{"id":151484,"date":"2026-07-14T20:40:30","date_gmt":"2026-07-14T18:40:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=151484"},"modified":"2026-07-14T21:03:54","modified_gmt":"2026-07-14T19:03:54","slug":"rechts-metaphysisch-links","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/rechts-metaphysisch-links\/","title":{"rendered":"rechts metaphysisch &#8211; links"},"content":{"rendered":"<p>Immer h\u00e4ufiger liest man, die politischen Kategorien <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/rechts\/rechts-oder-links\/\">&#8222;rechts&#8220;<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/linke\/\">&#8222;links&#8220;<\/a> seien nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Davon halte ich wenig. Geschichte ist Realit\u00e4t, die sich weder ignorieren noch umdefinieren l\u00e4\u00dft. Ideenhistorisch ist &#8222;rechts&#8220; und &#8222;links&#8220; klar und die Unterscheidung l\u00e4\u00dft sich mit intellektuellem Gewinn <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/diskussion\/\">diskutieren<\/a>. Auch heute noch.<!--more--><br \/>\n.<br \/>\n1. Ausgangspunkt ist die Franz\u00f6sische Revolution, wo auf der rechten Seite die K\u00f6nigstreuen als Bewahrer von<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/religionsfreiheit\/\"> Religion<\/a> wie kultureller <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-kultur\/traditionen\/\">Tradition<\/a> und links gegen\u00fcber die progressiven Anh\u00e4nger der Revolution sitzen.<br \/>\n2. Im Zuge des von der linken &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/unseredemokratie\/\">UnsereDemokratie<\/a>&#8222;-Bewegung ausgerufenen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/kampf-gegen-rechts\/\">&#8222;Kampf gegen rechts&#8220;<\/a> wird &#8222;rechts&#8220; als Synonym zu <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/extremismus\/rechtsextremismus\/\">&#8222;rechtsextrem&#8220;<\/a> verwendet. Eine unsinnige Gleichsetzung, die wie der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/cdu\/brandmauer\/\">Brandmauer<\/a>-Begriff bald vergessen sein wird. Denn: \u201eWo links ist, da ist auch rechts\u201c &#8211; so der Literat <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/buchmesse-seitenwechsel-halle\/\">R\u00fcdiger Safranski<\/a>.<br \/>\n3. In der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/parlament\/parlamentarismus\/\">parlamentarischen<\/a> Diskussion gilt heute die Begriffsskala &#8222;linksextrem \u2013 linksradikal &#8211; links \u2013 politische Mitte \u2013 rechts \u2013 rechtsradikal &#8211; rechtsextrem&#8220;, wobei extrem als verfassungsfeindlich (Feind der Demokratie, der sie zerst\u00f6ren will) von radikal als noch verfassungskonform (Gegner der Demokratie, der diskutieren will) unterschieden wird.<br \/>\n4. Das Duo rechts-links wird durch <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/liberalismus\/\">liberal<\/a>-autorit\u00e4r zu einem begrifflichen Quartett erweitert. Dabei ist derzeit die Ausrichtung linksliberal derzeit weit verbreitet.<br \/>\n.<br \/>\nBei der Unterscheidung rechts-links spielt seit jeher die Frage nach Gott, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/spirituelle-luecke-christen-islam\/\">Transzendenz<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/religionsfreiheit\/\">Religion<\/a>, Dogma bzw. Metaphysik eine gro\u00dfe Rolle: Was jenseits der Physik liegt und naturwissenschaftlich nicht beweisbar ist, wird eher der politischen Rechten zugeschrieben. Der Theologe <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/naturrecht\/\">David Berger<\/a> gibt in seinem Beitrag (1) eine informative Einordnung:<br \/>\n<em>&#8222;Die eigentliche Trennlinie zwischen rechts und links l\u00e4sst sich heute am besten zwischen einem metaphysischen und einem materialistischen Verst\u00e4ndnis des Menschen markieren.&#8220;<\/em><br \/>\n.<br \/>\nBerger orientiert sich dabei an dem Historiker und Autor <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kirk-nachrufe-diskussion-gebet\/\">Marco Gallina<\/a> (2):<br \/>\n<em>&#8222;\u201eRechts\u201c bedeutet, dass dem Weltbild eine Ordnung vorausgeht. Nicht der Mensch selbst ist Urheber dieser Ordnung. Der Rechte denkt metaphysisch.<\/em><br \/>\n<em>\u201eLinks\u201c bedeutet, dass der Mensch selbst im Mittelpunkt steht und sich seine Ordnung demnach selbst schafft. Der Linke denkt materialistisch.&#8220;<\/em><br \/>\n14.7.2026<br \/>\n&#8211;<br \/>\nEnde von Betrag &#8222;rechts metaphysisch &#8211; links&#8220;<br \/>\n==============================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) und (2)<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(1) Was ist eigentlich der Unterschied zwischen rechts und links?<\/strong><br \/>\nvon Dr. David Berger<br \/>\nDie klassischen politischen Lagerbegriffe verlieren zunehmend ihre Aussagekraft, nachdem \u201erechts\u201c \u00fcber Jahre hinweg zum politischen Kampfbegriff geworden ist. Der eigentliche Gegensatz unserer Zeit verl\u00e4uft tiefer: zwischen einem christlich-metaphysischen Menschenbild, das von einer gegebenen menschlichen Natur ausgeht, und einem materialistischen Menschenbild, das den Menschen als formbares Produkt gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse versteht. Dieser Konflikt pr\u00e4gt die Debatten \u00fcber Familie, Migration, Gender, Religion und letztlich die Zukunft unserer Zivilisation.<br \/>\nDie im Titel gestellte Frage scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Tats\u00e4chlich ist sie heute schwerer zu beantworten als noch vor wenigen Jahrzehnten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Begriff \u201erechts\u201c im \u00f6ffentlichen Diskurs nahezu beliebig geworden ist. Sp\u00e4testens seit Angela Merkel den \u201eKampf gegen rechts\u201c zu einem zentralen politischen Projekt erhob, wurde das Wort zu einer Art politischem Universalvorwurf. Wer Masseneinwanderung kritisiert, die Familie verteidigt, nationale Interessen betont oder auf christliche Traditionen verweist, l\u00e4uft Gefahr, als \u201erechts\u201c etikettiert zu werden. Der Begriff hat dadurch einen gro\u00dfen Teil seiner analytischen Sch\u00e4rfe verloren.<br \/>\nWenn man dennoch sinnvoll von rechts und links sprechen will, sollte man deshalb weniger auf die weitgehend gleichgeschaltete Medienlandschaft, Parteien oder Wahlprogramme blicken als auf die ihnen zugrunde liegenden Menschenbilder. Der Publizist Marco Gallina<br \/>\n<a href=\"https:\/\/philosophia-perennis.com\/2026\/04\/25\/der-mann-hinter-don-camillo-war-ein-katholischer-stoerenfried\/\">https:\/\/philosophia-perennis.com\/2026\/04\/25\/der-mann-hinter-don-camillo-war-ein-katholischer-stoerenfried\/<\/a> hat daf\u00fcr eine bemerkenswerte Formel vorgeschlagen: Die eigentliche Trennlinie zwischen rechts und links l\u00e4sst sich heute am besten zwischen einem metaphysischen und einem materialistischen Verst\u00e4ndnis des Menschen markieren.<br \/>\nDie Rechte geht \u2013 wie zuvor die gesamte philosophia perennis davon aus, dass der Mensch eine Natur besitzt. Die vom dialektischen Materialismus gepr\u00e4gte Linke betrachtet ihn vor allem als Produkt seiner Verh\u00e4ltnisse. Damit ber\u00fchren wir die eigentliche Grundfrage aller Politik: Was ist der Mensch?<br \/>\nDenn hinter nahezu allen Konflikten unserer Zeit \u2013 \u00fcber Migration, Familie, Geschlechteridentit\u00e4t, Religion, Bildung oder Nation \u2013 stehen unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Politik ist niemals blo\u00df die Verwaltung von Interessen. Sie beruht immer auf bestimmten Vorstellungen dar\u00fcber, was den Menschen ausmacht, welche Grenzen ihm gesetzt sind und welche Ordnung seinem Wesen entspricht.<\/p>\n<p>Das rechte Menschenbild: Der Mensch hat eine Natur<br \/>\nDas rechte Menschenbild beginnt mit einer Einsicht, die heute fast revolution\u00e4r wirkt: Der Mensch erschafft sich nicht selbst. Er findet sich vielmehr in einer Wirklichkeit vor, die ihm vorausliegt. Er wird als Mann oder Frau geboren, als Mitglied einer Familie, einer Kultur, einer geschichtlichen Gemeinschaft. Seine Freiheit besteht deshalb nicht darin, alle Bindungen abzusch\u00fctteln, sondern darin, verantwortlich mit ihnen umzugehen.<br \/>\nDiese Sichtweise pr\u00e4gt die gesamte Tradition der philosophia perennis von Aristoteles \u00fcber Thomas von Aquin bis hin zu Edmund Burke und zur katholischen Soziallehre. Sie geht davon aus, dass es objektive Wahrheiten \u00fcber den Menschen gibt, die nicht durch Mehrheiten, Ideologien oder individuelle W\u00fcnsche aufgehoben werden k\u00f6nnen.<br \/>\nPapst Johannes Paul II. formulierte diesen Gedanken in seiner Enzyklika Veritatis Splendor mit bemerkenswerter Klarheit: \u201eDie Freiheit erschafft nicht die Werte, sondern entdeckt sie und erkennt sie an.\u201c<\/p>\n<p>Der Mensch steht also nicht am Ursprung der Wahrheit. Er findet Wahrheit vor. Aus dieser Sicht sind Familie, Ehe, Religion, Nation oder kulturelle Traditionen keine beliebigen Konstruktionen. Sie sind Antworten auf die Wirklichkeit menschlicher Existenz. Das rechte Menschenbild betrachtet Tradition deshalb nicht als Last, sondern als die verdichtete Erfahrung vieler Generationen.<br \/>\nZugleich wei\u00df es um die Ambivalenz des Menschen. Es kennt seine F\u00e4higkeit zum Guten, aber ebenso seine auch erbs\u00fcndlich bedingte Neigung zu Irrtum, Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und moralischem Versagen. Gerade deshalb begegnet es politischen Heilslehren mit Skepsis. Es misstraut allen Versuchen, durch gesellschaftliche Gro\u00dfexperimente einen \u201eneuen Menschen\u201c schaffen zu wollen. Denn die Geschichte lehrt, dass der Mensch zwar verbessert werden kann, aber niemals vollkommen wird. Jede politische Bewegung, die dies vergisst, ger\u00e4t fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in Versuchung, ihre Utopie gegen die Wirklichkeit durchzusetzen.<\/p>\n<p>Das linke Menschenbild: Der Mensch ist vor allem Produkt seiner Verh\u00e4ltnisse<br \/>\nDas linke Menschenbild setzt an einem anderen Punkt an. Es ist durch und durch vom Elend des seit dem 19. Jahrhundert fr\u00f6hlich Urst\u00e4nd feiernden philosophischen Materialismus abh\u00e4ngig. Nicht mehr die Frage nach dem Wesen des Menschen steht im Mittelpunkt, sondern die Frage nach seinen Lebensbedingungen. Der Mensch erscheint vor allem als Ergebnis sozialer, \u00f6konomischer und kultureller Einfl\u00fcsse.<br \/>\nSeine klassische Formulierung fand dieses Denken bei Karl Marx. Dessen historischer Materialismus betrachtet Bewusstsein, Moral und Kultur letztlich als Folge materieller Verh\u00e4ltnisse. Ungleichheiten sind nicht von \u201eNatur\u201c ausgegeben, sondern erscheinen prim\u00e4r als Ergebnis gesellschaftlicher Strukturen. Ver\u00e4ndert man Eigentumsverh\u00e4ltnisse, Bildungschancen oder Machtstrukturen, so die Grundannahme, ver\u00e4ndert sich auch der Mensch.<br \/>\nDie geistigen Wurzeln dieses Denkens reichen allerdings noch weiter zur\u00fcck als bis zu Marx. Bereits Jean-Jacques Rousseau formulierte in seinem 1762 erschienenen Erziehungsroman \u00c9mile oder \u00dcber die Erziehung eine Vorstellung vom Menschen, die bis heute gro\u00dfe Teile des links-liberalen Denkens pr\u00e4gt. Ihre Grundannahme lautet vereinfacht: Der Mensch ist von Natur aus gut; erst die Gesellschaft verdirbt ihn. Das B\u00f6se liegt demnach nicht im Menschen selbst, sondern in den \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnissen.<br \/>\nDiese Sichtweise wirkt auf den ersten Blick human und optimistisch. Tats\u00e4chlich enth\u00e4lt sie jedoch eine folgenschwere anthropologische Verk\u00fcrzung. Denn wer den Menschen grunds\u00e4tzlich f\u00fcr gut h\u00e4lt, wird die Ursachen von Gewalt, Ungerechtigkeit oder moralischem Versagen stets au\u00dferhalb des Menschen suchen: in gesellschaftlichen Strukturen, Machtverh\u00e4ltnissen, kulturellen Pr\u00e4gungen oder wirtschaftlichen Bedingungen. Die Verantwortung des einzelnen Menschen tritt dabei zunehmend in den Hintergrund.<br \/>\nKarl Marx radikalisierte diese Denkfigur sp\u00e4ter durch seine Lehre von \u201eBasis und \u00dcberbau\u201c. Nach seiner Auffassung bestimmen die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse als gesellschaftliche Basis letztlich Bewusstsein, Moral, Religion und Kultur. Was Menschen denken, glauben und f\u00fcr wahr halten, erscheint damit weitgehend als Produkt ihrer materiellen Lebensbedingungen. Die Hoffnung lag folglich darin, durch die Ver\u00e4nderung der Produktionsverh\u00e4ltnisse auch den Menschen selbst zu ver\u00e4ndern.<br \/>\nDie Geschichte des 20. Jahrhunderts hat diese Hoffnung jedoch in jedem praktischen Experiment widerlegt. Dennoch besitzt die zugrunde liegende Idee eine erstaunliche Widerstandskraft. Wo sozialistische Systeme scheiterten, lautet die Antwort bis heute h\u00e4ufig, es habe sich eben nicht um den \u201erichtigen Sozialismus\u201c gehandelt. Seit den Studentenrevolten der sechziger Jahre richtet sich der Protest daher immer wieder gegen das vermeintliche \u201eSystem\u201c, das als eigentliche Quelle aller Missst\u00e4nde gilt. Die alte Sehnsucht Rousseaus lebt fort: die Vorstellung eines urspr\u00fcnglich guten Menschen, der nur durch falsche gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse verdorben worden sei. Seit mehr als zweihundertf\u00fcnfzig Jahren versucht man daher, das System zu ver\u00e4ndern, um den Menschen zu erl\u00f6sen \u2013 und tr\u00e4umt vom verlorenen Paradies eines unschuldigen Naturzustandes.<br \/>\nNiemand wird bestreiten, dass soziale Umst\u00e4nde den Menschen pr\u00e4gen. Problematisch wird diese Sicht jedoch dort, wo sie den Primat der unver\u00e4nderlichen menschliche Natur aus dem Blick verliert oder sogar leugnet. Denn wenn Familie, Geschlecht, Nation, Religion oder Moral lediglich historische Konstruktionen sind, dann gibt es keinen prinzipiellen Grund mehr, warum sie nicht beliebig ver\u00e4ndert werden sollten. Aus der richtigen Erkenntnis, dass der Mensch beeinflusst wird, entsteht dann die \u00dcberzeugung, der Mensch sei vollst\u00e4ndig formbar.<br \/>\nHier liegt die eigentliche Schw\u00e4che des linken Menschenbildes. Es neigt dazu, die Wirklichkeit des Menschen einer h\u00f6chst volatilen, unter die W\u00fcrde des Menschen verfehlenden Idee vom Menschen unterzuordnen. Was den politischen Zielen widerspricht, wird nicht mehr als Ausdruck menschlicher Natur verstanden, sondern als Folge falscher gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse. Auf diese Weise entsteht eine permanente Versuchung zur sozialen und kulturellen Umerziehung sowie ein Relativismus, der am Ende in den alles zerst\u00f6renden Nihilismus m\u00fcnden muss.<\/p>\n<p>Vom Marxismus zur Gender-Ideologie<br \/>\nDie Geschichte der Moderne liefert zahlreiche Beispiele f\u00fcr diese Denkweise. Der Marxismus wollte durch die Ver\u00e4nderung der Eigentumsverh\u00e4ltnisse einen neuen sozialistischen Menschen hervorbringen. Wo man ihm den Himmel auf Erden versprach, schuf man eine H\u00f6lle. Die Kulturrevolutionen der sechziger Jahre versuchten dasselbe durch die Befreiung von traditionellen Normen, Autorit\u00e4ten und Institutionen.<br \/>\nHeute zeigt sich dieselbe Logik der Gender- und Queer-Ideologie. Dort werden selbst biologische Tatsachen als soziale Konstruktionen interpretiert. Die Frage lautet nicht mehr, was der Mensch ist, sondern was er sein m\u00f6chte bzw. realistischer gesagt, was die alles beherrschende \u201eGesellschaft\u201c m\u00f6chte, dass er ist.<br \/>\nDas Geschlecht wird von der biologischen Wirklichkeit gel\u00f6st und zu einem Akt individueller Selbstdefinition erkl\u00e4rt. Dass diese angebliche Selbstfindung an Kinder und Jugendlichen von verantwortungslosen und geldgierigen Psychologen und \u00c4rzten dominiert wird, haben Skandale wie die um die britische Tavistock-Klinik zeigend das auf ersch\u00fctternde Weise. auf Was \u00fcber Jahrtausende hinweg als anthropologische Selbstverst\u00e4ndlichkeit galt, erscheint pl\u00f6tzlich als blo\u00dfe kulturelle Zuschreibung.<br \/>\nDie gemeinsame Voraussetzung all dieser Ans\u00e4tze besteht in der \u00dcberzeugung, dass die menschliche Natur entweder bedeutungslos oder unbegrenzt ver\u00e4nderbares Material sei. Die Queer- und Gender-Ideologie stellt deshalb keinen Betriebsunfall des linken Denkens dar. Sie ist vielmehr dessen konsequente Weiterentwicklung. Was einst mit der Dekonstruktion von Eigentum und gesellschaftlichen Hierarchien begann, endet bei der Dekonstruktion des Menschen selbst. Diese Tatsache, macht auch die scharfe Kritik der linken Politikerin Sahra Wagenknecht an dem, was sie selbst h\u00e4ufig als \u201eIdentit\u00e4tspolitik\u201c, \u201eWokeness\u201c oder \u201eGender-Ideologie\u201c bezeichnet, unglaubw\u00fcrdig bzw. widerspr\u00fcchlich.<\/p>\n<p>Die christliche Anthropologie als Fundament<br \/>\nGenau an diesem Punkt wird deutlich, warum die christliche Anthropologie dem rechten Menschenbild n\u00e4hersteht als dem linken. Die Kirche lehrt, dass der Mensch Gesch\u00f6pf Gottes ist und eine unver\u00e4u\u00dferliche W\u00fcrde besitzt. Diese W\u00fcrde beruht nicht auf Leistung, Herkunft, Hautfarbe oder gesellschaftlicher Anerkennung, sondern auf seiner Gottesebenbildlichkeit.<br \/>\nDer Mensch ist weder blo\u00dfes Produkt seiner Umwelt noch von Natur aus vollkommen gut. Das Christentum kennt die Realit\u00e4t der Erbs\u00fcnde ebenso wie die Gr\u00f6\u00dfe der menschlichen Berufung. Papst Pius XII. warnte daher vor Ideologien, die ihre Hoffnung ausschlie\u00dflich auf gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen setzen. Ber\u00fchmt wurde seine Feststellung: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnde des Jahrhunderts ist der Verlust des S\u00fcndenbewusstseins.\u201c<br \/>\nHinter diesem Satz steht eine tiefe anthropologische Einsicht. Wer die Gebrochenheit des Menschen vergisst, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter versuchen, politische Erl\u00f6sungsmodelle an die Stelle der Religion zu setzen. Die gro\u00dfen Ideologien der Moderne haben genau dies getan. Sie versprachen eine neue Gesellschaft, einen neuen Menschen und schlie\u00dflich eine neue Welt. Was sie hervorbrachten, waren oft Unterdr\u00fcckung, Gewalt und Entt\u00e4uschung. Der kolumbianische Philosoph Nicol\u00e1s G\u00f3mez D\u00e1vila hat diesen Zusammenhang in einem seiner ber\u00fchmten Aphorismen auf den Punkt gebracht: \u201eDer moderne Mensch glaubt nicht, dass er gefallen ist; deshalb glaubt er, dass er sich retten kann.\u201c<br \/>\nVielleicht wurde die Krise der Moderne niemals pr\u00e4ziser beschrieben als in diesem einen Satz. Wo die Vorstellung des gefallenen Menschen verschwindet, entsteht fast zwangsl\u00e4ufig die Illusion, der Mensch k\u00f6nne sich durch Politik, Wissenschaft oder Technik selbst erl\u00f6sen. Dass einige katholische Bisch\u00f6fe in ihrem Appeasement-Wahn gegen\u00fcber einer linksgr\u00fcnen Politik sich dem bizarren \u201eKampf gegen rechts\u201c angeschlossen haben und nicht mehr gegen das B\u00f6se, sondern gegen die AfD k\u00e4mpfen, zeigt wie weit sie sich vom katholischen Denken zugunsten der Gleichschaltung ihres Kirchensteuervereins entfernt haben.<\/p>\n<p>Vom linken Menschenbild zum Transhumanismus<br \/>\nDie langfristige Konsequenz dieses Denkens zeigt sich heute nirgendwo deutlicher als im Transhumanismus. Der Transhumanismus geht davon aus, dass der Mensch seine biologischen Grenzen durch Technologie \u00fcberwinden k\u00f6nne. Genetische Manipulationen, k\u00fcnstliche Intelligenz, Neuroimplantate oder biotechnologische Optimierungen sollen ihn leistungsf\u00e4higer, intelligenter und letztlich besser machen.<br \/>\nAuf den ersten Blick scheint dies wenig mit Marx oder den klassischen linken Theorien zu tun zu haben. Tats\u00e4chlich verbindet beide jedoch dieselbe anthropologische Grundannahme: Der Mensch besitzt keine feste Natur, sondern ist ein Projekt. Der Weg vom historischen Materialismus zum Transhumanismus ist daher k\u00fcrzer, als es zun\u00e4chst erscheint. In beiden F\u00e4llen wird der Mensch nicht als Wesen verstanden, das eine vorgegebene Natur besitzt, sondern als Material f\u00fcr Ver\u00e4nderung.<br \/>\nDie Mittel haben sich ge\u00e4ndert. Die Idee ist dieselbe geblieben. War das Ziel fr\u00fcher die Schaffung des \u201eneuen sozialistischen Menschen\u201c, so tritt heute die Vision eines technologisch optimierten Menschen an seine Stelle. Die politische Utopie hat ihre Sprache gewechselt und spricht nun den Dialekt der Technik. Genau darin liegt ihre Gefahr. Denn wer den Menschen nur noch als gestaltbares Material betrachtet, verliert den Blick f\u00fcr seine W\u00fcrde und seine Grenzen. Aus dem Gesch\u00f6pf wird ein Produkt. Aus der Person wird ein Projekt. Aus der Annahme der menschlichen Natur wird ihre permanente \u00dcberarbeitung. Der Transhumanismus erscheint deshalb nicht als Gegenentwurf zum linken Menschenbild, sondern als dessen konsequenteste Vollendung.<\/p>\n<p>Der eigentliche Kulturkampf unserer Zeit<br \/>\nViele der heutigen Konflikte \u00fcber Migration, Familie, Geschlechteridentit\u00e4t, Nation, Religion oder Bildung sind letztlich Ausdruck dieses tieferen Gegensatzes.<br \/>\nDas rechte Menschenbild fragt zuerst nach Wahrheit, Natur, Verantwortung und gewachsener Ordnung.<br \/>\nDas linke Menschenbild fragt zuerst nach Gleichheit, Befreiung, Ver\u00e4nderung und gesellschaftlichen Bedingungen.<br \/>\nGewiss enthalten beide Perspektiven Teilwahrheiten. Niemand bestreitet, dass soziale Verh\u00e4ltnisse den Menschen beeinflussen. Doch nur das metaphysische Menschenbild bewahrt die Einsicht, dass Freiheit ohne Wahrheit, Gleichheit ohne Natur und Fortschritt ohne Ma\u00dfstab am Ende ihre eigene Grundlage zerst\u00f6ren. Wo die Vorstellung einer objektiven menschlichen Natur verloren geht, gibt es auch keine Grundlage objektiver Moral mehr, keine die Rechte jedes Menschen wahrendes und sch\u00fctzendes Naturrecht mehr. Wahrheit wird durch \u201eWahrheitssysteme\u201c (so beim CDU-Politiker Michael Kretschmer) bzw. Perspektiven ersetzt, Natur durch Konstruktion und Wirklichkeit durch subjektive Selbstdefinition.<br \/>\nDie Folge ist ein Relativismus, der keinen festen Ma\u00dfstab mehr kennt und in seiner radikalsten Form in Nihilismus umschl\u00e4gt. Der eigentliche Kulturkampf unserer Zeit verl\u00e4uft deshalb nicht zwischen Parteien oder Wahlprogrammen. Er verl\u00e4uft zwischen zwei konkurrierenden Vorstellungen vom Menschen. Zwischen der \u00dcberzeugung, dass der Mensch eine von Gott gegebene Natur besitzt, und der Vorstellung, dass er sich selbst immer wieder neu erschaffen, sich den \u201eHimmel auf Erden\u201c erschaffen kann. Und er sei an Karl Popper erinnert: \u201eDer Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die H\u00f6lle.\u201c<br \/>\n&#8230; Alles vom 2.7.2026 von David Berger bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/philosophia-perennis.com\/2026\/07\/02\/rechtes-und-linkes-menschenbild-der-eigentliche-konflikt-unserer-zeit\/\">https:\/\/philosophia-perennis.com\/2026\/07\/02\/rechtes-und-linkes-menschenbild-der-eigentliche-konflikt-unserer-zeit\/<\/a><\/p>\n<p><em>David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch &#8222;Der heilige Schein&#8220;. Anschlie\u00dfend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. f\u00fcr die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).<\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/philosophia-perennis.de\">https:\/\/philosophia-perennis.de<\/a><\/em><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(2) Rechts und Links \u2013 eine metaphysische Unterscheidung<br \/>\n<\/strong>von Marco Gallina<br \/>\nDavid Berger hat vor kurzem eine Darstellung dessen geschrieben, was rechts, was links ist. Ich bin dabei nicht ganz unverantwortlich. In der Fragerunde nach dem Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus kam es angesichts der politischen Einordnungen zu der unausweichlichen Frage, ob denn die Begriffe \u201elinks\u201c und \u201erechts\u201c \u00fcberhaupt noch eine Bedeutung h\u00e4tten, ob es demnach sinnvoll sei, in diese Kategorien einzuteilen.<br \/>\nIch halte pers\u00f6nlich wenig davon, diese Muster aufzul\u00f6sen, nicht so sehr, weil ich verneinen m\u00f6chte, dass es zu Erosionen bei diesen Definitionen gekommen ist \u2013 das ist tats\u00e4chlich der Fall \u2013, sondern vielmehr, weil f\u00fcr mich ideenhistorisch sehr klare Muster erkennbar sind, was historisch \u201erechts\u201c und was historisch \u201elinks\u201c ist. Diese Definition ist freilich keine allgemeing\u00fcltige. Ich halte sie aber f\u00fcr die konsequenteste, weil sie auch nach den Wirren des 19. und 20. und wom\u00f6glich auch 21. Jahrhunderts Bestand haben wird. F\u00fcr manche ist sie \u00fcberraschend; f\u00fcr das Publikum der Bibliothek des Konservatismus war sie sofort nachvollziehbar.<\/p>\n<p>\u201eRechts\u201c bedeutet, dass dem Weltbild eine Ordnung vorausgeht. Nicht der Mensch selbst ist Urheber dieser Ordnung. Der Rechte denkt metaphysisch.<br \/>\n\u201eLinks\u201c bedeutet, dass der Mensch selbst im Mittelpunkt steht und sich seine Ordnung demnach selbst schafft. Der Linke denkt materialistisch.<\/p>\n<p>Zwangsl\u00e4ufig sind Begriffe wie Ordnung, Tradition, Kontinuit\u00e4t und auch Familie an ersteren gebunden. Ja, auch das Provokationsw\u00f6rtchen \u201eGott\u201c. Daher kommt auch eher das realistisch-praktische Denken als \u201eUmsetzer\u201c dieser Ordnung. Auch das Menschenbild l\u00e4uft auf Adenauers Diktum hinaus: Man muss die Menschen nehmen wie sie sind \u2013 es gibt keine anderen.<br \/>\nDa der Linke sich eine Ordnung schaffen muss, ist er eher theoretisch orientiert \u2013 er muss sich seine Ordnung selbst \u00fcberlegen, denn Ordnung ist etwas \u201eMenschengemachtes\u201c. Fortschritt, Positivismus und Existenzialismus gedeihen dort, wo der Mensch sich in den Mittelpunkt r\u00fcckt, gleichzeitig aber formbar ist. Der \u201eneue Mensch\u201c ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Im Grunde gibt es daher zum Beitrag von David Berger nicht viel hinzuzuf\u00fcgen. Ich m\u00f6chte es bei Hintergr\u00fcnden und Erg\u00e4nzungen belassen.<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt, geht dieser Einteilung eine historische voraus. Wenn wir zur\u00fcck zur Wurzel der Begriffe \u201erechts\u201c und \u201elinks\u201c gehen, kommen wir zur Franz\u00f6sischen Revolution. Auf der rechten Seite sitzen die Royalisten, die Bewahrer der Tradition und des Glaubens; auf der linken die progressiven Revolution\u00e4re. Wenn man also vom Ursprung zur\u00fcckdenkt, sind die Linien zwangsl\u00e4ufig. Die urspr\u00fcngliche Rechte geht auch nicht unter. Ihr Denken findet sich bei Maistre, Metternich und Donoso Cort\u00e9s wieder. Diese Rechte war \u2013 anders als die Rechte des 20. Jahrhunderts \u2013 auch anti-national und wirtschaftlich sozial. Den patriotischen und wirtschaftsliberalen Impuls finden wir bei den laizistischen Nationalliberalen.<\/p>\n<p>Ich habe diese Kategorie im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch h\u00e4ufiger als \u201ewei\u00dfe Rechte\u201c bezeichnet, da Wei\u00df die christlich-monarchistische Farbe ist und somit in vielen L\u00e4ndern mit dem Ancien R\u00e9gime verbunden ist. Die m\u00fc\u00dfige Frage, ob denn die Faschisten und Nationalsozialisten Rechte waren, ist deswegen so alt wie unerheblich, weil beide Bewegungen Sammlungsbewegungen waren. Dass die Spannungen zwischen Mussolini und der K\u00f6nigspartei letztendlich zum Auseinanderbrechen Italiens im Jahr 1943 in einen faschistischen Norden und einen monarchistischen S\u00fcden f\u00fchrten, zeigt, dass die \u201ewei\u00dfe Rechte\u201c auch hier \u00fcberlebte. Giovannino Guareschi, der sich bei der Wahl zwischen Kriegsgefangenschaft und Kollaboration mit den Nationalsozialisten entscheiden musste, geh\u00f6rte als Monarchist zu eben dieser \u201ewei\u00dfen Rechten\u201c.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich aber noch einen weiteren Punkt hinzuf\u00fcgen, der das Problem bez\u00fcglich der Einordnung der rechtsextremen Erscheinungen des 20. Jahrhunderts erleichtert. Bei Guardini finden wir die \u00dcberlegung, dass die Revolution \u2013 ob nun die Franz\u00f6sische oder Russische \u2013 nach \u201eFreiheit\u201c strebt. Aber welche Freiheit? W\u00e4hrend die Revolution sich angeblich der popul\u00e4ren Formel einer b\u00fcrgerlichen Freiheit verschreibt, will sie in Wirklichkeit etwas anderes. Sie will die Freiheit \u201evon\u201c Gott. Denn auch schon der Franz\u00f6sischen Revolution lag die Idee eines neuen Menschen zugrunde. Nicht der Liberalismus, sondern der Atheismus ist \u201eBewegerin\u201c der Moderne.<\/p>\n<p>Dieses Konzept hat Del Noce wiederum ausgef\u00fchrt. Der marxistische Materialismus hat das 19. Jahrhundert und das 20. Jahrhundert gepr\u00e4gt; das 20. Jahrhundert setzt praktisch um, was das 19. Jahrhundert gedacht hat. Nicht die \u00f6konomische Theorie, sondern der Atheismus, auch im Gewand des historischen Materialismus, ist die Triebfeder modernen Denkens. Erst wenn der Mensch seiner Gottmenschlichkeit entkleidet ist, wird er auch wirklich formbar, wird die Gesellschaft formbar. Der Staat kann erst Gott werden, wenn es keine h\u00f6here Autorit\u00e4t mehr gibt. Menschenrechte ergeben sich aus der Menschenw\u00fcrde, die allerdings nur von einer h\u00f6heren, metaphysischen Instanz herr\u00fchren kann. Die \u201eErmordung\u201c Gottes ist also die eigentliche Konsequenz zur Durchsetzung der marxistischen Idee.<br \/>\nDass in dem Moment, da Gott tot ist, \u201ealles erlaubt\u201c sei, ist auch bei Nietzsche kein unbekannter Gedanke. Die Rezeption von Marx wie Nietzsche schl\u00e4gt sich im italienischen Faschismus nieder. \u00dcbrigens nicht nur da. Die gesamte erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts sieht eine Auferstehung des Prometheus-Kultes, bis tief hinein in die Kunst. Prometheus als Titan ist weder Gott noch Mensch, aber eben jener, der den G\u00f6ttern das Feuer stiehlt und den Menschen bringt. In diese Zeit f\u00e4llt auch die \u201etitanische\u201c \u00dcberh\u00f6hung mancher Nationalhelden und -k\u00fcnstler. Im Art Deco des kapitalistischen Amerika ist Prometheus ebenfalls prominent belegt. Die Sehnsucht nach dem \u201eneuen Menschen\u201c pr\u00e4gt den damaligen Zeitgeist.<br \/>\nEs ist also weniger wichtig, dass Faschismus und Nationalsozialismus \u201erechts\u201c oder \u201elinks\u201c sind; sie sind vor allem s\u00e4kular bis atheistisch und treten damit nicht als reaktion\u00e4re, sondern als moderne Ideologien auf, die eine Antwortm\u00f6glichkeit als vermeintlichen \u201eDritten Weg\u201c darstellen. In Wirklichkeit sind sie nur die andere Seite der modernen Medaille. Diese atheistische Entwicklung ist \u00fcberdies auch nicht mit dem Untergang des Dritten Reiches oder der Sowjetunion abgeschlossen. Der Marxismus ist vielleicht nur noch oberfl\u00e4chlich vorhanden; aber seine atheistische Wurzel hat sich tief in die b\u00fcrgerliche Gesellschaft gegraben.<br \/>\nDel Noce sagt die Etablierung eines Regimes der Bourgeoisie voraus, das zwar die marxistische Idee etabliert hat, aber aufgrund des Verlusts der marxistischen \u201eTheologie\u201c auf eine Gesellschaft des Relativismus zur\u00fcckgeworfen wird \u2013 denn der Marxismus hat gelehrt, dass es keine \u201eabsoluten Werte\u201c gibt. Dieses Schlagwort pr\u00e4gt auch den heutigen Westen. Dieses neue Regime \u00fcbernimmt alle metaphysischen Negierungen, die Marx gelehrt hat, ohne aber diese L\u00fccken f\u00fcllen zu k\u00f6nnen oder zu wollen \u2013 denn auch die marxistischen Ideale werden konsequenterweise negiert. Die \u201erelativistische Wohlstandsgesellschaft\u201c ist laut Del Noce intrinsisch totalit\u00e4r und anti-traditionell. Sie behauptet weiterhin \u201edemokratisch\u201c zu sein, reagiert aber empfindlich auf jedwede metaphysische Formel, die ihr Ger\u00fcst ins Wanken bringen k\u00f6nnte. Insofern ist das \u201eLinke\u201c im heutigen Deutschland selbst bis weit hinein in vermeintlich \u201erechte\u201c Kreise weit verbreitet.<br \/>\n&#8230;Alles vom 10. Juli 2026 von Marco Gallina bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.marcogallina.de\/2026\/07\/10\/rechts-und-links-eine-metaphysische-unterscheidung\/\">https:\/\/www.marcogallina.de\/2026\/07\/10\/rechts-und-links-eine-metaphysische-unterscheidung\/<\/a><br \/>\n.<\/p>\n<p>Marco Gallina: Von Guareschi bis Meloni \u2013 Die italienische Rechte seit 1945 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Iziqf3dF520\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Iziqf3dF520<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Marco Fausto Gallina (*1986), in Italien geboren, im Rheinland sozialisiert, hat in Verona und Bonn Geschichts- und Politikwissenschaften mit Schwerpunkten auf Internationale Beziehungen, Diplomatiegeschichte und europ\u00e4ischer Geschichte studiert. Danach war er bis 2021 Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort spezialisierte er sich auf Themen zur Au\u00dfen-, Sicherheits- und Energiepolitik.<\/em><br \/>\n<em>Seit 2014 publizistisch aktiv, schrieb er ab 2019 insbesondere f\u00fcr die katholische Wochenzeitung Tagespost. Nach Ablauf der Legislaturperiode war er von 2021 bis 2025 Redakteur bei Tichys Einblick.<\/em><br \/>\n<em>Seit 2025 arbeitet er f\u00fcr die Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) <a href=\"https:\/\/csi-de.de\/\">https:\/\/csi-de.de\/<\/a> .<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer h\u00e4ufiger liest man, die politischen Kategorien &#8222;rechts&#8220; und &#8222;links&#8220; seien nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Davon halte ich wenig. Geschichte ist Realit\u00e4t, die sich weder ignorieren noch umdefinieren l\u00e4\u00dft. 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