{"id":22734,"date":"2013-02-21T16:25:33","date_gmt":"2013-02-21T15:25:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=22734"},"modified":"2013-02-21T16:25:33","modified_gmt":"2013-02-21T15:25:33","slug":"einsam-und-alleine-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/einsam-und-alleine-sterben\/","title":{"rendered":"Einsam und alleine sterben"},"content":{"rendered":"<p>Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: In W\u00fcrde altern und <a title=\"Suizid\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/suizid\/\">sterben<\/a> \u2013 das Thema geht uns alle an! In Stuttgart lag eine Rentnerin zwei Jahre lang tot in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses, ohne dass es jemandem aufgefallen w\u00e4re. In Heidelberg steht ein Rentner vor Gericht, weil er seine an <a title=\"Demenz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/chronisch\/demenz\/\">Demenz<\/a> erkrankte Frau erschossen hat &#8211; aus Hilflosigkeit und \u00dcberforderung. Existieren im Dreisamtal noch gen\u00fcgend soziale Netzwerke, <!--more-->die solche Probleme auffangen k\u00f6nnen? Dar\u00fcber unterhielt sich f\u00fcr den Dreisamt\u00e4ler die Redakteurin Dagmar Engesser mit dem Stegener Hausarzt Dr. Peter Krimmel.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Dr. Krimmel, geschehen solch best\u00fcrzende Dinge nur weit weg in der Anonymit\u00e4t gro\u00dfer St\u00e4dte?<br \/>\nKrimmel: Nein! Auch in Stegen wurde k\u00fcrzlich eine Wohnung, in der die Leiche eine Frau gefunden wurde, von der Kriminalpolizei ge\u00f6ffnet. Sie war schon eine Woche lang tot. Es war ersch\u00fctternd zu sehen, wie einsam, wie menschenunw\u00fcrdig ein Leben enden kann. Die Szene, wie die Frau gefunden wurde, wirkte auf mich wie ein Hilfeschrei, der ungeh\u00f6rt blieb.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Wie kann es dazu kommen, dass Menschen so einsam sterben?<br \/>\nKrimmel: Das Stichwort \u201eDemografischer Wandel\u201c kann hier schon einiges erkl\u00e4ren. Der Anteil der \u00e4lteren Menschen in unserer Gesellschaft nimmt zu. Die Menschen werden immer \u00e4lter und je \u00e4lter sie werden, desto wahrscheinlicher, dass sie krank werden und sich nicht mehr selbst versorgen k\u00f6nnen. Fr\u00fcher fing das System Gro\u00dffamilie und eine enge Dorfgemeinschaft das alles auf \u2013 auch weil der Anteil \u00e4lterer Menschen geringer war. Heute fehlt aufgrund der hohen Mobilit\u00e4t ein famili\u00e4res Netzwerk. So kommt es, dass viele \u00e4ltere Menschen ohne Familie und auch ohne soziales Netzwerk da stehen. Letztlich ist das aber keine Frage des Alters. Pers\u00f6nliche Probleme, Krankheit, Schulden oder Arbeitslosigkeit k\u00f6nnen Menschen aus der Bahn werfen, so dass sie sich immer mehr zur\u00fcckziehen und vereinsamen.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Aber auch wenn die Familie vor Ort lebt &#8211; ist die dann nicht oftmals \u00fcberfordert mit der Betreuung und Pflege ihrer Angeh\u00f6rigen?<br \/>\nKrimmel: Das zeigt das Beispiel des Rentners, der seine demente Frau erschoss. Wenn Eltern oder Partner Schwerstpflegef\u00e4lle werden, wenn alte Menschen in schwere Depressionen verfallen oder in ihrer Demenz unter Wahnvorstellungen leiden, dann ist das innerhalb der Familie einfach nicht mehr zu leisten. Deshalb brauchen wir in Stegen zus\u00e4tzliche Hilfen und Betreuungsangebote wie Tages-, Kurzzeit- und sogar Vollzeitpflege.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: K\u00f6nnen solch schreckliche F\u00e4lle verhindert werden?<br \/>\nKrimmel: Das Ziel des Vereins <a title=\"Miteinander Stegen \u2013 Pack\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/miteinander-stegen-pack\/\">\u201eMiteinander Stegen e.V.\u201c <\/a>ist es, das Miteinander im Dorf zu st\u00e4rken, ein Dorf zu schaffen, in dem man wieder \u201ehin-guckt\u201c und nicht nur \u201eweg\u201c. Das begann mit dem Aufbau von Netzwerken mit ehrenamtlichen Helfern und soll erg\u00e4nzt werden durch professionelle Hilfsangebote.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Ist aber nicht manchmal das Problem, dass sich Betroffene gar nicht helfen lassen wollen?<br \/>\nKrimmel: Das gibt es und es gibt auch Menschen, die ihre Hilfsbed\u00fcrftigkeit gar nicht erkennen. Gerade wenn psychiatrische Krankheitssymptome oder eine Suchtproblematik mitspielen, dann suchen die Betroffenen in den seltensten F\u00e4llen aktiv nach Hilfe. Da w\u00e4re auch der Verein \u201eMiteinander Stegen\u201c, der momentan hilfsbed\u00fcrftige Menschen auf ehrenamtlicher Basis betreut, \u00fcberfordert. Ich stelle mir deshalb Hilfsangebote auf ganz verschiedenen Ebenen vor, die einander erg\u00e4nzen und engmaschig miteinander verflochten sind. Au\u00dferdem w\u00fcrde ich mir eine Art \u201eSozialstammtisch\u201c als informelle Plattform w\u00fcnschen. In Eichstetten wird es erfolgreich praktiziert, dass sich Verantwortliche aus der Gemeinde und den Kirchengemeinden treffen und sich \u00fcber soziale Brennpunkte in der Gemeinde austauschen.<br \/>\n21.2.2013, Dagmar Engesser, <a href=\"https:\/\/www.dreisamtaeler.de\">www.dreisamtaeler.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: In W\u00fcrde altern und sterben \u2013 das Thema geht uns alle an! In Stuttgart lag eine Rentnerin zwei Jahre lang tot in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses, ohne dass es jemandem aufgefallen w\u00e4re. 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