{"id":2633,"date":"2012-05-02T15:11:53","date_gmt":"2012-05-02T15:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=2633"},"modified":"2012-05-02T15:23:40","modified_gmt":"2012-05-02T15:23:40","slug":"ula-un-abhangigkeit-und-lebensqualitat-im-alter-sucht-ueber-60","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/ula-un-abhangigkeit-und-lebensqualitat-im-alter-sucht-ueber-60\/","title":{"rendered":"ULA &#8211; Un-Abh\u00e4ngigkeit und Lebensqualit\u00e4t im Alter &#8211; Sucht ueber 60"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr Menschen \u00fcber 60 Jahren haben ein <a title=\"Sucht\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/sucht\/\">Suchtproblem<\/a>. Dabei geht es meist um Alkohol und Medikamente. Die Scham der Betroffenen ist oft gro\u00df, Beratungsstellen finden kaum Kontakt zu ihnen. Das soll sich \u00e4ndern: Auch in Freiburg gibt es ab jetzt ein entsprechendes Angebot. \u201eEr war angenehm, einfach sch\u00f6n, ich habe ihn gebraucht&#8220;, sagt Alice Thompson (Name ge\u00e4ndert) \u00fcber den Alkohol. Die 82- J\u00e4hrige ist eine energische Frau mit strahlend wei\u00dfem Haar, kr\u00e4ftiger Stimme und Witz im\u00a0 Blick. \u201eIch habe nie gleich nach dem Aufstehen getrunken&#8220;, erz\u00e4hlt sie, \u201eaber wenn ich am Vormittag vom Einkaufen kam, bin ich als Erstes zum Eisschrank.&#8220; Eine Flasche Wein pro Tag trank sie meist. \u201eDas ist zuviel f\u00fcr eine Frau in diesem Alter, die zudem Medikamente nehmen muss&#8220;, erkl\u00e4rt Thomas Hodel. Der Leiter der Suchtberatung des <a title=\"AGJ-Freiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/sucht\/agj-freiburg\/\">AGJ-Fachverbands f\u00fcr Pr\u00e4vention und Rehabilitation <\/a>in der Erzdi\u00f6zese Freiburg ist beim Gespr\u00e4ch in Alice Thompsons Wohnung dabei.<!--more--> \u201eEr hat mir geholfen, indem er mir viele richtige Fragen gestellt hat&#8220;, sagt die alte Dame. Dass es soweit kam und sie in der Beratungsstelle Hilfe suchte, verdankt sie vor allem ihren Kindern. \u201eMama, Alkoholismus ist eine Krankheit&#8220;, habe die Tochter gesagt. Als sie dann nach einem Sturz im Krankenhaus lag, sagte sie bei der Anamnese endlich den Satz: \u201eIch bin Alkoholikerin.&#8220; Und nahm den erzwungenen kalten Entzug zum Anlass, mit dem Trinken aufzuh\u00f6ren. Nach zwei Anl\u00e4ufen ist sie jetzt seit mehr als einem Jahr trocken. \u201eEs ist eine M\u00fche&#8220;, sagt sie, \u201eder Drang zum Alkohol ist so gro\u00df, aber ich will jetzt frei sein.&#8220; Rund 400000 Menschen \u00fcber 60Jahren, sch\u00e4tzt die Deutsche Hauptstelle f\u00fcr Suchtfragen, sind alkoholabh\u00e4ngig, ein bis zwei Millionen haben einen \u201eproblematischen Medikamentenkonsum&#8220;. Umgerechnet auf Freiburg bedeutet das, dass hier bis zu 5400 \u00e4ltere Frauen und M\u00e4nner betroffen sind. Doch nur 69 davon haben sich 2010 an eine entsprechende Einrichtung gewandt, wie Suchtberatungsleiter Thomas Hodel berichtet. \u201eSie sch\u00e4men sich&#8220;, sagt er, \u201eund viele wissen gar nicht, dass sie abh\u00e4ngig sind.&#8220; Denn die Schmerz-, Beruhigungs- und Schlafmittel verschreibt schlie\u00dflich der Hausarzt, und Alkohol haben sie auch fr\u00fcher regelm\u00e4\u00dfig getrunken. Doch Leber und Nieren arbeiteten im Alter langsamer, weshalb die Sucht und die negativen Folgen des Alkohols viel schneller zutage treten, so Hodel: Antriebslosigkeit, R\u00fcckzug, Hirnsch\u00e4digungen, St\u00fcrze. \u201eUn- Abh\u00e4ngigkeit und Lebensqualit\u00e4t im Alter&#8220; (Ula) nennt sich das Projekt der Freiburger Suchtberatung, das \u2013 finanziert von der Baden-W\u00fcrttemberg- Stiftung \u2013 im Juni 2010 begonnen hat und auf drei Jahre angelegt ist. Nachdem zun\u00e4chst Fachleute geschult wurden, will man jetzt auf die Betroffenenzugehen: Ab sofort gibt es jede Woche eine Telefonsprechstunde sowie eine offene Gruppe, an der jeder teilnehmen kann \u2013 einvorheriger Entzug ist genauso wenig Voraussetzung wie eine Anmeldung. Die verbreitete Meinung, \u00e4ltere Menschen k\u00f6nnten ihre Gewohnheiten nicht mehr \u00e4ndern, sei genauso falsch wie der Rat, man solle \u201eder Oma doch ihr Viertele lassen&#8220;, sagt Thomas Hodel: \u201eDie Behandlungserfolge sind sogar sehr gut, und der Gewinn an Lebensqualit\u00e4t ist hoch.&#8220; Von Erfolgsquoten von 70 bis 90 Prozent berichtet Elke M\u00fcller, Leiterin der Suchtberatung des Blauen Kreuzes in L\u00f6rrach. Vor allem die \u201eLate Onset&#8220;- S\u00fcchtigen, die \u2013 oft nach Verlust des Arbeitsplatzes oder des Partners \u2013 sp\u00e4t mit dem Trinken begonnen haben oder in die Medikamentenabh\u00e4ngigkeit gerutscht sind, schafften es meist, abstinent zu werden. \u201eSie brauchen einen Sinn und eine Aufgabe&#8220;, sagt Elke M\u00fcller. 25 Betroffene hat sie bereits zu Suchtberatungshelfern ausgebildet, derzeit sind vier im Einsatz: Ehrenamtlich \u00fcbernehmen sie bei anderen Suchtkranken Hausmeistert\u00e4tigkeiten oder zeigen J\u00fcngeren, wie man ein Haushaltsbuch f\u00fchrt. Die Gruppe \u201e60+und abh\u00e4ngig&#8220; besteht derzeit aus elf Mitgliedern, die sich gegenseitig unterst\u00fctzen. Der Kontakt entstehe meist \u00fcber das Kreiskrankenhaus, mit dem die Beratungsstelle gut vernetzt sei, sagt Elke M\u00fcller: \u201eMeist geht es ihnen rasch besser, sie erobern sich ihr Leben zur\u00fcck.&#8220; Auf diesem Weg sieht sich auch Alice Thompson: \u201eIch bin noch lange nicht fertig, aber ich bin unterwegs und ich lerne jetzt, mir selber etwas Gutes zu tun&#8220;, sagt sie und w\u00fcnscht Thomas Hodel \u201eviel Gl\u00fcck f\u00fcr Ihre wichtige Arbeit&#8220;. Die solle auf jeden Fall weitergef\u00fchrt werden,\u00a0 auch wenn der Projektzuschuss enden sollte, so Hodel. In L\u00f6rrach bestehen Chancen, dass das Angebot in die Regelfinanzierung des Landkreises aufgenommen wird. Sicher ist: Das Thema dr\u00e4ngt, durch die demografische Entwicklung wird die Zahl der \u00e4lteren Suchtkranken zunehmen.<\/p>\n<p align=\"left\">Sigrun Rehm, 2.5.2012, <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\/\">www.der-sonntag.de<\/a><\/p>\n<p align=\"left\">Angebote speziell f\u00fcr Menschen ab 60 Jahren mit Suchtproblemen:<\/p>\n<p>FREIBURG: \u201eUn-Abh\u00e4ngigkeit und Lebensqualit\u00e4t im Alter&#8220; (Ula),\u00a0 Suchtberatung des AGJ-Fachverbands f\u00fcr Pr\u00e4vention und Rehabilitation in der Erzdi\u00f6zese Freiburg, Oberau 23, Freiburg. Sprechstundemittwochs 11 bis 12 Uhr, Telefon 0761 \/207620; Gruppe donnerstags, 14.30 bis 15.30Uhr.<\/p>\n<p>L\u00d6RRACH: \u201e60+ und unabh\u00e4ngig&#8220;, Blaues Kreuz, Beratungsstelle L\u00f6rrach, Spitalstra\u00dfe60. Info zur Gruppe unter Telefon 07621 \/44612. Sprechstunde im Kreiskrankenhaus L\u00f6rrach, Spitalstra\u00dfe 25, Zimmer 003, mittwochs 10 bis 12 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Menschen \u00fcber 60 Jahren haben ein Suchtproblem. Dabei geht es meist um Alkohol und Medikamente. Die Scham der Betroffenen ist oft gro\u00df, Beratungsstellen finden kaum Kontakt zu ihnen. 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