{"id":23890,"date":"2013-03-07T13:00:00","date_gmt":"2013-03-07T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=23890"},"modified":"2013-03-09T14:13:25","modified_gmt":"2013-03-09T13:13:25","slug":"facebook-und-kreativitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/facebook-und-kreativitaet\/","title":{"rendered":"Facebook und Kreativitaet"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Wir sind immer fast immer <a title=\"Internet\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/internet\/\">online<\/a> &#8211; zuhause am PC oder unterwegs per <a title=\"Smartphone\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/smartphone\/\">Smartphone<\/a>. \u00dcber <a title=\"Social-Networking\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/internet\/social-networking\/\">Social Media<\/a>\u00a0bzw. Facebook sind wir in der eigenen Community permanent erreichbar. Man gef\u00e4llt, wird geliked und gefollowed. Diese Sozialisierung via Internet\u00a0zeigt Wirkung &#8211; f\u00fcr das individuelle Denken wie f\u00fcr die\u00a0<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a>\u00a0insgesamt.<!--more--><\/p>\n<p>(1) Gefiltertes und personalisiertes\u00a0Internet<br \/>\nBeispiel: Allj\u00e4hrlich\u00a0schwimmen Lachse in Kanada flu\u00dfaufw\u00e4rts zu ihren Laichpl\u00e4tzen &#8211;\u00a0ein gefundenes Fressen f\u00fcr den\u00a0Braunb\u00e4r, der im seichten Wasser nur mit seiner kr\u00e4ftigen Pranke\u00a0kurz zuschlagen mu\u00df. Nimmt die Zahl der Fische aber zu, dann wird es ihm\u00a0vor lauter zappelnder Fische fast unm\u00f6glich, auch nur einen\u00a0einzelnen Fisch gezielt zu erwischen.\u00a0Beeindruckend die Bilder, in denen der B\u00e4r vor der Vielzahl leckerer Fischleiber fl\u00fcchtet.<br \/>\nIm Internet werden immer gr\u00f6\u00dfere Datenmengen abgelegt &#8211; Big Data oder Data 2.0 genannt. Der einzelne User kann diese Flut immer weniger bew\u00e4ltigen, er droht im digitalen Datenmeer zu ertrinken. Was tun? Collaborative Filtering und Personal Internet versprechen einen Ausweg: Der User findet nur Informationen, die f\u00fcr seine individuellen Bed\u00fcrfnisse gefiltert wurden. Einerseits\u00a0sieht er also nur solche Websites, die ihn interessieren (sollen). Andererseits werden die Websites je nach User mit unterschiedlichem Content gef\u00fcllt. Das so gefilterte und personalisierte Internet mag vorteilhaft sein f\u00fcrs schnelle gezielte Suchen wie auch f\u00fcr\u00a0Werbung und Marketing. Der gro\u00dfe Nachteil jedoch: Informationen, die nicht durch den Filter gelangen, k\u00f6nnen erst gar nicht wahrgenommen werden. Das Wahrnehmungsspektrum des Users wird eingeschr\u00e4nkt, sein Blick eingeengt. Fr\u00fcher wurde das Internet genutzt als offenes Tor zur weiten Welt, in dem es viel zu entdecken gilt. Im intelligent gefilterten Internet hingegen gibt es wenig zu entdecken, da dem User in einem Spiegel prim\u00e4r Infos zu seinen Interessen, Vorlieben, Einstellungen und Bed\u00fcrfnissen vorgehalten werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>(2) Kreativit\u00e4t bleibt auf der Strecke<br \/>\nKreativit\u00e4t kann sich nur entwickeln, wenn Zufall und Irritation das eigene Denken in eine ungewohnte, innovative Richtung leiten. Im personalisierten Internet ist kein Platz mehr f\u00fcr Kreativit\u00e4t, da divergentes Denken, Versuch und Irrtum, Zuf\u00e4lle, Irritationen,\u00a0Verirrungen und scheinbar planloses Herumgesuche ja ausgeschaltet sind. Der User kann aus fremden und fremdartigen Ideen keine neuartigen Ideen mehr entwickeln, da er diese Fremdheit gar nicht mehr erf\u00e4hrt.\u00a0Denken findet ja &#8222;nur&#8220;\u00a0in den &#8222;optimal&#8220; vorgefilterten Bahnen statt, versteinert und eingeengt. Keine guten Aussichten f\u00fcr die Zukunft des menschlichen Denkens &#8211; schlie\u00dflich wird\u00a0Kindern so immer fr\u00fcher jegliches kreative Tun verwehrt.<\/p>\n<p>(3) Facebook als Kreativit\u00e4tskiller<br \/>\nDer moderne User bewegt sich zunehmend in Social Media, also unter seinesgleichen. In Facebook begegnet er seinen Freunden, die alle \u00e4hnliche Interessen haben. Seine Community ist ein abgeschotteter Teil der Welt, nach rigiden Homogenit\u00e4tskriterien gebildet &#8211; alle haben gleiche Vorlieben, Abneigungen und Interessen. In der aseptischen Facebook-Welt m\u00f6gen sich alle, wer anders und gar feindlich denkt geh\u00f6rt nicht zur Community. F\u00fcr immer mehr\u00a0junge Menschen werden Internet und Facebook zu einem Synonym, in dem sich divergentes Denken und Kreativit\u00e4t kaum entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(4) Demokratie 2.0 &#8211; keine Kompromisse mehr?<br \/>\nDemokratie lebt von anstrengenden Auseinandersetzungen, Streit(-kultur), hitzigen Debatten\u00a0und vom m\u00fchsamem Aushandeln von Kompromissen unter Einbeziehung unterschiedlicher Interessen. Die eigenen \u00dcberzeugungen m\u00fcssen sich immer wieder an\u00a0fremden Ideen, Vorschl\u00e4gen und feindlichen Meinungen reiben, um sich zu bew\u00e4hren oder aber zu scheitern. Jeder Kompromiss beinhaltet, die eigene Meinung zumindest teilweise\u00a0revidieren zu m\u00fcssen. Genau dies widersp\u00f6richt der sch\u00f6nen &#8222;gef\u00e4llt mir&#8220;-Scheinwelt von Facebook.\u00a0Die Sozialisierung durch Social Media macht die User zwangsl\u00e4ufig intoleranter, engstirniger, ich-bezogener und kompromi\u00dfloser. Frage: Demokratie lebt vom Kompromiss. In der extrem personalisierten Welt des Internet wird es aber schwieriger, Kompromisse auszuhandeln. Werden in Zukunft die Konflikte deswegen h\u00e4rter gef\u00fchrt werden? Konflikte \u00fcberall: Zwischen Individuen, zwischen Communities, zwischen realer und virtueller Welt, zwischen Economies?<br \/>\n7.3.2013, Ekke<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Facebook raubt uns die Zeit<\/strong><br \/>\nBei Facebook verliert man viel Zeit, weil dieses soziale Netzwerk die Kategorie Zeit gar nicht kennt bzw. nur einseitig: Auf der einen Seite antwortet Facebook\u00a0blitzschnell, computergem\u00e4\u00df im Mikrosekundenbereich und ohne Zeitverlust. Auf der anderen Seite kommen wir mit\u00a0 unserem menschlich gem\u00e4chlichen Lesen kaum nach, die Zeit verrinnt. \u00c4rgerlich, zumal die meisten News gar nicht von wirklichen Freunden kommen, sondern von automatisch erzeugten virtuellen Spinnweben &#8211; fr\u00fcher Karteileichen genannt. Da wird die Zeit so knapp, dass sogar eine SMS nur in ganz klein gehackten Sprachfetzen abgesetzt werden kann.<br \/>\nWieviel Zeit verplempern wir nicht beim Posten und Liken? Das\u00a0Handy ist permanent scharf gestellt, um ja nichts zu verpassen.\u00a0Denn die Freundschaftsanfragen werden so schnell beantwortet, selbst wenn man \u00fcberhaupt keine gestellt hat. \u00a0<br \/>\nEs ist ein Geschenk, wenn man erleben darf, wie langsam die Zeit vergeht &#8211; dies hat mir mal ein Angler am Schluch-see gesagt. \u00a0Facebook raubt uns die Zeit, dieses Geschenk zu erleben, und macht uns noch s\u00fcchtig danach, immer weniger &#8222;freie&#8220; Zeit zu haben.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind immer fast immer online &#8211; zuhause am PC oder unterwegs per Smartphone. \u00dcber Social Media\u00a0bzw. Facebook sind wir in der eigenen Community permanent erreichbar. Man gef\u00e4llt, wird geliked und gefollowed. 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