{"id":39921,"date":"2013-11-03T13:45:28","date_gmt":"2013-11-03T12:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=39921"},"modified":"2013-11-05T14:58:21","modified_gmt":"2013-11-05T13:58:21","slug":"bauernhof-nachfolge-3-formen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bauernhof-nachfolge-3-formen\/","title":{"rendered":"Bauernhof-Nachfolge &#8211; 3 Formen"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Landwirt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/\">Landwirte<\/a> werden immer \u00e4lter (nur 7% sind j\u00fcnger als 35),\u00a0immer mehr Bauern geben auf (ca 42000 <a title=\"Bauernhof\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bauernhof\/\">Bauernh\u00f6fe<\/a> 2013 gegen\u00fcber 60000 <a title=\"Schweighoefe\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/stmaergen\/schweighoefe\/\">H\u00f6fen<\/a> 2000 in BW). Das Modell &#8222;Hofverkauf an reichen St\u00e4dter und Ackerverpachtung an benachbarten Landwirt&#8220; funktioniert nicht endlos.\u00a0Zur Hof\u00fcbergabe bieten sich drei Formen\u00a0an: Gr\u00fcnderplattform (wie Hofgruender.de), Beteiligungsgesellschaft (wie <a title=\"Regionalwert\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/regionalwert\/\">Regionalwert AG<\/a>) oder <a title=\"Mathislehof\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bauernhof\/mathislehof\/\">Solidarhof<\/a> (wie <a title=\"Urban-Gardening\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/urban-gardening\/\">Luzernenhof<\/a>).<!--more--><\/p>\n<p><strong>Bauer sucht Nachfolger: Neue Wege f\u00fcr Landwirte in S\u00fcdbaden<\/strong><br \/>\nJunge Leute finden keine H\u00f6fe, Landwirte keine geeigneten Nachfolger \u2013 doch neue Wege f\u00fchren die Suchenden zusammen. Auch in S\u00fcdbaden gibt es Modelle, die helfen, H\u00f6fe vor dem Sterben zu bewahren. Nicht jeder Bauer kann sicher sein, seinen Hof bis zur n\u00e4chsten Ernte durchzubringen. &#8222;70 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe sind in der Nachfolgeregelung nicht abgesichert&#8220;, sagt Christian Vieth (37). Der Sohn von Freizeitwinzern aus Niederwallmenach im pf\u00e4lzischen Rhein-Lahn-Kreis nahe der Loreley am Rhein wollte schon als Kind Landwirt werden. Er will es noch immer. Aber zun\u00e4chst will der Gro\u00dfhandelskaufmann, der in Kassel \u00f6kologische Agrarwissenschaft studiert hat, anderen zu einem Hof verhelfen. Sein Projekt namens Hofgr\u00fcnder bringt Landwirte, die einen Hof suchen, mit Bauern zusammen, die einen abgeben m\u00fcssen oder wollen. Das ehrgeizige Vorhaben von Vieth wird von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft der GLS-Bank unterst\u00fctzt. Christian Vieth ist Mitglied von Akosha, dem weltweit gr\u00f6\u00dften F\u00f6rdernetzwerk f\u00fcr Non-Profit-Organisationen. Es geht ihm nicht alleine darum, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. &#8222;Eine solche Vermittlung ist sehr schwierig und braucht viel Beratung&#8220;, hat Vieth festgestellt. Es gibt keine Standardl\u00f6sung, jeder Hof ist anders, jeder Gr\u00fcnder hat eine andere Idee, wie er oder sie sich Landwirtschaft vorstellen. Ackerbau, Viehzucht, mehrere Standbeine? Das sind lediglich die betriebswirtschaftlichen Aufgaben.<br \/>\nHinzu kommen die eigentumsrechtlichen Fragen: Schenkung, Verkauf, Verpachtung? Sie ber\u00fchren auch das heikle Thema: Was wird mit dem Altbauern und seiner Frau? Und mit deren Altersversorgung? Bleiben sie auf dem Hof oder in der N\u00e4he auf dem Altenteil? Und werden sie sich weise aus dem Tagesgesch\u00e4ft der Neuen heraushalten oder nicht?<br \/>\nDas sind Themen, mit denen sich auch die Beratungsstelle Familie und Betrieb der Katholischen Landvolkbewegung in der Erzdi\u00f6zese Freiburg in St. Ulrich k\u00fcmmert. <a title=\"Kartaus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/garten\/kartaus\/\">Eva-Maria Sch\u00fcle <\/a>wei\u00df, wie schwer es Landwirten f\u00e4llt, ihren Hof an einen Fremden abzugeben: &#8222;Traditionell gibt man innerhalb der Familie weiter&#8220;, sagt sie. Alles andere wird skeptisch bewertet. Mit Christian Vieth aber arbeitet sie gerne zusammen: &#8222;Er verbindet Fachkompetenz und Feingef\u00fchl.&#8220; Und er motiviere Zaghafte, in der \u00dcbergabe an Fremde eine Chance zu sehen. &#8222;So eine \u00dcbergabe dauert zwischen drei und f\u00fcnf Jahre&#8220;, sagt Vieth. In einem Jahr hat seine B\u00f6rse mehr als 3000 Kontakte vermittelt, zur Zeit sind bei ihm 84 Hofangebote und 190 Hofgesuche registriert. Das \u00dcberangebot an Suchenden zeigt, dass es unter jungen Leuten wachsendes Interesse an einem landwirtschaftlichen Beruf gibt. &#8222;Da gibt es vielschichtige Motive&#8220;, sagt Eva-Maria Sch\u00fcle, &#8222;manchmal ein wenig Romantik, viel Idealismus, aber meistens eine bewusste Entscheidung&#8220;. In der Regel haben die Gr\u00fcndungswilligen Bez\u00fcge zum Landleben, St\u00e4dter sind eher selten. &#8222;Die meisten Suchenden sind hoch qualifiziert, oft studiert und praxiserfahren, oft \u00f6kologisch orientiert&#8220;, sagt Vieth \u2013 aber meist ohne Eigenkapital. Das ist die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde, denn ein Arbeitsplatz in der Landwirtschaft ist teuer. Mehr als 400.000 Euro sind als Investition daf\u00fcr n\u00f6tig, ohne Kredit geht das nicht. Weil aber die Banken z\u00f6gerlich und skeptisch sind, m\u00fcssen oft andere Wege der Finanzierung gefunden werden. Es gibt Partner, die helfen k\u00f6nnen. In S\u00fcdbaden ist das die <a title=\"Sozialunternehmen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/sozialunternehmen\/\">Regionalwert AG<\/a>, gegr\u00fcndet vom vielfach preisgekr\u00f6nten Eichstettener Landwirt Christian Hiss.<br \/>\nDie Regionalwert AG sammelt Geld, um es als Beteiligungskapital f\u00fcr landwirtschaftliche Existenzgr\u00fcnder einzusetzen \u2013 zum Beispiel f\u00fcr Joel Siegel (32). Der gelernte Obstbautechniker und fr\u00fchere Sozialarbeiter suchte lange und fand 2009 endlich einen 20 Hektar gro\u00dfen Obstbaubetrieb in Norsingen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald und stellte ihn auf biologischen Anbau um. Der 82-j\u00e4hrige Altbauer gab das Anwesen nach einem Schlaganfall ab. Seit zwei Jahren ist Joel Siegel Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Anteilseigner einer Kommanditgesellschaft, an der die Regionalwert AG beteiligt ist. Der Betrieb ist spezialisiert auf Obst- und Beerenfr\u00fcchte sowie saisonale Gem\u00fcsearten wie Spargel und K\u00fcrbisse.<br \/>\nKann man in Zeiten der Gro\u00dflandwirtschaft \u00fcberhaupt noch jemandem raten, Landwirt zu werden? &#8222;Warum nicht?&#8220; fragt Gr\u00fcnderberater Vieth zur\u00fcck. &#8222;Es kommt auf die richtige Idee an.&#8220; Das war eigentlich immer so, aber seit Landwirte ihr Geld vor allem am Markt verdienen m\u00fcssen, ist der Kampf ungleich schwieriger geworden. Etliche Neugr\u00fcnder suchen daher neue Wege.<br \/>\nSolidarh\u00f6fe in S\u00fcdbaden: Die solidarische Landwirtschaft \u2013 englisch: Community Supported Agriculture (CSA) \u2013 ist ein solches Modell. Entstanden ist es in den 80er Jahren in Amerika, seit einigen Jahren gibt es auch in Deutschland Solidarh\u00f6fe und ein Netzwerk.<br \/>\nDie Gartencoop in Freiburg und ihr Hof im Bad Krozinger Ortsteil Tunsel geh\u00f6ren dazu, ebenso der Luzernenhof in Seefelden im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. &#8222;Der Grundgedanke ist, dass eine Gruppe von Verbraucherinnen und Verbrauchern die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und Arbeit und Ernte vorfinanziert&#8220;, sagt Magdalena Supenk\u00e4mper (24) vom Luzernenhof. &#8222;Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.&#8220; Magdalena und ihr Mann Johannes (30) sind ausgebildete Junglandwirte, sie haben den Biohof von einer B\u00e4uerin \u00fcbernommen. Mit ihnen sind eine Imkerin, eine K\u00e4serin, ein G\u00e4rtner, mehrere Helfer und ein Auszubildender auf den Hof t\u00e4tig.<br \/>\nEin nicht eingetragener Unterst\u00fctzerverein mit derzeit 100 Mitgliedern sammelt Beitr\u00e4ge ein. Die Fr\u00fcchte der Arbeit aus Stall und Feld werden an Verteilpunkte \u2013 unter anderem in den Freiburger Stadtteil Vauban \u2013 gebracht, wo sich die Unterst\u00fctzer ihre Rendite in Form von Fleisch, Brot, K\u00e4se und Gem\u00fcse abholen k\u00f6nnen. 200 Unterst\u00fctzer mit 100 Euro Beitrag im Monat, dann w\u00fcrde es reichen, den Hof \u00f6konomisch stabil zu halten und den Bewirtschaftern eine ausk\u00f6mmlichen Lohn zu zahlen, kalkuliert Johannes Supenk\u00e4mper. Noch ist man nicht so weit. Darum verkauft der Luzernenhof seine Produkte auch an Biol\u00e4den.<br \/>\nOb Gr\u00fcnderb\u00f6rse, Beteiligungsgesellschaft oder Solidarhof \u2013 Landwirtschaft ist Arbeit, nicht Romantik. Darum l\u00e4cheln die Gefragten milde \u00fcber den mit bunten Bildern illustrierten Hype um die Landliebe am Zeitschriftenkiosk. &#8222;Solche Moden kommen und gehen&#8220;, winkt Christian Vieth ab. An seinem Plan, selbst einen Hof zu \u00fcbernehmen, h\u00e4lt er fest, f\u00fcnf oder sechs Jahre gibt er sich noch, dann will er Dirigent sein \u2013 Landwirtschaft ist f\u00fcr ihn ein Konzert mit vielen Solisten.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Der Altbauer muss loslassen k\u00f6nnen<\/strong><br \/>\nNach der Landwirtschaftsz\u00e4hlung aus dem Jahre 2010 gibt es in Deutschland noch 299 100 Landwirtschaftsbetriebe. Von diesen konnten im Durchschnitt 30 Prozent einen Nachfolger benennen. Gro\u00dfe Betriebe, die \u00fcber der sogenannten Wachstumsschwelle von 100 Hektar Fl\u00e4che liegen, gibt es 33 600, also elf Prozent. Dort ist die Nachfolge \u00f6fter gesichert. Dagegen ist bei den 137 000 H\u00f6fen mit weniger als 20 Hektar Fl\u00e4che die Wahrscheinlichkeit auf ein Viertel gesunken, einen Hofnachfolger zu finden.<br \/>\nIn Baden-W\u00fcrttemberg gibt es 42 500 H\u00f6fe, vor 14 Jahren waren es noch 61 000. Es geht noch immer bergab, wenn auch nicht so rapide wie fr\u00fcher. Eine parlamentarische Anfrage der CDU im baden-w\u00fcrttembergischen Landtag brachte die Erkenntnis, dass nur rund sieben Prozent der Bauern im Land j\u00fcnger als 35 Jahre sind. &#8222;Das ist ein Signal, dass wir dringend junge Landwirtinnen und Landwirte brauchen und diese beim Start in die Eigenst\u00e4ndigkeit st\u00e4rker unterst\u00fctzen m\u00fcssen&#8220;, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises L\u00e4ndlicher Raum und Verbraucherschutz, der Landtagsabgeordnete Paul Locherer (CDU).<br \/>\nWie viele H\u00f6fe jedes Jahr in S\u00fcdbaden mangels Nachfolger aufgeben m\u00fcssen, wird vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) nicht statistisch erfasst. Aber auch an den Mitgliederzahlen l\u00e4sst sich das Hofsterben ablesen: 1991 waren es noch 21 000, heute sind es 17 200 Mitglieder. Zu gut 90 Prozent seien die Bauern organisiert, sagt BLHV-Justitiar Michael N\u00f6dl. Die meisten Betriebs\u00fcbergaben gehen \u00fcber seinen Schreibtisch. &#8222;Um die 400 sind das pro Jahr&#8220;, berichtet N\u00f6dl. Seine zweite Aufgabe ist die Mediation bei solchen F\u00e4llen. Daf\u00fcr wurden auch eigens Mitarbeiter geschult. &#8222;Unsere Bezirksgesch\u00e4ftsf\u00fchrer kennen ihren Bereich sehr gut&#8220;, betont Wirtschaftsmediator N\u00f6dl. Doch letztlich m\u00fcssen die Hofeigent\u00fcmer selbst aktiv werden und zu den Beratern kommen. Manche tun dies vern\u00fcnftigerweise schon mit 50, manche sind mit 80 Jahren immer noch der Meinung, es bleibt noch genug Zeit. Das ist heikel, denn wer zu lange wartet, vergrault den Erben. &#8222;Das Klima im Betrieb pr\u00e4gt die Nachfolgeregelung&#8220;, sagt N\u00f6dl. Er formuliert es diplomatisch: &#8222;Das \u00f6konomische und das menschliche Potenzial m\u00fcssen ineinandergreifen.&#8220; Kurz: Der Alte muss loslassen und den Jungen zutrauen, dass sie ein tragf\u00e4higes Konzept haben. &#8222;Die Hof\u00fcbergabe muss den Sprung in die Zukunft erlauben&#8220;, sagt N\u00f6dl.<br \/>\nDarum sei die sogenannte pr\u00e4ventive Vertragsmediation so wichtig. Das Mitregieren \u00fcber das Grundbuch, also das Verz\u00f6gern der Eigentums\u00fcbertragung oder ein fortw\u00e4hrendes Mitregieren bis hinein in Stall und Feld ist keine gute Voraussetzung f\u00fcr den Neustart. Das gilt innerhalb von Familien \u2013 und f\u00fcr den Fall, dass Au\u00dfenstehende den Hof \u00fcbernehmen umso mehr.<br \/>\n&#8222;Eine \u00dcbergabe an Familienfremde ist sehr selten&#8220;, sagt N\u00f6dl. Wer nicht zur Familie geh\u00f6rt, wird misstrauisch be\u00e4ugt, zumal, wenn der Interessent noch nicht einmal genug Geld mitbringt, um den Hof zu kaufen. Es schmerzt Bauern, die in einer langen Traditionslinie stehen, als Letzter den Hof nicht an einen Nachkommen weiterreichen zu k\u00f6nnen. Da gibt man den Betrieb lieber auf, verpachtet Feld und Wald an Nachbarn und nutzt den Hof als Wohnsitz so lange es geht.<br \/>\n4.11.2013, <a title=\"Liedermacher\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/liedermacher\/\">Heinz Siebold<\/a><\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\nChristian Vieths Projekt Hofgr\u00fcnder: <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.hofgruender.de\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.hofgruender.de<\/a>.<br \/>\nSolidarh\u00f6fe:\u00a0<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.solidarische-landwirtschaft.org\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.solidarische-landwirtschaft.org<\/a> .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Landwirte werden immer \u00e4lter (nur 7% sind j\u00fcnger als 35),\u00a0immer mehr Bauern geben auf (ca 42000 Bauernh\u00f6fe 2013 gegen\u00fcber 60000 H\u00f6fen 2000 in BW). 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