{"id":2285,"date":"2006-10-06T16:59:11","date_gmt":"2006-10-06T16:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=2285"},"modified":"2012-08-04T21:46:30","modified_gmt":"2012-08-04T19:46:30","slug":"wie-lange-reichen-die-weltweiten-energievorrate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wie-lange-reichen-die-weltweiten-energievorrate\/","title":{"rendered":"Wie lange reichen die weltweiten Energievorr\u00e4te?"},"content":{"rendered":"<p>A<em>m 9.10.2006 findet der Energiegipfel der Bundesregierung statt. Schon im Vorfeld des Energiegipfels zeigt sich, dass die Frage der Energieressourcen bei diesem Gipfel eine wichtige Rolle spielen werden. In der Berichterstattung im Vorfeld des Gipfels zeigt sich bisher sehr stark die Dominanz der Werbeabteilungen der Energiekonzerne.\u00a0 Die absehbare Endlichkeit der Uranreserven spielt in der bisherigen Diskussion beispielsweise fast keine Rolle. Auch aus diesem Grund senden wir Ihnen noch einmal unsere Hintergrundinformation aus dem Fr\u00fchjahr 2006 zum Thema weltweite Energievorr\u00e4te.<\/em><\/p>\n<p>Im Internet und den Medien finden sich zum Thema weltweite Energievorr\u00e4te (Uran, Erd\u00f6l, Erdgas, Kohle, Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie) die unterschiedlichsten, h\u00e4ufig stark interessengeleiteten Angaben. Wir versuchen hier einige Infos zum Thema weltweite Energievorr\u00e4te zusammenzutragen. <!--more-->Die aufgef\u00fchrten, h\u00e4ufig widerspr\u00fcchlichen Studien \u00fcber die Endlichkeit von Uran, Erd\u00f6l, Erdgas und Kohle zeigen bei allen Widerspr\u00fcchen die Dimension der kommenden Energiekrise. Sie ber\u00fccksichtigen h\u00e4ufig nicht ausreichend, dass bei Ressourcenverknappung auf andere Technologien umgestiegen wird, weil die Verknappung zu einem massiven Preisanstieg f\u00fchrt. Dies kann dazu f\u00fchren, dass einige der alten Energietr\u00e4ger, bei massiv erh\u00f6hten Preisen einige Jahre l\u00e4nger vorhanden sind als in den Prognosen erwartet wird. Das \u00e4ndert aber aber nicht am Grundproblem einer in K\u00fcrze drohenden weltweiten, massiven Energiekrise. Steigende Preise f\u00fcr \u00d6l und Uran und Kriege um \u00d6l und Ressourcen sind die ersten Hinweise auf kommende Kriege und Konflikte.<\/p>\n<p>Die <a title=\"AKW\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/\">Atommlobby<\/a>, u.a. organisiert im Verband Schweizerischer Elektrizit\u00e4tsunternehmen, fasst auf ihrer Homepage (am 7. Sept.2005) die heutigen Erkenntnisse zusammen, allerdings ohne die Steigerungsraten des Verbrauchs einzubeziehen.\u00a0 &#8222;Wie lange reichen die Energievorr\u00e4te der Welt? Teilt man die aus heutiger Sicht technisch und wirtschaftlich abbaubaren Reserven durch den jetzigen Verbrauch, erh\u00e4lt man die so genannte statische Reichweite. Diese betr\u00e4gt f\u00fcr Erd\u00f6l rund 41, f\u00fcr Erdgas 67, f\u00fcr Kohle 192 und f\u00fcr Uran (ohne Brutreaktoren) rund 50 Jahre.&#8220; Nach den realen Zahlen flie\u00dfen dann die Zukunftshoffnungen der Atomlobby in den Text der Homepage ein: &#8222;Die statische Reichweite ist aber nur bedingt aussagekr\u00e4ftig, da sich einerseits der Verbrauch st\u00e4ndig \u00e4ndert und andererseits immer noch neue Vorkommen entdeckt werden. Bei steigenden Energiepreisen lohnt sich auch der heute noch nicht wirtschaftliche Abbau von Vorr\u00e4ten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Umweltorganisation Greenpeace hat im Jahr 2006 eine Studie \u00fcber die Reichweite der Uranvorr\u00e4te der Welt erstellt. Nach dieser Studie k\u00f6nnen die heute bekannten Uranvorr\u00e4te einen steigenden Bedarf nicht decken. &#8222;Unter Ber\u00fccksichtigung verschiedener Szenarien zur weltweiten Entwicklung des Kraftwerkbestandes, scheinen die Uranvorr\u00e4te etwa zwischen 2026 und 2070 ersch\u00f6pft. Geht man davon aus, dass Atomkraft tendenziell r\u00fcckl\u00e4ufig ist, mit Ausbaubem\u00fchungen nur weniger L\u00e4nder, werden die Vorr\u00e4te nach realistischen Sch\u00e4tzungen bis circa 2050 reichen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Fachzeitschrift Politische \u00d6kologie schreibt in ihrer Ausgabe vom M\u00e4rz 2004:<br \/>\nBei den Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale Agentur des OECD (International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:<br \/>\nein Ende des Erd\u00f6ls um 2035,<br \/>\nvon Erdgas vermutlich vor 2040,<br \/>\nKohle reicht bis maximal 2100.<br \/>\nDabei ist jedoch nicht ber\u00fccksichtigt, dass sie die anderen Energietr\u00e4ger ersetzen muss und\u00a0 gleichzeitig zu einem gesteigerten CO2- Aussto\u00df f\u00fchrt.<br \/>\nUran reicht bei der heutigen F\u00f6rderung nur bis 2040.<br \/>\nSchon 2010 produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des \u00d6ls. Das verschafft diesen, teilweise politisch instabilen L\u00e4ndern eine bedeutende Machtposition &#8211; nicht nur \u00fcber die Preise. \u00c4hnlich sieht es beim Erdgas aus, das Deutschland im Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland importieren wird.<br \/>\nQuelle: Zeitschrift &#8222;Politische \u00d6kologie 87 &#8211; 88&#8220; \/ M\u00e4rz 2004<\/p>\n<p>Die teilweise sehr unterschiedlichen, h\u00e4ufig stark interessengeleiteten Zahlen zu den Energievorr\u00e4ten der Welt zeigen dennoch deutlich die Endlichkeit dieser Ressourcen an. Ein pl\u00f6tzliches, abruptes Ende der F\u00f6rderung von Gas, \u00d6l, Uran und Kohle ist dennoch nicht zu erwarten, eher ein langsames Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserh\u00f6hung und sozialen Folgeproblemen. Doch das unl\u00f6sbare Grundproblem der nicht regenerativen Energiequellen wie Uran, Gas, \u00d6l und Kohle sind nach Ansicht von BUND Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Axel Mayer die Probleme eines unbegrenzten Wachstums und der damit verbunden st\u00e4ndig steigenden Nachfrage nach Energie: Bei einem anhaltenden Wachstum des Energieverbrauchs von 3% verdoppelt sich dieser alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell w\u00e4chst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum des Energieverbrauchs ist nicht m\u00f6glich, auch wenn die Kohle, \u00d6l- und Atomlobby anderes verk\u00fcnden. Unser Wirtschaftswachstum\u00a0ist immer noch nicht abgekoppelt von einem \u00fcberh\u00f6hten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des \u00d6l- und Uranzeitalters ist absehbar und r\u00fcckt durch den Export unseres Verschwendungssystems nach China und Indien noch n\u00e4her. Ein Teil des bisher &#8222;unterentwickelten&#8220; Rests der Welt (insbesondere China und Indien) ist gerade gerade dabei, unser zerst\u00f6rerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen und \u00e4hnlich Energie zu verschwenden wir wir. Der beginnende Autoboom in diesen L\u00e4ndern wird in unseren Medien h\u00e4ufig noch unkritisch bejubelt. Die Folgen dieses Booms f\u00fcr Energievorr\u00e4te, \u00d6kologie und Weltklima sind nur selte ein Thema. In China und Indien l\u00e4uft zur Zeit das &#8222;spannendste \u00f6kologische Belastungsexperiment&#8220; der Menschheitsgeschichte. Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten Beispiel nacheifern?<\/p>\n<p>Das weltweit knapper werdende \u00d6l l\u00f6st beim abh\u00e4ngigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt <a title=\"Energiesparen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/energiesparen\/\">Energie einzusparen<\/a> und Alternativen zu f\u00f6rdern, rufen wachstumsgl\u00e4ubige Politiker, gerade auch vor dem Energipfel,\u00a0 nach einer intensiveren \u00d6lf\u00f6rderung und nach der noch h\u00e4rteren und gef\u00e4hrlicheren Energiedroge Atomenergie. Die Abh\u00e4ngigkeit vieler Politiker und Parteien von der Energielobby gef\u00e4hrdet die Demokratie. Nur einen, zugegeben etwas makaberen, positiven Effekt k\u00f6nnte das beginnende Auslaufen der fossilen Energievorr\u00e4te haben. Die Klimaver\u00e4nderungen k\u00f6nnten langfristig weniger verheerend ausfallen als bisher angenommen, wenn Erd\u00f6l und Gas nicht durch Kohle ersetzt werden.<\/p>\n<p>Das Wachstum im Bereich der <a title=\"Energiepolitik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/energiepolitik\/\">Alternativen Energien<\/a>, geh\u00f6rt zu den wenigen hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise f\u00fcr atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, w\u00e4hrend sie sich f\u00fcr erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate 1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies einem neuen AKW G\u00f6sgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein Atomreaktor der Gr\u00f6\u00dfe Beznau (CH) ersetzt &#8211; und dies alle 60 Tage. Der globale Wachstumskurs f\u00fcr Photovoltaik-Anlagen setzt sich auch 2006 fort. Rund eine Million Solaranlagen sind in Deutschland installiert. Damit nutzen \u00fcber drei Millionen Menschen Solarenergie zur Erzeugung von W\u00e4rme und Strom. Allein im Jahr 2005 wurden gut 175.000 Anlagen neu errichtet. Biomasse, Windenergie und Photovoltaik schaffen Strom und Arbeitspl\u00e4tze. Und genau dieses positive Wachstum der zukunftsf\u00e4higen Energien wird von den Anh\u00e4ngern der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bek\u00e4mpft, denn jede neue Photovoltaikanlage und jedes neu gebaute, privat finanzierte Windrad nimmt den AKW &#8211; Betreibern und Atomkonzernen Anteile an der Stromproduktion weg. Widerstand gegen Windr\u00e4der wegen V\u00f6geln, Flederm\u00e4usen und Landschaftsschutz? It\u00b4s the economy &#8211; stupid!<\/p>\n<p>Die erneuerbare Energien sind Energiequellen, die sich durch nat\u00fcrliche Prozesse laufend erneuern. Sie stehen nach menschlichen Zeitma\u00dfst\u00e4ben unendlich lange zur Verf\u00fcgung. Erneuerbare Energien haben drei origin\u00e4re Quellen: Strahlung der Sonne, Kraft der Gezeiten, W\u00e4rme des Erdinneren (Geothermie). Sonne, Mond und Erde stellen diese unersch\u00f6pflichen Energien umweltvertr\u00e4glich zur Verf\u00fcgung. Die Sonne strahlt j\u00e4hrlich in Deutschland auf jeden Quadratmeter so viel Energie, wie in 100 Litern \u00d6l enthalten ist. In der Sahara ist es sogar doppelt so viel. Ein Windrad hat sich nach einem halben Jahr (4- 7 Monate) Betrieb energetisch armortisiert, d.h. nach diesem halben Jahr erzeugt es &#8222;netto&#8220; Strom. 130.000 Arbeitspl\u00e4tze waren im Jahr 2004 in Deutschland direkt oder indirekt auf die Nutzung der regenerativen Energien zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der derzeitige Weltenergiebedarf liegt bei etwa 400 Exajoule (400 Milliarden Milliarden Joule) pro Jahr. Ein Exajoule entspricht der energetischen Menge, welche die Erde in 6 Sekunden von der Sonne empf\u00e4ngt und den Weltverbrauch an Prim\u00e4renergie im Jahr 2000 innerhalb von 21 Stunden deckt. In einer Studie aus dem Jahr 2003 mit dem Titel &#8222;Energiewandel zur Nachhaltigkeit&#8220; prognostiziert der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen Umweltver\u00e4nderungen (WGBU) die Potenziale der erneuerbaren Energien f\u00fcr das Jahr 2100 folgenderma\u00dfen:<br \/>\n&#8211; weltweite Wasserkraft: Der Wert des Potenzials f\u00fcr Wasserkraft k\u00f6nnte sich bis 2100 auf ca. 15 EJ pro Jahr steigern lassen.<br \/>\n&#8211; weltweite Bioenergie \/ nachwachsende Rohstoffe: &#8222;Der Beirat sch\u00e4tzt das globale moderne Bioenergiepotenzial auf etwa 100 EJ pro Jahr, die sich zu 20% aus der Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe sowie zu jeweils etwa 40% aus forstwirtschaftlichen Reststoffen und Energiepflanzen ergeben. Ein derartiger Ausbau ist aber nur innerhalb von Jahrzehnten erreichbar.&#8220;<br \/>\n&#8211; weltweite Windkraft: &#8222;Bei der Windenergie kann nur ein gewisser Anteil des berechneten globalen technischen Potenzials als nachhaltig nutzbar angesehen werden. Der Beirat empfiehlt daher global etwa 140 EJ pro Jahr als langfristig erreichbaren Beitrag der Windenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung.&#8220; Andere Experten sehen hier noch mehr Potentiale.<br \/>\n&#8211; weltweite Solarenergie: &#8222;Im Gegensatz zu allen anderen Formen erneuerbarer Energien sind die technischen und auch die nachhaltig nutzbaren Potenziale der Sonnenenergie vor dem Hintergrund aller Zukunftsprojektionen menschlichen Energieeinsatzes praktisch unbegrenzt.&#8220;<br \/>\n&#8211; weltweite Erdw\u00e4rme: &#8222;Erdw\u00e4rme hat ein gro\u00dfes technisches Potenzial und steht im Gegensatz zu Sonnen- und Windenergie kontinuierlich zur Verf\u00fcgung. Das nachhaltig nutzbare Potenzial wird vom Beirat dennoch bis 2100 nur sehr vorsichtig auf 30 EJ pro Jahr eingesch\u00e4tzt.&#8220;\u00a0<br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/wbgu_jg2003.pdf\">https:\/\/www.wbgu.de\/wbgu_jg2003.pdf<\/a><\/p>\n<p>Den zutiefst zerst\u00f6rerischen Traum von dauerhaftem, unbegrenzten Wachstum im begrenzten System Erde k\u00f6nnen allerdings auch die Alternativenergien nicht erf\u00fcllen. Wer den American Way of Life mit Energie- und Rohstoffverschwendung, mit Umwelt- und Innenweltverschmutzung auf den Rest der Welt \u00fcbertragen will, der f\u00e4hrt diesen Planeten mit und ohne regenerative Energiequellen gegen die Wand. Mit Wind- und Sonnenenergie geht das dann nur ein wenig langsamer.<br \/>\nMehr auf: <a href=\"https:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/projekte\/wind\/energievorraete.htm\">https:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/projekte\/wind\/energievorraete.htm<\/a><\/p>\n<p>Axel Mayer. BUND Regionalverband, <a href=\"mailto:**bund.freiburg@bund.net\">bund.freiburg@bund.net<\/a>, 6.10.2006<span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9.10.2006 findet der Energiegipfel der Bundesregierung statt. Schon im Vorfeld des Energiegipfels zeigt sich, dass die Frage der Energieressourcen bei diesem Gipfel eine wichtige Rolle spielen werden. 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