{"id":39377,"date":"2013-10-18T09:32:10","date_gmt":"2013-10-18T07:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=39377"},"modified":"2013-10-18T09:35:08","modified_gmt":"2013-10-18T07:35:08","slug":"veggie-day-medienkampagne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/veggie-day-medienkampagne\/","title":{"rendered":"Veggie Day &#8211; Medienkampagne"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Vegetarisch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/vegetarisch\/\">Veggie Day<\/a> &#8211;\u00a0 Wie aus einem <a title=\"Oeko\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/oeko\/\">\u00f6kologischen F\u00fcrzlein <\/a>aus der Nische des Gr\u00fcnen <a title=\"Bundestagswahl 2013 Ergebnis\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bundestagswahl-2013-ergebnis\/\">Wahlprogrammes<\/a> ein bedrohlich-gigantischer Tornado gemacht wurde.\u00a0Bild Zeitung, 5. August 2013\u00a0 &#8222;Die GR\u00dcNEN wollen uns das Fleisch verbieten&#8220;.\u00a0Gr\u00fcnes Wahlprogramm S. 164, Abschnitt\u00a01.5 <a title=\"Suffizienz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/suffizienz\/\">Massentierhaltung<\/a> &#8211; nein danke:\u00a0&#8222;Pro Kopf und Jahr essen wir Deutsche rund 60 Kilo Fleisch. Dieser hohe <a title=\"Konsum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/verbraucher\/konsum\/\">Fleischverbrauch<\/a> birgt nicht nur gesundheitliche Risiken. <!--more-->Er erzwingt auch eine Massentierhaltung, die auf Mensch, Tiere und Umwelt keine R\u00fccksicht nimmt. Deshalb fordern wir mehr Verbraucheraufkl\u00e4rung zu den gesundheitlichen, sozialen und \u00f6kologischen Folgen des Fleischkonsums. \u00d6ffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen \u00fcbernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein &#8222;Veggie Day&#8220; sollen zum Standard werden. Wir wollen ein Label f\u00fcr vegetarische und vegane Produkte.&#8220; (Seite 164 (!), Abschnitt I. 5. Massentierhaltung &#8211; nein danke!).<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\nBundestagswahl 2013:\u00a0 Ein R\u00fcckblick&#8230;<br \/>\nDa hatten sich die Gr\u00fcnen im Bundestagswahlkampf 2013 mit ihren Steuerpl\u00e4nen zumindest einmal ein wenig mit den M\u00e4chtigen im Lande angelegt&#8230; Die darauf folgenden Kampagnen der Einflussreichen und ihrer Lobbygruppen und deren Medienmacht hatten sie allerdings ein wenig untersch\u00e4tzt.<br \/>\nJetzt, mit einem gewissen Abstand zur Wahl, ist es notwendig, die gelungene Kampagne interessierter Kreise &amp; Medien zu analysieren. Die Kampagne gegen den Veggie Day ist ein politisches Lehrst\u00fcck, nicht nur f\u00fcr Parteien, sondern gerade auch f\u00fcr die Umweltbewegung und die sozialen Bewegungen in Deutschland. Wie war es m\u00f6glich, ein \u00f6kologisches F\u00fcrzlein aus einer Nische des GR\u00dcNEN Wahlprogrammes zu einem bedrohlich-gigantischen Tornado aufzublasen und die Medienkampagne gegen einen vegetarischen Tag in Kantinen, als &#8222;Kampf f\u00fcr Freiheit&#8220; zu inszenieren? Wenn die sozialen Bewegungen solche Kampagnen nicht kritisch analysieren, dann m\u00fcssen sie damit rechnen, \u00e4hnlichen gut organisierten Attacken genau so wenig entgegen zu setzen wie die GR\u00dcNEN. Die Aktiven der GR\u00dcNEN und der sozialen Bewegungen kommen h\u00e4ufig aus der Mittelschicht und neigen dazu, bei einem gut gemachten Angriff den Fehler zuallererst einmal bei sich selber zu suchen.<\/p>\n<p>Veggie Day: Journalistischer Selbstl\u00e4ufer oder organisierte Kampagne?<br \/>\na.. Ein rheinland-pf\u00e4lzischer Bundestagsabgeordneter der CDU hatte Mitte Juli Berliner Journalisten zu einem Hintergrundgespr\u00e4ch eingeladen. Dabei wurde eine l\u00e4ngere Liste von Verboten und Verbotsvorhaben der Gr\u00fcnen vorgestellt.<br \/>\nb.. Die FAZ griff das Thema am 16. Juli 2013 auf, ohne jedoch gro\u00dfe Resonanz zu erhalten und verwies namentlich auf den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU, Michael Fuchs als Urheber der Liste.<br \/>\nc.. Am Folgetag kam die Bildzeitung mit einer ersten Meldung heraus, ohne jedoch besondere Resonanz zu erzielen.<br \/>\nd.. Zwei Wochen sp\u00e4ter brachte die Bildzeitung das Thema am 5. August unter dem Aufmacher &#8222;Die Gr\u00fcnen wollen uns das Fleisch verbieten!&#8220; erneut heraus und gab dies auch als Meldung an die Nachrichtenagenturen weiter.<br \/>\ne.. &#8222;Die Tofu-Lawine l\u00e4sst sich nicht mehr stoppen&#8220; analysiert sp\u00e4ter die ARD-Journalistin Sarah Renner diesen Zeitpunkt der inszenierten Emp\u00f6rungswelle und schreibt weiter: &#8222;Der Emp\u00f6rungspegel steigt jetzt im Sekundentakt. Immer mehr Zeitungen, Radio- und Fernsehsender greifen das Thema auf.&#8220;<br \/>\nf.. Die begleitende Internetkampagne des neoliberalen Netzwerkes die &#8222;Achse des Guten&#8220; verglich die &#8222;GR\u00dcNEN-Idee&#8220; mit dem &#8222;Eintopfsonntag&#8220; der Nazis. &#8222;Alles f\u00fcr die Volksgemeinschaft&#8220; lautet die \u00dcberschrift des entsprechenden Blog-Eintrags.<br \/>\ng.. Einen \u00e4hnlichen Vergleich wie die &#8222;Achse des Guten&#8220; hat auch der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann gezogen. Der Gesundheitsexperte der Liberalen ver\u00f6ffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Montage aus einem Gr\u00fcnen-Logo und einem NS-Propagandabild. Das Plakat zeigt eine Mutter, die ihren vier Kindern Stullen anbietet. &#8222;E\u00dft Vollkornbrot, denn es ist besser und gesunder&#8220;, steht darunter. Der Appell stammt aus einer Nazi-Kampagne zur Volksgesundheit. In der oberen rechten Ecke ist das Parteilogo der Gr\u00fcnen zu sehen<br \/>\n\u00a0 h.. Das als Initiative getarnte Sprachrohr der Industrie, die &#8222;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&#8220; (INSM) macht in ihrem Blog aus einem &#8222;GR\u00dcNEN Vorschlag&#8220; einen &#8222;zwangsverordneten Veggie Day&#8220;<br \/>\nDer Wirtschaftswoche zufolge wurde der &#8222;Veggie Day&#8220; im August zu einem der f\u00fcnf am h\u00e4ufigsten diskutierten Themen und lie\u00df &#8222;\u00dcberwachung&#8220; oder &#8222;NSA&#8220; hinter sich. Die von Bild begonnene Kampagne war in einem von vielen Medien gezielt inhaltsleer gehaltenen Wahlkampf eine der erfolgreichsten politischen Kampagnen der letzten Jahre und dies spiegelte sich auch im schlechten Wahlergebnis der GR\u00dcNEN wieder.<\/p>\n<p>Freiheit contra Veggie Day<br \/>\nIm Zusammenhang mit der gut organisierten Kritik am Veggie Day wurde h\u00e4ufig der Begriff &#8222;Freiheit&#8220; genannt. Doch ging es bei diesem Kampf gegen einen fleischlosen Tag in Kantinen nicht eher um eine ganz andere &#8222;Freiheit&#8220;? Um die uneingeschr\u00e4nkte Freiheit, Gewinne auf Kosten von Menschen zu machen, um die Freiheit, AKW zu betreiben und mit Kohlekraftwerken das Klima zu ver\u00e4ndern, um die Freiheit der Industrie, die Umwelt auszubeuten und zu zerst\u00f6ren? Ging es im Wahlkampf 2013 nicht eher um die Freiheit der Reichen, weniger Steuern zahlen zu wollen und noch reicher zu werden?<br \/>\nDie &#8222;Freiheit eines Tunnelbohrers&#8220;, sich bei der CDU mit einer sehr gro\u00dfen Wahlkampfspende f\u00fcr Stuttgart 21 erkenntlich zu zeigen, war im Wahlkampf nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt kein Thema.<\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcr die Umweltbewegung keinen Grund zur H\u00e4me<br \/>\nWo waren wir, als in diesem Jahr Klimawandelleugner und neoliberale Netzwerke einen Shitstorm gegen das Umweltbundesamt organisierten und die Beh\u00f6rde mit dem Nazi-Propagandaministerium, des Propaganda-Ministers Goebbels verglichen wurde? Wo sind wir, wenn industriegelenkte Kampagnen gegen genkritische WissenschaftlerInnen an B\u00f6sartigkeit und Vernichtungswillen nicht mehr zu \u00fcbertreffen sind? Nicht nur bei den GR\u00dcNEN, auch bei den sozialen Bewegungen fehlt es an kritischer Analyse solcher Kampagnen und wer nicht analysiert, kann sich auch nicht wehren.<br \/>\nDie erfolgreiche Veggie Day Kampagne zeigte, wer Medien macht und wer Medienmacht hat in Deutschland. Und die Reaktion eines Teils der GR\u00dcNEN auf diese Kampagne war leider nicht kluge Analyse, sondern Anpassung&#8230;<\/p>\n<p>18.10.2013,\u00a0Axel Mayer, Kreisrat Endingen, BUND-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Freiburg, Vizepr\u00e4sident Atomschutzverband Basel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veggie Day &#8211;\u00a0 Wie aus einem \u00f6kologischen F\u00fcrzlein aus der Nische des Gr\u00fcnen Wahlprogrammes ein bedrohlich-gigantischer Tornado gemacht wurde.\u00a0Bild Zeitung, 5. 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