{"id":3588,"date":"2012-05-13T17:28:32","date_gmt":"2012-05-13T17:28:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=3588"},"modified":"2012-05-21T17:34:16","modified_gmt":"2012-05-21T17:34:16","slug":"almauftrieb-vom-vallee-munster-zur-ferme-auberge-du-treh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/almauftrieb-vom-vallee-munster-zur-ferme-auberge-du-treh\/","title":{"rendered":"Almauftrieb vom Vallee Munster zur Ferme Auberge du Treh"},"content":{"rendered":"<p>Parade, Pilgerzug oder Prozession? Vielleicht von allem etwas. Es ist ein feierlicher Moment, wenn im Fr\u00fchjahr die <a title=\"Landwirt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/\">K\u00fche und Hirten <\/a>auf die Alm hinaufwandern. Mitzuerleben ist das am 19. Mai im M\u00fcnstertal im S\u00fcdelsass. H\u00fca! H\u00fca! Bevor auch nur eine Kuh in dem kleinen Dorf Mittlach im <a title=\"Elsass\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/elsass\/\">M\u00fcnstertal<\/a> zu sehen ist, h\u00f6rt man sie. Es ist ein Glockengel\u00e4ut, das Tote aufwecken k\u00f6nnte. Die Parade der Hirten und der mit Glocken, Blumen und Tannenb\u00e4umchen geschm\u00fcckten K\u00fche wird von einem jungen M\u00e4dchen in Tracht angef\u00fchrt. Jede Kuh ist anders. Manche haben schwarze Flecken, andere braune Tupfer, einige sind d\u00fcrr und lang, einige st\u00e4mmig und kr\u00e4ftig, manche erscheinen gar anmutig grazil. Die meisten kommen vertrauensselig daher, ein paar wirken gef\u00e4hrlich. Allen gemeinsam ist der Drang auf die Berge, und sie wissen wo\u2019s hingeht: ins Paradies der Kr\u00e4uter und Blumen. <!--more-->Beim Anblick des Zugs h\u00f6ren B\u00e4cker mit dem Backen auf, verschieben Hausfrauen den Wochenendeinkauf, und das Autowaschen muss auch warten. Alle stehen dann da, rufen Salut und machen Fotos, als w\u00e4r\u2019s das erste Mal, das eine Vosgienne, das typische Fleckvieh der Vogesen, vorm Fenster vorbei schaukelt. Dabei lebt der Brauch der Fernweidewirtschaft, Transhumanz genannt, schon seit Jahrhunderten in den S\u00fcdvogesen. Verst\u00e4ndlich, denn wenn es im Winter im Tal kalt ist, dann herrschen auf der Alm sibirische Temperaturen und brutale Winde. Das h\u00e4lt keine Kuh aus, geschweige denn ein Bergbauer. Darum \u00fcberwintern Bauern und Vieh im Tal. Kenner wissen, dass der Winterk\u00e4se nur halb so gut schmeckt, weil die K\u00fche dann nur Heu zu fressen kriegen. Erst im Sommer, wenn es in die Kr\u00e4uter und Blumen geht, hat der M\u00fcnsterk\u00e4se das volle Aroma.<br \/>\nZielort der Wanderung ist die Ferme Auberge du Treh von Jean-Paul Deybach unweit von Le Markstein in 1266 Meter H\u00f6he. Der Wirt ist ein Vogesen-Urgestein. Sein Vater war schon Bergbauer, sein Bruder ist es, seine Kinder helfen mit, und sein \u00e4ltester Sohn hat erst vor einigen Jahren den Hof \u00fcbernommen. Als einziger tr\u00e4gt Deybach ein so genanntes Melkerkappel, das an einen gallischen Helm \u00e0 la Asterix (nur ohne Fl\u00fcgel) erinnert. Rund 50 K\u00fche und doppelt so viele Menschen \u2013 Freunde, Touristen und Leute, die fr\u00fcher mal hier wohnten und Heimweh haben \u2013 sind es, die sich in Mittlach Deybach und den Hirten anschlie\u00dfen. F\u00fcr die 18 Kilometer lange Tour ist eine ordentliche Kondition von Nutzen, sechs Stunden sollte man einplanen. Hin und\u00a0 wieder bricht eine Kuh aus und stapft eine B\u00f6schung hinauf,\u00a0 zertritt Farne, Fr\u00f6sche und W\u00fcrmer, also alles, was ihr in den Weg kommt. Sofort rennen zwei Hirten herbei und bugsieren sie zur\u00fcck auf den Weg. H\u00fca, H\u00fca!, rufen sie dann. Nach einer Stunde wird es ruhiger, man ist im Trott und statt zu fotografieren und mit einander zu quasseln kehrt Stille ein. Auch die K\u00fche h\u00f6ren mit dem Ausb\u00fcchsen auf. Eine Frau wei\u00df, warum die K\u00fche vorne gehen und die Leute hinten: \u201eDie Menschen w\u00e4ren zu schnell, die K\u00fche k\u00e4men sonst kaum mit.&#8220; Nach einer, vielleicht zwei Stunden wird in einer Kehre Rast gemacht, und Jean-Paul Deybach h\u00e4lt eine launige Ansprache: \u201eSalut tout le monde!&#8220; Er sagt, es verhalte sich genau andersherum: Die Menschen seien zu langsam, weshalb die K\u00fche aufs Tempo dr\u00fcckten. Als die Tannen- und Laubw\u00e4lder einen Blick in die Vogesen frei geben, ist aus dem fr\u00f6hlichen Fr\u00fchsommer ein kalter, fast garstiger Herbst geworden. Wolkenverhangen und regnerisch. Gerade noch rechtzeitig vor dem gro\u00dfen Regen erreicht die Gruppe um die Mittagszeit die Ferme Auberge Uff Rain, die ein Sohn von Jean-Paul Deybach betreibt. Mittlerweile ist die \u201eHerde&#8220; auf 200 Menschen angewachsen, wo sollen die nur alle Platz finden? Der Berghof ist zwar rappelvoll, aber der sauber geputzten Saustall hat Platz, und hier findet dann bei Eintopf mit W\u00fcrstchen die Party statt. Der italo-els\u00e4ssische Alleinunterhalter Mario Brunetti stimmt die Hymne die M\u00fcnstertals an: \u201eMinschtertal bisch mi lawe, bisch mi freid, juh\u00e9, in d\u2019r Heimat isch\u2019s am schenste &#8230;&#8220; Fast alle singen mit. Eine Gruppe Schweizer, jeder wohl um die 60, 70 Lenze, hat sich Platz geschaffen und stellt sich im Kreis auf. Sie singen wie die Engel. Drau\u00dfen ert\u00f6nt der schaurige Klang der Alphornbl\u00e4ser, sp\u00e4ter Tanzmusik, Kontrabass und Akkordeon. Els\u00e4sser in Tracht zeigen die els\u00e4ssische Flagge. Dann klart es auf. Und der Lindwurm aus Mensch und Tier zieht sich nochmal ein, zwei Stunden durch Buchenw\u00e4lder und \u00fcber morastige Wege, auf der Route des Cr\u00eates, an Autos und Motorr\u00e4dern vorbei und \u00fcber gro\u00dfe, weite Bergweiden. Mit einem Dankgottesdienst und einem Fest mit Tiroler Tanzmusik endet der Tag bei der Kapelle von Le Markstein. Wer sich vorher angemeldet hat, wird nun vom Shuttle-Bus gratis zur\u00fcck ins Tal gebracht. Wer mag, geht mit den Hirten noch ein paar hundert Meter weiter zur Ferme du Treh. Dort gibt es Abendessen und einen Platz zum \u00dcbernachten. Die K\u00fche sind derweil schon flei\u00dfig am Kauen. Diese Kr\u00e4uter und Blumen! Der K\u00e4se wird gut.<\/p>\n<p align=\"left\">Transhumance &#8211; Fernweidewirtschaft: Die Wanderung mit K\u00fchen und Hirten findet am Samstag, 19. Mai, statt. Treffpunkt ist um 9Uhr in der Ortsmitte von Mittlach (M\u00fcnstertal). Information und Reservierung von Essen und Shuttle-Bus: Telefon 0033\/389391679 (Ferme Auberge du Treh),<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.valleemunster-transhumances.fr\/\">www.valleemunster-transhumances.fr<\/a>\u00a0<\/p>\n<p align=\"left\">Pascal Cames, 13.5.2012, <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\/\">www.der-sonntag.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parade, Pilgerzug oder Prozession? Vielleicht von allem etwas. Es ist ein feierlicher Moment, wenn im Fr\u00fchjahr die K\u00fche und Hirten auf die Alm hinaufwandern. Mitzuerleben ist das am 19. Mai im M\u00fcnstertal im S\u00fcdelsass. H\u00fca! H\u00fca! 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