{"id":20270,"date":"2013-01-17T19:16:06","date_gmt":"2013-01-17T18:16:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=20270"},"modified":"2013-01-17T19:40:13","modified_gmt":"2013-01-17T18:40:13","slug":"gehoert-islam-zu-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/gehoert-islam-zu-deutschland\/","title":{"rendered":"Gehoert Islam zu Deutschland?"},"content":{"rendered":"<p>Zu Jahresbeginn 2013\u00a0ist bei d\u00fcsseldorf university press\u00a0der Sammelband &#8222;Geh\u00f6rt der Islam zu Deutschland &#8211; Fakten und Analysen zu einem Meinungsstreit&#8220; erschioenen. Aus ihrer Arbeit mit dem Thema <a title=\"Islam\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/\">\u201eIslam<\/a>\u201c in der Kinder- und Jugendhilfe, an Universit\u00e4ten, Akademien, Medien- und Sozialwissenschaftlichen\u00a0Instituten, f\u00fcr die Politik sowie f\u00fcr Religionsgemeinschaften argumentieren die Autoren gleicherma\u00dfen wissenschaftsorientiert wie praxiserfahren, um mit ihren Fakten und Analysen die emotional aufgeladene Diskussion um die Rolle des Islam in Deutschland zu versachlichen.<!--more--><\/p>\n<p><em>Buch &#8222;Geh\u00f6rt der Islam zu Deutschland? &#8211; Fakten und Analysen zu einem Meinungsstreit&#8220;<\/em><br \/>\n<em>\u00fcsseldorf University Press, 28,80 Euro, 474 Seiten.<br \/>\nISBN 978-3-943460-21-6<\/em><br \/>\n<em>Die Publikation ist im Buchhandel erh\u00e4ltlich oder kann direkt beim\u00a0Verlag bestellt werden:<\/em><br \/>\n<em>E-Mail: <a href=\"mailto:info@dupress.de\">info@dupress.de<\/a>, Fax: 0211 \/ 81-14875<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em>Vorwort zum Buch &#8222;Geh\u00f6rt der Islam zu Dutschland?&#8220;<\/em><br \/>\nWir leben in einer Gesellschaft, die die Freiheit der Religionsaus\u00fcbung in ihrem Grundgesetz garantiert.\u00a0Wir leben zweitens in einer Gesellschaft, in der die Religionsaus\u00fcbung im Verschwinden begriffen ist &#8211; zumindest was die jahrhundertelang in unseren Breiten dominierende christliche Religion betrifft. Lange\u00a0schon sprechen Religionssoziologen vom Verdunsten des Christentums und meinen\u00a0damit nicht nur die Tatsache, dass die Zahl der Kirchg\u00e4nger seit vielen Jahren\u00a0kontinuierlich abnimmt oder die Bereitschaft, an christlichen Dogmen wie\u00a0etwa die Jungfrauengeburt zu glauben. Trotz gro\u00dfem Medienrummel anl\u00e4sslich\u00a0von Papstbesuch oder Weltjugendtag bringt es der Exodus des Christentums aus\u00a0der Gesellschaft inzwischen mit sich, dass zumindest in der jungen Generation\u00a0kaum noch jemand wei\u00df, was eigentlich an Ostern oder Pfi<span style=\"font-family: LinLibertine; font-size: x-small;\">ngsten gefeiert wird. <\/span>Private Bibellekt\u00fcre, Tisch- oder Abendgebet sind ebenso im Verschwinden, wie\u00a0die Bereitschaft, sich den kirchlichen Vorgaben f\u00fcr die Lebensf\u00fchrung in Sachen\u00a0Scheidung, Homosexualit\u00e4t, Sexualit\u00e4t au\u00dferhalb der Ehe, Schwangerschaftsverh\u00fctung etc. zu unterwerfen. Vor diesem Hintergrund muss das Vordringen der islamischen Religion aus\u00a0den Hinterhof-Moscheen und Koranschulen in die Sichtbarkeit repr\u00e4sentativer\u00a0Moschee-Neubauten und in den Lehrplan deutscher Regelschulen viele Menschen\u00a0irritieren. Zumal wenn zur selben Zeit der militante islamistische Fundamentalismus\u00a0mit spektakul\u00e4ren Anschl\u00e4gen Angst und Schrecken verbreitet, und\u00a0zudem Kopft\u00fccher, Beschneidungszeremonien, Alkohol- und Schweinefleischverzichtsowie Fastenregeln im Ramadan eine f\u00fcr viele Muslime noch deutlich\u00a0h\u00f6here Alltagsrelevanz ihrer Glaubens\u00fcberzeugungen belegen als wir das f\u00fcr\u00a0die christlichen Konfessionen heute feststellen k\u00f6nnen. Die unweigerliche Verunsicherung\u00a0und das diffuse Unbehagen, die heraus resultieren, werden freilichdurch die auf Aufmerksamkeitsgewinne schielenden medialen Aufheizmechanismen\u00a0vielfach verst\u00e4rkt.\u00a0Von daher sollte der als Integrationssignal gemeinte Satz von Ex-Bundespr\u00e4sident\u00a0ChristianWulf im Jahr 2010, der Islam geh\u00f6re zu Deutsch\u00f6and, zu einer Abk\u00fchlung und Verst\u00e4ndlichung der Islamdebatte beitragen. Und tats\u00e4chlich hatte\u00a0Wulf\u00a0sich damit unter vielen Muslimen gro\u00dfe Sympathien erworben. Andererseits aber auch scharfe Kritik von deutschen Konservativen eingefangen \u2013 was\u00a0erneut zeigte, dass in dieser Hinsicht noch lange nichts wirklich selbstverst\u00e4ndlich\u00a0\u00a0ist.<br \/>\nKaum im Amt, hatte etwa Bundesinnenminister Friedrich am 3. M\u00e4rz\u00a02011 gekontert, dass der Islam zu Deutschland geh\u00f6re, lasse sich historisch keineswegs\u00a0belegen.\u00a0Ob Friedrich wohl wei\u00df, dass in den Jahren 1779 bis 1796 ein deutscher Kurf\u00fcrst\u00a0eine stattliche Moschee in seinem Schlossgarten errichten lie\u00df? Im Geiste\u00a0von Lessings Ringparabel \u2013 die \u00fcbrigens auch 1779 ver\u00f6ffentlicht wurde &#8211; gab der Wittelsbacher Pfalzgraf und Kurf\u00fcrst von Bayern Carl Theodor jedenfalls\u00a0den Auftrag, das imposante Bauwerk als Ausdruck seiner aufkl\u00e4rerischen und\u00a0um Toleranz zwischen den Weltreligionen und Kulturen bem\u00fchten Anschauung in den Schwetzinger Schlossgarten zu bauen. Neben den \u201ek\u00fcnstlichen Ruinen&#8220;\u00a0von Apollotempel und r\u00f6mischem Viadukt, neben chinesischer Br\u00fccke und des\u00a0Kurf\u00fcrsten Badehaus (\u201eLusthaus&#8220;), die dort ebenfalls ihren Platz fanden, war der\u00a0Moscheebau ein zwar symbolischer, aber doch ernst gemeinter Hinweis auf die\u00a0Einheit der Menschheit \u2013 trotz verschiedenster Traditionen und Religionen.\u00a0Dem Geiste von Vorurteilslosigkeit und Toleranz sind auch die Beitr\u00e4ge dieses\u00a0Bandes verpflichtet. der den vielf\u00e4ltigen Facetten islamischen Lebens in Deutschland in Geschichte und Gegenwart nachgeht \u2013 und neben kritischen Betrachtungen auch Zukunftsperspektiven er\u00f6ffnet. Insgesamt geht es um die \u00dcberwindungdes bisherigen, vor allem auf Differenzen, Defizite und Problembereichefokussierten Islam-, Migrations- und Integrations-Diskurs und um eine \u00d6ffnungzur Wahrnehmung der Chancen, Bereicherungen und Hoffnungen, die mit einergelingenden Integration auch von Zuwanderern mit muslimischem Glauben\u00a0verbunden sind. \u201eFacetten, Vorurteile, Fakten \u2013 der Islam in Deutschland&#8220;\u00a0 ist\u00a0deshalb auch der Titel der Vortrags- und Diskussionsreihe, die das Institut f\u00fcr\u00a0Internationale Kommunikation e. V., D\u00fcsseldorf (IIK) in Zusammenarbeit mit der\u00a0Philosophischen Fakult\u00e4t der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t parallel zum\u00a0 Erscheinen\u00a0dieses Bandes veranstaltet. Und damit die erste IIK-Abendakademie unter\u00a0dem Titel \u201eBildung und Migration&#8220; fortsetzt, deren Beitr\u00e4ge ebenfalls im D\u00fcsseldorfer\u00a0Universit\u00e4tsverlag d\u00fcsseldorf university press (2011) erschienen sind.Die n\u00fcchterne wissenschaftliche Bestandsaufnahme zur Situation und zur\u00a0Wahrnehmung des Islam in Deutschland ist der Anspruch der Beitr\u00e4ge dieses\u00a0Bandes. Im Mittelpunkt sollte auch in der Islam-Debatte nicht eine abstrakte\u00a0Religion mit ihren Regeln, ihren Geboten und Verboten stehen. Im Mittelpunkt\u00a0k\u00f6nnen nur die Menschen mit ihrer z. T. aus Traditionen, z. T. aus selbst gestrickten\u00a0Ritualen bestehenden religi\u00f6sen und spirituellen Praxis stehen. Dabei\u00a0sollte allerdings eines nicht \u00fcbersehen werden: Auch wenn es im Islam heute im\u00a0Vergleich zum \u201eVerdunsten&#8220; des Christentums noch ein h\u00f6heres Ma\u00df an praktizierter\u00a0Religiosit\u00e4t und eine strengere Befolgung von Lebensregeln gibt, findensich auch unter den Muslimen inzwischen viele, die nur noch einzelne Elemente\u00a0dieser Religion aufgreifen. Die Studie \u201eMuslimisches Leben in Deutschland&#8220;\u00a0(Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge 2009) zeigt, dass je nach Herkunftsregion\u00a0und muslimischer Glaubensrichtung der Anteil etwa derjenigen Muslime,\u00a0die das Gebet t\u00e4glich verrichten, zwischen 14 und 40 % liegt. Das hei\u00dft im Umkehrschluss:\u00a0Ein Gro\u00dfteil praktiziert diese als eine der f\u00fcnf S\u00e4ulen des Islam\u00a0fest verankerte Regel nicht, zumindest nicht regelm\u00e4\u00dfig. 16 % der t\u00fcrkischst\u00e4mmigen,\u00a034 % der aus dem Nahen Osten und immerhin 54 % der aus dem Iran\u00a0stammenden Muslime praktizieren das pers\u00f6nliche Gebet sogar \u00fcberhaupt nie.\u00a0Ein Drittel aller muslimischen Frauen und ein Viertel aller muslimischen M\u00e4nner\u00a0in Deutschland geben an, dass sie das gemeinsame Freitagsgebet oder andere\u00a0religi\u00f6se Veranstaltungen nie besuchen. Es ist gut m\u00f6glich, dass diese nicht unerhebliche\u00a0Gruppe der \u201es\u00e4kularen Muslime&#8220; sich f\u00fcr eine Debatte \u00fcber \u201eden&#8220; Islam ebenso wenig interessiert wie den durchschnittlichen \u201eTaufscheinchristen&#8220;, ob\u00a0sich die katholische und die evangelische Kirche endlich auf ein gemeinsames\u00a0Abendmahl geeinigt haben oder nicht.\u00a0Inzwischen haben \u00fcbrigens auch der neue Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck\u00a0(im Mai 2012) und Kanzlerin Merkel (im September 2012) in unterschiedlichen\u00a0Formulierungen davon gesprochen, dass die ca. vier Millionen Muslime\u00a0in Deutschland ein Teil von uns, ein Teil von Deutschland seien. Es ist indessen\u00a0davon auszugehen, dass die in diesem Band von Dr. Klaus Spenlen, einem exzellenten\u00a0Islamkenner, arrangierten Beitr\u00e4ge dennoch so schnell nichts von ihrer\u00a0Aktualit\u00e4t verlieren.<\/p>\n<p align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p align=\"left\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Jahresbeginn 2013\u00a0ist bei d\u00fcsseldorf university press\u00a0der Sammelband &#8222;Geh\u00f6rt der Islam zu Deutschland &#8211; Fakten und Analysen zu einem Meinungsstreit&#8220; erschioenen. 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