{"id":21305,"date":"2013-02-02T20:42:33","date_gmt":"2013-02-02T19:42:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=21305"},"modified":"2013-02-05T22:56:51","modified_gmt":"2013-02-05T21:56:51","slug":"kaufen-fuer-die-muellhalde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kaufen-fuer-die-muellhalde\/","title":{"rendered":"Kaufen fuer die Muellhalde"},"content":{"rendered":"<p><!-- RSPEAK_STOP -->Unter dem Titel &#8222;<a title=\"Obsoleszenz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/obsoleszenz\/\">Geplante Obsoleszenz<\/a>: Schneller kaufen, noch <a title=\"Wegwerfkultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/wegwerfkultur\/\">schneller wegwerfen<\/a>&#8220; findet am Dienstag, 5.2.2013, ab 19.30 Uhr im <a title=\"Literatur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/\">Literaturb\u00fcro<\/a> im Alten Wiehrebahnhof, Urachstra\u00dfe 40, eine Lesung mit Filmvorf\u00fchrung statt. Der Freiburger Journalist, Autor und \u00dcbersetzer J\u00fcrgen Reu\u00df stellt in Lesung und Gespr\u00e4ch sein Buch &#8222;Kaufen f\u00fcr die <a title=\"Abfall\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/abfall\/\">M\u00fcllhalde<\/a>&#8220; vor und gibt Einblicke in das Thema. Die Einf\u00fchrung \u00fcbernimmt Axel Mayer, Regionalgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des &#8222;Bundes f\u00fcr Umwelt und Naturschutz&#8220; <a title=\"BUND\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/bund\/\">BUND<\/a>. <!--more-->Im Anschluss wird die gleichnamige Dokumentation von Cosima Dannecker gezeigt. Der Eintritt nur f\u00fcr die Lesung betr\u00e4gt 6\u2005Euro, erm\u00e4\u00dfigt 4 Euro, ebenso f\u00fcr den Film; Lesung und Film zusammen kosten 10 Euro, erm\u00e4\u00dfigt 6 Euro. Kartenreservierung auf <a href=\"https:\/\/www.literaturbuero-freiburg.de\">www.literaturbuero-freiburg.de<\/a>\u00a0 oder unter Tel\u00a0\u20050761\/289989.<\/p>\n<p><strong>Schneller kaufen &#8211; Schneller wegwerfen &#8211; Das Prinzip der geplanten\u00a0Obsoleszenz<\/strong><br \/>\nDas Thema des Abends ist die geplante Obsoleszenz, die &#8222;gezielte Lebensdauerverk\u00fcrzung von Produkten&#8220; aber auch die vielen anderen Formen von Obsoleszenz. Dazu werden wir heute Abend viele Details h\u00f6ren und sehen. Als BUND-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer m\u00f6chte ich das Thema in einen gr\u00f6\u00dferen\u00a0gesellschaftspolitischen und umweltpolitischen Rahmen einordnen. Ich glaube nicht daran, dass hinter: &#8222;Schneller kaufen &#8211; Schneller wegwerfen&#8220; nur der b\u00f6se Wille und das Gewinnstreben einzelner Firmen steht. Geplante Obsoleszenz ist f\u00fcr mich eine Reaktion der Wirtschaft in Krisen und einer zerst\u00f6rerischen Endphase exponentiellen Wachstums.<br \/>\nIch muss zugeben: Seit 39 Jahren bin ich im Umweltschutz aktiv, aber bis vor einem 3\/4 Jahr kannte ich den Begriff &#8222;Geplante\u00a0Obsoleszenz&#8220; nicht. Ich sa\u00df vor einem 3\/4 Jahr mit der Fernsehjournalistin Sigrid Faltin zusammen und wir diskutierten eine Sonderform der Obsoleszenz. Den <a title=\"Uni-Bibliothek\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/universitaet\/uni-bibliothek\/\">Abriss der Freiburger Unibibliothek<br \/>\nhttps:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/universitaetsbibliothek-freiburg.html<\/a> nach nur 33 Jahren. Abends kam die Mail von Sigrid: Zu dem Thema l\u00e4uft ein sehenswerter Film auf Arte. Seither besch\u00e4ftige ich mit diesem Thema:\u00a0 Internet: 22.000 Zugriffe auf unsere Seiten,\u00a0Viele Medienanfragen,\u00a0Versuch, das Thema in den BUND und in die bundesweite Umweltbewegung\u00a0zu tragen.<br \/>\n&#8222;Seither besch\u00e4ftige ich mit diesem Thema&#8220; ist eigentlich falsch ausgedr\u00fcckt. Wir haben das Pferd immer nur vom anderen Ende her aufgez\u00e4umt.\u00a0Die w\u00fcnschenswerte und notwendige Langlebigkeit von Produkten war immer<br \/>\nschon ein BUND-Thema. Nur die gezielte Kurzlebigkeit nicht&#8230; Noch einmal: Ich glaube nicht daran, dass hinter: &#8222;Schneller kaufen &#8211; Schneller\u00a0wegwerfen&#8220; nur der b\u00f6se Wille und das Gewinnstreben einzelner Firmen steht.\u00a0 Geplante Obsoleszenz ist f\u00fcr mich eine Reaktion der Wirtschaft in einer zerst\u00f6rerischen Endphase exponentiellen Wachstums. Es ist ein Puzzelest\u00fcck in den aktuellen multiplen globalen Krisen.<\/p>\n<p>1932 ver\u00f6ffentlichte der damalige General-Motors-Chef Bernard Londons sein Buch &#8222;Ending the depression through planned Obsolescence&#8220;. Die Idee war, dass eine verk\u00fcrzte Haltbarkeit von Produkten den Konsum anheizen w\u00fcrde und so der Wirtschaft aus der Depression helfe. Zwei Fragen ans Publikum:<br \/>\n1) Wie viel Wachstum h\u00e4tten Sie denn gerne?\u00a0Wie viel Wachstum brauchen wir, um aus der Krise zu kommen?<br \/>\nBei einem anhaltenden Wachstum von 3% verdoppelt sich das\u00a0Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14\u00a0Jahre.\u00a0Und eine Menge, die exponentiell w\u00e4chst, vertausendfacht sich\u00a0jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit.\u00a0<br \/>\n2) Wie viele Dinge haben Sie in Ihrem Haushalt?\u00a0Eine durchschnittliche Mitteleurop\u00e4erin oder ein Mitteleurop\u00e4er<br \/>\nbesitzt heute zwischen 10 000 und 13 000 Dingen, und es werden (Dank Wachstum &amp; Werbung) t\u00e4glich mehr.<\/p>\n<p>Jetzt stellen Sie sich die Menge der Dinge vor, die Sie besitzen und ein dauerhaftes Wachstum von 3% \u00b4. Ist schnelles Wegwerfen die Probleml\u00f6sung? Uns wird gesagt: Chinesen &amp; Deutsche arbeiten recht effizient und produzieren viel. Uns wird gesagt: Die Finanz- und Wirtschaftskrise soll dadurch gel\u00f6st werden, dass<br \/>\nGriechen, Spanier und der Rest der Welt so effizient arbeiten und produzieren wie Chinesen &amp; Deutsche.<br \/>\nIch frage Sie:\u00a0Wohin dann mit den ganzen Produkten? (J\u00e4hrlich kommen in Deutschland\u00a01,7 Mio. Tonnen Elektro- und Elektronikger\u00e4te auf den Markt).\u00a0Wer soll den ganzen Schei\u00df kaufen und woher sollen Energie und\u00b4Rohstoffe f\u00fcr die Produktflut kommen?\u00a0Ist es sinnvoll und erf\u00fcllend unter immer gr\u00f6\u00dferem Stress immer mehr\u00a0 zu arbeiten um immer kurzlebigere und d\u00fcmmere Produkte zu kaufen?<\/p>\n<p>&#8222;Fr\u00fcher&#8220; gab es diese Probleme nicht.\u00a0Wir produzierten nicht so effizient. Es gab alle zwanzig drei\u00dfig Jahre einen gro\u00dfen Krieg und viele der\u00a0\u00dcberlebenden besa\u00dfen nach dem Krieg nur noch 200 Dinge. Wir sollten versuchen, unsere Probleme ohne Krieg zu l\u00f6sen. In der Logik eines Systems unbegrenzten Wachstums spricht alles f\u00fcr<br \/>\nSchneller kaufen &#8211; Schneller wegwerfen.\u00a0<br \/>\nFr\u00fcher haben sich die Menschen \u00fcber den Besitz von Dingen, \u00fcber das\u00a0&#8222;Haben&#8220; definiert.\u00a0Heute definiert sich eine werbeerzogene &#8222;Ich kaufe, also bin ich-Generation&#8220; nicht mehr \u00fcber den langen Besitz eines Produkts, \u00fcber\u00a0das &#8222;Haben&#8220;, sondern \u00fcber den kurzen Vorgang des Kaufs . Und das Verr\u00fcckte: Wir kaufen und kaufen und sind zunehmend unzufrieden, krank, ausgebrannt. In der Logik eines Systems unbegrenzten Wachstums und globalen Raubbaus spricht alles f\u00fcr Schneller kaufen &#8211; Schneller wegwerfen. Doch unbegrenztes Wachstum zerst\u00f6rt begrenzte Systeme. Das Versprechen vom unbegrenzten Wachstum ist nicht haltbar und beschleunigt die globale Krisen.<br \/>\nUnsere globale Raubbauwirtschaft f\u00fchrt zu:\u00a0 Klimawandel, Ausbeutung (nicht nur) armer L\u00e4nder und zur absehbaren Endlichkeit der Energie- und Rohstoffvorr\u00e4te:\u00a0 &#8222;In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile \u00a0Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet\u00a0 hat.&#8220; mittelfristig zu Peak Oil, Peak Gas, Peak Kupfer, langfristig zu\u00a0Peak Everything. Auch f\u00fcr unsere Handy- und Computerwegwerfkultur starben seit 1998 \u00fcber 3 Millionen Menschen im &#8222;unbeachteten&#8220; Coltan-Rohstoffkrieg in Uganda.<\/p>\n<p>Es gibt ein Politikproblem: In Sachen Wachstumsglaube und geplante Obsoleszenz gibt es fast keinen<br \/>\nUnterschied zwischen der neoliberalen Rechten und strukturkonservativen Linken. Der ber\u00fchmte Satz: &#8222;Wir m\u00fcssen die Binnenkonjunktur ankurbeln&#8220; hei\u00dft doch h\u00e4ufig nichts anderes als &#8211; schneller kaufen &#8211; schneller wegwerfen. <em>Die Abwrackpr\u00e4mie \/ Umweltpr\u00e4mie war eine klassische Form von staatlich organisierter geplanter Obsoleszenz.<\/em> Wer sein \u00fcber 10 Jahre altes Auto verschrottete, bekam bei gleichzeitiger Anschaffung eines Neuwagens eine so genannte Umweltpr\u00e4mie von 2500 Euro. Hans Magnus Enzensberger gab der &#8222;Umweltpr\u00e4mie&#8220; den richtigen Namen:<br \/>\n&#8222;Die Abwrackpr\u00e4mie ist eine Belohnung f\u00fcr die Vernichtung von Gebrauchsgegenst\u00e4nden; ihr Besitzer empf\u00e4ngt diese Pr\u00e4mie, die er als Steuerzahler entrichtet.&#8220; (Zitatende)<\/p>\n<p>Was tun? Sie warten jetzt auf die ber\u00fchmt ber\u00fcchtigten Appelle der Umweltbewegung ans Gewissen und an den guten Menschen: &#8222;\u00c4ndert Euer Leben! Kauft langlebige Produkte!&#8220; Nach fast vier Jahrzehnten in der Umweltbewegung habe ich immer weniger Lust auf solche Appelle. Es ist gut, \u00f6kologisch sinnvoll zu handeln, aber Appelle reichen nicht und n\u00fctzen wenig. Wir m\u00fcssen gegen die zerst\u00f6rerische Logik eines Raubbausystems angehen.<br \/>\nWas tun? Die Macht der VerbraucherInnen gegen die Verk\u00fcrzung der Produktlebensdauer war bisher zumindest einmal erfolgreich: Der US-Konzern Apple wurde 2003 von tausenden KundInnen per Sammelklage<br \/>\nvor ein Gericht gebracht. Im iPod waren Akkus mit sehr kurzer Lebensdauer installiert, die nat\u00fcrlich nicht austauschbar waren. Es kam zu keinem Urteil, weil Apple sich au\u00dfergerichtlich mit den Kl\u00e4gerInnen einigte. Dennoch war die Klage ein erster Erfolg im Kampf f\u00fcr nachhaltige Produkte. Gegen Obsoleszenz durch &#8222;immer Neues kaufen m\u00fcssen&#8220; hat das Urteil wenig gen\u00fctzt<br \/>\nWas tun?\u00a0Der Kampf gegen die geplante Obsoleszenz ist ein unbeachteter,\u00a0wichtiger Aspekt der Energie- und Rohstoffwende. Wir m\u00fcssen Fortschritt menschengerecht definieren und d\u00fcrfen den\u00a0Begriff nicht den Gierigen \u00fcberlassen. Wir brauchen die massive Verl\u00e4ngerung von Garantien und\u00a0Gew\u00e4hrleistungszeiten. Das Ministerium f\u00fcr Verbraucherschutz sollte\u00a0in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden f\u00fcr (fast) jedes langlebige Produkt die\u00a0&#8222;durchschnittliche Lebensdauer&#8220; ermitteln und eine ein Drittel\u00a0dar\u00fcber liegende Mindestgarantiezeit fest legen. Dies w\u00fcrde den<br \/>\ntechnischen Fortschritt nachhaltig beschleunigen.\u00a0Werbung und Werbeanzeigen ohne die Angabe von Garantiezeiten sollte\u00a0es nicht mehr geben.\u00a0Das Papier, auf dem die Garantie aufgedruckt ist, muss eine l\u00e4ngere<br \/>\nLebensdauer als das Produkt haben (Kein Thermopapier).Informieren Sie sich (daf\u00fcr sind Sie heute hier).<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir gewinnen?\u00a0Aus einem Puzzlest\u00fcck der globalen Krise k\u00f6nnte ein Puzzlest\u00fcck der\u00a0Probleml\u00f6sung werden.Langlebige, sch\u00f6ne, reparaturf\u00e4hige Produkte. Eine Verringerung der Lebensarbeitszeit (die dann aber auch global\u00a0und national besser verteilt werden muss).\u00a0Eine Verringerung der Energie- und Rohstoffverschwendung, der\u00a0 Umweltverschmutzung und des Klimawandels. Zukunftsf\u00e4higkeit und echte Nachhaltigkeit. Einen Ansatz f\u00fcr das &#8222;Gute Leben&#8220; mit einem massiv verringerten\u00a0Input an Energie- Rohstoffen und menschlicher Arbeitskraft<br \/>\n&#8222;Die Welt hat genug f\u00fcr jedermanns Bed\u00fcrfnisse, aber nicht f\u00fcr jedermanns Gier.&#8220; (Ghandi)<br \/>\n5.2.2013, Redebeitrag von BUND-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Axel Mayer vom 5. Februar 2013 im Kommunalen Kino in Freiburg:<br \/>\n(Es gilt das gesprochene Wort)<br \/>\nMehr Basisinfos zum Thema findet Ihr hier.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/geplante-obsoleszenz.html\">https:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/geplante-obsoleszenz.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8222;Geplante Obsoleszenz: Schneller kaufen, noch schneller wegwerfen&#8220; findet am Dienstag, 5.2.2013, ab 19.30 Uhr im Literaturb\u00fcro im Alten Wiehrebahnhof, Urachstra\u00dfe 40, eine Lesung mit Filmvorf\u00fchrung statt. 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