{"id":153879,"date":"2026-09-18T19:35:53","date_gmt":"2026-09-18T17:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=153879"},"modified":"2026-09-19T09:24:19","modified_gmt":"2026-09-19T07:24:19","slug":"finis-germania-sieferle-10-j-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/finis-germania-sieferle-10-j-tot\/","title":{"rendered":"Finis Germania: Sieferle 10 J. tot"},"content":{"rendered":"<p>Am 17. September j\u00e4hrt sich der Todestag von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/sieferle\/\">Rolf Peter Sieferle<\/a> zum zehnten Mal. Der 1949 in Stuttgart geborene <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">Historiker<\/a> war 2005 bis 2012 Geschichtsprofessor an der Universit\u00e4t St.Gallen\/CH. \u201eSieferle nahm sich am 17. September 2016 das Leben \u2013 nicht wegen seiner Kritiker, sondern wegen seiner Prognosen\u201c (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/klonovsky\/\">Michael Klonovsky<\/a>).<!--more--><br \/>\n.<br \/>\nSieferle war ein Universalhistoriker, dessen Forschungen zun\u00e4chst der Umweltgeschichte galten. Dann wandte sich der Wissenschaftler, Denker und Gelehrte von der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/industrie\/industrie2024\/\">industriellen<\/a> mehr der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/\">gesellschaftlichen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/klima\/transformation\/\">Transformation<\/a> zu.<br \/>\nSein Werk umfasst u.a. &#8222;Der unterirdische Wald&#8220; (1982), &#8222;Epochenwechsel&#8220; (1995), &#8222;Das Migrationsproblem &#8211; \u00dcber die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Messeneinwanderung&#8220; (2015), &#8222;Deutschland Schlaraffenland &#8211; Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft&#8220; (2015), &#8222;Finis Germania&#8220; (2017 posthum), &#8222;Krieg und Zivilisation&#8220; (2018 posthum ).<br \/>\n.<br \/>\nJe deutlicher die Menschen in Deutschland den durch die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/grenzoeffnung2015\/\">Grenz\u00f6ffnung 9\/2015<\/a> eingeleiteten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/\">Kulturzerfall<\/a> erkennen und aufgrund des wirtschaftlichen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/volkswirtschaft\/niedergang\/\">Niedergangs<\/a> individuell sp\u00fcren, desto interessanter ist die Lekt\u00fcre seiner Essays und B\u00fccher. Rolf Peter Sieferle hat die durch die Massenmigration bewirkte Misere vorausgeahnt. Im Essay &#8222;Ein Schlaraffenland&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/sieferle\/\">hier<\/a> lesen) beschreibt er Deutschland als <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/anspruchsgesellschaft\/\">Anspruchsgesellschaft<\/a> ohne <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/integration-bringschuld\/\">Pflichten der Migranten<\/a>, wobei der einst vielleicht m\u00e4rchenhafte Ort des \u00dcberflusses heute l\u00e4ngst zu einem Ort der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/staatsschulden2025\/\">\u00dcberschuldung<\/a> geworden ist. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/haushaltsdebatte-im-bundestag\/\">Zinslast<\/a> und Schuldendienst engen den Entscheidungsspielraum ein und lassen der Politik kaum noch M\u00f6glichkeiten zu aktivem Gestalten. Das Land lebt weit \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse bzw. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/schuldenpolitik\/\">auf Pump<\/a>.<br \/>\nWas <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/sarrazin\/\">Thilo Sarrazzin<\/a> in &#8222;Deutschland schafft sich ab&#8220; mit volkswirtschaftlicher Logik und Zahlen belegt, beschreibt Rolf Peter Sieferle in &#8222;Finis Germania&#8220; aus kulturhistorischer Sicht. Das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-kaputt\/\">Ende Deutschlands<\/a> zeichnet sich ab, 2026 noch deutlicher als 2015.<br \/>\n.<br \/>\nDie berufliche Karriere von Rolf Peter Sieferle war zweigeteilt: Da war zun\u00e4cht der international anerkannte Industrie- und Umwelthistoriker, den Gustav Seibt in seinem Nachruf in der S\u00fcddeutschen 2016 als <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/sieferle\/\">&#8222;unerschrockenen Zivilisationskritiker&#8220;<\/a> lobte. Dann vollzog Sieferle eine Wende, die Seibt in einem zweiten Nachruf 2017 als &#8222;erschreckenden Absturz&#8220; anprangerte, der sich aber heute, 10 Jahre sp\u00e4ter, nicht als Absturz, sondern als zutreffende Prognose erweisen sollte:<br \/>\nSieferle wandte sich von der Industriegeschichte ab und den Migranten, die damals noch Fl\u00fcchtlinge genannt wurden, und dem Sozialstaat zu. Im Buch &#8222;Das Migrationsproblem&#8220; zitiert er den damaligen Entwcklungshileminister Gerd M\u00fcller (CSU): &#8222;Ein Dollar in Dohuk im Irak eingesetzt hat die drei\u00dfigfache Wirkung wie ein in M\u00fcnchen eingesetzer Dollar&#8220;. Sieferle beklagte das Anlocken junger Migranten, in vornehmlich islamischen L\u00e4ndern sozialisiert.<br \/>\n&#8222;Der &#8218;Fl\u00fcchtling&#8216; aus der Dritten Welt hat in den letzten Jahren den &#8218;Proletarier&#8216; als Heilsfigur der Linken ersetzt. Beide Konstrukte tragen aber vergleichbare wahnhafte Z\u00fcge&#8220; (Seite 33, Migrationsproblem). Der Proletarier hat mit internationaler Revolution nichts am Hut, sondern w\u00fcnscht sich einen sicheren Arbeitsplatz, um hier in seiner Heimat in Frieden zu leben. Und der Fl\u00fcchtling w\u00fcnscht sich dasselbe, aber in seinem Herkunftsland. Es widerspricht der Entwicklungspsychologie von Jean Piaget et al., massenweise junge Muslime mit Geldversprechungen hierher zu locken, um sie &#8222;gewisserma\u00dfen als humanes Rohmaterial&#8220; (S. 47) innerhalb kurzer Zeit in die hochindustrialisierte Arbeitswelt zu integrieren. Diese M\u00e4nner aus Afrika, Arabien und dem Maghreb enden zumeist entwurzelt, ungl\u00fccklich und vereinsamt in <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/parallelgesellschaft\/\">Parallelgesellschaften<\/a>, wo sie hilflos den Verlockungen der Kriminalit\u00e4t und des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/islamismus\/\">Islamismus<\/a> ausgesetzt sind. 2026 zeigt sich: die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/integration-gescheitert\/\">Integration<\/a> ist weitgehend gescheitert.<br \/>\n.<br \/>\nRolf Peter Sieferle hat nicht nur auf das individuelle Schicksal der jungen Migranten hingewiesen, sondern auch auf das Ende des Sozialstaates: &#8222;In einer solchen Situation Massen von Analphabeten einwandern zu lassen, ist ein Zeugnis von Hybris und Unkenntnis in dramatischem Umfang&#8220; (Seite 47). Damit stimmt Sieferle dem <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/10-jahre-wir-schaffen-das\/\">Nobelpreistr\u00e4ger Milton Friedman<\/a> zu, dessen Diktum mehr denn je gilt:<br \/>\n\u201cYou can have a welfare state or you can have open borders. But you can\u2019t have both\u201d.<\/p>\n<p>Rolf Peter Sieferle geht es<br \/>\n1. neben den zumeist jungen Migranten, die hier zu Abertausenden im Elend enden, und<br \/>\n2. dem Sozialstaat, der pleite ist, auch<br \/>\n3. um den Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft, der immer weiter schwindet: &#8222;Kulturelles Kapital und Vertrauen sind schwer aufzubauen&#8220;. Der Innere Frieden in Deutschland ist sp\u00e4testens seit 9\/2015 gest\u00f6rt und diese Zerst\u00f6rung schreitet unaufhaltsam fort. Der Niedergang betrifft nicht nur die Industrie, sondern auch die Gesellschaft.<br \/>\nRolf Peter Sieferle setzte seinem Leben mit nur 67 Jahren selbst ein Ende. Die Tragik des Geschehens macht nachdenklich. Mag sein, da\u00df er seiner eigenen Weitsicht nicht gewachsen war und ihn in Pessimismus und Resignation getrieben hat. Mag sein, da\u00df er den Anfeindungen und Anschuldigungen nicht gewachsen war. Wie dem auch sei: Alle in seinen Essays und B\u00fcchern beschriebenen Analysen, Zweifel und Prognosen haben sich nach 2015 als zutreffend erwiesen. Nicht Rolf Peter Sieferle hat irgendeine Schuld auf sich geladen, sondern wir, die wir nicht bereit waren, ihn wahrzunehmen und anzuh\u00f6ren.<br \/>\n18.9.2026<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Finis Germania: Sieferle 10 J. tot&#8220;<br \/>\n==============================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211; (2)<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(1) David Berger: Vor zehn Jahren starb einer der unbequemsten Denker Deutschlands<\/strong><br \/>\nVor zehn Jahren, am 17. September 2016, starb Rolf Peter Sieferle. Deutschland verlor mit ihm einen Historiker von ungew\u00f6hnlicher geistiger Spannweite: einen Gelehrten, der \u00fcber Marx und die Konservative Revolution ebenso schrieb wie \u00fcber Umweltgeschichte, Industrialisierung, Energie, Krieg, Migration und die gro\u00dfen Umbr\u00fcche der Moderne. Mit seinem \u201eenergetischen Ansatz\u201c geh\u00f6rte Sieferle zu den Pionieren der Umweltgeschichte;<br \/>\nvon 2005 bis 2012 lehrte er als Professor f\u00fcr Allgemeine Geschichte an der Universit\u00e4t St. Gallen.<br \/>\nDoch f\u00fcr viele Leser auf der politischen Rechten ist heute ein anderer Sieferle mindestens ebenso wichtig: der Autor des bereits 1994 erschienenen Epochenwechsel und der nachgelassenen Schriften, in denen er Entwicklungen analysierte, die erst Jahre sp\u00e4ter die politische Debatte beherrschen sollten. Besonders Das Migrationsproblem geh\u00f6rt dazu. Sieferle untersuchte Masseneinwanderung nicht in erster Linie moralisch, sondern als Problem von Staat, Grenzen, Solidarit\u00e4t und Sozialstaat. Seine Schlussfolgerungen waren scharf und wurden entsprechend kontrovers aufgenommen.Noch heftiger war die Reaktion auf das 2017 postum ver\u00f6ffentlichte Finis Germania. Das schmale Buch wurde zum Bestseller und zugleich Gegenstand einer heftigen \u00f6ffentlichen Kontroverse; Kritiker warfen ihm unter anderem antisemitische und geschichtsrevisionistische Passagen vor. Selbst der Umgang mit dem Buch auf Bestsellerlisten wurde zum Skandal. Gerade diese Kontroverse machte Sieferle nach seinem Tod einem Publikum bekannt, das von seinem erheblich umfangreicheren wissenschaftlichen Werk bis dahin kaum etwas wusste.<br \/>\n.<br \/>\nUnd dieses Werk ist weit gr\u00f6\u00dfer als Finis Germania. B\u00fccher wie Der unterirdische Wald, Epochenwechsel, Die konservative Revolution und das postum erschienene Krieg und Zivilisation zeigen einen Autor, der historische Prozesse \u00fcber Jahrhunderte hinweg betrachtete und sich nur schwer in die \u00fcblichen politischen Schubladen einordnen lie\u00df. Seine Themen reichten von der Industrialisierung und ihren energetischen Voraussetzungen bis zur kulturellen Evolution des Krieges. Zehn Jahre nach seinem Tod lohnt es sich deshalb, Sieferle nicht auf den Skandal um sein letztes schmales Buch zu reduzieren, sondern ihn wieder zu lesen. Gerade Epochenwechsel, Das Migrationsproblem und Krieg und Zivilisation bieten gen\u00fcgend Stoff zur Auseinandersetzung \u2013 auch dort, wo man seinen Diagnosen widerspricht.<br \/>\nRolf Peter Sieferle, geboren 1949 in Stuttgart, starb am 17. September 2016 in Heidelberg im Alter von 67 Jahren. Zehn Jahre danach bleibt ein umfangreiches, unbequemes und in wesentlichen Teilen noch immer diskussionsw\u00fcrdiges Werk. Das angemessenste Gedenken an einen solchen Gelehrten ist deshalb denkbar einfach: seine B\u00fccher lesen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.9.2026 von David Berger bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/philosophia-perennis.com\/2026\/09\/17\/rolf-peter-sieferle-vor-zehn-jahren-starb-einer-der-unbequemsten-denker-deutschlands\/\">https:\/\/philosophia-perennis.com\/2026\/09\/17\/rolf-peter-sieferle-vor-zehn-jahren-starb-einer-der-unbequemsten-denker-deutschlands\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\nEinige Kommentare:<br \/>\nEs ist sch\u00f6n, das Rolf- Peter Sieferles Lebenswerk hier gew\u00fcrdigt wird. Das kann man gar nicht hoch genug anerkennen. Sieferle wurde nach dem Erscheinen seines Buches &#8222;Finis Germania&#8220; (2017) gegrillt, der Holocausleugnung bezichtigt und Verschw\u00f6rungsideologien zum Bev\u00f6lkerungsaustausch zu verbreiten. Die entsprechenden &#8222;Experten&#8220; sind heute noch f\u00fcr &#8222;UnsereDemokratie&#8220; aktiv und zerrei\u00dfen besorgte Kritiker, die den Zuwanderungskurs der Regierung ablehnen. Sieferle hat &#8211; wie viele vor und nach ihm auch &#8211; vor den Folgen einer Massenmigration gewarnt und einen wohldisziplinierten Protest zur Sprache gebracht. Sieferle hat &#8211; kurz nach dem Erscheinen seines Buches &#8211; seinem Leben ein Ende gesetzt, wie im selben Jahr i.\u00fc. auch Susanne Kablitz (Gesicht der \u201cPartei der Vernunft\u201d und Mitglied der Hayek-Gesellschaft), die in ihren fundierten politischen Analysen ebenso auf ein Land gesto\u00dfen war, das sich unabwendbar auf einem katastrophalem Irrweg befindet. Wie Sieferle wurde auch sie durch das Tal vieler Tr\u00e4nen gescheucht und musste eine geh\u00f6rige Portion Mut und R\u00fcckgrat besitzen, die gezielten Ausgrenzungen und Diskriminierungen auf sich zu nehmen.<br \/>\nWenn beide nun gegangen sind, so fr\u00fch, dann weil sie gehen wollten. Beide haben sich freiwillig schlafen gelegt, um ins Licht zu gehen.<br \/>\nW\u00fcrden Sieferle und Kablitz den heutigen Zustand in der Bundesrepublik genau so einsch\u00e4tzen, wie sie es 2017 taten? Kessia<br \/>\n.<br \/>\nEnde Kommentare<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(2) G\u00f6tz Kubitschek Vor zehn Jahren starb Rolf Peter Sieferle<\/strong><br \/>\nDer Kulturphilosoph und \u00d6kologe Rolf Peter Sieferle geh\u00f6rt zu jenen Autoren, die sich ab einem bestimmten Punkt ihres Lebens in der N\u00e4he der Neuen Rechten aufhielten, ohne sich je zu ihr zu bekennen und einen streng wissenschaftlichen Standpunkt zu verlassen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nRolf Peter Sieferle geh\u00f6rt zur Alterskohorte der \u00bbAchtundsechziger\u00ab, dementsprechend waren seine fr\u00fchen Ver\u00f6ffentlichungen \u2013 insbesondere die bei Immanuel Geiss angefertigte Dissertation \u00fcber den Revolutionsbegriff bei Marx \u2013 von Denkgewohnheiten der Linken gepr\u00e4gt. Da\u00df diese ihm auf die Dauer nicht gen\u00fcgten, war aber bereits zu erkennen, als Sieferle in den achtziger Jahren begann, eine Reihe von B\u00fcchern zu ver\u00f6ffentlichen, die sich mit der Geschichte des menschlichen Naturverh\u00e4ltnisses befa\u00dften. Wer vermutete, da\u00df da jemand der \u00bbgr\u00fcnen\u00ab Mode folgte, sah sich nach der Lekt\u00fcre rasch korrigiert.<br \/>\nZwar ging es Sieferle auch darum, die vergessenen Vorl\u00e4ufer der modernen \u00d6kologiebewegung, die Maschinenst\u00fcrmer, Tier- und Heimatsch\u00fctzer (Fortschrittsfeinde?, 1984), wieder sichtbar zu machen. Wichtiger war ihm aber eine pr\u00e4zise Kl\u00e4rung der Art und Weise, in der der Mensch seine Umwelt aufgefa\u00dft hat, wie er seine eigene F\u00e4higkeit zur Naturerkenntnis, Naturbeherrschung und Naturzerst\u00f6rung einzusch\u00e4tzen lernte und welche zentrale Bedeutung die wissenschaftliche Interpretation der Natur seit dem 18. Jahrhundert auch f\u00fcr das Selbstbild und Selbstverst\u00e4ndnis von Homo sapiens gewann (Die Krise der menschlichen Natur, 1989).<\/p>\n<p>Konnte man an dieser Stelle schon eine Korrektur fr\u00fcherer Ansichten feststellen, galt das erst recht, als Sieferle unter dem Eindruck der Wende von 1989 ein Buch mit dem Titel Epochenwechsel (1994) ver\u00f6ffentlichte, dessen Argumentation in mancher Hinsicht an Oswald Spenglers Jahre der Entscheidung erinnerte. Sieferle entwickelt hier die These, da\u00df der Zusammenbruch des Kommunismus nicht auf Dauer zur globalen Durchsetzung eines neoliberalen Konzepts unter Dominanz des Westens f\u00fchren werde, sondern da\u00df \u00e4ltere Konfliktlinien wieder aufbrechen k\u00f6nnten, erg\u00e4nzt um neuartige Auseinandersetzungen wirtschaftlicher, aber auch ideologischer bzw. religi\u00f6ser Natur.<br \/>\nDa Epochenwechsel im Ullstein-Verlag unter der \u00c4gide Zitelmanns erschienen war, wurde Sieferle rasch mit der \u00bbNeuen Rechten\u00ab in Verbindung gebracht, obwohl er immer Distanz hielt und sich an den Auseinandersetzungen der fr\u00fchen neunziger Jahre nicht beteiligte. Da\u00df der gegen ihn gerichtete Verdacht einen gewissen rationalen Kern hatte, wurde allerdings deutlich an der folgenden Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber f\u00fcnf bedeutende Vertreter der Konservativen Revolution (1995), wobei der Akzent erkennbar auf den Vordenkern eines \u00bbpreu\u00dfischen Sozialismus\u00ab lag: Paul Lensch, Werner Sombart, Oswald Spengler, Hans Freyer und Ernst J\u00fcnger.<\/p>\n<p>Sieferles Behauptung, man habe es im Fall der KR nicht mit einer \u00bbGegenmoderne\u00ab, sondern mit einer \u00bbalternativen Moderne\u00ab zu tun, l\u00f6ste fast noch heftigere Reaktionen aus als die Ver\u00f6ffentlichung des Epochenwechsels. Infolgedessen hat er sich in der Folgezeit wieder ganz auf die wissenschaftliche Arbeit zur\u00fcckgezogen und vor allem im Rahmen der Breuninger-Stiftung (Stuttgart) eine ambitionierte Schriftenreihe zum \u00bbeurop\u00e4ischen Sonderweg\u00ab herausgegeben, die versucht, das, was Max Weber das \u00bbokzidentale Syndrom\u00ab nannte, durch einen besonders breiten Ansatz zu kl\u00e4ren.<br \/>\nSo bedauerlich man die Entscheidung zum R\u00fcckzug aus politischen Gr\u00fcnden finden mu\u00df, erlaubte sie Sieferle doch den Abschlu\u00df seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Er hatte sich bereits 1984 in Neuerer Geschichte habilitiert und 1991 eine au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Professur f\u00fcr dieses Fach an der Universit\u00e4t Mannheim \u00fcbernommen. Seit 2000 lehrt er an der Universit\u00e4t St. Gallen, aber erst seit 2005 als ordentlicher Professor f\u00fcr Allgemeine Geschichte.<br \/>\nSieferle nahm sich am 17. September 2016 in Heidelberg das Leben.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.9.2026 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/sezession.de\/71233\/vor-zehn-jahren-starb-rolf-peter-sieferle\">https:\/\/sezession.de\/71233\/vor-zehn-jahren-starb-rolf-peter-sieferle<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sezession.de\">https:\/\/www.sezession.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 17. September j\u00e4hrt sich der Todestag von Rolf Peter Sieferle zum zehnten Mal. Der 1949 in Stuttgart geborene Historiker war 2005 bis 2012 Geschichtsprofessor an der Universit\u00e4t St.Gallen\/CH. \u201eSieferle nahm sich am 17. 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