{"id":3156,"date":"2012-05-10T14:52:03","date_gmt":"2012-05-10T14:52:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=3156"},"modified":"2012-05-10T15:08:02","modified_gmt":"2012-05-10T15:08:02","slug":"baukultur-schwarzwald-badweiher-arbeitsplaetze-energie-htg-in-stpeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/baukultur-schwarzwald-badweiher-arbeitsplaetze-energie-htg-in-stpeter\/","title":{"rendered":"Baukultur Schwarzwald, Badweiher, Arbeitsplaetze, Energie, HTG in StPeter"},"content":{"rendered":"<p>Der Dreisamt\u00e4ler im Gespr\u00e4ch mit Rudolf Schuler, B\u00fcrgermeister in St. Peter<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Herr Schuler, im letzten Jahr war <a title=\"StPeter\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/stpeter\/\">St. Peter<\/a> ein gespaltenes Dorf. Gegner und Bef\u00fcrworter eines Lebensmittelmarktes auf der Doldenmatte standen sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Wie ist die Situation heute?<br \/>\nSchuler: Ja, dieses Thema hat lange Jahre f\u00fcr Furore gesorgt. Im Oktober des letzten Jahres fand dazu ja ein <a title=\"Buergerbeteiligung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/buergerbeteiligung\/\">B\u00fcrgerentscheid<\/a> statt. Die Wahlbeteiligung von 74,8 % zeigte noch einmal, dass das Thema die B\u00fcrger bewegte. Das Ergebnis &#8211; n\u00e4mlich 68 % der B\u00fcrger sprachen sich f\u00fcr einen Markt auf der Doldenmatte aus &#8211; hat nicht nur mich, sondern auch den Gemeinderat in seiner Politik best\u00e4rkt, n\u00e4mlich die Grundversorgung durch einen gr\u00f6\u00dferen Markt in St. Peter sicher zu stellen.<!--more--><br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Wie geht es nun weiter?<br \/>\nSchuler: Der Gemeinderat hat unmittelbar nach dem B\u00fcrgerentscheid einen Aufstellungsbeschluss f\u00fcr einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan beschlossen und momentan l\u00e4uft ein Architektenwettbewerb, an dem sich f\u00fcnf B\u00fcros beteiligen. Ausgew\u00e4hlt wurden auch Architekturb\u00fcros, die sich im Bereich Baukultur Schwarzwald ausgezeichnet haben, denn dem Investor und der Gemeinde ist daran gelegen, dass das Geb\u00e4ude sich harmonisch einf\u00fcgt. Es muss zum Kloster passen und in den Schwarzwald.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Wer finanziert diesen Wettbewerb?<br \/>\nSchuler: Der Investor! \u00dcber einen st\u00e4dtebaulichen Vertrag wurde vereinbart, dass er die Kosten f\u00fcr Planung und Verfahren tr\u00e4gt. F\u00fcr die Gemeinde entstehen keinerlei Kosten. Anfang Juli werden die verschiedenen Modelle aus dem Architektenwettbewerb der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt und die Entscheidung wird \u00fcber ein Preisgericht gef\u00e4llt.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Dann kann der Baubeginn dann noch in diesem Jahr sein?<br \/>\nSchuler: Ziel ist Baubeginn im Fr\u00fchjahr 2013.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Ist das Dorf jetzt befriedet?<br \/>\nSchuler: Es ist wesentlich ruhiger geworden! Aber trotz der lange schwelenden Konflikte gab und gibt es in St. Peter auch ein enormes b\u00fcrgerschaftliches Engagement. J\u00fcngstes Beispiel ist der Spielplatz am Badweiher, der von dem Gewerbeverein Handel, Tourismus und Handwerk HTH initiiert wurde. F\u00fcr den Bau dieses Spielplatzes waren 80.000,- Euro veranschlagt, wir kamen letztlich mit unter 40.000,- Euro hin. Der HTH und die Gemeinde riefen eine Spendenaktion ins Leben, bei der nicht nur 20.000,- Euro zusammenkamen, viele ortsans\u00e4ssige Firmen und Vereine brachten ihre Arbeitskraft dort ein und halfen so tatkr\u00e4ftig, Geld zu sparen!<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Der Badweiher ist etwas Besonderes, es ist ein kleines Naherholungsgebiet f\u00fcr St. Peter. Sch\u00f6n, wenn B\u00fcrger oder der HTH hier Verantwortung \u00fcbernehmen.<br \/>\nSchuler: Stimmt, davon lebt eine Dorfgemeinschaft! Deshalb wollen wir als Gemeinde Handel und Gewerbe hier vor Ort auch unterst\u00fctzen und st\u00e4rken. Wir befinden uns derzeit in der Offenlage des Bebauungsplanes f\u00fcr eine Erweiterung des Gewerbegebietes. Dort soll es vier oder f\u00fcnf weitere Baupl\u00e4tze f\u00fcr das heimische Gewerbe geben. Der Bedarf besteht und es liegen auch schon Bewerbungen vor. Allerdings ist es ein langwieriger Weg, da St. Peter mitten im Landschaftsschutzgebiet liegt. Aber ich bin zuversichtlich, dass im n\u00e4chsten Jahr das Gewerbegebiet in Richtung Osten erweitert werden kann.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Sie wollen damit auch die Infrastruktur vor Ort st\u00fctzen?<br \/>\nSchuler: Es geht darum, Arbeits- und Ausbildungspl\u00e4tze in St. Peter zu erhalten. Deshalb versucht die Gemeinde, die Grundst\u00fccke zu g\u00fcnstigen Preisen abzugeben. Eine weitere Ma\u00dfnahme zur F\u00f6rderung der Infrastruktur ist die Ausweisung eines kleinen Baugebiets bei der Soldatenkapelle. Noch in diesem Jahr k\u00f6nnen wir sechs jungen Familien Baupl\u00e4tze f\u00fcr Ein- oder Zweifamilienh\u00e4user anbieten. Wir wollen damit die im Schwarzwald weit verbreitete Abwanderung junger Familien verhindern. Bleiben sie hier, dann k\u00f6nnen auch Kindergarten und Schule erhalten werden.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Stichwort Schule: im vergangenen Jahr haben Sie \u00fcber die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule nachgedacht.<\/p>\n<p>Schuler: Die Schullandschaft wird sich in den n\u00e4chsten Jahren ver\u00e4ndern. Die neue Landesregierung schaffte die Grundschulempfehlung ab und erm\u00f6glichte gleichzeitig die Entwicklung neuer Schulformen. Hinzu kommen abnehmende Kinder- und Jugendzahlen. Die Schulen werden k\u00fcnftig verst\u00e4rkt um Kinder konkurrieren. Wir haben nun beschlossen, die Hauptschule in eine Werkrealschule, die inzwischen auch einz\u00fcgig m\u00f6glich ist, umzuwandeln. Die Kooperation mit St. M\u00e4rgen besteht nach wie vor, das hei\u00dft, dass die Klassen f\u00fcnf und sechs in St. M\u00e4rgen und die Klassen sieben, acht und neun in St. Peter unterrichtet werden.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Und wo bleibt das 10. Schuljahr?<br \/>\nSchuler: Das findet in Kirchzarten statt. F\u00fcr St. Peter ver\u00e4ndert sich im Vergleich zur Hauptschule vor allem der Lehrplan, denn es muss gew\u00e4hrleistet sein, dass der \u00dcbergang in die 10. Klasse klappt. Wir hoffen damit die Schule hier im Dorf erhalten zu k\u00f6nnen. Das funktioniert aber nur, wenn die Eltern mitspielen.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Die Idee der Gemeinschaftsschule ist damit vom Tisch?<br \/>\nSchuler: Sie ist sowohl von Schule als auch von den Schultr\u00e4gern hier vor Ort als nicht machbar angesehen worden.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Klimaschutz und der Einsatz erneuerbarer Energien ist landesweit ein wichtiges Thema. Als Bioenergiedorf ist St. Peter auf diesem Weg schon sehr weit.<br \/>\nSchuler: Das was in St. Peter realisiert wurde, ist modellhaft! An die 2010 errichtete Fernw\u00e4rmeheizung sind neben den \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden und dem Geistlichen Zentrum inzwischen 167 H\u00e4user angeschlossen. Die genossenschaftlich organisierte \u201eB\u00fcrgerenergie\u201c plant nun zus\u00e4tzlich zur Hackschnitzelanlage ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk (BHKW) zu installieren, mit dem neben W\u00e4rme auch Strom erzeugt werden kann. Dies ist ein Pilotprojekt, da Holzvergaser-BHKWs sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Deshalb gibt es daf\u00fcr auch entsprechende Zusch\u00fcsse.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Besch\u00e4ftigt Sie das Thema Windkraft oder ist das in St. Peter ausgereizt?<br \/>\nSchuler: Das ist ein gro\u00dfes Thema! Bisher war der Regionalverband f\u00fcr die Regionalplanung und die Ausweisung von Windkraftstandorten zust\u00e4ndig. Das neue Landesplanungsgesetz verlagert die Zust\u00e4ndigkeiten nun und bricht sie herunter auf Gemeindeebene. Deshalb untersuchen St. Peter, St. M\u00e4rgen und Glottertal als Gemeindeverwaltungsverband derzeit m\u00f6gliche Windstandorte. Ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen neben der Windh\u00f6ffigkeit u.a. Gesichtspunkten auch der Landschafts- und Naturschutz. Grunds\u00e4tzlich stehen wir der Windkraftnutzung positiv gegen\u00fcber!<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: In St. Peter stehen ja schon seit den 90er Jahren Windr\u00e4der\u2026<br \/>\nSchuler: \u2026 die ca. zehn Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen, mehr als St. Peter verbraucht! Sie stehen geb\u00fcndelt im hinteren Hochwald, also auf der Platte, vier sind im Betrieb und zwei weitere befinden sich im Genehmigungsverfahren. Der Investor dort ist die Regiowind, deren Gesch\u00e4ftsphilosophie ja auch die finanzielle Beteiligung der B\u00fcrger vor Ort ist.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Im vergangenen Jahr ging St. Peter eine Kooperation mit der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) ein. Hat sich das auf den Tourismus in St. Peter ausgewirkt?<br \/>\nSchuler: Wir haben im letzten Jahr kr\u00e4ftig zugelegt. 13 % mehr G\u00e4steank\u00fcnfte, 9 % mehr \u00dcbernachtungen und konnten die 120.000-\u00dcbernachtungsmarke knacken. Von daher ist die Kooperation der richtige Weg. Beide profitieren davon: die HTG ist eine starke Werbeplattform f\u00fcr uns und wir bringen das Kloster als Magnet und Sehensw\u00fcrdigkeit mit ein. Alleine bei den F\u00fchrungen registrieren wir j\u00e4hrlich zwischen 12.000 bis 15.000 Besucher.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Herr Schuler, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>Mit Rudolf Schuler unterhielt sich Dagmar Engesser, 10.5.2012,\u00a0 www.dreisamtaeler.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Dreisamt\u00e4ler im Gespr\u00e4ch mit Rudolf Schuler, B\u00fcrgermeister in St. Peter Dreisamt\u00e4ler: Herr Schuler, im letzten Jahr war St. Peter ein gespaltenes Dorf. Gegner und Bef\u00fcrworter eines Lebensmittelmarktes auf der Doldenmatte standen sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. 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