{"id":23024,"date":"2013-02-20T12:55:09","date_gmt":"2013-02-20T11:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=23024"},"modified":"2013-02-25T13:04:17","modified_gmt":"2013-02-25T12:04:17","slug":"hinterzarten-1944-bomberabsturz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hinterzarten-1944-bomberabsturz\/","title":{"rendered":"Hinterzarten 1944 Bomberabsturz"},"content":{"rendered":"<p>In der Nacht 20.\/21 Februar <a title=\"Freiburg1944\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/freiburg1944\/\">1944<\/a> st\u00fcrzte ein kanadischer Bomber am Silberberg oberhalb <a title=\"Hinterzarten\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/hinterzarten\/\">Hinterzarten<\/a>\u00a0ab. \u00dcber die Geschehnisse jener Zeit ist inzwischen eine Dokumentation erschienen. Alle 7 Besatzungsmitglieder \u00fcberlebten und wurden gut behandelt.\u00a0Theo Gremmelspacher aus Hinterzarten und Elmar Wiedeking aus Sipplingen haben eine Dokumentation erstellt.<!--more--><br \/>\n&#8222;An den beiden Tagen im Februar 1944 flogen insgesamt 1747 viermotorige Bomber der kanadischen und englischen Royal Air Force und 1899 Bomber der amerikanischen Luftwaffen Eins\u00e4tze \u00fcber Deutschland. Begleitet wurden sie von 1514 Jagdflugzeugen und Jagdbombern. Flugzeuge, die so schwer besch\u00e4digt waren, dass sie nicht mehr nach Gro\u00dfbritannien zur\u00fcckfliegen konnten, oder die schwerverletzte Besatzungsmitglieder an Bord hatten, versuchten oft, aus dem s\u00fcddeutschen Raum die Schweiz zu erreichen. Allein 100 Flugzeuge notlandeten in D\u00fcbendorf bei Z\u00fcrich. Aber nicht alle hatten dieses Gl\u00fcck. Am 15. April 1943 st\u00fcrzte eine Wellington-Maschine beim Plattenhof in St. Peter ab. Der 20-j\u00e4hrige Pilot wurde get\u00f6tet, die \u00fcbrigen vier Besatzungsmitglieder gefasst und in verschiedene Gefangenenlager gebracht. Am 18. M\u00e4rz 1944 starben bei einem Absturz in Dittishausen drei der zehn Soldaten. Die sieben \u00dcberlebenden sollten auf Anordnung des Kreisleiters von Neustadt gelyncht werden. Anwohner und ein Arzt, der die Verletzten behandelte, verhinderten die Morde. Der Gro\u00dfteil der Besatzung des am 21. Juli 1944 in Schollach abgest\u00fcrzten Bombers hatte weniger Gl\u00fcck. Der Kreisleiter lie\u00df alle \u00fcberlebenden Soldaten erschie\u00dfen, die er in seinem Einflussgebiet gefangen nehmen konnte.<\/p>\n<p>Beim Absturz der Halifax-Maschine in der Nacht zum 21. Februar 1944 in Hinterzarten kamen alle sieben Besatzungsmitglieder mit dem Leben davon. Der Pilot hatte noch versucht, D\u00fcbendorf zu erreichen. Doch der Bomber war so schwer besch\u00e4digt, dass unmittelbare Absturzgefahr bestand. Nach der Notlandung auf dem mit einer dicken Schneeschicht bedeckten Silberberg oberhalb von Hinterzarten geriet die Besatzung in Gefangenschaft.<br \/>\nSie erfuhr aber eine menschliche Behandlung. Der wohl rachs\u00fcchtige Kreisleiter aus Neustadt war nicht zugegen, als im Bankenhof Polizei und NSDAP-F\u00fchrer auf einige der abgest\u00fcrzten Soldaten trafen und diese vernahmen. Der Kreisleiter hatte seinen Stellvertreter geschickt, dem nichts daran gelegen war, die Soldaten zu t\u00f6ten. Die sechs unverletzten Soldaten wurden sp\u00e4ter in das Landesgef\u00e4ngnis Freiburg gebracht und dann an das Durchgangslager f\u00fcr gefangene Luftwaffensoldaten in Oberursel bei Frankfurt \u00fcberstellt. Der verletzte Hecksch\u00fctze kam nach einer Behandlung direkt ins Durchgangslager.<br \/>\nDie Halifax war am 21. Februar um 0.31 Uhr von der Luftwaffenbasis Graveley, etwa 100 Kilometer n\u00f6rdlich von London gestartet. Es war der erste Einsatz nach einer Reparatur und Wartung der Maschine. Die Crew hatte eigentlich Urlaub, wurde aber alarmiert.<br \/>\nIm Gro\u00dfraum Stuttgart verfolgte eine Messerschmitt der Reichsluftwaffe den Bomber. Gegen 3.15 Uhr kam es zum Luftkampf, die Kanadier wurden getroffen. Der kanadische Flight Sergeant Jim Lesley flog noch einige Schleifen \u00fcber dem Hochschwarzwald. Dann verlie\u00df die Crew in rascher Folge die Maschine \u2013 als Vorletzter der Pilot selbst. Die Ungl\u00fccksmaschine hatte da nur noch eine geringe Flugh\u00f6he. Der Hecksch\u00fctze Norman Paisley war wegen Besch\u00e4digungen im Heckstand eingeschlossen und konnte die abst\u00fcrzende Maschine nicht verlassen. Sie prallte wenige hundert Meter von der Silberbergh\u00fctte entfernt auf. Die H\u00fctte war in dieser Nacht von mindestens drei Besuchern belegt, die aber nichts geh\u00f6rt hatten. Erst Tage sp\u00e4ter besichtigten zwei von ihnen die Absturzstelle und trugen in das H\u00fcttenbuch ein: &#8222;Wir schwebten in gr\u00f6\u00dfter Lebensgefahr.&#8220; Das Flugzeugwrack wurde von Foto Milotor aus Neustadt im Bild festgehalten. Dabei tummelten sich Kinder im zerst\u00f6rten Cockpit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hinterzarten-1944-bomberabsturz\/hinterzarten1944flugzeugabsturz\/\" rel=\"attachment wp-att-23025\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-23025\" title=\"hinterzarten1944flugzeugabsturz\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hinterzarten1944flugzeugabsturz-180x136.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hinterzarten1944flugzeugabsturz-180x136.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hinterzarten1944flugzeugabsturz.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das\u00a0Wrack des Bombers, der am 21. Februar 1944 am Silberberg abgest\u00fcrzt ist. Auf dem Schild hinter der Frau\u00a0der Hinweis \u201eVorsicht Blindg\u00e4nger\u201c &#8211;\u00a0 Foto:\u00a0Privat<\/p>\n<p>Theo Gremmelspacher sammelte viele Unterlagen zu dem Absturz und f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit Zeitzeugen. Margarete Weber, geboren 1930, aus Hinterzarten, hatte in ihrem Tagebuch den Absturz des &#8222;Riesendings&#8220; vermerkt. Ihr Bruder Erich Weber erg\u00e4nzte, kurz vor der Landung soll der Pilot noch zwei Bomben abgeworfen haben: &#8222;Die Trichter im Waldgebiet sind noch sichtbar.&#8220; Auch Meinrad Z\u00e4hringer, damals Sch\u00fcler der achten Klasse, kannte den Absturzort und die Bombentrichter: &#8222;Unsere Klasse musste morgens um acht Uhr zur Suche nach dem Piloten antreten.&#8220; Sie hatten jedoch keinen Erfolg und haben die Aktion um 14 Uhr abgebrochen \u2013 &#8222;auch weil wir Hunger hatten&#8220;. Bei der R\u00fcckkehr erfuhren die Sch\u00fcler, dass sich ein Pilot im S\u00e4gerhaus beim Henslerhof versteckt gehalten hatte und nach einiger Zeit in den Bauernhof gegangen war, um zu fragen, ob er hier in der Schweiz ist. Ein weiteres Besatzungsmitglied tauchte im Gasthof zum B\u00e4ren im vorderen B\u00e4rental auf. Auch der Mitsch\u00fcler August Hitz, wohnhaft in der Bruderhalde, erinnerte sich an die sieben Besatzungsmitglieder. Xaver Drescher von der Erlenbruck besichtigte das anf\u00e4nglich von Hitlerjungen bewachte Wrack ebenso wie Alfred Kapp vom Windeckweg. Auch Albert Feser (Bartleshof), Berta Schubnell (Bankenhof), Karl Steiert (Helmlehof) erz\u00e4hlen in der Brosch\u00fcre von ihren Begegnungen mit der Crew. Die Besatzungsmitglieder Ray Davis (Sch\u00fctze), Jack Whitehouse (Funker) und Fred Stephens (Navigator) schilderten bei einer Befragung die Vorg\u00e4nge w\u00e4hrend der letzten Minuten in der Maschine. Sie erinnerten auch an Aussagen des Piloten Jim Leslie, von Dennis Male (Flugingenieur), Owen Roberts (Bombensch\u00fctze) und Norman Paisley (Hecksch\u00fctze). Der 1920 in Toronto geborene Kanadier Fred Stephens war von 1960 bis 1964 in Zweibr\u00fccken stationiert und besuchte &#8222;sein Gef\u00e4ngnis&#8220; in Freiburg.<\/p>\n<p>Einige seiner Kameraden hatten sich in England niedergelassen und ebenfalls Kontakte nach Deutschland gekn\u00fcpft. Das kanadisch-englische Septett behielt das geradezu gastfreundliche Verhalten der Bewohner von Hinterzarten, B\u00e4rental und Saig in bester Erinnerung. Die Hochschwarzw\u00e4lder sowie die Hilfe suchenden Soldaten erkannten den Mensch im Gesicht des Gegners und behandelten einander mit Respekt, res\u00fcmierte Gremmelspacher. Angesprochen auf die vielen Toten im Bomberkommando der englisch-kanadischen-amerikanischen Airforces antwortete Fred Stephens: &#8222;Wir, die \u00fcberlebt haben, hatten einfach nur Gl\u00fcck. Gro\u00dfes Gl\u00fcck.&#8220; An jenem 21. Februar 1944 hatten aber auch die B\u00fcrger der Gemeinde Hinterzarten Gl\u00fcck, dass bei dem Absturz niemand verletzt oder get\u00f6tet wurde. Im Vorwort hei\u00dft es dazu: &#8222;Krieg trennt und verbindet die Menschen. Eine Aussage, die auf den ersten Blick paradox zu sein scheint. Bei genauerem Hinsehen ist sie jedoch zutreffend.&#8220; Denn Krieg verbinde die Menschen aller Nationen zu einer Schicksalsgemeinschaft im Leben und im Tod.<\/p>\n<p>Auszug aus der Brosch\u00fcre &#8222;Absturz der Halifax JP121 TL-U am Silberberg \u2013 Hinterzarten, 21. Februar 1944&#8220;.<br \/>\nErh\u00e4ltlich\u00a0bei Theo Gremmelspacher, Birkenweg 18, Hinterzarten.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Mehr Infos zu Hinterzarten und H\u00f6llental ab 1944:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/hinterzarten1944-1948.htm\">https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/hinterzarten1944-1948.htm<\/a><!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht 20.\/21 Februar 1944 st\u00fcrzte ein kanadischer Bomber am Silberberg oberhalb Hinterzarten\u00a0ab. \u00dcber die Geschehnisse jener Zeit ist inzwischen eine Dokumentation erschienen. 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