{"id":24578,"date":"2013-03-11T12:53:17","date_gmt":"2013-03-11T11:53:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=24578"},"modified":"2013-03-14T12:56:04","modified_gmt":"2013-03-14T11:56:04","slug":"sida-energiepflanze-ernte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sida-energiepflanze-ernte\/","title":{"rendered":"Sida Energiepflanze Ernte"},"content":{"rendered":"<p>Sida Riesenmalwe in Heitersheim geerntet: Peter Kaltenbach ist nicht nur G\u00e4rtnermeister, sondern auch ambitionierter Pionier bez\u00fcglich <a title=\"Biomasse\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/biomasse\/\">nachwachsende Rohstoffe (Nawaro)<\/a>. Neben einem Mitstreiter am Bodensee ist er in Baden-W\u00fcrttemberg Vorreiter beim Anbau von Sida hermaphrodita, einer Energiepflanze mit hohem Potenzial. Gespannt wartete er auf trockene K\u00e4lte, um auf 300 Quadratmetern Versuchsfl\u00e4che <!--more-->die erste Ernte der zweij\u00e4hrigen Sida einzufahren. Das Ergebnis erf\u00fcllte alle Erwartungen und weckte das Interesse von Fachleuten aus Freiburg. Die Gew\u00e4chsh\u00e4user der G\u00e4rtnerei wurden fr\u00fcher mit \u00d6l und Erdgas befeuert. In den Jahren 2005 und 2007 stellte Peter Kaltenbach auf Hackschnitzel um. Auf diese Weise k\u00f6nnen 3000 Quadratmeter Gew\u00e4chsh\u00e4user nahezu CO<sub>2<\/sub>-neutral beheizt werden. Der Kontakt mit der Nawaro-Szene brachte ihn vor zwei Jahren auf die Idee, die nachwachsenden Rohstoffe selber zu produzieren und Sida anzupflanzen. Das erforschte Gro\u00dfgras &#8222;Miscanthus&#8220; w\u00e4hlte er nicht, weil es beim Verbrennen viel Schlacke bildet und wegen seiner Inhaltsstoffe nur in Edelstahlkesseln verheizt werden kann. Sida indes hat Aschewerte wie Holz und gewichtsbezogen auch den gleichen Heizwert.<br \/>\nZum Setzen der Pflanzen (Richtgr\u00f6\u00dfe 600 pro Hektar) diente eine alte Tabakpflanzmaschine. Zwei Jahre bildete sich der Wurzelstock aus, von dessen Qualit\u00e4t die Biomasseertr\u00e4ge abh\u00e4ngen. Im Fr\u00fchjahr treiben aus einem robusten Wurzelstock 20 bis 30 Triebe, die drei bis vier Meter H\u00f6he erreichen. Ab dem Herbst stehen sie zur Ernte bereit. Die erfolgt vorzugsweise im Winter, weil dann die holzigen St\u00e4ngel einen niedrigen Feuchtigkeitsgehalt haben. Doch bevor es dem Nawaro-Freund so richtig &#8222;Sida&#8220;-warm wird, muss er sich schockfrosten lassen.<br \/>\nBei minus f\u00fcnf Grad trommelte Peter Kaltenbach Nawaro-Beobachter zur ersten Ernte zusammen. Die Agentur f\u00fcr nachhaltige Nutzung von Agrarlandschaften (ANNA) hatte eine Spezialmaschine organisiert, die bei der Vatermais-Entfernung zum Einsatz kommt. Michael Nahm von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes notierte Zahlen zur Ernteeffizienz. Das Landratsamt Breisgau Hochschwarzwald entsandte den Fachbereichsleiter f\u00fcr Landwirtschaft, J\u00fcrgen Maier. Auch Sulzburgs B\u00fcrgermeister Peter Wehrle lie\u00df sich die Ernte-Premiere auf Gemarkung Laufen nicht entgehen.<br \/>\nWegen des Schneebruchs in der Anlage mussten die d\u00fcrren St\u00e4ngel von Hand korrigiert und der Maschine zugef\u00fchrt werden. Diskutiert wurde die Schnitth\u00f6he. Jeder Zentimeter, der stehen bleibt, schm\u00e4lert den Ertrag. Ein zu tiefer Schnitt gef\u00e4hrdet m\u00f6glicherweise den Austrieb. Die Zerkleinerung war sehr fein, aber in der Hackschnitzelanlage im Mischbetrieb verwertbar. N\u00e4chstes Jahr kann Kaltenbach eine benachbarte zweij\u00e4hrige Sida-Fl\u00e4che dazu nehmen und mit einem gr\u00f6beren Maish\u00e4cksler ans Werk gehen, um die Wirtschaftlichkeit zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sida-energiepflanze-ernte\/sida-riesenmalwe12sep\/\" rel=\"attachment wp-att-24581\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-24581\" title=\"sida-riesenmalwe12sep\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/sida-riesenmalwe12sep-180x137.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"137\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/sida-riesenmalwe12sep-180x137.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/sida-riesenmalwe12sep.jpg 514w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a>\u00a0Sida im September gr\u00fcn (Ernte erst im M\u00e4rz)<\/p>\n<p>Dennoch entsprach das Ergebnis von 350 Kilogramm auf 300 Quadratmetern im zweiten Jahr den Literatur-Recherchen. Bei einer Restfeuchte von 19,18 Prozent ergeben sich hochgerechnet auf ein Hektar mehr als neun Tonnen Trockenmasse im Jahr, was etwa 4500 Litern Heiz\u00f6l entspricht. Seine gesamte Sida-Fl\u00e4che beziffert Kaltenbach mit 0,75 Hektar. Parallel testet er jedoch noch auf 2,75 Hektar den Anbau von Paulownien (Blauglockenb\u00e4umen) und Pappeln als schnellwachsende Rohstoffe. &#8222;Wenn alle Kulturen im vollen Ertrag sind, kann ich circa ein Drittel der W\u00e4rmeenergie f\u00fcr die G\u00e4rtnerei aus eigenem Anbau beziehen&#8220;, kalkuliert Kaltenbach. Ein langer, m\u00fchsamer, zeitweise ganz sch\u00f6n frostiger Weg.<\/p>\n<p>Sida &#8211; Riesenmalwe: Die Sidapflanze geh\u00f6rt zur Staudenfamilie der Malvengew\u00e4chse. Sie stammt aus Nordamerika und ist frostbest\u00e4ndig bis minus 35 Grad Celsius. Sida-Plantagen k\u00f6nnen 15 bis 20 Jahre genutzt werden. Im ersten Jahr bildet Sida ein stark verzweigtes Wurzelsystem bis zu drei Metern Tiefe aus. Deshalb erweist sich die Pflanze als resistent gegen Wassermangel w\u00e4hrend der Wachstumsphase und zeichnet sich durch schnelle, hohe Biomasseertr\u00e4ge von 14 bis 20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar aus. Damit k\u00f6nnte man ein Einfamilienhaus ein Jahr heizen. Das entspricht in etwa 7000 bis 10 000 Litern Heiz\u00f6l. Die Imker sch\u00e4tzen die Bl\u00fcte von August bis November mit einem hohen Honigertrag. Muss man auf Nutzholz in W\u00e4ldern mehrere Jahre warten, bringt Sida bereits ab dem zweiten Jahr erste ordentliche Ertr\u00e4ge.<br \/>\n11.3.2013, Sabine Model<\/p>\n<div>\n<p>Kaltenbach KG G\u00e4rtnerei Blumenfachgesch\u00e4ft<br \/>\nJohanniterstr. 90, 79423 Heitersheim, Tel (07634) 2024<\/p>\n<p>ANNA &#8211; Agentur f\u00fcr nachhaltige Nutzung von Agrarlandschaften<br \/>\nAgentur f\u00fcr Nachhaltige Nutzung von Agrarlandschaften, Klarastrasse 94, 79106 Freiburg, Tel 0761\/202323-0<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.anna-consult.de\">www.anna-consult.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sida Riesenmalwe in Heitersheim geerntet: Peter Kaltenbach ist nicht nur G\u00e4rtnermeister, sondern auch ambitionierter Pionier bez\u00fcglich nachwachsende Rohstoffe (Nawaro). Neben einem Mitstreiter am Bodensee ist er in Baden-W\u00fcrttemberg Vorreiter beim Anbau von Sida hermaphrodita, einer Energiepflanze mit hohem Potenzial. 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