{"id":25385,"date":"2013-03-22T10:04:25","date_gmt":"2013-03-22T09:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=25385"},"modified":"2013-03-22T10:05:39","modified_gmt":"2013-03-22T09:05:39","slug":"oberried-bgm-winterhalter-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/oberried-bgm-winterhalter-24\/","title":{"rendered":"Oberried Bgm Winterhalter 24"},"content":{"rendered":"<p id=\"internal-source-marker_0.13101993733918676\" dir=\"ltr\">R\u00fcckblick auf eine vierundzwanzig-j\u00e4hrige Amtszeit &#8211; Gespr\u00e4ch mit <a title=\"Oberried\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/oberried\/\">Oberrieds<\/a> B\u00fcrgermeister Franz Josef Winterhalter<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Herr Winterhalter, sie gehen nun nach vierundzwanzig Jahren als B\u00fcrgermeister Oberrieds im April in den Ruhestand. Was f\u00e4llt Ihnen ein, wenn Sie auf diese Zeit zur\u00fcckblicken?<br \/>\nWinterhalter: Als ich anfing, standen sehr viele Aufgaben im Pflichtbereich der Gemeinde an: die Wasser- und Abwasserversorgung musste saniert und erweitert werden. <!--more-->Damals waren noch nicht alle Ortsteile an das Abwassersystem angeschlossen. Das war sehr kostenintensiv und zog sich \u00fcber viele Jahre hin. Auch bei den Friedh\u00f6fen waren Sanierung und Erweiterung n\u00f6tig, ebenfalls eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Es gab einen Riesennachholbedarf und solange das nicht erledigt war, konnte an nichts anderes gedacht werden. Davon waren die ersten beiden Amtsperioden gepr\u00e4gt. Au\u00dferdem wurden in jenen Jahren drei Wohnbaugebiete \u2013 Winterhalterhof 2, Schw\u00f6rerhof und Stauden\u00e4cker \u2013 und ein Gewerbegebiet erschlossen.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Hat Oberried dadurch sein Gesicht ver\u00e4ndert?<br \/>\nWinterhalter: Nein!<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Auch nicht durch das Gewerbegebiet?<br \/>\nWinterhalter: Das liegt ja au\u00dferhalb des Ortskerns von Oberried und der Kernort selbst hat sein Gesicht gewahrt. Man ging hier sehr sorgsam und traditionsbewusst mit den bestehenden Bauwerken um. Es wurde nicht abgerissen, sondern saniert \u2013 siehe Klosterscheune, siehe Gasthof Sternen Post. Die Ortsteile haben ihr Gesicht ebenfalls gewahrt.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Die dritte Amtsperiode war dann anders?<br \/>\nWinterhalter: Da war dann Zeit und auch Geld f\u00fcr die K\u00fcr \u2013 also f\u00fcr Dinge, die eine Gemeinde nicht tun muss, sie aber tun kann. F\u00fcr ein Dorf k\u00f6nnen solche Ma\u00dfnahmen sehr bedeutsam sein! Dazu geh\u00f6rte die Einrichtung des Ruhebergs als Besonderheit. Deutschlandweit waren wir die erste Kommune, die diese M\u00f6glichkeit der Bestattung unter kommunaler Verwaltung in Angriff genommen hat. Die Sanierungen der Goldberghalle, des Rathauses, des Sportgel\u00e4ndes und nat\u00fcrlich der Klosterscheune waren solche K\u00fcr-Projekte. Und nicht zuletzt auch die Einrichtung des Nordic Centers am Notschrei Klosterscheune.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Die Klosterscheune ist f\u00fcr Oberried ein ganz herausragendes Projekt!<br \/>\nWinterhalter: Es ist sicherlich das sch\u00f6nste Projekt, weil damit ein St\u00fcck der Geschichte Oberrieds erhalten und in besonderer Weise der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wurde. Die Klosterscheune ist ein wichtiger Kristallisationspunkt der Gemeinde geworden, denn sie schafft Raum f\u00fcr b\u00fcrgerschaftliche Aktivit\u00e4ten: es gibt R\u00e4ume f\u00fcr die Vereine, den Freitagsmittags-Wochenmarkt, Kleinkunstveranstaltungen \u2026 Es war nicht die finanzielle Dimension, die dem Projekt Gewichtigkeit verleiht, da gab es kostenintensivere Ma\u00dfnahmen, es ist die Ausstrahlung auf die Dorfgemeinschaft, die sich mit dem Projekt identifiziert und dadurch n\u00e4her zusammenr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Da sind wir dann ganz nah an einem weiteren wichtigen Thema, das Oberried besch\u00e4ftigt: das Mehrgenerationenprojekt, das auch ein b\u00fcrgerschaftliches werden soll.<br \/>\nWinterhalter: Umsetzen kann ich dieses Projekt nicht mehr, aber es sind alle Vorbereitungen getroffen, um es erfolgreich werden zu lassen. Alle Fachleute die mit der Thematik befasst sind, wie Professor Dr. Klie, Eichstettens \u00a0B\u00fcrgermeister Kiechle oder der Leiter der Sozialstation N\u00f6rdlicher Breisgau Michael Szymczak, bescheinigen uns, dass wir auf einem guten Weg sind. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung ist es auch n\u00f6tig, dass die Gemeinde aktiv wird und die Resonanz aus der Bev\u00f6lkerung darauf ist sehr positiv.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Was ist denn genau geplant?<br \/>\nWinterhalter: Es geht um die Umnutzung des derzeit leer stehenden Behindertenheims. Dort soll eine Wohngruppe auch f\u00fcr Demenzerkrankte eingerichtet werden. Au\u00dferdem sollen barrierefreie Wohnungen, die auch attraktiv f\u00fcr Familien sind, entstehen. Wir w\u00fcnschen uns mehrere Generationen bunt gemischt unter einem Dach, so dass die Bewohner sich gegenseitig unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Desweiteren soll dort auch die M\u00f6glichkeit von Tages- und Kurzzeitpflege geschaffen werden. Das Ganze soll aber nicht einfach einem Tr\u00e4ger \u00fcbergeben werden, es soll durch eine b\u00fcrgerschaftlich organisierte Genossenschaft betreut und koordiniert werden. Klar ist, dass professionelle Pflege eingekauft und bezahlt werden muss, ansonsten soll es eher eine selbstorganisierte Wohnform sein.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Existiert diese Genossenschaft schon?<br \/>\nWinterhalter: Bisher sind es der Gemeinderat und die Verwaltung, die das Projekt vorantreiben, aber die Gr\u00fcndung einer Genossenschaft ist geplant.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Die Gemeinde spielt also eine zentrale Rolle.<br \/>\nWinterhalter: Ja! Ich bin der Meinung, dass die Gemeinde sich verst\u00e4rkt mit dieser Thematik auseinandersetzen muss. Wenn es um Kinderbetreuung, den Bau von Schulen oder Sportpl\u00e4tzen geht, dann ist es \u00fcberhaupt kein Thema, dass die Gemeinde aktiv wird und solche Dinge auch finanziert. Was die \u00e4ltere Generation angeht, so haben sich die Kommunen bisher vornehm zur\u00fcckgehalten. Es ist jedoch ein Umdenken zu beobachten!<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Dieses Projekt ist jedoch nicht als Altenheim gedacht?<br \/>\nWinterhalter: Nein! Es soll eher eine Wohngemeinschaft sein, was auch finanztechnische Vorteile hat. Es soll keine gewinnorientiertes, sondern ein sozialorientiertes, aber dennoch kostendeckendes Projekt sein. Das funktioniert nur, wenn die B\u00fcrger die Initiative ergreifen und die Unterst\u00fctzung der kommunalen Verwaltung haben. Denn die Verwaltung ist kein Selbstzweck, sie ist dazu da, der B\u00fcrgerschaft zu dienen!<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Das Thema Windkraft steht nach wie vor auf der kommunalen Tagesordnung.<br \/>\nWinterhalter: Mein Eindruck ist, dass sowohl eine deutliche Mehrheit der Bev\u00f6lkerung als auch die politisch Verantwortlichen im Dreisamtal, also Gemeinder\u00e4te und B\u00fcrgermeister, die Nutzung der Windenergie hier wollen, weil sie die Energiewende mittragen wollen. Ein bis zwei Standorte mit bis zu drei Windr\u00e4dern w\u00fcrden auf breite Akzeptanz sto\u00dfen. Ich bef\u00fcrchte jedoch, dass die Umsetzung schwierig werden wird, denn die guten Standorte sind fast alle tot! Da wo der Wind am besten bl\u00e4st, werden keine Windr\u00e4der installiert werden k\u00f6nnen, weil dem der Natur- und Artenschutz entgegensteht. Ein Hoffnungsschimmer besteht noch f\u00fcr den Bereich Hundsr\u00fccken. Dort weht ein guter Wind, es best\u00fcnden gute Erschlie\u00dfungsm\u00f6glicheiten, er w\u00e4re landschaftstechnisch ideal, weil er nicht auf irgendwelchen Sichtachsen liegt, und w\u00e4re kombinierbar mit Freiburger Projekten. Aber wahrscheinlich gibt es dort Auerh\u00fchner \u2013 was das Aus dieses Standorts bedeuten k\u00f6nnte.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Manche sehen in dem Windenergie-Erlass des Landes Baden-W\u00fcrttembergs, der ja bis zum Jahr 2020 1200 zus\u00e4tzliche Windr\u00e4der erm\u00f6glichen soll, ein Instrument der Windenergie-Verhinderung.<br \/>\nWinterhalter: Weil Natur-, Arten- und Landschaftsschutz eine zu hohe Priorit\u00e4t einger\u00e4umt wird. Wenn wir die Energiewende jedoch wollen, dann m\u00fcsste sich die Politik dazu durchringen, einen gewissen Prozentsatz der Fl\u00e4che der Nutzung der Windenergie zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass Natur-, Arten- und Landschaftsschutz dort zur\u00fcckstehen m\u00fcssen.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Wenn ein Bebauungsplan verabschiedet wird, ist ein Umweltbericht n\u00f6tig, der bei zu starken Eingriffen in die \u00d6kologie \u00f6kologische Ausgleichsma\u00dfnahmen zwingend erforderlich macht.<br \/>\nWinterhalter: Das w\u00e4re ein sinnvoller Ansatz! Man opfert eine Teilfl\u00e4che f\u00fcr die Windkraft und tut in anderen Bereichen als Kompensation aktiv etwas f\u00fcr den Schutz des Auerwilds. Momentan allerdings besteht eine ungewollte Selbstblockade: Natur- und Umweltschutz stehen dem Klimaschutz im Wege.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Ihre Amtszeit endet in zwei Wochen. Haben Sie Pl\u00e4ne f\u00fcr Ihren Ruhestand?<br \/>\nWinterhalter: Ich werde erst einmal nichts mehr tun!<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen \u2026<br \/>\nWinterhalter: Ich bekomme jeden Tag ein Angebot: ich k\u00f6nnte f\u00fcr den Bundestag kandidieren, die Leitung der Volkshochschule \u00fcbernehmen \u2026 aber ich werde nichts dergleichen tun. Nach vierundzwanzig Jahren Amtszeit, 60-Stunden-Wochen, nie wirklich Urlaub und der st\u00e4ndigen Zur\u00fcckstellung eigener und famili\u00e4rer Interessen m\u00f6chte ich aus dem politischen Gesch\u00e4ft erst einmal aussteigen, mal wieder in Ruhe ein Buch lesen und mich mehr um meine Familie k\u00fcmmern k\u00f6nnen. Die Arbeit geht mir jedoch nicht ganz aus: ich bleibe noch Mitglied des Kreistags und Pr\u00e4sident der Muettersproch-Gesellschaft mit \u00fcber 3000 Mitgliedern. Die Arbeit als B\u00fcrgermeister hat mir ungeheuer Freude gemacht. Ich war ein St\u00fcck weit mit dem Amt verheiratet und habe es mit Leidenschaft betreiben. Es steckte sehr viel Herzblut drin. Es war aber auch immer ein Spannungsfeld, gerade f\u00fcr die Familie, die das mit tragen musste und das gl\u00fccklicherweise all die langen Jahre auch getan hat.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Welche Eigenschaften braucht ein B\u00fcrgermeister, um die Belastungen auszuhalten?<br \/>\nWinterhalter: Er braucht eine \u201eRossnatur\u201c, denn er muss k\u00f6rperlich und psychisch belastbar sein. Gott sei Dank war ich das, denn in den vielen Jahren war ich nie krank, abgesehen von einer gelegentlich kurzen Grippe. Er braucht aber auch eine Elefantenhaut, denn er muss Kritik einstecken und damit umgehen k\u00f6nnen, ohne auf Dauer zynisch zu werden. Kann man das nicht, besteht sehr leicht die Gefahr, dass man die n\u00f6tige Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Dinge verliert.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Herr Winterhalter, vielen Dank f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und alles Gute f\u00fcr Ihren Ruhestand!<br \/>\n22.3.2013, Dagmar Engesser, <a href=\"https:\/\/www.dreisamtaeler.de\">www.dreisamtaeler.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckblick auf eine vierundzwanzig-j\u00e4hrige Amtszeit &#8211; Gespr\u00e4ch mit Oberrieds B\u00fcrgermeister Franz Josef Winterhalter Dreisamt\u00e4ler: Herr Winterhalter, sie gehen nun nach vierundzwanzig Jahren als B\u00fcrgermeister Oberrieds im April in den Ruhestand. 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