{"id":26432,"date":"2013-04-06T15:55:51","date_gmt":"2013-04-06T13:55:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=26432"},"modified":"2013-04-06T15:55:51","modified_gmt":"2013-04-06T13:55:51","slug":"leberbluemchen-am-kaiserstuhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/leberbluemchen-am-kaiserstuhl\/","title":{"rendered":"Leberbluemchen am Kaiserstuhl"},"content":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst wurde das Leberbl\u00fcmchen zur Blume des Jahres gew\u00e4hlt. Dabei handelt es sich um ein blau bl\u00fchendes <a title=\"Flora\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/flora\/\">Pfl\u00e4nzchen<\/a>, das mit dem Buschwindr\u00f6schen verwandt ist und seine Bl\u00fcten im zeitigen <a title=\"Fruehling\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/fruehling\/\">Fr\u00fchjahr<\/a> \u00f6ffnet. Im Landkreis kommt es an wenigen Stellen am <a title=\"Kaiserstuhl\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/kaiserstuhl\/\">Kaiserstuhl<\/a> vor.<!--more--><\/p>\n<p>Fr\u00fchbl\u00fcher haben eine besondere Strategie: Sie nutzen die Zeit im M\u00e4rz und April, wenn B\u00e4ume und Str\u00e4ucher noch kein Laubdach ausgebildet haben. Dann k\u00f6nnen die Sonnenstrahlen n\u00e4mlich ungehindert bis zum Waldboden durchdringen, ihn erw\u00e4rmen und die Kr\u00e4uter mit Lichtenergie versorgen, die sie zur Herstellung von Zucker und St\u00e4rke ben\u00f6tigen. Diese Substanzen werden auch als Reservestoffe f\u00fcr den Rest des Jahres in unterirdisch wachsenden Organen gespeichert. Bekannte Fr\u00fchbl\u00fcher sind Buschwindr\u00f6schen und Scharbockskraut, die beide zu den Hahnenfu\u00dfgew\u00e4chsen geh\u00f6ren: Vielerorts verwandeln sie im Fr\u00fchling die B\u00f6den von Laub- und Mischw\u00e4ldern in wei\u00dfgelbe Blumenteppiche. Wesentlich seltener ist bei uns das zur gleichen Pflanzenfamilie geh\u00f6rende Leberbl\u00fcmchen: Es ben\u00f6tigt lichte Laubw\u00e4lder auf mageren, kalkreichen B\u00f6den, wie es sie beispielsweise im Hegau- und westlichen Bodenseegebiet sowie auf der Ostalb und im Schw\u00e4bisch-Fr\u00e4nkischen Wald gibt. Dort befinden sich auch die landesweiten Verbreitungsschwerpunkte dieser streng gesch\u00fctzten Pflanze, die nicht gepfl\u00fcckt werden darf.<br \/>\nIm Landkreis w\u00e4chst das Leberbl\u00fcmchen nur an wenigen Stellen am Kaiserstuhl: &#8222;Zwischen Ihringen und Achkarren sowie rund um den Totenkopf ist es zu entdecken&#8220;, sagt Reinhold Treiber, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Landschaftserhaltungsverbands Breisgau-Hochschwarzwald (LEV). Gef\u00e4hrdet sei es vor allem durch zu dichte Baumbest\u00e4nde: &#8222;Bergahorn und Esche haben sich in den Buchenw\u00e4ldern nach den Sturmw\u00fcrfen des Orkans Lothar stark ausgebreitet und bilden Dickungen mit Brombeer-\u00dcberwuchs&#8220;, erkl\u00e4rt der Biologe. Eine weitere Beeintr\u00e4chtigung bestehe an Waldr\u00e4ndern durch die Ausbreitung der nordamerikanischen Robinie, die den Stickstoffgehalt des Bodens anreichert und so die Wuchsbedingungen f\u00fcr das Leberbl\u00fcmchen verschlechtert. Ziel des LEV sei es daher, gemeinsam mit der Forstverwaltung lichte, artenreiche Waldr\u00e4nder zu schaffen. &#8222;Davon profitiert nicht nur das Leberbl\u00fcmchen, sondern auch das seltene Wei\u00dfe Veilchen und zahlreiche Insekten&#8220;, betont Treiber.<br \/>\nWie Revierf\u00f6rster Heinrich Kobras erl\u00e4utert, sei unl\u00e4ngst bereits ein Waldst\u00fcckchen am Achkarrer Schneckenberg in diesem Sinne ausgelichtet und dadurch \u00f6kologisch aufgewertet worden. Da das Leberbl\u00fcmchen zu einer Zeit bl\u00fcht, zu der noch nicht viele Honigbienen unterwegs sind, werden seine Bl\u00fcten auch von Schwebfliegen, K\u00e4fern und anderen Insekten best\u00e4ubt. F\u00fcr die Ausbreitung sorgen \u00fcbrigens Ameisen: Sie m\u00f6gen die kleinen, fettreichen N\u00fcsschenfr\u00fcchte und tragen diese daher zu ihren Bauten. Markant sind auch die im ausgereiften Zustand dunkelgr\u00fcnen Bl\u00e4tter: Ihre dreilappige Gestalt erinnert an eine Leber, was zur Namensgebung gef\u00fchrt hat. Da man im Mittelalter dachte, dass man von der Form einer Pflanze auf deren Wirkung schlie\u00dfen k\u00f6nne, wurde das Leberbl\u00fcmchen fr\u00fcher als Mittel gegen Leberleiben eingesetzt. &#8222;Daf\u00fcr gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Grundlagen&#8220;, erl\u00e4utert Irmgard Merfort, Professorin f\u00fcr Pharmazeutische Biologie an der Universit\u00e4t Freiburg. Auch f\u00fcr die Verwendung in der Hom\u00f6opathie f\u00e4nden sich keine belegbaren Wirkungen. Ebenso wie andere Hahnenfu\u00dfgew\u00e4chse enth\u00e4lt die frische Pflanze indes einen besonderen Inhaltstoff, das sogenannte Protoanemonin. Dieser hat eine reizende Wirkung und kann bei Hautkontakt zu R\u00f6tungen, Juckreiz und Blasenbildung f\u00fchren.<br \/>\n6.4.2013, Andreas Braun<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst wurde das Leberbl\u00fcmchen zur Blume des Jahres gew\u00e4hlt. Dabei handelt es sich um ein blau bl\u00fchendes Pfl\u00e4nzchen, das mit dem Buschwindr\u00f6schen verwandt ist und seine Bl\u00fcten im zeitigen Fr\u00fchjahr \u00f6ffnet. 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