{"id":17727,"date":"2012-12-12T22:04:18","date_gmt":"2012-12-12T21:04:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=17727"},"modified":"2012-12-12T22:04:18","modified_gmt":"2012-12-12T21:04:18","slug":"hinterzarten-breitnau-wind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hinterzarten-breitnau-wind\/","title":{"rendered":"Hinterzarten &#8211; Breitnau: Wind"},"content":{"rendered":"<p>Die\u00a0B\u00fcrgermeister Klaus-Michael Tatsch von <a title=\"Hinterzarten\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/hinterzarten\/\">Hinterzarten<\/a> und Josef Haberstroh von <a title=\"Breitnau\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/breitnau\/\">Breitnau<\/a> im Interview. Dreisamt\u00e4ler: Herr Tatsch, Herr Haberstroh, landauf, landab sind die Kommunen dabei, den Windenergie-Erlass der Landesregierung umzusetzen. Ziel des Erlasses sind 1200 zus\u00e4tzliche <a title=\"Wind\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/wind\/\">Windr\u00e4der<\/a> in Baden-W\u00fcrttemberg bis 2020 um die <a title=\"Energiesparen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/energiesparen\/\">Energiewende<\/a> voranzutreiben. Ganz entscheidend hierbei ist, dass die Planungshoheit weg von den Regierungspr\u00e4sidien hin zu den Kommunen verlagert wurde. <!--more-->Deshalb laufen in allen Gemeinden derzeit Fl\u00e4chennutzungsplanverfahren f\u00fcr Windkraftstandorte, auch in Hinterzarten und Breitnau!<br \/>\nTatsch: Es plant jedoch nicht jede einzelne Gemeinde f\u00fcr sich. F\u00fcr die Aufstellung des \u201eFl\u00e4chennutzungsplanes Windenergie\u201c haben wir den \u201ePlanungsverband Windenergie Hochschwarzwald\u201c mit neun Hochschwarzwaldgemeinden gegr\u00fcndet, dem auch Hinterzarten und Breitnau angeh\u00f6ren. Wir haben uns am 5. November 2012 gegr\u00fcndet und am 4. Dezember wurde der Aufstellungsbeschluss f\u00fcr den \u201eTeilfl\u00e4chennutzungsplan Windenergie\u201c gefasst. Damit wird die Planung angesto\u00dfen und wir haben damit die M\u00f6glichkeit, eingehende Antr\u00e4ge solange zur\u00fcckzustellen, bis die Planung abgeschlossen ist. Dieses Verfahren so ist n\u00f6tig, weil sonst die Gefahr von Wildwuchs besteht. Es ist ein demokratisches Verfahren, bei dem die B\u00fcrger informiert und angeh\u00f6rt werden. Momentan werden in allen Gemeinder\u00e4ten die m\u00f6glichen Fl\u00e4chen diskutiert.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Wie steht Breitnau zur Windkraft?<br \/>\nHaberstroh: Wir haben in Breitnau eine durchaus positive Grundhaltung zum Thema Windkraft, jedoch unter der Pr\u00e4misse, dass die R\u00e4der eine Gesamth\u00f6he von 100 Metern nicht \u00fcberschreiten. Zum Vergleich: das schon bestehende Windrad in Breitnau ist 33 Meter hoch. Was wir uns schlicht nicht vorstellen k\u00f6nnen, das sind diese 200-Meter-Giga-Anlagen und deshalb versuchen wir das mit einer Begrenzung zu steuern. Denn solche Riesenr\u00e4der sind regelrechte Industrieanlagen, die nicht in den Schwarzwald passen und das Landschaftsbild erheblich beeintr\u00e4chtigen. Die Begrenzung auf 100 Meter, das ist ganz klar eine Einschr\u00e4nkung, die auch die Wirtschaftlichkeit tangiert. Ich gehe davon aus, dass Gro\u00dfinvestoren sich dann nicht mehr f\u00fcr unsere Standorte interessieren. Interessant bleiben sie allerdings f\u00fcr B\u00fcrgerenergievereine oder -genossenschaften.<br \/>\nIch empfinde eine solche Beschr\u00e4nkung als gesundes Augenma\u00df. Wir wollen es gerne etwas bescheidener und das zeichnet uns als Ort auch aus.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Wo k\u00f6nnten in Breitnau Windm\u00fchlen stehen?<br \/>\nHaberstroh: Als Standort kommt einmal der Haldenbuck in Frage, also dort wo schon ein Windrad steht. In unmittelbarer N\u00e4he, dem Hohwart, hat das Dreisamtal auch Anlagen anvisiert. Ein weiterer Standort ist die Wei\u00dftannenh\u00f6he.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Wie sieht es Hinterzarten in aus?<br \/>\nTatsch: Der Gemeinderat \u2013 inklusive B\u00fcrgermeister &#8211; lehnt die Nutzung von Windkraft auf Hinterzartener Gemarkung einstimmig ab. Wir sind der Meinung, dass Windkraft f\u00fcr den Tourismus kontraproduktiv ist und in Hinterzarten keine geeigneten Fl\u00e4chen vorhanden sind. Eine von der Windh\u00f6figkeit m\u00f6gliche Fl\u00e4che w\u00e4re der Windeckkopf. Da die Windr\u00e4der aber bis zu 200 Meter hoch sein k\u00f6nnen \u2013 diese H\u00f6he ist der eher schlechten Windh\u00f6figkeit im Vergleich zum Norden geschuldet &#8211; , w\u00e4ren die Rotoren immer zu sehen, das haben wir visualisieren lassen. Sie w\u00e4ren ein St\u00f6rfaktor und zwar nicht nur tags, sondern auch nachts durch die roten Signallichter. Sie w\u00fcrden das Landschaftsbild empfindlich st\u00f6ren und der Landschafts- und Naturschutz ist f\u00fcr Hinterzarten ein hohes Gut und das wollen wir nicht ohne Not aufgeben!<br \/>\nMomentan ist der Windeckkopf jedoch noch in die Planung einbezogen. Die einzelnen Gemeinder\u00e4te geben ihr Votum dazu ab, die B\u00fcrger k\u00f6nnen ihre Anregungen und Bedenken dazu einbringen und s\u00e4mtliche Fl\u00e4chen werden noch einmal \u00fcberpr\u00fcft. Im \u00dcbrigen haben wir auch gegen Rotoren auf dem Hinterwaldkopf im Rahmen des \u201eFl\u00e4chennutzungsplanverfahrens Dreisamtal\u201c Einspruch eingelegt. Wir sind der Meinung dass die Sichtachse zum Feldberg erhalten bleiben muss.<\/p>\n<p>Aktiver Klimaschutz. Dreisamt\u00e4ler: Wenn keine Windm\u00fchlen \u2013 was tut Hinterzarten sonst f\u00fcr den Klimaschutz?<br \/>\nTatsch: Was das angeht, so bin ich von einer k\u00fcrzlich getroffenen Gemeinderatsentscheidung sehr entt\u00e4uscht. Die Gemeindeverwaltung hatte sich um Zusch\u00fcsse des Landes f\u00fcr die Umstellung der Stra\u00dfenbeleuchtung in Hinterzarten auf LED gek\u00fcmmert und tats\u00e4chlich einen positiven Bescheid bekommen. Der Gemeinderat jedoch lehnt diese Umstellung ab.<br \/>\nF\u00fcr mich ist diese Entscheidung sehr bedauerlich.<br \/>\nWir alle wollen die Energiewende. Aber es ist schon die Frage, wie wir sie umsetzen. Windkraft wollen wir zwar schon, aber nicht hier bei uns. Aber unseren Beitrag leisten m\u00fcssen wir schon.<br \/>\nIch habe argumentiert, dass wir mit der Umstellung auf LED den CO2-Aussto\u00df in Hinterzarten reduzieren w\u00fcrden, dass wir Energie einsparen und damit auch einen Beitrag zur Energiewende leisten w\u00fcrden, das Klimaschutz ein wichtiges Kriterium unseres Pr\u00e4dikates \u201ePremium-Luftkurort\u201c ist \u2026 ich konnte den Gemeinderat jedoch nicht \u00fcberzeugen.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Was sind die Gegen-Argumente?<br \/>\nTatsch: Es sind vor allem haushaltspolitische! Die Umstellung kostet 190.000,- Euro. Wir bek\u00e4men 46.000,- Euro an Zusch\u00fcssen und m\u00fcssten dann noch einen Kredit von 150.000,- Euro aufnehmen. Und das ist es, was der Gemeinderat ablehnt, weil die Gemeinde Hinterzarten finanziell nicht so gut da steht.<br \/>\nDen Kredit aber nicht aufzunehmen ist sehr kurz gedacht. Denn letztlich w\u00fcrden unsere Gesamtausgaben trotz Kapitaldienst sinken, weil wir j\u00e4hrlich \u00fcber 30.000,- Euro an Stromkosten einsparen w\u00fcrden. Und da sind wahrscheinliche Strompreiserh\u00f6hungen nicht eingerechnet. Was nat\u00fcrlich auch weh tut: wir verschenken Geld, weil wir Zuschussgelder nicht abrufen. Ich verstehe diese Gemeinderatsentscheidung nicht, aber das Thema ist erst einmal abgehakt.<br \/>\nDer Gemeinderat hat aber noch viele weitere \u201eBaustellen\u201c: bei unseren gemeindeeigenen Geb\u00e4uden besteht f\u00fcr Sanierung, W\u00e4rmed\u00e4mmung und Energienutzungseffizienz ein hoher Investitionsbedarf. Allein die anstehende Kurhaussanierung, die dringend n\u00f6tig ist, wird mit zwei Millionen zu Buche schlagen. Da geht es ebenfalls um energetische und bauliche Sanierung und um Brandschutz. Und nicht zuletzt wird auch die geplante Gemeinschaftsschule Investitionen ausl\u00f6sen. Sie sehen, es kommt noch viel Arbeit auf uns zu!<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Breitnau ist Bioenergiedorf am Start. Sind Sie inzwischen weitergekommen?<br \/>\nHaberstroh: Das sind wir! Unser Nahw\u00e4rmeprojekt befindet sich in der Umsetzungphase. Die Realisierung dieses Projekts ist der B\u00fcrgerenergie-Genossenschaft Breitnau und deren Vorst\u00e4nden zu verdanken, allen voran Eugen Ketterer, Thomas Schuler und August Maier, die mit ihrem immensen Engagement die Sache vorangetrieben haben! Ein Teil der Leitungen liegt, das Dach auf der Heizzentrale wird demn\u00e4chst gedeckt und die Brenner k\u00f6nnen dann eingebaut werden. Der Wintereinbruch verz\u00f6gert die Bauarbeiten, aber es arbeiten alle mit Hochdruck dran, das Heizwerk in Betrieb zu nehmen.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Wer sind die Abnehmer der Nahw\u00e4rme?<br \/>\nHaberstroh: Hauptabnehmer ist das Haus Breitnau der BASF, dazu kommen sechs kommunale und mit Kirche, Pfarrhof und Pfarrhaus drei kirchliche Geb\u00e4ude. Hinzu kommen noch private Abnehmer. Insgesamt sind es derzeit 58 W\u00e4rmeabnehmer.<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Wie ist das Heizwerk konzipiert, wie wird es betrieben?<br \/>\nHaberstroh: Es gibt zwei Heizkessel: ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das mit Biomethangas betrieben wird und Strom und W\u00e4rme produziert, und einen Hackschnitzelkessel, der mit Hackschnitzel der Region gespeist wird. Das BHKW wird ganzj\u00e4hrig in Betrieb sein, der Hackschnitzelkessel nur im Winter. Mit diesem Nahw\u00e4rmeprojekt bleibt ein Gro\u00dfteil der Wertsch\u00f6pfung im Dorf, es wird mit regenerativen Energien betrieben und langfristig bin ich \u00fcberzeugt davon, dass es auch wirtschaftlich sein wird, sich an das Nahw\u00e4rmenetz anzuschlie\u00dfen. Wenn man sich die Chronologie der letzten Jahre in Bezug auf den Gas- und \u00d6lpreis anschaut, dann gehe ich davon aus, dass wir die W\u00e4rme, die hier vor Ort regenerativ erzeugt wurde, billiger herstellen k\u00f6nnen als mit fossilen Energietr\u00e4gern.<\/p>\n<p>Dreisamt\u00e4ler: Herr Tatsch, ist die Parkraumbewirtschaftung noch ein Thema?<br \/>\nTatsch: Wir haben k\u00fcrzlich im Gemeinderat Bilanz gezogen. Durch die Parkraumbewirtschaftung haben wir Einnahmen von \u00fcber 100.000,- Euro zuz\u00fcglich der Einnahmen aus Verwarnungen. Die anf\u00e4ngliche Aufregung hat sich gelegt, das Parken im Bereich der Freiburger Stra\u00dfe, wo das Parken bis zu eineinhalb Stunden geb\u00fchrenfrei ist, ist geordneter und die Fluktuation ist gr\u00f6\u00dfer, was den Gesch\u00e4ftsleuten entgegenkommt.<br \/>\nDer Verein f\u00fcr Handel, Handwerk und Gewerbe hat sich nicht f\u00fcr die Abschaffung der Geb\u00fchren ausgesprochen und der Gemeinderat hat die Beibehaltung der Bewirtschaftung einstimmig best\u00e4tigt und dem Gemeindehaushalt tun die zus\u00e4tzlichen Einnahmen gut!<br \/>\nDreisamt\u00e4ler: Meine Herren, ich danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<br \/>\nMit den B\u00fcrgermeistern Klaus-Michael Tatsch, Hinterzarten, und Josef Haberstroh, Breitnau, unterhielt sich Dagmar Engesser, 12.12.2012, <a href=\"https:\/\/www.dreisamtaeler.de\">www.dreisamtaeler.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die\u00a0B\u00fcrgermeister Klaus-Michael Tatsch von Hinterzarten und Josef Haberstroh von Breitnau im Interview. 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