{"id":17711,"date":"2012-12-12T20:23:40","date_gmt":"2012-12-12T19:23:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=17711"},"modified":"2012-12-12T20:23:40","modified_gmt":"2012-12-12T19:23:40","slug":"martin-wangler-in-klosterschiire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/martin-wangler-in-klosterschiire\/","title":{"rendered":"Martin Wangler in Klosterschiire"},"content":{"rendered":"<p>Das muss man ihm lassen, dem \u201eFidelius Waldvogel\u201c alias Martin Wangler aus <a title=\"Breitnau\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/breitnau\/\">Breitnau<\/a>. Er ist eine ehrliche Haut. Und schenkt den St\u00e4dtern und Zugezogenen gleich zum Beginn seines zweieinhalbst\u00fcndigen neuen <a title=\"Theater\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/theater\/\">Kabaretts<\/a> \u201eZwischen <a title=\"Himmelreich\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/behinderung\/himmelreich\/\">Himmelreich<\/a> und H\u00f6llental\u201c in der Klosterschiire reinen Wein ein. Da sie mit seinem eigens f\u00fcr das Oberrieder Publikum in stundenlanger Arbeit am Nachmittag produzierten Herd\u00e4pfelsalat <!--more-->nichts anzufangen wissen, prophezeit er: \u201eF\u00fcr Hochdeutsche ist der Abend gelaufen.\u201c Und gibt dem nicht schweigen wollendem Kuckuck in der Kuckucksuhr, einer wahrhaft Schwarzw\u00e4lder Erfindung, eins auf den Schnabel. Sp\u00e4ter sogar noch rote Bollen vom Hut.<br \/>\nEs ist gut, dass sich die Publikumsmehrheit f\u00fcr den Eimer voller Kultur \u2013 und nicht f\u00fcr den mit Herd\u00e4pfeln entschieden hat. Den Salat gibt\u2019s dann sp\u00e4ter, nach getaner Kultur. Und davon hat das Breitnauer Urgestein und der Fernsehstar von den \u201eFallers\u201c genug dabei. F\u00fcr \u201eReigeschmeggde\u201c gibt\u2019s zun\u00e4chst Nachhilfeunterricht zum \u201eHomo Schwarzwaldenensis\u201c, der im \u00dcbrigen keine Beine, sondern nur F\u00fc\u00dfe vom Po bis zu den Sohlen hat. Der Schinken hei\u00dfe Speck und die Schwarzw\u00e4lder Tracht biete keinerlei sexuellen Reiz \u2013 im Gegensetz zu den bayrischen Weibchen, die ihr Holz vorm Haus h\u00e4tten. Mit 32 Grad K\u00f6rpertemperatur sei der Schwarzw\u00e4lder ein Kaltblut, seine Sprache sei wie sein Sex: kurz und pr\u00e4gnant. Eine Silbe gen\u00fcge: \u201eH\u00e4!\u201c Zweisilbig sei schon viel: \u201eH\u00e4 nei\u201c oder \u201ewa witt?\u201c<br \/>\n\u201eFidelius Waldvogel\u201c hangelte sich durch den \u00dcberlebenskampf im Schwarzwald, vom Touristen als Urlaubsparadies mit Kirschwassertagen und G\u00e4steschie\u00dfen im Sch\u00fctzenhaus erlebt. Dabei singt Fidelius traurig vom \u201eWo\u2019s D\u00f6rflein traut zu Ende geht\u201c, weil: \u201edie Heimat liegt im Dreck\u201c. Doch stolz ist er auf die Schwarzw\u00e4lder Erfinder Benz, Drais und Zeppelin \u2013 gerne von den Schwaben \u201egeklaut\u201c: \u201eUnd wenn die Todtnauer den Skilift nicht erfunden h\u00e4tten, w\u00fcrden die \u00d6sterreicher immer noch ihre Ski den Berg hochtragen.\u201c Unversch\u00e4mt sei es von den Schwaben, den Bodensee wegen ein paar Metern im W\u00fcrttembergischen \u201eSchw\u00e4bisches Meer\u201c zu nennen \u2013 \u201eBadischer Ozean\u201c sei richtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben den erz\u00e4hlten Geschichten nimmt Wangler immer wieder eines seiner Instrumente zur Hand, spielt Gitarre, Akkordeon und schl\u00e4gt gar voller Wut die Trommel. Zwischendurch immer wieder der Kampf mit dem Kuckuck. Beim hohen Lied aufs Cegospiel gibt\u2018s leuchtende Augen in der Klosterschiire. \u201eFidelius Waldvogel\u201c erteilt Nachhilfeunterricht im Grillen: \u201eBeim Grillen muss es richtig stinken. Das Fleisch kann ruhig etwas schwarz sein.\u201c Um dann mit Hinweis auf die noch vom Tschernobylgau mit Becquerel belastete Wildsau zu singen: \u201eSchweinchen, du s\u00fc\u00dfes Schweinchen.\u201c\u00a0<br \/>\nDen Gedanken zur Entwicklung \u201ezwischen Himmelreich und H\u00f6llental\u201c nachh\u00e4ngend, kam Wangler auf die Frage: \u201eWas braucht man aufm Bauerndorf?\u201c Da bekam die Kultusministerin \u201eBildungsgabi\u201c f\u00fcr ihre Meinung, dass Bildung in die Stadt und nicht aufs Land geh\u00f6re, kr\u00e4ftig Haue. Die Gemeinschaftsschule tr\u00fcge zur Gleichmacherei bei: \u201eDu kannst nicht einmal mehr hocken bleiben. Und nicht mehr zwischen dummen und gescheiten Deppen unterscheiden.\u201c Die Bauern fehlten auch immer mehr im Dorf: \u201eWeil er sich und den Hof an den Nagel h\u00e4ngt \u2013 wegen der billigen Milch.\u201c Doch mit der Windkraft ginge es dem Bauern wieder besser: \u201eVom Milch- zum Stromlieferant.\u201c Eine herzzerrei\u00dfende Geschichte war die M\u00e4r von der Breitnauer Papstbank. Das \u201eHolz vom Dold\u201c und das \u201ePapstbankschild aus St. M\u00e4rgen\u201c bringen \u201eFidelius Waldvogel\u201c h\u00f6chstes Lob vom Erzbischof ein. Und als die Massen in der Klosterschiire immer wieder Zugabe forderten, gab\u2019s Aktion f\u00fcr alle: \u201eJa, so fahren wir Ski!\u201c Der Abend mit Martin Wangler und seinem dritten Kabarett \u201eZwischen Himmelreich und H\u00f6llental\u201c in der Klosterschiire Oberried war ein gewonnener Abend. Eine Mischung aus kernigem Schwarzw\u00e4lder Humor, mit Klamauk, Witz und viel Musik \u2013 einer tollen Mischung aus Heiterkeit und tiefem Ernst. Gut, dass trotz anf\u00e4nglichem \u201eF\u00fcr Hochdeutsche ist der Abend gelaufen\u201c alle geblieben sind \u2013 schlie\u00dflich gab\u2019s ja noch Herd\u00e4pfelsalat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die vielen Gesichter und Instrumente des \u201eFidelius Waldvogel\u201c alias Martin Wangler beim Kabarett \u201eZwischen Himmelreich und H\u00f6llental\u201c in der Klosterschiire Oberried.<br \/>\nAktion f\u00fcr alle am Schluss: \u201eJa, so fahren wir Ski!\u201c Fotos: Gerhard L\u00fcck<\/p>\n<p>12.12.2012, Gerhard L\u00fcck, <a href=\"https:\/\/www.dreisamtaeler.de\">www.dreisamtaeler.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das muss man ihm lassen, dem \u201eFidelius Waldvogel\u201c alias Martin Wangler aus Breitnau. Er ist eine ehrliche Haut. 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