{"id":24817,"date":"2013-03-16T18:32:54","date_gmt":"2013-03-16T17:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=24817"},"modified":"2013-04-27T21:35:49","modified_gmt":"2013-04-27T19:35:49","slug":"ehegattensplitting-steuer-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/ehegattensplitting-steuer-familie\/","title":{"rendered":"Ehegattensplitting Steuer Familie"},"content":{"rendered":"<p>Aus f\u00fcr Splitting bringt h\u00f6here <a title=\"Steuern\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/verbraucher\/steuern\/\">Steuern<\/a> f\u00fcr<a title=\"Familie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/familie\/\"> Eheleute<\/a>.\u00a0Dem Ehegattensplitting soll der Garaus gemacht werden: Gr\u00fcne, SPD und Linke fordern in ihren Wahlprogrammen seine Abschaffung, CDU und FDP bef\u00fcrworten h\u00f6chst nebul\u00f6s dessen Weiterentwicklung zu einem Familiensplitting. <!--more-->Ehegattensplitting darf man nicht w\u00f6rtlich nehmen: Es ist keine harte Variante der Scheidung, sondern eine Einkommenssteuerregel: Die beiden Einkommen von Ehegatten werden nicht getrennt besteuert, sondern addiert, die Summe durch zwei geteilt. F\u00fcr diesen Betrag wird die Einkommensteuer berechnet, die dann mit zwei multipliziert wird.<br \/>\nEin Alleinstehender mit einem zu versteuernden Einkommen von 70 000 Euro muss 22 370 Euro Steuern zahlen. Ein Ehepaar mit dem gleichen Einkommen muss hingegen wegen der Splitting-Regel zweimal die Steuern auf 35 000 Euro zahlen. Das macht 15 266 Euro. Der Unterschied kommt durch die Steuerprogression zustande: Die Steuerlast pro Euro steigt mit dem Einkommen an. So betr\u00e4gt der Grenzsteuersatz bei 35 000 Euro 34 Prozent, bei 70 000 Euro 42 Prozent. Beim Splittingtarif spielt es keine Rolle, welcher Ehegatte wie viel zu den 70 000 Euro beitr\u00e4gt. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass Ehepaare steuerlich als eine Einheit zu sehen seien, in deren Arbeitsteilung \u2013 Einkommenserzielung, Haushaltf\u00fchrung, Kindererziehung \u2013 sich der Staat nicht einzumischen habe.<br \/>\nWenn das Splitting abgeschafft wird, werden Ehepaare nicht mehr als wirtschaftliche Einheit behandelt. Dann muss jeder Ehegatte sein Einkommen selbst versteuern; nur das Existenzminimum eines nicht arbeitenden Gatten, derzeit 8124 Euro, ist aus verfassungsrechtlichen Gr\u00fcnden steuermindernd zu ber\u00fccksichtigen. Wie wirkt sich das auf die Steuerschuld aus? Grenzfall eins: Wenn beide exakt gleichviel verdienen, also jeweils 35 000 Euro, \u00e4ndert sich nichts. Es sind zweimal Steuern auf 35 000 Euro zu zahlen, also erneut 15 266 Euro. Sobald jedoch der eine \u2013 etwa wegen Teilzeitarbeit \u2013 nur etwas weniger als der andere verdient, steigt wegen der Steuerprogression die Steuerlast an, bis zum Grenzfall zwei: Wenn ein Ehegatte Alleinverdiener ist, sind \u2013 statt zweimal 35 000 Euro \u2013 einmal 70000 minus 8124, also 61 876 Euro zu versteuern. Jetzt sind 18 770 Euro f\u00e4llig, also 3504 Euro mehr als mit Splittingregel. Das ist eine Steuererh\u00f6hung um satte 23 Prozent. Warum will man das Splitting abschaffen? Vordergr\u00fcndig geht es um die gesellschaftspolitische Frage, ob Ehe und Familie weiterhin als Einheit behandelt werden sollen \u2013 dann Erhalt des Splittings \u2013 oder nicht \u2013 dann Abschaffung. Bei Abschaffung h\u00e4lt sich der Staat bewusst nicht aus der ehelichen Arbeitsteilung heraus, sondern stellt die Ehen mit Alleinverdienern und mit Teilzeitarbeit eines Gatten gezielt schlechter, um das politische Modell einer Ehe durchzusetzen, in der beide m\u00f6glichst gleich viel verdienen.<\/p>\n<p>Doch lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen: Hinter diesem Argument verstecken sich handfeste fiskalische Interessen unserer Politiker. Kein einziges Ehepaar in Deutschland wird durch die Abschaffung des Splittings weniger Steuern zahlen. Selbst in dem Extremfall, dass beide auf den Cent gleich viel verdienen, bleibt ihre Steuerschuld bestenfalls gleich. F\u00fcr alle Familien aber, in denen sich die Einkommen der beiden Ehegatten auch nur geringf\u00fcgig unterscheiden, ist die Steuerlast h\u00f6her als heute.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge w\u00fcrde die Abschaffung des Splittings die Steuerzahler mit weit \u00fcber zehn Milliarden Euro belasten. Sie ist also ein gigantisches Steuererh\u00f6hungsprogramm. Dass die Abschaffung des Splittings per saldo aufkommensneutral erfolgen solle, steht denn auch in keinem Wahlprogramm. Klar ist: Die milliardenschweren Hilfen f\u00fcr die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Euro-L\u00e4nder und die Profite der Wind- und Solarstrom-Investoren aus der Energiewende m\u00fcssen genauso finanziert werden wie die Wahlgeschenke, die den W\u00e4hlern zu den Bundestagswahlen im September versprochen werden.<br \/>\nUnd wer blutet bei einer Abschaffung des Splittings am meisten? Ein Ehepaar, das 70 000 Euro verdient, muss wie beschrieben bis zu 23 Prozent mehr Steuern bezahlen. F\u00fcr ein Ehepaar, das 1 000 000 Euro verdient, steigt die Steuerlast um maximal drei Prozent. Die Zeche zahlen also erneut die Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen. Aber auch das ist klar: Richtig kr\u00e4ftige Steuermehreinnahmen kann der Staat nur erzielen, wenn er die Masse der Bev\u00f6lkerung zur Kasse bittet.<br \/>\n16.3.2013,\u00a0L\u00fcder Gerken, Vorsitzender der Stiftung Ordnungspolitik und des Centrums f\u00fcr Europ\u00e4ische Politik.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcne wollen Ehegattensplittung ab 60000 Euro Jahreseinkommen deckeln<\/strong><br \/>\nZitat:&#8220;Die Gr\u00fcnen fordern ein Abschmelzen des Ehegattensplittings. Zun\u00e4chst soll der Splittingvorteil gedeckelt werden. Belastungen durch die Reform sollen zun\u00e4chst nur Haushalte mit einem Einkommen ab 60 000 Euro treffen.&#8220; Da zeigt sich wie weit Politiker\/innen von der Realit\u00e4t entfernt sind. Eine vierk\u00f6pfige Familie mit einem Einkommen von 60.000,- Euro j\u00e4hrlich wird sich herzlich bedanken, wenn die Steuerlasten steigen. Von diesen 5.000,- EUR pro Monat bleiben netto laut Steuerrechner aus dem Internet noch 3.311,- EUR h\u00e4ngen. Nehmen wir einmal an Aufwand f\u00fcr Essen, Trinken und Haushalt allg. 1.200,- EUR. Eine entsprechende Wohnung in zum Beispiel Freiburg w\u00fcrde mit warm 1.000,- EUR zu Buche schlagen. Der Familie bleiben also nach Wohnen, Essen, Trinken und K\u00f6rperpflege noch 1.100,- EUR \u00fcber. Davon gehen dann noch die Kosten f\u00fcr ein Familienauto ab, weil der Hauptverdiener\/in mehrere Kilometer Arbeitsweg hat, sagen wir mal mit allen Kosten 600,- EUR im Monat. Also noch 500,- EUR zur freien Verf\u00fcgung. Dann kommen noch ein bisschen Schulmaterialien, dann sind wir bei einem frei verf\u00fcgbaren Nettoeinkommen von 400,- EUR im Monat. Gl\u00fcckwunsch liebe Gr\u00fcnen, nehmt diesen Familien den Rest auch noch weg. Mal sehen woher dann \u00fcberhaupt noch Kaufkraft f\u00fcr die Wirtschaft kommt.<br \/>\n27.4.2013, Uwe Drescher<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<br \/>\n<strong>Kinder als Voraussetzung f\u00fcrs Splitting<\/strong><br \/>\nWieso das Ehegattensplitting nicht exakt so weiterlaufenlassen und aber nur Eheleute beg\u00fcnstigen, die Kinder gro\u00dfziehen? Eigene oder adoptiert?<br \/>\n18.3.2013, Johannes G\u00fcntert<\/p>\n<p><strong>Echtes Kindergeld statt Splitting<\/strong><br \/>\nWenn statt des Ehegattensplittings daf\u00fcr ein echtes Kindergeld (in mindestens der H\u00f6he der Splitting-Vorteile f\u00fcr die Durchschnittsfamilie) gezahlt wird soll es mir recht sein. Dann m\u00fcsste man auch keine Klimmz\u00fcge f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft mehr machen. Geld gibts nur f\u00fcr Kinder!<br \/>\n18.3.2013, Oliver Breitwieser<\/p>\n<p><strong>Ehegattensplitting soll laut Forsa-Umfrage bleiben<\/strong><br \/>\nDas Alleinverdiener-Modell ist out, aber das Ehegattensplitting keineswegs. Anspruch auf Kitaplatz ja, m\u00f6glichst schnelle R\u00fcckkehr in den Beruf nach einer Geburt aber eher nicht. So lauten verk\u00fcrzt die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage \u00fcber W\u00fcnsche, Forderungen und Probleme von Eltern, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde&#8230;.<br \/>\nAlles vom 10.4.2013 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/nachrichten\/deutschland\/eltern-erteilen-familienpolitik-einen-rueffel--70767626.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/nachrichten\/deutschland\/eltern-erteilen-familienpolitik-einen-rueffel&#8211;70767626.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Einzelbesteuerung ginge an der Realit\u00e4t vorbei<br \/>\n<\/strong>Es ist nicht Aufgabe des Staates und der Gesellschaft, den Ehepartnern vorzuschreiben, wie sie die Aufteilung der Erwerbs- und der Familienarbeit vorzunehmen haben. Eine Einzelbesteuerung von Ehepaaren, bei der die Ehepartner wie Singles besteuert werden, ginge doch v\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbei.<br \/>\nDie Ehe ist eine Gemeinschaft, in der der die Partner f\u00fcreinander einzustehen haben, obwohl das in unserer schnelllebigen Zeit wohl etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint.<br \/>\nAusdruck dieser Gemeinschaft ist auch die gemeinsame Besteuerung des Einkommens, denn es wird ja auch gemeinsam ausgegeben. Oder ist es auch Ausdruck einer modernen Gesellschaft, dass jeder \u2013 auch die Kinder \u2013 sein eigenes Geld nur f\u00fcr sich ausgibt? Das Ehegattensplitting kommt aufgrund der Steuerprogression \u00fcbrigens auch Ehepaaren mit geringeren Eink\u00fcnften zugute. F\u00fcr Einkommensmillion\u00e4re dagegen ergibt sich durch das Ehegattensplitting dagegen \u2013 wie L\u00fcder Gerken zu Recht schreibt \u2013 kein Vorteil, sie zahlen sowieso den H\u00f6chststeuersatz.<br \/>\nDas Ehegattensplitting ist keine Steuersubvention, sondern ein Ausdruck normaler Lebenswirklichkeit.<br \/>\n17.4.2013, Dietmar Maldacker, Sch\u00f6nau<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abschaffung des Ehegattensplitting =\u00a0Steuererh\u00f6hungsprogramm<br \/>\n<\/strong>Die Abschaffung des Ehegattensplittings ist nicht nur, wie von L\u00fcder Gerken in dankenswerter Weise beschrieben, ein gigantisches Steuererh\u00f6hungsprogramm und nicht nur ein Programm, in dem Ehepartner getrieben werden, gleiche Einkommen zu erzielen, um die Steuerbelastung zu minimieren. Es ist auch ein Programm, das sie weiter zu willf\u00e4hrigen Wirtschaftsfunktion\u00e4ren verwandelt oder, wenn es nicht klappt, zur Teilnahme an politischen Umverteilungsideologien \u2013 sagen wir es mal euphemistisch \u2013 motiviert. Damit k\u00f6nnen sich dann &#8222;unsere&#8220; Politiker br\u00fcsten. Die zunehmende Marginalisierung von Ehe und Familie ist in vielfacher Hinsicht ein Angriff auf eine der Grunds\u00e4ulen, die ich in unserer Gesellschaft wichtig finde: das gegenseitige Einstehen f\u00fcreinander in Ehe und Familie. Dieses kann nie durch Dritte ersetzt werden \u2013 meine vielf\u00e4ltigen Erfahrungen mit Personen in sozialen Berufen zeigen deren Grenzen. Eltern werden zu Berufst\u00e4tigen degradiert, Kinder zur Ware, an der viele verdienen wollen. Als Zeugungsprodukte sind sie in der Kita oder bei der Tagesmutter abzugeben. Dort sollen dann &#8222;Profis&#8220; alles richten. Die Industrialisierung von Ehepartnern und Kindern: Dazu passen die Allmachtsphantasien &#8222;unserer&#8220; Politiker, die anderen das Sparen predigen, aber selbst immer mehr Kosten verursachen. Da passen die von Herrn Gerken genannten zehn Milliarden Mehreinnahmen doch gut ins Bild: noch mehr Geld f\u00fcr die Politik des kl\u00e4glichen Resignierens vor Lobbyisten und Wirtschaft.<br \/>\n18.4.2013, Manuel Kunst, Freiburg<!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus f\u00fcr Splitting bringt h\u00f6here Steuern f\u00fcr Eheleute.\u00a0Dem Ehegattensplitting soll der Garaus gemacht werden: Gr\u00fcne, SPD und Linke fordern in ihren Wahlprogrammen seine Abschaffung, CDU und FDP bef\u00fcrworten h\u00f6chst nebul\u00f6s dessen Weiterentwicklung zu einem Familiensplitting.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[58],"tags":[437,365],"class_list":["post-24817","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-familie","tag-ehe","tag-steuern"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24817"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24817\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}