{"id":144412,"date":"2026-01-18T18:15:28","date_gmt":"2026-01-18T17:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=144412"},"modified":"2026-01-19T12:15:31","modified_gmt":"2026-01-19T11:15:31","slug":"der-staat-als-mietkostentreiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/der-staat-als-mietkostentreiber\/","title":{"rendered":"Der Staat als Mietkostentreiber"},"content":{"rendered":"<p>Herr K. (74), alleinstehend, wohnt seit 40 Jahren in einer 2ZKB mit 56 qm f\u00fcr 460 Euro kalt. Bei einer Nettorente von 1090 Euro (nach 39-j\u00e4hriger Berufst\u00e4tigkeit als kaufm. Angestellter) geht das gerade noch. Nach einer energetischen Modernisierungsma\u00dfnahme des Miethauses steigt die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/miete\/\">Kaltmiete<\/a> um 280 Euro auf 740 Euro kalt, <!--more-->die er nicht bezahlen kann.<br \/>\nNach vergeblicher Suche und aufregendem Gerichtsprozess mu\u00df er ausziehen in eine st\u00e4dtische Sammelunterkunft mit Einzelzimmer, Gemeinschaftsk\u00fcche und -bad sowie st\u00e4ndig wechselnden Mitbewohnern. Herr K. ist verbittert und d\u00fcrfte vermutlich nicht mehr wie bislang <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/cduspdgruene\/\">CDUCSUSPDGr\u00fcneFDPLinke<\/a> w\u00e4hlen.<br \/>\n.<br \/>\nHerr K. ist kein tragisches Einzelschicksal, kein <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/justiz\/einzelfall\/\">Einzelfall<\/a>, sondern gewollte Normalit\u00e4t f\u00fcr zigtausende von langj\u00e4hrigen Mietern. Einerseits ist energetische Sanierung hoch anerkanntes Ziel: Einsparung von Energie und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/klima\/co2\/\">CO2<\/a>, Klimafreundlichkeit, vorbildhafte Weltrettung. Andererseits jedoch z\u00e4hlen Lebensleistung, Dauer der Berufst\u00e4tigkeit und Alter der aus ihren Wohnungen verdr\u00e4ngten Mieter offenbar nicht so sehr.<\/p>\n<p>Der Beitrag in (1) ber\u00fchrt, aber er endet, ohne die Fragen nach den Gr\u00fcnden der extrem angespannten Wohnsituation wenigstens zu stellen: Die Nachfrage nach Wohnungen steigt prim\u00e4r durch die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migrationspolitik\/\">Migration<\/a>. Gleichzeitig nimmt das Angebot an <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/wohnen\/wohnungsbau\/\">Neubauwohnungen<\/a> ab aufgrund von Hemmnissen, die im wesentlichen die Politik zu verantworten hat. Fragen \u00fcber Fragen:<br \/>\n&#8211; Laut Wohn-Monitor 1\/2026 <em><strong>fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen<\/strong><\/em>. Pro Jahr werden in Zukunft nur ca 200.000 Wohnungen neu gebaut. Der Fehlbestand wird sich dank der Wohnungspolitik der Regierung also erh\u00f6hen<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/sozialer-wohnungsbau-126.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/sozialer-wohnungsbau-126.html<\/a>. Warum wird kein Druck auf die Berliner Politik ausge\u00fcbt?<\/p>\n<p>&#8211; Der soziale Wohnungsbau (Ende 2024 gab es noch ca eine Million <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/wohnen\/sozialwohnung\/\">Sozialwohnungen<\/a>) ist seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig. Warum werden an Investoren keine Anreize geschaffen?<\/p>\n<p>&#8211; Warum wurden in 2025 von den avisierten 400.000 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/wohnen\/wohnungsbau\/\">Wohnungen<\/a> nur ca 235.000 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handwerk\/holzbau\/\">neu gebaut<\/a>?<\/p>\n<p>&#8211; Ungef\u00e4hr 35 % der Neubaukosten einer Wohnung entfallen auf Zahlungen an den Staat (Steuer, Baugenehmigung, Vorschriften usw.). Warum verteuern Staat wie EU den Wohnungsbau immer weiter?<\/p>\n<p>&#8211; Nach wie vor kommen \u00fcber immer noch <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/kontrollierte-grenzen\/\">unkontrollierte Grenzen<\/a> weiterhin Migranten ins Land. Im Jahr 2025 waren es \u00fcber 300.000 Menschen: Je ein Drittel aus der Ukraine, \u00fcber unerlaubte Einreise mit anschlie\u00dfendem <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/asyl\/asylrecht\/\">Asylantrag<\/a> sowie \u00fcber den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/familiennachzug\/\">Familiennachzug<\/a>. Warum stellt der Staat f\u00fcr diese Menschen keinen zus\u00e4tzlichen Wohnraum bereit, sondern setzt auf Verdr\u00e4ngung mit all den bekannten gesellschaftlichen Problemen?<\/p>\n<p>&#8211; Warum agiert die staatliche Wohnpolitik seit sp\u00e4testens <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/budapest-dublin2015\/\">Budapest 9\/2015<\/a> als der gro\u00dfe Mietentreiber? In die Wohnung von Herrn K. (siehe (1)) zieht ein kinderloses verbeamtetes Lehrerehepaar ein &#8211; die erh\u00f6hte Miete bezahlt also indirekt der Staat. Auch beim Einzug von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migration-wohnen\/\">Migranten<\/a> w\u00fcrde die \u00d6ffentliche Hand (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/kommunalwahl\/kommunal\/\">Kommune<\/a>) die Mietkosten \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>&#8211; Aus welchem Grund ist Kritik an der Berliner Migrations- sowie Wohnbaupolitik unerw\u00fcnscht bzw. wird als nicht-links abgewiesen? Der Wohnungsmangel in Deutschland hat doch mit politisch <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/rechts\/rechts-oder-links\/\">rechts oder links<\/a> nichts zu tun, sondern allein mit dem gesunden <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/commons\/menschenverstand\/\">Menschenverstand<\/a> &#8211; und der besagt: <em><strong>Wenn es zu wenige Wohnungen gibt, dann m\u00fcssen eben welche gebaut werden<\/strong><\/em>. Einfach ganz einfach.<br \/>\n18.1.2026<br \/>\n.<br \/>\nAddendum 19.1.2025:<br \/>\nDie vielen R\u00fcckmeldungen zum obigen Beitrag ermutigen mich zu einem Nachtrag: Immer mehr Alte bzw. Alteingesessenen leiden unter der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/segregation\/\">Verdr\u00e4ngung<\/a> aus ihren Wohnungen durch Migranten. Aber auch Migranten selbst beklagen, als Verdr\u00e4nger wahrgenommen zu werden. Es hat also ebenfalls hier alles seine zwei Seiten.<br \/>\n<em>Zun\u00e4chst zu den Verdr\u00e4ngten:<\/em><br \/>\nNach dem Auszug aus ihrem geliebten Wohnumfeld und ihren verzweifelten, aber gescheiterten Protesten finden sie sich pl\u00f6tzlich in dem ihnen bis dato noch nicht gel\u00e4ufigen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/kampf-gegen-rechts\/\">&#8222;Kampf gegen rechts&#8220;<\/a> wieder, und zwar auf der Seite der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/rechts\/rechte\/\">Rechten<\/a>, die leider f\u00e4lschlicherweise synonym zu <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/extremismus\/rechtsextremismus\/\">Rechtsextremen<\/a> gesetzt sind. Wo sie doch das arbeitsreiche Leben lang <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/spd\/\">SPD<\/a> und manchmal auch <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/cdu\/cdu-ende\/\">CDU<\/a> gew\u00e4hlt haben. Fast entschuldigend erkl\u00e4ren sie, da\u00df es f\u00fcr sie als pl\u00f6tzlich Wohnungslose gar keine Alternative zu den Rechten gibt. Und da\u00df Sie den Vorwurf, die Rechten w\u00fcrden sie und ihr Elend der Verdr\u00e4ngung instrumentalisieren f\u00fcr den eigenen Machtzuwachs, nicht verstehen: Schlie\u00dflich setzen sich diese doch ehrlich f\u00fcr sie ein. Denn ihre SPD hat sich l\u00e4ngst von den kleinen Angestellten und der Arbeiterschaft hierzulande verabschiedet und Minderheiten weltweit zugewandt, darunter auch den seit <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/grenzoeffnung2015\/\">9\/2015<\/a> ankommenden Migranten. \u00dcberhaupt: Mit der Links-Rechts-Einteilung haben sie nichts am Hut. In ihren Protesten gegen den Wohnungsverlust wenden sie sich der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/opposition\/\">Opposition<\/a> zu &#8211; und die hat seit der Einf\u00fchrung des undemokratischen Konstrukts der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/cdu\/brandmauer\/\">Brandmauer<\/a> nur einen Namen: <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/afd\/afd-opposition\/\">AfD<\/a>.<br \/>\n.<br \/>\n<em>Nun zur anderen Seite, den Migranten:<\/em><br \/>\nUnd damit sind all die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/zuwanderer\/\">Zugewanderten<\/a> gemeint, die sich in dieses sch\u00f6ne Land <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/integrationsgesetz\/\">integrieren<\/a> wollen und fleissig daran arbeiten, um sich und ihre Familien selbst versorgen zu k\u00f6nnen. Gerade sie sind sensibel genug, um sich im derzeitigen Wohnungsverdr\u00e4ngungsprozess &#8211; was f\u00fcr ein Wort &#8211; als Verdr\u00e4nger unwohl zu f\u00fchlen. Ich habe selbst derlei Treffen von Verdr\u00e4ngern und Verdr\u00e4ngten miterlebt &#8211; bedr\u00fcckend und mit Tr\u00e4nen auf beiden Seiten,\u00a0 und Hilfsbereitschaft. Und auf solchen Treffen kommt dann zur Sprache, da\u00df so viele der angeblichen Verdr\u00e4nger gar nicht gl\u00fccklich sind in Deutschland: Denn ein Gro\u00dfteil der Migranten &#8211; jung, single, M\u00e4nner &#8211; landet elend und entwurzelt in Parallelgesellschaften und urbanen Nogo-Areas, da sie ihre <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/jugend\/sozialisation\/\">Sozialisation<\/a> in zumeist muslimischen arabischen und afrikanischen L\u00e4ndern nicht einfach so abstreifen k\u00f6nnen und da sie in Nike Air-Schuhmode und Social Media-Geplapper keinen Halt finden. Dies alles nur, weil sie den beiden Pullfaktoren B\u00fcrgergeld und Duldung der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/gutmenschen\/\">guten<\/a> deutschen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/moral2015\/moralismus\/\">Moralisten<\/a> erlegen sind.<br \/>\nIn Artikel 13 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/grundgesetz\/\">Grundgesetz<\/a> hei\u00dft es &#8222;Die Wohnung ist unverletzlich&#8220;. Ja, aber gilt dieser gro\u00dfartige Verfassungsartikel auch, wenn es die angesprochene Wohnung gar nicht gibt, was ja 1,4 Millionen mal in Deutschland der Fall ist (siehe oben)?<br \/>\n19.1.2026<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Der Staat als Mietkostentreiber&#8220;<br \/>\n=============================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211;<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(1) Die leise Verdr\u00e4ngung &#8211; durch Energiesanierung<\/strong><br \/>\nDurch Modernisierung von Wohnungen und Energiesanierung kommt es vielerorts zu drastischen Mieterh\u00f6hungen, die f\u00fcr viele einen sozialen Absturz zur Folge haben.<br \/>\nVerdr\u00e4ngung durch Modernisierung ist ein strukturelles Problem, das sich in Statistiken, Mietspiegeln und Gesetzestexten nur unzureichend abbilden l\u00e4sst. Um zu verstehen, wie diese Prozesse konkret wirken, hilft der Blick auf einzelne Lebensl\u00e4ufe. Das folgende Beispiel steht stellvertretend f\u00fcr viele \u00e4hnliche F\u00e4lle, die sich derzeit in deutschen St\u00e4dten und Gemeinden abspielen, rechtlich korrekt, sozial folgenreich und meist ohne \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Herr K. ist 74 Jahre alt. Er lebt seit Ende der 1980er-Jahre in derselben Wohnung in einer westdeutschen Mittelstadt. Zwei Zimmer, 56 Quadratmeter, zweite Etage, kein Aufzug. Es ist keine besonders sch\u00f6ne Wohnung, aber eine funktionale. Vor allem ist sie vertraut. Herr K. kennt jeden Weg, jede Ecke, jeden Nachbarn. Die Wohnung ist der letzte stabile Ort in einem Leben, das nie leicht war, aber lange verl\u00e4sslich.<br \/>\nGearbeitet hat Herr K. fast vierzig Jahre im Einzelhandel. Erst an der Kasse eines SB-Marktes, sp\u00e4ter im Lager. Immer Vollzeit, immer k\u00f6rperlich. Gro\u00dfe Gehaltsspr\u00fcnge gab es nie, aber er war durchgehend besch\u00e4ftigt. Als er in Rente ging, blieb ihm eine monatliche Nettorente von rund 1.090 Euro. Damit liegt er knapp \u00fcber dem Anspruch auf Grundsicherung. Anspruch h\u00e4tte er nicht, jedenfalls nicht nach den geltenden Berechnungen. Praktisch bleibt ihm nach Miete, Strom, Lebensmitteln und Krankenversicherung kaum Spielraum.<br \/>\nDie Kaltmiete seiner Wohnung betr\u00e4gt 460 Euro. Lange war das tragbar. Herr K. lebt sparsam. Kein Auto, keine Urlaube, keine R\u00fccklagen. Alles funktioniert, solange nichts Unerwartetes passiert. Genau darin liegt die Fragilit\u00e4t seines Lebens.<\/p>\n<p>Als das Haus verkauft wird, ahnt Herr K. noch nicht, was das bedeutet. Der neue Eigent\u00fcmer k\u00fcndigt energetische Modernisierungsma\u00dfnahmen an: neue Fenster, Fassadend\u00e4mmung, neue Heizungsanlage. In der Ank\u00fcndigung ist von Klimaschutz, Energieeffizienz und Wertsteigerung die Rede. Der Ton ist sachlich, fast freundlich. F\u00fcr Herrn K. klingt das zun\u00e4chst nach einer Baustelle, nach L\u00e4rm, nach Unannehmlichkeiten, nicht nach einer existenziellen Bedrohung.<\/p>\n<p>Die Arbeiten dauern fast ein Jahr. Ger\u00fcste vor den Fenstern, Staub, Baul\u00e4rm. Herr K. bleibt. Er ist es gewohnt, sich anzupassen. Als die Modernisierung abgeschlossen ist, folgt der zweite Brief. Die Kaltmiete steigt um 280 Euro. Die Umlage erfolgt auf Grundlage der gesetzlichen Regelungen zur Modernisierung. Energetische Ma\u00dfnahmen sind privilegiert. Juristisch ist alles korrekt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Herrn K. ist die neue Miete nicht bezahlbar. Er l\u00e4sst sich beraten, schreibt Widerspr\u00fcche, beantragt eine H\u00e4rtefallregelung. Seine Argumente sind nachvollziehbar: sein Alter, seine geringe Rente, seine lange Mietdauer. Die Antwort ist n\u00fcchtern. Seine Rente liegt knapp \u00fcber der Grenze. Formal gilt er als leistungsf\u00e4hig. Die Mieterh\u00f6hung bleibt bestehen.<\/p>\n<p>Herr K. versucht, die neue Miete zu zahlen. Zwei Monate lang. Er ger\u00e4t in R\u00fcckstand. Die Mahnungen kommen automatisch. Schlie\u00dflich die K\u00fcndigung wegen Zahlungsverzugs. Vor Gericht z\u00e4hlt nicht, wie lange jemand gearbeitet hat, nicht, wie lange er dort gewohnt hat. Es z\u00e4hlen die Zahlen. Herr K. verliert den Prozess. Er muss ausziehen. Mit 75 Jahren.<\/p>\n<p>Was folgt, ist kein geordneter Neuanfang. Herr K. findet keine neue Wohnung. Kleine, g\u00fcnstige Wohnungen gibt es kaum noch. Die wenigen Angebote liegen \u00fcber seinem Budget. Private Vermieter lehnen ab, oft wortlos. Zu alt, zu wenig Einkommen. Schlie\u00dflich landet Herr K. in einer st\u00e4dtischen Unterkunft.<br \/>\nEin einzelnes Zimmer, Gemeinschaftsbad, wechselnde Mitbewohner. F\u00fcr ihn bedeutet das einen massiven sozialen Absturz. Er ist offiziell nicht obdachlos, aber faktisch entwurzelt.<\/p>\n<p>Einige Monate sp\u00e4ter wird seine ehemalige Wohnung neu vermietet. An ein junges Lehrerehepaar, beide Anfang drei\u00dfig. Zwei sichere Einkommen, Verbeamtung. Sie haben lange gesucht. Zwei Jahre, erz\u00e4hlen sie. Der Wohnungsmarkt ist angespannt, auch f\u00fcr sie. Die neue Kaltmiete liegt bei rund 1.200 Euro. Viel Geld, aber machbar. F\u00fcr sie ist die Wohnung eine L\u00f6sung. F\u00fcr Herrn K. war sie ein Zuhause.<\/p>\n<p>Diese beiden Lebensl\u00e4ufe stehen exemplarisch f\u00fcr eine Entwicklung, die sich in Deutschland immer h\u00e4ufiger beobachten l\u00e4sst. Modernisierung wirkt nicht neutral. Sie sortiert Menschen nach Zahlungsf\u00e4higkeit. Nicht aus B\u00f6swilligkeit, sondern als Folge eines Systems, das Wohnraum als Investitionsobjekt behandelt.<\/p>\n<p>Besonders betroffen sind Menschen mit festem oder niedrigem Einkommen. Rentner, Erwerbsunf\u00e4hige, Alleinerziehende, Langzeiterkrankte. Viele von ihnen wohnen seit Jahrzehnten in ihren Wohnungen. Ihre Mieten waren lange vergleichsweise niedrig. Genau das macht diese Wohnungen f\u00fcr Investoren attraktiv. Nach der Modernisierung steigt der Wert, steigt die Miete, steigt der Ertrag. F\u00fcr die bisherigen Mieter steigt vor allem das Risiko.<\/p>\n<p>Energetische Sanierung gilt als gesellschaftliches Ziel. Geb\u00e4ude sollen klimafreundlicher werden, Energie sparen, zukunftsf\u00e4hig sein. Daran besteht kaum Zweifel. Doch die soziale Dimension dieser Ma\u00dfnahmen wird systematisch untersch\u00e4tzt. Die versprochenen Einsparungen bei den Heizkosten gleichen die Mieterh\u00f6hungen h\u00e4ufig nicht aus. Die Kaltmiete steigt dauerhaft, die Entlastung bleibt unsicher.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen wie Herrn K. ist das kein abstraktes Problem. Es ist die Frage, ob man bleiben kann oder gehen muss. Ob man alt werden darf, wo man gelebt hat. Oder ob das eigene Leben nicht mehr in das modernisierte Haus passt.<\/p>\n<p><em>Die Struktur hinter der Verdr\u00e4ngung: Markt, Recht und Kalk\u00fcl<\/em><br \/>\nDer Fall von Herrn K. ist kein Ausrei\u00dfer, kein tragischer Sonderfall, kein Betriebsunfall. Er ist das Ergebnis eines Systems, in dem Wohnraum zunehmend als Anlageobjekt betrachtet wird und soziale Folgen nachgeordnet behandelt werden. Verdr\u00e4ngung entsteht dabei nicht durch Willk\u00fcr, sondern durch Regeln, die Investitionen absichern und Risiken einseitig verlagern.<\/p>\n<p>Ein zentraler Mechanismus ist das deutsche Modernisierungsrecht. Vermieter d\u00fcrfen einen Teil der Kosten f\u00fcr Modernisierungsma\u00dfnahmen dauerhaft auf die Miete umlegen.<br \/>\nEnergetische Sanierungen genie\u00dfen dabei einen besonderen Status. Sie gelten als gesellschaftlich erw\u00fcnscht, politisch notwendig und rechtlich privilegiert. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Der Geb\u00e4udebestand soll energieeffizienter werden, der CO2-Aussto\u00df sinken, der Wohnwert steigen.<br \/>\nDas Problem liegt nicht im Ziel, sondern in der Umsetzung. Die Umlage wirkt unabh\u00e4ngig von der Einkommenssituation der Mieter. Sie ber\u00fccksichtigt weder Alter noch Lebensleistung, weder Rente noch Krankheit. Wer die neue Miete nicht zahlen kann, gilt nicht als schutzbed\u00fcrftig, sondern als zahlungsunf\u00e4hig. Das Recht sch\u00fctzt den Investitionsrahmen, nicht die soziale Kontinuit\u00e4t.<\/p>\n<p>Besonders attraktiv sind Wohnungen mit langj\u00e4hrigen Mietverh\u00e4ltnissen. Dort liegt die Ausgangsmiete oft deutlich unter dem Marktniveau. Nach einer Modernisierung lassen sich erhebliche Steigerungen erzielen. F\u00fcr Investoren ist das kalkulierbar. F\u00fcr Mieter bedeutet es Unsicherheit. Je l\u00e4nger jemand in einer Wohnung gelebt hat, desto gr\u00f6\u00dfer ist paradoxerweise das Risiko, sie zu verlieren.<\/p>\n<p>Diese Dynamik wird durch den angespannten Wohnungsmarkt verst\u00e4rkt. In vielen Regionen gibt es kaum Ausweichm\u00f6glichkeiten. Wer verdr\u00e4ngt wird, findet nicht einfach eine g\u00fcnstigere Wohnung. Oft gibt es gar keine. Gerade kleinere Wohnungen im unteren Preissegment sind rar. Neubau findet \u00fcberwiegend im hochpreisigen Bereich statt. Sozialer Wohnungsbau kann diese L\u00fccke nicht schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen mit fixem Einkommen ist diese Situation besonders problematisch. Renten steigen langsam und oft unterhalb der realen Kostenentwicklung. Krankengeld und Grundsicherung sind begrenzt.<\/p>\n<p>Wer einmal aus dem regul\u00e4ren Arbeitsmarkt herausgefallen ist, hat kaum M\u00f6glichkeiten, seine Einnahmen zu erh\u00f6hen. Modernisierung trifft diese Gruppen nicht irgendwann, sondern unmittelbar.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein erhebliches Machtgef\u00e4lle. Gro\u00dfe Wohnungsunternehmen verf\u00fcgen \u00fcber Rechtsabteilungen, Erfahrung und Zeit. Einzelne Mieter nicht. Zwar gibt es formale Schutzmechanismen wie H\u00e4rtefallregelungen oder Widerspruchsm\u00f6glichkeiten. In der Praxis sind diese Verfahren komplex, langwierig und emotional belastend. Viele Betroffene geben auf, bevor ein Urteil f\u00e4llt. Andere verlieren trotz berechtigter Einw\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die juristische Korrektheit der Prozesse tr\u00e4gt zur gesellschaftlichen Unsichtbarkeit der Verdr\u00e4ngung bei. Es gibt keine spektakul\u00e4ren R\u00e4umungen, keine Schlagzeilen. Die Wohnung wird frei, modernisiert, neu vermietet. Der fr\u00fchere Mieter verschwindet aus dem Blickfeld. In Statistiken taucht er oft nicht als \u201everdr\u00e4ngt\u201c auf, sondern als umgezogen, untergebracht oder versorgt.<\/p>\n<p>Kommunen stehen dieser Entwicklung meist hilflos gegen\u00fcber. Sie sind auf private Investitionen angewiesen, verf\u00fcgen aber \u00fcber wenige wirksame Instrumente, um soziale H\u00e4rten abzufedern. Notunterk\u00fcnfte, \u00dcbergangswohnungen und tempor\u00e4re L\u00f6sungen ersetzen keinen Wohnraum. Sie verwalten den Mangel, l\u00f6sen ihn aber nicht.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versch\u00e4rft sich die soziale Durchmischung der St\u00e4dte. Menschen mit niedrigen Einkommen werden aus zentralen Lagen verdr\u00e4ngt. Wer bleibt, kann zahlen. Das ver\u00e4ndert nicht nur Quartiere, sondern auch soziale Netzwerke. Nachbarschaften l\u00f6sen sich auf, Wege werden l\u00e4nger, Versorgung schwieriger. F\u00fcr \u00e4ltere Menschen bedeutet das oft Isolation.<\/p>\n<p>Der Fall von Herrn K. zeigt, wie eng rechtliche Regelungen, Marktmechanismen und individuelle Lebensl\u00e4ufe miteinander verkn\u00fcpft sind. Niemand hat ihn gezielt verdr\u00e4ngt. Und doch ist genau das passiert. Sein Zuhause wurde zum Investitionsobjekt, seine Biografie zur Nebensache.<\/p>\n<p>Diese Form der Verdr\u00e4ngung ist besonders problematisch, weil sie leise geschieht. Sie erzeugt keinen unmittelbaren Protest, keine klare Schuldzuweisung. Sie funktioniert \u00fcber Regeln, die als vern\u00fcnftig gelten. Gerade deshalb wird sie hingenommen. Doch je h\u00e4ufiger sie vorkommt, desto deutlicher wird: Es handelt sich nicht um Einzelf\u00e4lle, sondern um ein strukturelles Problem.<\/p>\n<p>Wohnen ist damit nicht nur eine soziale Frage, sondern eine politische. Wenn Modernisierung systematisch dazu f\u00fchrt, dass Menschen mit knappen Einkommen ihre Wohnungen verlieren, dann reicht es nicht, auf formale Rechtsstaatlichkeit zu verweisen. Dann muss gefragt werden, wie soziale Sicherheit in einer alternden Gesellschaft konkret aussehen soll.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Herrn K. steht f\u00fcr viele \u00e4hnliche Biografien. Sie zeigt, was passiert, wenn Fortschritt ausschlie\u00dflich \u00fcber Zahlungsf\u00e4higkeit definiert wird. Und sie wirft eine Frage auf, die \u00fcber den Einzelfall hinausgeht: Wie viel soziale Verdr\u00e4ngung ist eine Gesellschaft bereit zu akzeptieren, um den Wohnungsmarkt \u201efunktionieren\u201c zu lassen?<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.1.2026 von G\u00fcnther Burbach bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.manova.news\/artikel\/die-leise-verdrangung\">https:\/\/www.manova.news\/artikel\/die-leise-verdrangung<\/a><br \/>\n.<br \/>\nG\u00fcnther Burbach, Jahrgang 1963, ist Informatikkaufmann, Publizist und Buchautor. Nach einer eigenen Kolumne in einer Wochenzeitung arbeitete er in der Redaktion der Funke Mediengruppe. Er ver\u00f6ffentlichte vier B\u00fccher mit Schwerpunkt auf K\u00fcnstlicher Intelligenz sowie deutscher Innen- und Au\u00dfenpolitik. In seinen Texten verbindet er technisches Verst\u00e4ndnis mit gesellschaftspolitischem Blick \u2014 immer mit dem Ziel, Debatten anzusto\u00dfen und den Blick f\u00fcr das Wesentliche zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr K. (74), alleinstehend, wohnt seit 40 Jahren in einer 2ZKB mit 56 qm f\u00fcr 460 Euro kalt. Bei einer Nettorente von 1090 Euro (nach 39-j\u00e4hriger Berufst\u00e4tigkeit als kaufm. Angestellter) geht das gerade noch. 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