{"id":29498,"date":"2013-05-11T16:11:25","date_gmt":"2013-05-11T14:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=29498"},"modified":"2013-05-11T16:45:48","modified_gmt":"2013-05-11T14:45:48","slug":"orchideen-schoenberg-jennetal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/orchideen-schoenberg-jennetal\/","title":{"rendered":"Orchideen Schoenberg Jennetal"},"content":{"rendered":"<p>Wenn von Orchideen die Rede ist, denken viele an den <a title=\"Kaiserstuhl\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/kaiserstuhl\/\">Kaiserstuhl<\/a>. Tats\u00e4chlich ist das <a title=\"NSG\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/naturschutz\/nsg\/\">Naturschutzgebiet<\/a> am Badberg und Haselschacher Buck weithin bekannt daf\u00fcr. Kaum weniger bedeutsam ist jedoch das <a title=\"Schoenberg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/berge\/schoenberg\/\">Sch\u00f6nbergmassiv s\u00fcdlich von Freiburg<\/a>. Dort kommen rund 30 verschiedene Arten vor und damit die H\u00e4lfte der in Deutschland verbreiteten Orchideen. Eine Schatzkammer der Vielfalt ist das 23 Hektar gro\u00dfe Naturschutzgebiet &#8222;Jennetal&#8220;, das zu den \u00e4ltesten Schutzgebieten Baden-W\u00fcrttembergs z\u00e4hlt. <!--more-->Offiziell tr\u00e4gt das Naturschutzgebiet &#8222;Feldberg&#8220; den Titel das \u00e4lteste zu sein, denn erste Fl\u00e4chen dort wurden bereits am 24. Februar 1937 nach dem 1935 erlassenen Reichsnaturschutzgesetz ausgewiesen, das Ebringer Schutzgebiet hingegen erst im November jenes Jahres. Sein Kernst\u00fcck aber, eine 7100 Quadratmeter gro\u00dfe Fl\u00e4che mit Wiesen und Geh\u00f6lzen, wurde schon zuvor unter Schutz gestellt, und zwar durch die private Initiative von Erwin Sumser, der aus Merzhausen stammte und in H\u00fcfingen als Arzt praktizierte. &#8222;Faktisch ist das Jennetal demnach das \u00e4lteste Schutzgebiet Baden-W\u00fcrttembergs&#8220;, stellt Benno Kuhn aus Ebringen in einer Ver\u00f6ffentlichung der Arbeitsgemeinschaft Ebringer Dorfgeschichte von 2007 \u00fcber das &#8222;Jennetal&#8220; fest. Denn dort hatte Erwin Sumser von 1931 an insgesamt sieben Grundst\u00fccke von Ebringern erworben und der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Ende 1932, also vor gut 80 Jahren, lie\u00df er sie in die damalige Liste der amtlichen Naturdenkmale eintragen.<br \/>\nWeil die Fl\u00e4che eingez\u00e4unt ist, sprechen die Ebringer vom Sumsergarten. Ehrenamtliche Natursch\u00fctzer pflegen sie und halten auch F\u00fchrungen ab (samstags, sonntags und feiertags von 9 bis 16 Uhr). Unter ihnen ist Benno Kuhn, der zudem \u00fcber das Naturschutzgebiet referiert, zuletzt beim Bildungswerk Wittnau, wobei er Fotografien von nahezu allen Orchideenarten am Sch\u00f6nberg zeigt. Mehrere Gattungen sind vertreten, etwa Ragwurze, die sich dadurch auszeichnen, dass sie den St\u00e4ngel aus einer unterirdischen Knolle ausbilden und mit bestimmten Duftstoffen und ihrem t\u00e4uschenden Aussehen Insekten zur Best\u00e4ubung anlocken. Ein Beispiel ist die Hummel-Ragwurz, deren Bl\u00fcte tats\u00e4chlich einer Hummel \u00e4hnelt. H\u00e4ufig anzutreffen sind auch die auff\u00e4llig pinkfarben bl\u00fchenden Knabenkr\u00e4uter oder die Pyramidenorchis.<br \/>\nAuch Benno Kuhns Tante hatte ein St\u00fcck Land an Erwin Sumser verkauft. Von ihr wei\u00df er, dass die Einheimischen den Arzt damals bel\u00e4chelt hatten. Heute lacht keiner mehr \u00fcber diese Aktivit\u00e4ten. Die Ebringer sind sich bewusst, welchen Schatz Erwin Sumser ihrer Gemeinde hinterlassen hat. Denn der Sumsergarten zieht Pflanzenfreunde und Wissenschaftler aus ganz Deutschland an. Allerdings macht Gemeinde keine Werbung daf\u00fcr, denn mehr Leute wollen den Garten besichtigen als eigentlich gut ist, besonders jetzt in der Bl\u00fctezeit, weshalb das Tor zum Garten unter der Woche auch abgeschlossen ist. Wer in diesen Tagen jedoch im Naturschutzgebiet &#8222;Jennetal&#8220; spazieren geht oder auch im anderen, weit gr\u00f6\u00dferen Ebringer Naturschutzgebiet &#8222;Berghauser Matten&#8220;, sieht sich von der Bl\u00fctenpracht der Orchideen fasziniert. Mit dem kleinen Knabenkraut hat sie in der dritten Aprilwoche ihren Auftakt genommen.<br \/>\nAuch Erwin Sumser muss fasziniert gewesen sein, meint Benno Kuhn, der Kontakt zu einer seiner T\u00f6chter hat. Wie sei sonst zu erkl\u00e4ren, dass der Arzt gro\u00dfe Teile seines Einkommens f\u00fcr den Kauf von Grundst\u00fccken und ihre Pflege ausgegeben habe. Auch in den Baar-Gemeinden Ried\u00f6schingen, Hondingen und Br\u00e4unlingen hatte er Grundst\u00fccke erworben, um Vorkommen von Orchideen und anderen seltenen Pflanzen zu sch\u00fctzen. &#8222;Sumser war seiner Zeit voraus&#8220;, findet Benno Kuhn. Er habe erkannt, dass die aufkommende Praxis der D\u00fcngung mit industriell hergestellten Minerald\u00fcngern und des chemischen Pflanzenschutzes die nat\u00fcrliche Vielfalt der Vegetation beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrde. 1960, ein halbes Jahr vor seinem Tod, hat er die gesamten Fl\u00e4chen an das Land Baden-W\u00fcrttemberg verkauft, wobei er 10 500 Mark erl\u00f6st hat.<br \/>\nOrchideen sind eine weltweit verbreitete Pflanzenfamilie, die meisten in den Tropen und Subtropen. Die in Mitteleuropa heimischen Orchideen \u2013 das sind etwa 250 Arten \u2013 wurzeln allesamt auf mageren, also n\u00e4hrstoffarmen B\u00f6den. Auf normal landwirtschaftlich genutzten Wiesen, die ged\u00fcngt werden, kommen sie daher so gut wie nicht vor.<br \/>\nIn den Schutzgebieten hingegen sind die Vorkommen relativ stabil, und zwar landesweit, aber nur, weil \u00fcberall \u2013 ebenso wie in Ebringen \u2013 ehrenamtliche Natursch\u00fctzer die Fl\u00e4chen pflegen. Entscheidend ist ein sp\u00e4ter M\u00e4hzeitpunkt, so dass die Orchideen bl\u00fchen und sich vermehren k\u00f6nnen. Einzelne Arten, etwa die Bocksriemenzunge, breiten sich seit einigen Jahren au\u00dferhalb der Schutzgebiete relativ stark aus, auch nach Norden. Denn sie profitieren von der steigenden Jahresdurchschnittstemperatur. Andere Arten hingegen, beispielsweise der Frauenschuh, haben sich selbst in den gesch\u00fctzten Zonen rar gemacht; im &#8222;Jennetal&#8220; ist der Frauenschuh sogar ganz verschwunden. F\u00fcr Botaniker haben Orchideen einen hohen Stellenwert, sie gelten als sogenannte Zeigerpflanzen f\u00fcr die \u00f6kologische Qualit\u00e4t ihrer Standorte. Denn weil sie sehr hohe Anspr\u00fcche an ihren Lebensraum stellen, ist anzunehmen, dass sich auch viele weitere Pflanzenarten, die auf n\u00e4hrstoffarme B\u00f6den angewiesen sind, dort wohlf\u00fchlen, ebenso wie auf diese Pflanzen ausgerichtete Insekten. In Ebringen lassen sich solche bunten, nat\u00fcrlichen Blumenwiesen erleben.<br \/>\n11.5.2013, Silvia Faller<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/naturschutz2.htm#Sumsergarten im Jennetal bei Ebringen: Orchideengarten\">Sumsergarten im Jennetal bei Ebringen: Orchideengarten<\/a> &gt;Naturschutz2 (9.6.2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/orchidee.htm\">https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/orchidee.htm<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn von Orchideen die Rede ist, denken viele an den Kaiserstuhl. 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