{"id":3595,"date":"2012-05-22T12:58:08","date_gmt":"2012-05-22T12:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=3595"},"modified":"2012-05-30T06:53:14","modified_gmt":"2012-05-30T06:53:14","slug":"absage-von-festen-wieviel-larm-in-der-wohlfuhlstadt-freiburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/absage-von-festen-wieviel-larm-in-der-wohlfuhlstadt-freiburg\/","title":{"rendered":"Absage von Festen: Wieviel L\u00e4rm in der Wohlf\u00fchlstadt Freiburg?"},"content":{"rendered":"<p>Eine Wohlf\u00fchlstadt in der Feier-Krise. Sterben <a title=\"Oeffentlicher-Raum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/oeffentlicher-raum\/\">Freiburgs Feste<\/a>\u00a0aus? Es gibt derzeit eine Fest-Absageritis in <a title=\"Freiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/\">Freiburg<\/a>, die tiefe Risse zwischen mehreren Veranstaltern und der\u00a0Leitung\u00a0der Ordnungsamtes offenbart. Dahinter lauert zugleich eine andere Debatte: Wie viel <a title=\"Laerm\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/laerm\/\">L\u00e4rm<\/a> wollen wir dem Leben\u00a0zugestehen?\u00a0Die letzte in einer Reihe von Freiburger Festabsagen in recht kurzer Zeit betraf das <a title=\"Kultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/\">Schlossbergfest<\/a>. In dieser Woche gaben Frank B\u00f6ttinger, J\u00f6rg Dattler und Toni Schlegel bekannt, dass das mehrt\u00e4gige Ereignis in den Ferien 2012 nicht stattfinden wird. Und v\u00f6llig unverbl\u00fcmt verbanden sie ihren R\u00fcckzug mit einem Angriff auf das Amt f\u00fcr \u00f6ffentliche Ordnung und dessen sich in dieser Woche im Urlaub befindenden Leiter Walter Rubsamen. <!--more-->Die Zusammenarbeit mit Rubsamen sei unzumutbar, eine Unterst\u00fctzung durch die Stadthabe man zudem nie erfahren, hei\u00dft es. \u201eAuf absehbare Zeit wird es die Veranstaltung unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr geben, wir haben keine Kraftmehr dazu&#8220;, legt Mitveranstalter Toni Schlegel nach. Schlegel erinnert daran, dass sich bereits 2008 immerhin 40 Gastronomen zusammengefunden h\u00e4tten, umsich bei Oberb\u00fcrgermeister Dieter Salomon \u00fcber \u201eG\u00e4ngelung und Schikanierung durch das Amt f\u00fcr \u00d6ffentliche Ordnung&#8220; zu beschweren. Und als eines mehrerer Beispiele listet er drei sp\u00e4ter zur\u00fcckgenommene Bu\u00dfgeldbescheide auf, die er und seine Mitveranstalter wegen der telefonischen Beschwerde eines einziges B\u00fcrgers erhalten h\u00e4tten, ohne zuvor\u00a0z\u00fcckgefragt worden zu sein. In den letzten Wochen war auch bekannt geworden, dass eine gro\u00dfe Abi-Feier in der\u00a0 Messe Freiburg, das Public Viewing zur Fu\u00dfball-EM im Eschholzpark und die Downtown-Streetparty nicht stattfinden. Die Veranstalter der Abi-Nacht machten eine praktisch kaum verwirklichbare Auflage des Amts f\u00fcr \u00f6ffentliche Ordnung f\u00fcr ihren R\u00fcckzug verantwortlich. Demnach h\u00e4tten alle noch nicht Vollj\u00e4hrigen als Aufsichtsperson eine mehr\u00a0 als 27 Jahre alte Begleitung mitbringen m\u00fcssen. Zu sp\u00e4t sei er von der Stadt \u00fcber die Konditionen aufgekl\u00e4rt worden, zu denen er die Gro\u00dfleinwand zum Fu\u00dfballschauen im Eschholzpark aufstellen d\u00fcrfe, meint wiederum Felix Thoma von Tent Event. Da habe er bereits Sponsoren abgesagt und wollte das hohe finanzielle Risiko nicht mehr eingehen. Die Downtown-Streetpartywurde in diesem Jahr nach der letztj\u00e4hrigen Absage erst gar nicht beantragt. Daf\u00fcr macht Frank Czaja, Wirt des \u201eSchlappen&#8220; und Sprecher des veranstaltenden Vereins, Auflagen der Stadtmit verantwortlich. Rund 20 professionelle Sicherheitskr\u00e4fte habe man einsetzen m\u00fcssen, wo fr\u00fcher ein paar T\u00fcrsteher ausreichten. Zudemsei die Besucherzahl begrenzt worden, man habe st\u00fcndlich z\u00e4hlen und den Stand per Mail dem Amt f\u00fcr\u00a0 \u00f6ffentliche Ordnung schicken m\u00fcssen. \u201eWir mussten daf\u00fcr am Kulturprogramm abspecken&#8220;, meint Czaja. \u201eUnd wirmachen das Fest ja nicht f\u00fcr die Security.&#8220; Czaja betont aber zugleich, dass man von st\u00e4dtischer Seite in der Vergangenheit durchaus um Entgegenkommen bem\u00fcht war und man bei ein paar Korrekturen bei den Auflagen die Party 2013 wieder steigen lassen will. Von mehreren absagenden Veranstaltern lie\u00dfen sich Verbindungen ziehen zur Agentur Endless Event und zu dessen Mitgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bela Gurath, der mit Rubsamens Amt seit diversen beanstandeten Vorkommnissen beim Open-Air-Festival \u201eSea of Love&#8220; imClinch liegt und gerade eine\u00a0Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Walter Rubsamen einreichte. So sagte B\u00fcrgermeister Otto Neideck vergangene Woche im Hauptausschuss, dass man den Eindruck gewinnen\u00a0 k\u00f6nne, dass man sich auf das Amt\u00a0 eingeschossen&#8220; habe und ineiner geb\u00fcndelten Aktion Druck aus\u00fcben will. \u00dcberrascht sei man gewesen angesichts der j\u00fcngsten Veranstalter-Absagen, so Pressesprecherin Edith Lamersdorff. Bei den Auflagen zur Abi-Nacht gehe es um den\u00a0 Jugendschutz. Und den nehme die Stadt Freiburg eben sehr ernst, meint Lamersdorf. Die Downtown- Streetparty habe keine anderen Auflagen bekommen als in den Vorjahren, und beim Public Viewing sei man mit dem Veranstalter bis auf wenige Details einig gewesen, als die Absage kam. \u201eVon st\u00e4dtischer Seite aus will niemand eine Spa\u00dfbremse sein&#8220;, sagte diese Woche auch Oberb\u00fcrgermeister Dieter Salomon. Man gehe auch auf Ausrichter zuund tue imPrinzip alles, damit Feste stattfinden k\u00f6nnen, meint Lamersdorf und listet vom Zeltmusikfestival \u00fcber diverse Weinfeste bis zum \u201eSea of Love&#8220; unter neuer Leitung einige \u201evon Hunderten Festen&#8220; auf, die ja nachwievor\u00a0 stattf\u00e4nden. Also ist manch eine Absage nicht zuletzt das Resultat einer Privatfehde? In Freiburg erkennt Wirtschaftsf\u00f6rderer Bernd Dallmann dar\u00fcber hinaus ein strukturelles Problem: \u201ePrivate Veranstalter haben eine bessere Behandlungverdient. Sie tun etwas f\u00fcr die Stadt, wir alle haben etwas davon. Die Verwaltung muss daf\u00fcr sorgen, dass geregelter, professioneller und menschlich ordentlicher mit ihnen umgegangen wird.&#8220; Dallmanns Erfahrung: Nach dem Love-Parade-Desaster von Duisburgwurden die \u00c4mter nerv\u00f6s: \u201eJede Beh\u00f6rde ist nun darauf bedacht, nichts, aber auch wirklich gar nichts falsch zumachen. Dadurch gibt es praktisch keine\u00a0 Interpretationsspielr\u00e4ume, keine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Auslegung mehr.&#8220; Es gibt seither und schon fr\u00fcher den Trend zu immer neuen Auflagen, undmit dem Fortschreiten der Sicherheitstechnik wird die Erf\u00fcllung immer teurer. \u201eDabei gibt es ja keine neuen Gefahren.&#8220; Doch die Sicherheitsauflagen sind nur ein Verhinderungsfaktor. Der gr\u00f6\u00dfere ist der\u00a0 Mensch. Bernd Dallmann hat den Eindruck, L\u00e4rmbeschwerden von Privatleuten bek\u00e4men rechtlich mehr\u00a0 Unterst\u00fctzung. So musste zum Beispiel am Freiburger M\u00fcnsterplatz ein Wohlt\u00e4tigkeitschorkonzert fr\u00fcher beendet werden, weil es einem Anwohner zu laut wurde.<br \/>\nTats\u00e4chlich haben viele Innenst\u00e4dte einen erstaunlichen Wandel erlebt in den vergangenen zwei Jahrzehnten: Sie sind belebter, die Caf\u00e9s und Bars r\u00fccken auf die Stra\u00dfe und in die Sonne, und abends werden nicht mehr jeden Tag die Bordsteine um sieben hochgeklappt. Nun aber ist es mancherorts zu viel des Lebens. \u201eIn Freiburg ist das Leben in den letzten 20 Jahren explodiert&#8220;, sagt Dallmann. \u201eDoch ist es nicht bald genug, was wir jetzt haben? Brauchen wir immer neue Massenaufl\u00e4ufe? Das sollte offen diskutiert werden.&#8220;<br \/>\nOtto Schnekenburger und Ren\u00e9 Zipperlen, <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\">www.der-sonntag.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Wohlf\u00fchlstadt in der Feier-Krise. Sterben Freiburgs Feste\u00a0aus? 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