{"id":40862,"date":"2013-09-09T21:42:07","date_gmt":"2013-09-09T19:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=40862"},"modified":"2013-11-15T21:42:54","modified_gmt":"2013-11-15T20:42:54","slug":"muenstertalbahn-in-d-und-elsass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/muenstertalbahn-in-d-und-elsass\/","title":{"rendered":"Muenstertalbahn in D und Elsass"},"content":{"rendered":"<p>Ein neues <a title=\"Eisenbahn\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/verkehr\/eisenbahn\/\">Eisenbahnzeitalter<\/a> bricht im S\u00fcdlichen Breisgau an, wenn mit Beginn des neuen Schuljahres der Elektrozug &#8222;Talent&#8220; offiziell seinen Betrieb auf der M\u00fcnstertalbahn aufnimmt. Genau 99 Jahre sind es her, dass Willibald Strohmeyer, Pfarrer in <a title=\"Muenstertal\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/muenstertal\/\">St. Trudpert<\/a> von 1909 bis 1945, am 20. Juli 1914 in seinem penibel gef\u00fchrten Tagebuch vermerkte: &#8222;Gestern wurde endlich mit dem Bahnbau Staufen-M\u00fcnstertal begonnen.<!--more--> Was lange w\u00e4hrt, wird endlich gut.&#8220; Ganz so gut wie erhofft, lief es dann doch nicht, denn nur wenige Tage sp\u00e4ter schrieb Strohmeyer am 1. August ins Tagebuch: &#8222;Allgemeine Mobilmachung \u2013 Ausbruch des Krieges.&#8220; Dieser war letztlich der entscheidende Grund, dass der Bau der knapp sechs Kilometer langen Bahnstrecke von Staufen ins M\u00fcnstertal nicht so schnell wie geplant voranging und der erste Zug erst fast zwei Jahre sp\u00e4ter am 1. Mai 1916 im Bahnhof Unterm\u00fcnstertal einfuhr.<br \/>\nDas Eisenbahnzeitalter begann in unserer Region in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1845 wurde Freiburg und 1847 Krozingen an die Eisenbahnhauptstrecke Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, M\u00fcllheim angeschlossen. Die etwas abseits gelegenen St\u00e4dtchen Staufen und Sulzburg mussten weitere 47 Jahre auf ihren Bahnanschluss warten. Noch 1890 hoffte Kirchhofen auf einen Anschluss an die Hauptbahnlinie, denn \u2013 so ist dem Staufener Wochenblatt vom 20. M\u00e4rz 1890 zu entnehmen \u2013 es sei eine Bahnlinie Wolfenweiler \u2013 Kirchhofen \u2013 Staufen \u2013 Sulzburg geplant gewesen.<br \/>\nIn der Diskussion jener Jahre war auch eine Art Ringbahn von Gottenheim \u00fcber Schallstadt, Ehrenstetten und S\u00f6lden nach Freiburg. Auch eine Bahnlinie Krozingen \u2013 Breisach hatte damals gute Chancen, Realit\u00e4t zu werden. Doch dann schlug die Stunde f\u00fcr das &#8222;Staufener B\u00e4hnle&#8220;. Innerhalb nur eines halben Jahres, vom 7. Juni (Spatenstich) bis 20. Dezember 1894 (erste Zugfahrt), wurde die 11,6 Kilometer lange Bahnstrecke Krozingen \u2013 Staufen \u2013 Sulzburg fertiggestellt, nachdem auch die zuvor favorisierte Schmalspurbahn Heitersheim \u2013 Dottingen \u2013 Ballrechten \u2013 Sulzburg nicht zustande gekommen war.<br \/>\nPlanungen f\u00fcr Eisenbahnlinien gab es an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert im s\u00fcdbadischen wie im els\u00e4ssischem Raum offenbar zuhauf. Der mit der Eisenbahn erzielte wirtschaftliche Aufschwung im S\u00fcdlichen Breisgau (das Staufener B\u00e4hnle erwirtschaftete bereits im ersten Betriebsjahr 20 Prozent mehr Einnahmen als erwartet) f\u00fchrte zu recht euphorischen Pl\u00e4nen. So lie\u00df 1896 die Freiburger Bankgesellschaft Bouisson &amp; Simon den Plan f\u00fcr den Bau einer Eisenbahn Staufen \u2013 M\u00fcnstertal \u2013 Mulden \u2013 Kaltwasser mit Fortf\u00fchrung einer Drahtseilbahn zum Belchen ausarbeiten.<br \/>\nSechs Jahre sp\u00e4ter, am 1. Juli 1902, meldete das Staufener Wochenblatt, dass &#8222;das Projekt einer M\u00fcnstertalbahn lebhaft er\u00f6rtert wird&#8220;. Der durchgehende Transport des Holzes auf der Schiene anstatt auf der Achse (Fuhrwerk) vom waldreichen M\u00fcnstertal bis an den Rhein schien in der Tat eine praktische und lukrative Sache zu sein. Schlie\u00dflich waren es aber auch die B\u00fcrger des M\u00fcnstertales, die einen Bahnanschluss an die schon bestehende Nebenbahn Krozingen \u2013 Staufen w\u00fcnschten, &#8222;vorerst auch nur bis zum Wasen&#8220;, denn aus dem Obertal war wenig Interesse an einer Bahn und deren Finanzierung gezeigt worden.<br \/>\nNachdem der Zentrumsabgeordnete Julius Sch\u00fcler im Badischen Landtag die Opferbereitschaft der Gemeinde Unterm\u00fcnstertal (kostenfreies Gel\u00e4nde und 15 000 Mark pro Gleiskilometer) als &#8222;geradezu musterg\u00fcltig&#8220; dargestellt hatte, traf am 30. Juli 1913 die Baugenehmigung f\u00fcr die 5763 Meter lange Bahnstrecke ein. Deren Verwirklichung zog sich vom ersten Spatenstich am 9. Oktober 1913 bis zur Fertigstellung \u00fcber zwei Jahre hin. Am 5. Mai 1915 schrieb Strohmeyer in sein Tagebuch: &#8222;Gegenw\u00e4rtig arbeiten 50 Franzosen an der Bahn, es sind Zivilgefangene, die von vier Landsturmm\u00e4nnern bewacht werden.&#8220;<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\n<strong>Bahnbau im els\u00e4ssischen M\u00fcnstertal<\/strong><br \/>\nNahezu zeitgleich zum Bahnbau im S\u00fcdbadischen gab es \u00e4hnliche Eisenbahnplanungen auf dem jenseitigen damaligen Reichsgebiet im Elsass. Nur rund 40 Kilometer westw\u00e4rts war im els\u00e4ssischen M\u00fcnstertal bereits 1868 eine Eisenbahnlinie zwischen Colmar und Munster und 1893 weiterf\u00fchrend bis Metzeral eingeweiht worden, die bis heute in Betrieb ist. Doch die Planungen gingen auch hier weiter. Analog zum badischen M\u00fcnstertal, wo der Belchengipfel (vergeblich) mit einer Seilbahn bezwungen werden sollte, war das Ziel der (damaligen deutschen) Eisenbahnbauer die Vogesenkammh\u00f6he Col de la Schlucht am Ende des Tales Kleine Fecht \u2013 mit 1160 Metern etwa die H\u00f6he des Schauinslandes im Schwarzwald. Nachdem die Franzosen von Gerardmer auf der Vogesen-Westseite her bereits im Jahr 1904 den Col de la Schlucht mit einer fast 20 Kilometer langen Eisenbahnlinie erreicht hatten, bauten Tausende von franz\u00f6sischen und deutschen Mineuren in Rekordzeit eine elektrische Tramway-Linie von Munster auf den Col de la Schlucht. Die 800 H\u00f6henmeter \u00fcberwand die Schmalspurbahn auf 13,6 Kilometern L\u00e4nge, davon 2,8 Kilometer mittels Zahnradspur, \u00fcber kunstvoll angelegte Trassen mit bis zu 22 Prozent Steigung und durch einen in die Felsen geschlagenen Tunnel. Zu jener Zeit galt die Tramway auf den Col de la Schlucht als die h\u00f6chste Bergbahn im Deutschen Reich.<br \/>\nAm 13. Mai 1907 wurde die Tramway-Linie in Munster und auf dem deutsch-franz\u00f6sischen Grenzbahnhof Col de la Schlucht mit viel Prominenz eingeweiht. In den nachfolgenden Vorkriegsjahren waren sich verkehrstechnisch nicht nur Vogesen und Schwarzwald sondern auch die Menschen n\u00e4her gekommen. Im ausgehenden Kaiserreich erlebte der Tourismus durch die gut situierten &#8222;Sommerfrischler&#8220; beiderseits des Rheins im Schwarzwald und in den Vogesen \u2013 nicht zuletzt Dank der Eisenbahn \u2013 eine, wenn auch nur kurze, Bl\u00fctezeit.<br \/>\nBereits am 3. September 1914 \u2013 als gerade die s\u00fcdbadische M\u00fcnstertalbahn im Bau war \u2013 wurde die els\u00e4ssische Schlucht-Tramway &#8222;Opfer des Ersten Weltkrieges&#8220;, wie es der Colmarer Historiker und Volkskundler G\u00e9rard Leser beschreibt. Von der ehemaligen Schmalspur-Zahnradtrasse der els\u00e4ssischen Tramway auf den Col de la Schlucht ist ebenso wenig \u00fcbrig geblieben wie auf badischer Seite von der Bahnlinie Staufen-Sulzburg, die 1969 im 75. Jahr ihres Bestehens stillgelegt wurde.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\nDamit war auch der Weiterbetrieb der badischen M\u00fcnstertalbahn in h\u00f6chstem Ma\u00dfe in Frage gestellt. Doch im Jahre 1976 setzten sich die Gemeinder\u00e4te von Staufen und M\u00fcnstertal mit aller Vehemenz gegen damals kursierende Stilllegungspl\u00e4ne der M\u00fcnstertalbahn ein \u2013 mit Erfolg, wie die seitherige Geschichte der Nebenbahn beweist. Die Euphorie der Eisenbahngr\u00fcnderjahre ist ebenso vorbei wie die Phase der Stilllegungspl\u00e4ne. Statt &#8222;Dampf-B\u00e4hnle&#8220;, &#8222;Feurigem Elias&#8220; oder &#8222;Fauchender Donnerb\u00fcchse&#8220; sind Realit\u00e4tssinn und Umweltbewusstsein eingekehrt \u2013 mit Dieseltriebwagen, Regio-Shuttle und jetzt Elektro-S-Bahnzug &#8222;Talent&#8220; \u2013 zum Nutzen der einheimischen Sch\u00fcler und Pendler, zur Freude der Besucher und Ferieng\u00e4ste. Nach rund 100 Jahren schlie\u00dft sich der Kreis einer regionalen Eisenbahngeschichte, die erfreulicherweise heute keine nationalen Grenzen mehr kennt.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\nAnl\u00e4sslich der Inbetriebnahme der elektrifizierten Bahnstrecke zwischen Bad Krozingen und Staufen l\u00e4dt die SWEG auf das letzte Septemberwochenende, Samstag und Sonntag, 28. und 29. September, zum kostenlosen Eisenbahnfahren auf dem neuen Elektrozug ein. An den Bahnh\u00f6fen Bad Krozingen, Staufen und M\u00fcnstertal werden einheimische Vereine Bewirtungsst\u00e4nde einrichten. Die offizielle Er\u00f6ffnung der Bahnlinie erfolgt eine Woche zuvor am Samstag, 21. September, zwischen 10 und 12 Uhr durch Verkehrsminister Winfried Hermann mit der Enth\u00fcllung der Gemeindewappen an den Bahnstationen durch die B\u00fcrgermeister von M\u00fcnstertal, Staufen und Bad Krozingen.\u00a0<!-- RSPEAK_STOP -->\u00a0<br \/>\n9.9.2013, Manfred Lange<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Eisenbahnzeitalter bricht im S\u00fcdlichen Breisgau an, wenn mit Beginn des neuen Schuljahres der Elektrozug &#8222;Talent&#8220; offiziell seinen Betrieb auf der M\u00fcnstertalbahn aufnimmt. 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