{"id":19700,"date":"2013-01-07T22:03:28","date_gmt":"2013-01-07T21:03:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=19700"},"modified":"2013-01-07T22:24:07","modified_gmt":"2013-01-07T21:24:07","slug":"musiktherapie-bei-demenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/musiktherapie-bei-demenz\/","title":{"rendered":"Musiktherapie bei Demenz"},"content":{"rendered":"<p>Fast eine Million Menschen leiden in Deutschland an <a title=\"Demenz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/chronisch\/demenz\/\">Demenz<\/a>. Viele Studien belegen, dass <a title=\"Integrative-Musik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/behinderung\/integrative-musik\/\">Musizieren<\/a> und\u00a0 Singen das emotionale Gleichgewicht der Demenzkranken st\u00e4rken und die Lebensqualit\u00e4t der\u00a0\u00a0Dementen,\u00a0Angeh\u00f6rigen und Pflegekr\u00e4fte verbessern kann. das Problem: Das <a title=\"Lied\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/liedermacher\/lied\/\">Liederrepertoire<\/a> wird immer kleiner und <a title=\"Musikvereine\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/musikvereine\/\">Singen<\/a> als peinlich empfunden.<!--more--><br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Melodien gegen das Vergessen<\/strong><br \/>\nDemenzpatienten f\u00e4llt es schwer, sich zu erinnern. Ist die Krankheit fortgeschritten, bauen sie auch k\u00f6rperlich ab. Musiktherapeuten sind \u00fcberzeugt: Eine vertraute Melodie kann verloren geglaubte Erinnerungen zur\u00fcckholen und neue Energie geben. Auch bei Menschen mit Schlaganfall und <a title=\"Parkinson\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/chronisch\/parkinson\/\">Parkinson<\/a> wurden vielversprechende Ergebnisse beobachtet. Frau Dronski ist w\u00fctend. Ihr Gesicht l\u00e4uft rot an, die H\u00e4nde zittern. Gerade hat eine Mitbewohnerin den Gemeinschaftsraum des Pflegeheims verlassen. \u201eSie sind ja ganz aufgeregt\u201c, sagt die Musiktherapeutin. Was ist denn los? \u201eIch kann sie nicht leiden, die alte Kuh, ich will ihr eine kleben\u201c, zischt Frau Dronski in ihrem Rollstuhl. \u201eDann gibt es ja Mord und Totschlag\u201c, meint die Therapeutin. \u201eWie klingt so was denn?\u201c Sie f\u00e4ngt an, einen Kinderreim zu skandieren, \u201eLinks, links, links, umme Ecke stinkt\u2019s\u201c, macht dabei mit der linken Faust eine schlagende Bewegung und l\u00e4dt Frau Dronski ein, &#8230;<br \/>\naus: Birgit Sch\u00f6nberger, Melodien gegen das Vergessen, <a href=\"https:\/\/www.psychologie-heute.de\/\">www.psychologie-heute.de<\/a>, 2\/2013<\/p>\n<div>\u00a0<\/div>\n<p><strong>Singen macht vielen Angst, aber gerade darin liegt die befreiende Kraft<br \/>\n<\/strong><br \/>\nErkennt jemand, der ein Teil seines Ged\u00e4chtnisses verloren hat, eine Melodie, dann wird dies als gro\u00dfe Freude empfunden.<br \/>\nDie Erinnerungen, die durch einen Schlager wachgerufen werden, k\u00f6nnen als Ankr\u00fcpfungspunkt zur Biografiearbeit genutzt werden.<br \/>\n\u00dcber ein Lied kommt man nicht nur ins Erz\u00e4hlen, sondern auch ins k\u00f6rperliche Erleben: Patienten, die sich normalerweise weigern, das Bett zu verlassen, stehen auf und bewegen sich, tanzend oder gestikulierend, wenn sie eine bestimmte Melodie h\u00f6ren. Besonders rhythmische Musik \u00fcbt f\u00fcr die meisten einen starken Bewegungsanreiz aus.<br \/>\n\u00dcber ein Lied oder ein Schlagerrefrain kann der Demente etwas ausdr\u00fccken, was mit Worten nicht mehr m\u00f6glich bzw. zu anstrengend ist.<br \/>\nF\u00fcr Musik sind Kranke\u00a0auch noch bei fortgeschrittener Demenz empf\u00e4nglich: &#8222;Das musikalische Ged\u00e4chtnis scheint stabiler zu sein als andere Ged\u00e4chtnisregionen. Es ist stark an Emotionen gekoppelt und hat eine enge Verbindung zum biografischen Ged\u00e4chtnis&#8220;, so Prof Eckart Altenm\u00fcller von der Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover.<br \/>\nDie Musik, die man zwischen Hoch- und Sp\u00e4tpubert\u00e4t h\u00f6rt, also zwischen 15 und 22, ist die Musik, die pr\u00e4gt. Deshalb sollte die Musiktherapie die Lieder finden, die jemand in dieser Phase gerne geh\u00f6rt hat.<br \/>\nMusik kann angstl\u00f6send wirken und zu Abbau wie Kontrolle von Spannungen verhelfen &#8211; so die neurologische Musiktherapie.<br \/>\nMusik ist ein Mittel, um mit anderen und auch mit sich selbst besser in Kontakt zu kommen.<br \/>\nEin Lied kann den Zugang zu Gef\u00fchlen erm\u00f6glichen, die versch\u00fcttet sind.<\/p>\n<p>Leider wird die Musiktheapie auch heute noch als zwar nettes, aber verzichtbares Anh\u00e4ngsel betrachtet. Ein Grund mag daran liegen, dass die Studien die harten Wissenschaftskriterien nicht erf\u00fcllen und deshalb der Beweisdruck erhalten bleibt.<br \/>\nDie Musiktherapie hat es imer schwerer: Fr\u00fcher verf\u00fcgten die Patienten \u00fcber ein riesiges Liederrepertoire und hatten keine Scheu zu singen\u00a0&#8211; sie waren gewohnt, Melodien zu tr\u00e4llern, Schlager zu schmettern und im Chor mitzusingen. Heute fehlen die Volkslieder und den meisten ist es peinlich zu singen. Man ist ja nur gew\u00f6hnt, Musik zu konsumieren bzw. allenfalls ein &#8222;I can&#8217;t get no &#8230;&#8220; nickenderweise mit zu murmeln. Musizieren und Singen macht vielen Angst, aber gerade darin liegt die befreiende Kraft.<br \/>\n7.1.2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast eine Million Menschen leiden in Deutschland an Demenz. 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