{"id":17902,"date":"2012-12-01T19:28:07","date_gmt":"2012-12-01T18:28:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=17902"},"modified":"2012-12-15T19:35:32","modified_gmt":"2012-12-15T18:35:32","slug":"multis-im-inland-steuerfrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/multis-im-inland-steuerfrei\/","title":{"rendered":"Multis im Inland steuerfrei"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Globalisierung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/\">Multis<\/a> zahlen kaum <a title=\"Steuern\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/verbraucher\/steuern\/\">Steuern<\/a> in Deutschland, auch nicht in der <a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">EU<\/a>\u00a0&#8211; ganz legal. Die Gewinnsteuer geht in Teilen an die Bundesl\u00e4nder. Ist ein Unternehmen mit mehreren Produktionsstandorten in unterschiedlichen Bundesl\u00e4ndern t\u00e4tig, so mu\u00df das Steueraufkomen verteilt werden. Da es schwierig ist, die in den jeweiligen L\u00e4ndern anfallenden Gewinne zu errechnen bzw. zuzuordnen, geht man \u00fcber die Lohnsummen.<!--more--> Werden 40% der L\u00f6hne in Bayern und 60% in Hessen bezahlt, dann flie\u00dfen die Gewinnsteuern ebenfalls im Verh\u00e4ltnis 40% zu 60% in diese L\u00e4nder.<br \/>\nBei einem multinationalen Konzern\u00a0k\u00f6nnte man genauso verfahren: Zahlt ein\u00a0Unternehmen\u00a055% seiner L\u00f6hne in Deutschland aus, 30% in Indien und 15% in Polen, dann gingen 55% der Gewinnsteuern an den deutschen Fiskus. Tun sie aber nicht. Multis\u00a0verlagern\u00a0ganz legal ihre Gewinne auf Tochtergesellschaften in Niedrigsteuerl\u00e4ndern. Dazu zwei Beispiele.<br \/>\n<em>Beispiel 1 &#8222;Verrechnungspreise f\u00fcr Lieferanten&#8220;:<\/em> Ein Unternehmen besitzt ein Zulieferunternehmen Z im Niedrigsteuerland Irland und die Endmontage E im Hochsteuerland\u00a0Deutschland. E bezahlt an Z einen internen Verrechnungpreises P\u00a0f\u00fcr die Vorprodukte. Auf den Bruttokonzerngewinn\u00a0vor Gewinnsteuerabzug hat P keinen Einflu\u00df: Bei Erh\u00f6hung von P m\u00fcsste E mehr an Z bezahlen, was den Gewinn von E mindert, den Gewinn von Z aber um den gleichen Betrag erh\u00f6ht. Der Nettokonzerngewinn nach Steuerabzug\u00a0hingegen steigt gewaltig, da im Niedrigsteuerland ein h\u00f6herer und im Hochsteuerland ein kleinerer Gewinnbetrag zu versteuern ist. Der Trick \u00fcberh\u00f6hter Verrechnungspreise lohnt sich &#8211; nicht der Brutto-, sondern der Nettogewinn z\u00e4hlt.<\/p>\n<p><em>Beispiel 2 &#8222;Nutzungsrechte f\u00fcr Marken&#8220;:<\/em> Es ist cool, Markenklamotten zu tragen. Eine Diesel-Jeans ist mehr wert als eine normale Jeans, auch wenn beide Hosen\u00a0exakt gleich sind in Stoff und Schnitt. Und da es &#8222;in&#8220; ist, den Markenlabel Diesel aussen am Jeansges\u00e4\u00df zu tragen, gibt sich der teuer zahlende Kunde noch als kostenloser Werbetr\u00e4ger her. Der Markenname ist das wertvolle, er allein dient als Gewinnbringer. Deshalb gr\u00fcndet das Modeunternehmen in einem Steuerparadies wie Liechtenstein oder den Bahamas eine Tochterfirma, der es die Nutzungsrechte an der jeweiligen Marke \u00fcbertr\u00e4gt. Nat\u00fcrlich fordert die Tochter saftig hohe Lizenzgeb\u00fchren zur Nutzung der Marke und schon ist die gewaltige Steuerersparnis da: Auf den Bahamas steigt der Gewinn, der zuvor in Deutschland drastisch gefallen ist.<\/p>\n<p>In beiden Beispielen entgehen dem deutschen Fiskus gro\u00dfe Steuerbetr\u00e4ge. Lagen in Beispiel 1 wenigstens noch reale Warenlieferungen vom Aus- ins Inland vor, wurden in Beispiel 2 nur noch Rechte transferiert, aber steuerlich trickreich.<br \/>\nWarum verbietet man nicht die in den Beispielen genannten Tricks?\u00a0\u00a0Warum erhebt der deutsche Staat seine Gewinnsteuer nicht auf jenen Anteil am Gewinn, der dem inl\u00e4ndischen Anteil an der weltweiten Lohnsumme des Multis entspricht? Warum prangern unsere Politiker die Steuerumgehungen internationaler Unternehmen lautstark an, tun aber nichts dagegen? Es ist die Angst davor, da\u00df die Unternehmen ihre Niederlassungen ins Ausland verlegen, wenn man ihnen die o.a. Steuerumgehungsstrategien nimmt.\u00a0Deutschland steht in einem weltweiten Standortwettbewerb um Unternehmensansiedlungen. Und\u00a0ein Steuerrecht, das\u00a0Steuerlast sinken l\u00e4sst, ist ein wichtiger Standortfaktor. Auch hier zeigt sich, dass zumindest innerhalb der EU die Steurervorschriften harmonisiert werden sollten.<br \/>\n1.12.2012<!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Multis zahlen kaum Steuern in Deutschland, auch nicht in der EU\u00a0&#8211; ganz legal. Die Gewinnsteuer geht in Teilen an die Bundesl\u00e4nder. Ist ein Unternehmen mit mehreren Produktionsstandorten in unterschiedlichen Bundesl\u00e4ndern t\u00e4tig, so mu\u00df das Steueraufkomen verteilt werden. 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