{"id":18918,"date":"2012-12-28T17:22:55","date_gmt":"2012-12-28T16:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=18918"},"modified":"2012-12-28T17:34:31","modified_gmt":"2012-12-28T16:34:31","slug":"umwelt-1912-1972-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/umwelt-1912-1972-2012\/","title":{"rendered":"Umwelt 1912 &#8211; 1972 &#8211; 2012"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>1912 &#8211; 1952 &#8211; 1962 &#8211; 1972 &#8211; 1992 &#8211; 2002 &#8211; 2012:\u00a0Stationen f\u00fcr <a title=\"Umwelt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/\">Umwelt<\/a> und Entwicklung und eine bahnbrechende Perspektive &#8211;\u00a0Notwendige R\u00fcckblicke und Ausblicke zum Jahresende. Umweltprobleme, <a title=\"Energiepolitik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/energiepolitik\/\">Energiemangel<\/a> und <a title=\"Sparsamkeit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/sparsamkeit\/\">Klimawandel<\/a> im Griff? Das scheidende Jahr 2012 griff einen Rhythmus auf, der bei den Gebieten Umweltschutz und Energie seit 60 Jahren angelegt ist und seit 1972 weltweit seinen Ausdruck findet. <!--more-->Sogar 100 Jahre zur\u00fcck, zum Jahr 1912, besteht eine Verbindung mit einer bahnbrechenden Perspektive f\u00fcr Energie, Entwicklung und f\u00fcr den Klimaschutz:\u00a0Zun\u00e4chst waren es heute fast in Vergessenheit geratene Umweltkatastrophen, die bald nach Ende des 2. Weltkriegs die aufstrebende industrialisierte Welt schockten. Danach wurden auch von der Staatengemeinschaft gemeinsame L\u00f6sungen gesucht. Schlie\u00dflich haben findige Ingenieure f\u00fcr das Doppelproblem Energie und Klimarisiko einen eleganten Ausweg verf\u00fcgbar gemacht, dessen Wurzeln 1912 mit einem Nobelpreis geehrt worden waren.<\/p>\n<p><strong>1952: Die \u201egro\u00dfe giftige Dunkelheit\u201c<br \/>\n<\/strong>Der \u201eGreat London Smog\u201c, auch die \u201egro\u00dfe giftige Dunkelheit\u201c genannt, f\u00fchrte vom 5.-9. Dezember 1952 zun\u00e4chst zu 4000, im Gefolge dann zu rund 12000Toten, haupts\u00e4chlich bei Kleinkindern und \u00e4lteren Menschen und bei denen, die schon Atemwegs- und Herzkrankheiten hatten. Was war geschehen? Viel intensiver als sonst hatte sich wetterbedingt eine winterliche Kaltluftglocke gebildet, die \u00fcber London fast eine Woche lang eingesperrt blieb und zu extremem Nebel f\u00fchrte, immer mehr angereichert mit den giftigen Abgasen aus Hunderttausenden kohlebefeuerten Einzelzimmer-\u00d6fen: Smog als Mischung von Nebel (englisch: fog) und Rauch (smoke). Das \u00f6ffentliche Leben und der Verkehr brachen praktisch total zusammen. Auch in Geb\u00e4uden: Theatervorstellungen konnten mangels Sicht zur B\u00fchne nicht stattfinden. Busse verirrten sich, der Verkehr wurde eingestellt, die Menschen mussten sich an Hausw\u00e4nden entlang tasten, die Sicht sank teilweise auf nur rund 30 Zentimeter, einen Fu\u00df weit, man konnte teils die eigene Hand am ausgestreckten Arm nicht mehr sehen. Die Luft war eigentlich \u00fcberhaupt nicht mehr atembar. Schlie\u00dflich kam dann doch wieder Wind auf. Die Regierung beschwichtige danach. Erst vier Jahre sp\u00e4ter, 1956, wurde das national das Luftreinhaltegesetz (Clean Air Act)\u00a0 verabschiedet und die Vielzahl der Kohle\u00f6fen eingeschr\u00e4nkt.\u00a0<\/p>\n<p><strong>1962: \u201eStummer Fr\u00fchling\u201c<br \/>\n<\/strong>1962, 10 Jahre nach Londoner Katastrophe, erschien eines der wichtigsten B\u00fccher zur Umwelt: \u201eSilent Spring\u201c, deutsch \u201eStummer Fr\u00fchling\u201c der US-amerikanischen Biologin Rachel Carson. Das zun\u00e4chst vor allem in den USA gro\u00dfes Aufsehen erregende Buch widmete sich den stark aufkommenden Bioziden, eigentlich chemische Biokampfstoffe, die in der Landwirtschaft und bei der \u00fcbrigen Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung in der Natur und zur \u201eEntseuchung\u201c von Menschen, etwa bei Soldaten, zunehmend eingesetzt wurden. Eine der Hauptgefahren war Schaden f\u00fcr die Vogelwelt. Die Ausl\u00f6schung etwa des Wei\u00dfkopfadlers drohte in den USA aufgrund d\u00fcnnerer Ei-Schalen des Nachwuchses, auch die \u00fcbrige Vogelwelt erschien gef\u00e4hrdet, daher der Titel \u201eStummer Fr\u00fchling\u201c &#8211; ohne Vogelgezwitscher. Rachel Carson Buch f\u00fchrte zum weltweiten Verbot der Chemikalie DDT, ein Chlor-Kohlenwasserstoff, der sich in nat\u00fcrlichen Geweben anreichert. Weitere Folge des Buchs waren die ersten modernen Umweltschutzgesetze in den USA zum 1.1.1970.<\/p>\n<p><strong>1972: \u201eGrenzen des Wachstums\u201c<br \/>\n<\/strong>Diese und weitere Umweltprobleme f\u00fchrten 1972 zum alarmierenden Bericht \u201eGrenzen des Wachstums\u201c (Limits to Growth) des Club of Rome mit Dennis Meadows als einem der Autoren. Der Club of Rome, eine internationale Wissenschaftlervereinigung, die auch in 2012 weiter besteht, geh\u00f6rt u.a. auch zu den Initiatoren des aktuellen internationalen Projekts Desertec f\u00fcr einen Verbund erneuerbarer Energien zwischen Nordafrika und Europa. Aufgrund des gef\u00e4hrlichen Anstiegs der Umweltbelastung und des Rohstoffverbrauchs sowie des absehbaren weiteren Bev\u00f6lkerungswachstums suchten die Wissenschaftler nach einem Modell, das die Grundbed\u00fcrfnisse aller Menschen befriedigt, ohne unkontrollierbare Zusammenbr\u00fcche zu erzeugen. Denn bei Grundbed\u00fcrfnissen wie sauberes Wasser, saubere Luft und vielen Rohstoffen sah der Bericht gro\u00dfe Probleme der Verknappung bis hin zu \u201eUmweltkriege\u201c voraus. Kriege um absehbar knappe Rohstoffe ereigneten sich in der Folge auch real, beispielsweise in Nahost mit Erd\u00f6l als Hintergrund, obwohl andere Gr\u00fcnde vorgeschoben wurden.<\/p>\n<p><strong>Stockholm 1972: UN-Konferenz zur Umwelt des Menschen<br \/>\n<\/strong>In demselben Jahr 1972 kam auf Initiative vor allem der umweltbesorgten skandinavischen Staaten die Weltgemeinschaft unter dem Dach der Vereinten Nationen zur UN-Konferenz \u00fcber die Umwelt des Menschen (UN Conference on Human Environment) zusammen. Entwicklungsl\u00e4nder bestanden dabei, wie die indische Regierungschefin Indira Ghandi es ausdr\u00fcckte, aber darauf, Armut sei der gr\u00f6\u00dfte Verschmutzer. Man habe keine Verantwortung f\u00fcr die Umweltprobleme des \u201eNordens\u201c, sondern wolle sich uneingeschr\u00e4nkt entwickeln. Immerhin f\u00fchrte \u201eStockholm\u201c zur Gr\u00fcndung des UN-Umweltprogramms UNEP mit Sitz in Nairobi, Kenia, und 1987 zum Bericht \u201eUnsere gemeinsame Zukunft\u201c (Our Common Future) der von der UN eingesetzten Weltkommission f\u00fcr Umwelt und Entwicklung. Dieser Bericht, nach der Vorsitzenden und fr\u00fcheren norwegischen Ministerpr\u00e4sidentin auch \u201eBrundtland-Report\u201c genannt, definierte auf moderne Weise den Begriff nachhaltiger Entwicklung. Dieser war bereits 1713 in Deutschland von Hans-Carl von Carlowitz<strong> <\/strong>\u00a0f\u00fcr die Fortwirtschaft gepr\u00e4gt worden. Die Brundtland-Kommission formulierte es so: eine Entwicklung, die die Bed\u00fcrfnisse der jetzt Lebenden erf\u00fcllt, ohne die F\u00e4higkeit k\u00fcnftiger Generationen einzuschr\u00e4nken, deren Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Speziell seien die Grundbed\u00fcrfnisse der Armen wie Nahrung und Wasser vorrangig zu decken. Bei der Umwelt sei zu ber\u00fccksichtigen, dass bei ihr Grenzen bestehen mit R\u00fccksicht auf gegenw\u00e4rtige und k\u00fcnftige Bed\u00fcrfnisse. Hieraus entstand die Idee des Umweltraums, der begrenzten Tragf\u00e4higkeit der Erde. Die Ergebnisse der Kommission gelten als diplomatischer Kompromiss und Versuch zur Harmonie zwischen den sich nach damaliger Meinung widersprechenden Zielen Umweltschutz und Entwicklung. Unter Entwicklung wurde allgemein die Entwicklung Richtung moderner Industriestaat mit dauerhaftem, aber angepassten Wirtschaftswachstum verstanden.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>1992: UN Konferenz f\u00fcr Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro<br \/>\n<\/strong>1992 gipfelte die aufkommende weltweite Zusammenarbeit der Staaten bei der gro\u00dfen UN Konferenz f\u00fcr Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, Brasilien, der UN Conference for Environment and Development UNCED\u201992. Mehrere 10 000 offizielle und inoffizielle Teilnehmer trafen sich bei den Haupt- und Nebenkonferenzen. Die UNCED\u201992 anerkannte die Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung als Leitprinzip der Staatengemeinschaft, der Weltwirtschaft, der Weltzivilgesellschaft und sowie als Grundprinzip der Rio-Erkl\u00e4rung der Regierungen und der Agenda 21. Die Agenda 21 war als weltweites Handlungsprogramm f\u00fcr alle Lebensbereiche vorgesehen. Industriel\u00e4nder sollten die Produktion und den Konsum in Richtung Nachhaltigkeit neu ausrichten, Entwicklungsl\u00e4nder die Armut bek\u00e4mpfen und sich entwickeln. Das 28. Kapitel der Agenda 21 wendet sich an St\u00e4dte und Gemeinden f\u00fcr die Zusammenarbeit der gesellschaftlichen Gruppen von der B\u00fcrgerschaft bis hin zur Industrie vor Ort. Besonders wichtig erschienen der Welt\u00f6ffentlichkeit die in Rio beschlossenen weltweiten Rahmenkonventionen zum Schutz des globalen Klimas und zum Erhalt der Artenvielfalt. Der sich abzeichnende Klimawandel war in Jahren unmittelbar vor \u201eRio\u201c\u00a0 nachdr\u00fccklich in das Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit und Politik gelangt. Auch ein Protokoll zum Schutz der W\u00e4lder und eine Erkl\u00e4rung zu W\u00fcsten wurden verabschiedet. In der Folge waren jedoch trotz der optimistischen Stimmung von \u201eRio\u201c \u00fcberwiegend klar unzureichende Erfolge zu verzeichnen, etwa das mangelhafte Kyoto-Protokoll von 1997 zum Klimaschutz, dem \u00fcberdies etliche wichtige \u201eKlimas\u00fcnder\u201c-Staaten wie die USA nicht beitraten. Au\u00dferdem wirkte die1994 in Marrakesch nach jahrelangen Verhandlungen gegr\u00fcndete Welthandelorganisation WTO mit ihrem Vorrang f\u00fcr Freihandel, Liberalisierung und Globalisierung der Wirtschaft den Absichten von Rio, n\u00e4mlich Umweltschutz, Soziales und Wirtschaft in Einklang zu bringen, entgegen.<\/p>\n<div>\n<p><strong>2002: Aktionsplan von Johannesburg-<br \/>\n<\/strong>2002 in Johannesburg, S\u00fcdafrika, in Nachfolge von \u201eRio\u201c, erbrachte der UN-Weltgipfel f\u00fcr nachhaltige Entwicklung WSSD mit rund 20.000 Delegierten aus Regierungen, Wirtschaft, Kommunen und Nichtregierungsorganisationen den Johannesburg-Aktionsplan. Diesem wurden aber keine finanziellen Mittel zugewiesen. Als Hauptergebnis von \u201eJohannesburg\u201c gelang es dessen ungeachtet, dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung durch neue Priorit\u00e4ten und Umsetzungsprogramme erstmals quantifizierbare, d.h. Mengen-Ziele zuzuweisen. In den Aktionsplan wurden dabei so genannte Millenniumsziele von 2000 aufgenommen, das sind anl\u00e4sslich der Jahrtausendwende in 2000 von der UN-Vollversammlung verabschiedete Ziele, unter anderem:<br \/>\n&#8211; bis 2010 den R\u00fcckgang der Artenvielfalt deutlich vermindern,<br \/>\n&#8211; bis 2015 die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, um 500 Millionen verringern,<br \/>\n&#8211; weltweit f\u00fcr alle Kinder Grundschulausbildung erreichen,<br \/>\n&#8211; den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanit\u00e4rer Grundversorgung halbieren,<br \/>\n&#8211; bis 2020 eine Minimierung der gesundheits- und umweltsch\u00e4dlichen Auswirkungen bei der Produktion und dem<br \/>\n\u00a0 \u00a0Gebrauch von Chemikalien erzielen.<br \/>\nHierzu kam einiges in der angestrebten Richtung in Gang, u.a. die 2007 in Kraft getretene Chemikalien-Gesetzgebung REACH der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>2012: Rio + 20: R\u00fcckschritt oder kein Fortschritt oder doch?<br \/>\n<\/strong>2012 schlie\u00dflich, zwanzig Jahre nach der UN-Konferenz f\u00fcr Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (UNCED 1992), fand im Juni 2012 die UN-Weltkonferenz f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (UNCSD Rio+20) statt. Die UNCED 92 hatte trotz der dort beschlossenen Konventionen zum Klimaschutz und zur Biodiversit\u00e4t sowie trotz ihrer Erkl\u00e4rung zu Umwelt und Entwicklung, ihrer W\u00e4lder-Prinzipien und ihrem weltweiten Aktionsprogramm Agenda 21 auch bis 2012 die erhofften positiven Wirkungen kaum entfaltet<strong>.<\/strong> Die Beschl\u00fcsse wurden von mehreren Staaten nicht ratifiziert oder unterlaufen. Ungerechtigkeit, Unterdr\u00fcckung und Gewalt auf allen Ebenen, Hunger und Armut, \u00dcberfluss und Verschwendung von Ressourcen, Ausgrenzung und Sozialisierung \u00f6konomischer Kosten, Ungleichheit und fehlende Bildungs\u00adchancen sowie die Zerst\u00f6rung nat\u00fcrlicher Lebensgrundlagen und die Gef\u00e4hrdung der Biosph\u00e4re insgesamt standen und stehen in 2012 weiterhin und unakzeptabel f\u00fcr den Zustand der Welt.<br \/>\nDie Ergebnisse zu den beiden Hauptthemen von \u201eRio+20\u201c \u201eEine gr\u00fcne Wirtschaft im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung und Armutsbek\u00e4mpfung\u201c und \u201eDas institutionelle Ger\u00fcst f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung\u201c werden unterschiedlich beurteilt. Einerseits bekr\u00e4ftigt die Abschlusserkl\u00e4rung nachhaltiges Wirtschaften und das Modell einer \u201eGreen Economy\u201c. Ziele dazu betreffen konkret die Bek\u00e4mpfung von Armut und Hunger, Klimawandel und Bodenerosion. Auch die Millenniumsziele f\u00fcr das Jahr 2015 seien einzuhalten. Andererseits erkl\u00e4rten Vertreter der Zivilgesellschaft und der Nichtregierungs\u00adorganisationen die gesamten Verhandlungen f\u00fcr gescheitert, da verbindliche Abmachungen f\u00fcr die Umsetzung der Ziele ausblieben.<br \/>\nErschreckend und bezeichnend zugleich war, dass der Weltgipfel \u201eRio+20\u201c den Regierungschefs der USA, Gro\u00dfbritanniens, Russlands und auch Deutschlands nicht wichtig genug war, pers\u00f6nlich teilzunehmen. Mageres Hauptergebnis von \u201eRio+20\u201c ist laut \u00a0Umweltschutz- und Entwicklungs-Verb\u00e4nden, weltweite Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) aufzustellen. Diese sollen haupts\u00e4chlich Armutsbek\u00e4mpfung, Umweltschutzes und nachhaltigen Konsum sowie nachhaltige Produktion betreffen. Sie sollen zudem L\u00fccken der Millenniumsziele f\u00fcr 2015 schlie\u00dfen und die Grundlage einer \u201eGreen Economy\u201c (\u201eGr\u00fcne Wirtschaftsweise\u201c) bilden. Genaueres werde in Arbeitskonferenzen bestimmt. Die Notwendigkeiten f\u00fcr die Welt formulierte der vom offiziellen Gipfel \u00fcberaus entt\u00e4uschte b\u00fcrgerschaftliche Gegengipfel \u201ePeople\u2019s Summit\u201c von Entwicklungs\u00adorganisationen, Umweltsch\u00fctzern, Globalisierungskritikern und Ureinwohnern bis hin zu Gewerkschaften mit einer eigenen Gegenerkl\u00e4rung. Diese kritisierte zudem die Art der beabsichtigten \u201eGreen Economoy\u201c, die auf Konsumanstachelung, M\u00e4rkte f\u00fcr Kohlenstoff und Artenvielfalt sowie vermehrt fremden Landbesitz setze und Weltkonzerne nicht in die n\u00f6tigen Schranken weise.<\/p>\n<p><strong>1912 \u2013 2012:\u00a0<\/strong><strong>Eine bahnbrechende Perspektive tut sich auf f\u00fcr Energie und Klimaschutz &#8211; <a title=\"Power-to-Gas\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/power-to-gas\/\">Power-to-Gas<br \/>\n<\/a><\/strong>Eine f\u00fcr die Umwelt und Energiezukunft bahnbrechende Erfindung hatte in 2012 ein 100-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um: der Nobelpreis f\u00fcr den franz\u00f6sischen Chemiker Paul Sabatier f\u00fcr dessen Methode, organische, also kohlenstoffhaltige Molek\u00fcle mit Wasserstoff zu verbinden. Die naturwissenschaftliche Universit\u00e4t in Toulouse, Frankreich, ist nach ihm benannt. Speziell die \u201eSabatier-Reaktion\u201c verbindet Kohlendioxid mit Wasserstoff zu erdgasidentischem Methan CH<sub>4<\/sub>. Genau das er\u00f6ffnet eine umfassende Revolution f\u00fcr das Wirtschaften mit erneuerbaren Energien: Zum Beispiel aus Wind- und Solarstrom erzeugter Wasserstoff kann mit der Sabatier-Reaktion also erneuerbares Methan erzeugen und daraus auch Produkte der Chemieindustrie sowie mit \u00e4hnlichen Reaktionen auch Erd\u00f6lersatz. Anders gesagt: Kohlendioxid aus industriellen Prozessen oder sogar aus der Luft wird mit Wasserstoff unter W\u00e4rmefreisetzung zu Methan verbunden.<br \/>\nDas wird in Deutschland nach fast 100-j\u00e4hrigem Dornr\u00f6schenschlaf 2012 in Demonstrationsanlagen f\u00fcr den Einsatz in der Energiewirtschaft bereits praktisch erprobt, so beim Zentrum f\u00fcr Solar- und Wasserstoff-Forschung Baden-W\u00fcrttemberg ZSW in Stuttgart und vom Autokonzern Audi am Standort Werlte im Emsland\/Niedersachen. Die deutsch-\u00f6sterreichische Firma Solar Fuel nimmt sich des Themas intensiv an. Auch der Stadtwerke-Energiekonzern Th\u00fcga will die Methanherstellung nun in Frankfurt auch selber erproben, und die regionale Badenova, Freiburg, ist am Thema ebenfalls eng dran. Der <a title=\"Ecotrinova\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/ecotrinova\/\">Freiburger Umweltschutzverein ECOtrinova e.V<\/a>. und das Klimab\u00fcndnis Freiburg weisen seit 2009 nachdr\u00fccklich auf die \u201eneuen\u201c Chancen hin.\u00a0<\/p>\n<p>Die Doktorarbeit von Michael Sterner in 2009 an der Universit\u00e4t Kassel und am Fraunhofer Institut f\u00fcr Windenergiesysteme IWES hatte zuvor in Zusammenarbeit mit weiteren Forschern aus Kassel und Stuttgart die Sabatier-Reaktion f\u00fcr die Energiewirtschaft neu durchdacht. Sie kann sich besonders eigenen sich f\u00fcr die Erzeugung von Methangas aus \u00fcbersch\u00fcssigem Windkraftstrom, der sonst bei Abregeln der Anlagen bei Starkwind aufgrund von Netzengp\u00e4ssen oder mangels Strombedarf gar nicht erst erzeugt worden w\u00e4re. Analog wird man bei k\u00fcnftig \u00fcbersch\u00fcssigem Solarstrom an Wochenenden und in den Ferienmonaten vorgehen k\u00f6nnen.<br \/>\nZun\u00e4chst wird hierbei mit der aus dem schulischen Chemieunterricht bekannten Elektrolyse auf technischem Weg Wasserstoff erzeugt, dann dieser mit Kohlendioxid verbunden. Beide, der Wasserstoff und das Methan, er\u00f6ffnen das Tor zu einer Energieversorgung zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien f\u00fcr Strom, W\u00e4rme und Verkehr. Das bestehende Erdgasnetz und dessen riesige Speicher, die allen in Deutschland f\u00fcr mehrere Monate reichen, sind f\u00fcr das erneuerbare Methan uneingeschr\u00e4nkt nutzbar, f\u00fcr einige Prozent Wasserstoff-Beimischung ebenfalls. Der Wasserstoff eignet sich auch direkt zum Einsatz in Brennstoffzellen in Fahrzeugen und in Blockheizkraftwerken bzw. stromerzeugenden Heizungen f\u00fcr Strom und W\u00e4rme.<br \/>\nIndem sie mit Hilfe der Sabatier-Reaktion Kohlendioxid binden, k\u00f6nnen Wind- und Solarstrom\u00ad\u00fcbersch\u00fcsse perspektivisch helfen, den von der Menschheit verursachten zus\u00e4tzlichen Treibhauseffekt der Erdatmosph\u00e4re, d.h. den Klimawandel zu mindern, der vor allem durch Abgase aus der Verbrennung fossiler Energien entsteht. Sogar die geleerten Erdgas- und Erd\u00f6l-Lagerst\u00e4tten k\u00f6nnten zumindest teilweise wiederaufgef\u00fcllt werden. Aussichten, die es wert sind, jetzt voll angepackt zu werden.<\/p>\n<p>28.12.2012, Dr. Georg L\u00f6ser, Vors. von <a title=\"Ecotrinova\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/ecotrinova\/\">ECOtrinova<\/a>\u00a0freiburg\/Gundelfingen, <a href=\"mailto:georg.loeser@gmx.de\">georg.loeser@gmx.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1912 &#8211; 1952 &#8211; 1962 &#8211; 1972 &#8211; 1992 &#8211; 2002 &#8211; 2012:\u00a0Stationen f\u00fcr Umwelt und Entwicklung und eine bahnbrechende Perspektive &#8211;\u00a0Notwendige R\u00fcckblicke und Ausblicke zum Jahresende. Umweltprobleme, Energiemangel und Klimawandel im Griff? Das scheidende Jahr 2012 griff einen Rhythmus &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/umwelt-1912-1972-2012\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135,68],"tags":[239],"class_list":["post-18918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energiepolitik","category-umwelt","tag-energiesparen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18918"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18918\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}