{"id":31855,"date":"2013-06-01T08:26:44","date_gmt":"2013-06-01T06:26:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=31855"},"modified":"2013-06-01T14:33:36","modified_gmt":"2013-06-01T12:33:36","slug":"robinie-baum-und-naturschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/robinie-baum-und-naturschutz\/","title":{"rendered":"Robinie &#8211; Baum und Naturschutz"},"content":{"rendered":"<p>Ihr Ruf ist nicht gerade der beste, vor allem nicht unter <a title=\"Naturschutz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/naturschutz\/\">Natursch\u00fctzern<\/a>: Die Rede ist von der Robinie. Das ist eine <a title=\"Baum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/wald\/baum\/\">Baumart<\/a>, die vor rund 300 Jahren von Nordamerika nach Europa eingef\u00fchrt wurde. Sie hat sich in \u00f6kologisch empfindlichen Lebensr\u00e4umen ausgebreitet, etwa an B\u00f6schungen am Kaiserstuhl. F\u00fcr <a title=\"Wald\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/wald\/\">Waldbesitzer<\/a> und F\u00f6rster k\u00f6nnte der Baum in Zukunft allerdings interessant werden. <!--more-->Die Professur f\u00fcr Waldbau an der Universit\u00e4t Freiburg untersucht in Kooperation mit dem Forstamt der Stadt Freiburg die forstwirtschaftliche Eignung der Robinie im Vergleich zu 13 anderen Baumarten im Mooswald auf Gemarkung Umkirch. Neben heimischen Arten wie beispielsweise Stieleiche, Spitzahorn, Esche und Sommerlinde stehen auch Laubbaumarten aus S\u00fcd- und S\u00fcdosteuropa sowie Kiefern, Douglasien und die Robinie auf der Versuchsfl\u00e4che. &#8222;Das Hauptziel ist es, Baumarten zu ermitteln, die die Sommertrockenheit gut \u00fcberstehen&#8220;, erkl\u00e4rt Professor J\u00fcrgen Bauhus.<br \/>\nF\u00fcr Waldbesitzer und F\u00f6rster ist es von gro\u00dfer Bedeutung, herauszufinden, wie der Wald der Zukunft aussieht: damit Holz als nachwachsender Bau- und Brennstoff zur Verf\u00fcgung steht \u2013 und der Wald als artenreiches Habitat f\u00fcr Pflanzen und Tiere bestehen bleibt. F\u00fcr die F\u00f6rster ist das eine Herausforderung, denn sie planen auf 150 Jahre hinaus. Wenn eintritt, was der Klimaprognosebericht der Landesanstalt f\u00fcr Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-W\u00fcrttemberg feststellt, wird es um 2055 im Jahresmittel je nach Region um bis zu anderthalb Grad w\u00e4rmer sein und 40 Frosttage weniger geben, daf\u00fcr aber doppelt so viele Hitzetage. Und es wird im Sommer erheblich weniger regnen. Einige Baumarten haben sich schon aus den unteren Lagen zur\u00fcckgezogen. Untersucht wird aber auch, wie die Arten den Humusgehalt des Bodens, den N\u00e4hrstoffkreislauf und die Bodenvegetation beeinflussen und wie sich im weiteren Verlauf die Insektenfauna entwickelt.<br \/>\nSchon im f\u00fcnften Jahr nach der Pflanzung zeigt sich, dass die Robinie in Sachen L\u00e4ngenwachstum zu den Spitzenreitern z\u00e4hlt. Das wundert die Wissenschaftler nicht. Denn als Leguminose oder Schmetterlingsbl\u00fctler \u2013 zu dieser Pflanzenfamilie z\u00e4hlen \u00fcbrigens auch Erbsen und Bohnen \u2013 beherbergt die Robinie spezielle Bakterien an ihren Wurzeln, die Stickstoff aus der Luft binden. Dieser N\u00e4hrstoff ist f\u00fcr Pflanzen unverzichtbar, um Blattgr\u00fcn zu bilden. Sie nehmen es in Form von Nitrat auf, in erster Linie mit dem Bodenwasser \u00fcber die Wurzeln. Wer zus\u00e4tzlich Stickstoff nutzen kann, ist demnach im Vorteil.<br \/>\nIn einem Wald besteht die Robinie auf Dauer nur an lichten Stellen, sie ist demnach auf F\u00f6rderung durch den F\u00f6rster angewiesen. Andererseits ist es ein Leichtes f\u00fcr die Robinie, sich an Stellen ohne Konkurrenz, etwa an B\u00f6schungen oder Waldr\u00e4ndern, zu vermehren. Denn sie produziert viele Samen, die jahrzehntelang im Boden \u00fcberdauern, und breitet sich \u00fcber Wurzelausl\u00e4ufer aus. Und dann passiert, was Reinhold Treiber, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Naturzentrums Kaiserstuhl und des Landschaftserhaltungsverbandes Breisgau-Hochschwarzwald so erkl\u00e4rt: &#8222;Die Robinie mindert die Biodiversit\u00e4t stark.&#8220; Denn sie verdr\u00e4ngt nicht nur andere Geh\u00f6lze, sondern ver\u00e4ndert durch das Ansammeln von Stickstoff auch den N\u00e4hrstoffhaushalt des Bodens, was andere Neophyten f\u00f6rdert, die Goldrute etwa, die auch aus Nordamerika stammt. Seltene, eigentlich standorttypische Pflanzen gingen zur\u00fcck. Abgesehen davon sch\u00e4digen die Robinien mit ihren dicken Wurzeln die B\u00f6schungen, die Bruchkanten von Hohlwegen oder sogar die Wege.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich wurde die Robinie ihrer auff\u00e4lligen wei\u00dfen Bl\u00fcten wegen als Zierpflanze eingef\u00fchrt. Dass der Baum heute besonders in Weinberglandschaften vorkommt, ist kein Zufall. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er vielfach kultiviert, weil er ein sehr hartes und dennoch biegsames Holz liefert, das sich f\u00fcr Rebenpf\u00e4hle eignet. So empfiehlt auch das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Ravenburg-Bavendorf Robinienholz als nat\u00fcrlichen Werkstoff f\u00fcr Obstanlagen, die nach den Kriterien des \u00f6kologischen Landbaus bewirtschaftet werden. Auch der Landschaftserhaltungsverband hat die historische Nutzung wieder aufgegriffen, indem er im vergangenen Winter 3500 Robinienholzpf\u00e4hle, die bei Pflegearbeiten angefallen waren, an Rinderhalter abgeben hat. Winzer brauchen das Holz hingegen nicht mehr, im Allgemeinen nutzen sie Pf\u00e4hle aus Stahl.<br \/>\nAufgrund seiner Langlebigkeit eignet sich Robinienholz auch f\u00fcr Gartenm\u00f6bel, Terrassendielen und Spielplatzger\u00e4te. Allerdings kommt bislang nur wenig Stammholz aus den hiesigen W\u00e4ldern. Auch im Freiburger Mooswald gibt es kleine Best\u00e4nde, nach Auskunft von Markus M\u00fcller, Leiter des st\u00e4dtischen Reviers Opfingen, vor allem im Bereich der Stadtteile Rieselfeld und St. Georgen. Denn nach den Nothieben am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mit schnellwachsenden B\u00e4umen aufgeforstet. Markus M\u00fcller stellt fest: &#8222;An trockenen Standorten h\u00e4lt sich die Robinie sehr gut. Und weil das Holz sehr gefragt ist, haben wir gro\u00dfen Wert darauf gelegt, den Baum in den Versuch aufzunehmen.&#8220; Abgesehen von ihrem harten Holz hat die Robinie noch einen weiteren Nutzen: Weil ihre Bl\u00fcten im Fr\u00fchsommer eine Menge Nektar und Pollen liefern, wird sie von den Imkern gesch\u00e4tzt.<br \/>\n1.6.2013, Silvia Faller<\/p>\n<p><!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr Ruf ist nicht gerade der beste, vor allem nicht unter Natursch\u00fctzern: Die Rede ist von der Robinie. 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