drei Tagen den Eintrag auf der Homepage \u00e4ndern. Gleichzeitig wollten die Anw\u00e4lte noch viele andere \u00c4nderungen im Sinne des Bayer-Konzerns, doch dort wo wir recht haben wird von uns nichts ge\u00e4ndert. Unser kleiner BUND-Regionalverband muss mit jedem Cent rechnen, um seine Arbeit leisten zu k\u00f6nnen und dennoch m\u00fcssen wir der Macht der gro\u00dfen Konzerne standhalten und d\u00fcrfen uns nicht verbiegen lassen.<\/p>\n<p>Mit Sorge sahen wir im Jahr 2013<br \/>\nauch die anderen, bundesweiten Medienkampagnen von Kohle- Atom und Chemiekonzernen und Klimawandelleugnern. Wie war es m\u00f6glich, den Veggieday, ein \u00f6kologisches F\u00fcrzlein aus einer Nische des GR\u00dcNEN Wahlprogrammes zu einem bedrohlich-gigantischen Tornado aufzublasen und die Medienkampagne gegen einen vegetarischen Tag in Kantinen, als &#8222;Kampf f\u00fcr Freiheit&#8220; zu inszenieren? EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON haben es 2013\u00a0 geschafft die Energiewende schlecht zu reden und bei den Koalitionsverhandlungen der &#8222;GROKO&#8220; sa\u00df die Atom- und Kohlelobby erfolgreich mit am Verhandlungstisch. Gut organisierte Netzwerke organisierten einen Shitstorm gegen das Umweltbundesamt und verglichen die Beh\u00f6rde mit dem Nazi-Propagandaministerium. Es gab industriegelenkte Kampagnen gegen genkritische WissenschaftlerInnen, die an B\u00f6sartigkeit und Vernichtungswillen nicht mehr zu \u00fcbertreffen waren. Auch als der BUND-Bundesverband im Herbst 2013, mit einem durchaus harten Video, den Einsatz des Unkrautkillers Glyphosat scharf kritisierte, wurde von den Agro-Konzernen eine Medienkampagne organisiert. In der Umweltbewegungen fehlt es an kritischer Analyse solcher industriegelenkter Kampagnen und wer nicht analysiert, kann sich auch nicht wehren. Wenn sich die Umweltbewegung nicht wehrt, k\u00f6nnte uns im n\u00e4chsten Jahr das Freihandelsabkommen mit den USA Genfood, Hormonfleisch, Chlorh\u00e4hnchen und demokratie- und freiheitsbedrohende Konzernmacht bringen.<\/p>\n<p>AKW-Fessenheim-Abschaltung 2016?<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich hat sich auch der BUND am Oberrhein an den Gespr\u00e4chen mit Herrn &#8222;Fessenheim-Abschalten&#8220;, dem Vertreter von Staatspr\u00e4sident Hollande beteiligt. Unsere Forderungen waren:<br \/>\n\u00a0 a.. Eine schnelle Abschaltung des Pannenreaktors<br \/>\n\u00a0 b.. Eine schnellstm\u00f6gliche Entleerung der hochgef\u00e4hrlichen Brennelementebecken<br \/>\n\u00a0 c.. Kein Neubau eines AKW in Fessenheim durch eine &#8222;Nachfolgeregierung&#8220;<br \/>\nWir glauben, dass Herr Hollande das AKW Fessenheim tats\u00e4chlich abschalten will. Doch ob der immer mitregierende Atomkonzern EDF das zul\u00e4sst und ob die Legislaturperiode f\u00fcr eine Abschaltung noch reicht, ist offen. Mit einer gro\u00dfen Postkartenaktion erinnern wir Ministerpr\u00e4sident Kretschmann an den dringend notwendigen Katastrophenschutz f\u00fcr die Menschen in der Umgebung von Atomkraftwerken. Solange uns in Baden-W\u00fcrttemberg noch in- und ausl\u00e4ndische Atomanlagen bedrohen, sollte aus dem alten, schwarz-gelben &#8222;Katastr\u00f6phchenschutz&#8220; endlich ein realistischer Katastrophenschutz werden. Wir m\u00fcssen den Druck aufrecht erhalten und darum wird die Umweltbewegung zum Fukushima-Jahrestag, am Sonntag, den 9.3.2014 um 14 Uhr auf vielen Rheinbr\u00fccken am Oberrhein kleine und gro\u00dfe Aktionen durchf\u00fchren.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\nTraurige &#8222;Rechthabereien&#8220;<br \/>\na.. Das Thema Grundwasserversalzung durch die els\u00e4ssischen Kaliminen\u00a0<br \/>\nbesch\u00e4ftigt uns seit Jahrzehnten. Schon lange machen wir darauf aufmerksam, dass eine Million Tonnen Salz, die auf der Fessenheimer Rheininsel versickerten, im Grundwasser in Breisach schon angekommen sind. Bei einer Veranstaltung in Breisach wurde jetzt deutlich, dass unsere alten Bef\u00fcrchtungen von der Realit\u00e4t weit \u00fcbertroffen wurden. Viele Hauseigent\u00fcmer beklagen salzbedingte Wasserrohrbr\u00fcche und massive, teure Sch\u00e4den an Heizungsanlagen. Seit Jahrzehnten \u00e4rgert es uns, dass die Verursacher der Sch\u00e4den, die Mines de Potasse d&#8216; Alsace nicht zur Verantwortung gezogen werden. Viele Jahre hie\u00df es dazu aus dem Breisacher Rathaus, dass so eine Klage &#8222;nichts bringen w\u00fcrde&#8220;. Heute wird gesagt: &#8222;Wir w\u00fcrden ja gerne klagen, aber daf\u00fcr ist es jetzt leider zu sp\u00e4t&#8220;. Bei fast allen gro\u00dfen Umweltkonflikten kommen die gro\u00dfen Umwelts\u00fcnder ungeschoren davon und die Kosten tragen die SteuerzahlerInnen.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\nb.. Auch bei der Giftm\u00fclldeponie Stocamine kommt es teuer,\u00a0<br \/>\ndass nicht auf die badisch-els\u00e4ssischen Umweltverb\u00e4nde und den BUND geh\u00f6rt wurde. Jetzt endlich soll die Bergung der quecksilberhaltigen Abf\u00e4lle aus dem Giftm\u00fclllager Stocamine bei Mulhouse beginnen. Als Stocamine 1999 in Betrieb ging, hielten die Beh\u00f6rden den Standort f\u00fcr absolut sicher und h\u00f6rten nicht auf unsere berechtigte Kritik. Der &#8222;nicht brennbare Giftm\u00fcll&#8220; brannte monatelang und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird Salzsole in das einstige Kalibergwerk eindringen. Dann k\u00f6nnten die hochgiftigen Substanzen das Grundwasser kontaminieren. Stocamine liegt etwa 30 Kilometer vom Rhein entfernt. Auch hier setzt sich der BUND f\u00fcr &#8222;enkeltaugliche&#8220; L\u00f6sungen der Probleme ein.<\/p>\n<p>Das leidige Thema &#8222;Fl\u00e4chenverbrauch&#8220; und die damit verbundene Verscheu\u00dflichung der Landschaft<br \/>\nbesch\u00e4ftigt uns Jahr f\u00fcr Jahr. Entlang der Bundesstra\u00dfe 3 entsteht ein Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Im Rahmen der Fortschreibung des Regionalplanes engagieren wir uns f\u00fcr Mensch, Natur und eine lebenswerte nachhaltige Zukunft. Die sinnvollen, ersten, viel zu vorsichtigen Versuche der gr\u00fcn-roten Landesregierung, den Fl\u00e4chenverbrauch zumindest ein wenig zu bremsen, f\u00fchrten zu einem Aufschrei der B\u00fcrgermeister am Oberrhein. Es ist gut, dass aus der \u00fcblichen Ank\u00fcndigungspolitik endlich politisches Handeln erw\u00e4chst.<br \/>\nSehr gefreut haben wir uns \u00fcber den SWR-Film zu 40 Jahren Wyhl-Protest,<br \/>\nder auch jetzt noch in der SWR- Mediathek zu finden ist. Umstrittene Umwelt- und Naturschutzthemen finden h\u00e4ufig &#8222;mit einer gewissen Zeitverz\u00f6gerung&#8220; \u00f6ffentliches Geh\u00f6r und Lob.<br \/>\nEbenfalls gefreut haben wir uns \u00fcber den Naturschutzpreis der Stadt Freiburg. Die Aktiven in unserem Arbeitskreis Naturschutz erhielten zusammen mit dem NABU den 1. Preis f\u00fcr den Amphibienschutz im Kappler Kleintal, wo wir seit Jahrzehnten eine der gr\u00f6\u00dften Amphibienpopulationen S\u00fcdbadens betreuen.<\/p>\n<p>Bei aller berechtigten Kritik an den Zust\u00e4nden am Oberrhein und in Deutschland<br \/>\nist es wichtig, an den aktuellen, globalen Krieg gegen die Armen zu erinnern, denn Nachhaltigkeit gibt es nicht ohne soziale Gerechtigkeit. Im Jahr 2013 wurden die Sklavenhalterbedingungen deutlich, unter denen unsere Hemden in Bangladesch gen\u00e4ht und die Olympiabauten in Katar erstellt werden. Wir leben in einer Zeit, in der alle f\u00fcnf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen stirbt und in der 843 Millionen Menschen schwerst unterern\u00e4hrt sind. Global denken und lokal f\u00fcr Nachhaltigkeit k\u00e4mpfen bleibt auch im Jahr 2014 unsere Devise.<br \/>\n16.12.2013, Axel Mayer, <a title=\"BUND\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/bund\/\">BUND<\/a>-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Freiburg, <a href=\"mailto:bund.freiburg@bund.net\">bund.freiburg@bund.net<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bund-freiburg.de\/\">www.bund-freiburg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umweltpolitischer Jahresr\u00fcckblick 3013 &#8211; Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) in S\u00fcdbaden und am Oberrhein Mit der Weihnachtsreklame flatterte uns ein Hochglanzprospekt f\u00fcr teure Edeljeans ins Haus. F\u00fcr &#8222;nur&#8220; 99 Euro wurde eine neue, abgewaschene, stark zerl\u00f6cherte Jeans angeboten. 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