{"id":143077,"date":"2025-12-18T12:07:39","date_gmt":"2025-12-18T11:07:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=143077"},"modified":"2025-12-20T21:16:08","modified_gmt":"2025-12-20T20:16:08","slug":"merz-russische-angriffe-erwidern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/merz-russische-angriffe-erwidern\/","title":{"rendered":"Merz: Russische Angriffe erwidern"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>&#8222;Wir w\u00fcrden russische Angriffe erwidern!&#8220;<\/strong><\/em> (1) &#8211; dieses unfassbare Statement vom 16.12.2025 stammt von keinem irgendwie ausgerasteten Kriegsbef\u00fcrworter, sondern vom deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Steckt Wunschdenken dahinter oder <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/diplomatie\/\">diplomatisches<\/a> Missgeschick oder einfach nur <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/dummheit\/\">Dummheit<\/a>? <!--more-->Wie auch immer: Derlei leichtfertige Statements bereiten Sorge und Angst.<br \/>\n&#8222;Wir&#8220; &#8211; das ist die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/bundeswehr\/\">Bundeswehr<\/a>, das sind deutsche <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/bundeswehr\/bundeswehr-jugend\/\">S\u00f6hne<\/a> (und neuerdings auch T\u00f6chter).<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/\">Russland<\/a>&#8220; &#8211; das ist der fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Staat dieser Erde und zudem eine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/atomkrieg\/\">Atommacht<\/a>.<br \/>\n&#8222;Angriffe&#8220; &#8211; woher will Merz wissen, da\u00df jetzt Russland&#8217;s Angriffe auf Deutschland bevorstehen, die es dann zu &#8222;erwidern&#8220; gilt?<br \/>\n.<br \/>\nWie Merz in geradezu infantiler Unbek\u00fcmmertheit im TV von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukrainekrieg\/\">Krieg<\/a> , Soldateneinsatz und deutschem Kriegseinsatz daherredet, dies ist &#8211; da hat Sahra Wagenknecht vollkommen recht &#8211; &#8222;Wahnsinn&#8220; (1).<br \/>\n.<br \/>\nAus den beiden Weltkriegen und der Nachkriegsgeschichte m\u00fcsste doch auch Friedrich Merz <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">gelernt haben<\/a>, da\u00df es <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ostpolitik\/\">Deutschland<\/a> einzig und allein eine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/entspannungspolitik\/\">Entspannungspolitik<\/a> bleibt, in der das Diktum von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/interessen-osten-westbindung\/\">Willy Brandt<\/a> gilt: <strong><em>\u201eWir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein.\u201c<br \/>\n.<br \/>\n<\/em><\/strong>Das verbale H\u00fch und Hott von Friedrich Merz als Wechselspiel von Ank\u00fcndigungen bzw. Versprechungen und anschlie\u00dfenden Dementi ist untragbar in der Innenpolitik &#8211; siehe den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/bundestag\/wahlbetrug\/\">Wahlbetrug<\/a> durch all die gebrochenen Versprechungen nach der Bundestagswahl 2\/2025. Das Wechselspiel ist aber hoch gef\u00e4hrlich, wenn es sich auf die Aussenpolitik bezieht, d.h. auf <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-krieg\/\">Krieg<\/a> und Soldaten. Es macht die deutsche Politik unglaubw\u00fcrdig. in Russland ist man entsetzt und in der EU mitsamt den USA lacht man dar\u00fcber. Merz&#8216; Verbalisiererei f\u00fchrt in eine Spirale, aus der man kaum mehr herauskommt &#8211; wie 1870 vor dem Krieg mit Frankreich und 1914 vor dem Ersten Weltkrieg. Wenn es um das Leben von Soldaten geht, mu\u00df man Merz eigentlich das Wort verbieten!<strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>.<br \/>\n<em><strong>Offener Brief von Jeffrey Sachs zum Ukrainekrieg an Merz<\/strong><\/em><br \/>\nDer Bundeskanzler m\u00f6ge einfach mal den Offenen Brief des US-amerikanischen \u00d6konomieprofessors <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/jeffrey-sachs-verhandeln-kiew\/\">Jeffrey Sachs<\/a> lesen (siehe (3) unten). Sachs ist weder ein russischer Spion noch ein Rechtsextremist, sondern renommierter Historiker und auch Realpolitiker. Zwei Statement sind wichtig:<\/p>\n<p>I. <em>&#8222;Die europ\u00e4ische Sicherheit ist unteilbar&#8220;<\/em>, d.h. auch Moskau&#8217;s Sicherheitsinteressen (siehe <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/europa\/nato\/nato-osterweiterung\/\">NATO-Osterweiterung<\/a>) sind zu ber\u00fccksichtigen. Frieden und Sicherheit in Europa sind nur incl. Russland m\u00f6glich.<br \/>\nII. <em>&#8222;Stabilit\u00e4t wird durch Neutralit\u00e4t erreicht, gest\u00fctzt auf glaubw\u00fcrdige internationale Garantien.&#8220;<\/em> Dies hat bislang immer funktioniert: <em>&#8222;Weder die Sowjetunion noch die Russische F\u00f6deration haben in der Nachkriegsordnung die Souver\u00e4nit\u00e4t neutraler Staaten verletzt \u2013 weder Finnland, \u00d6sterreich, Schweden, die Schweiz noch andere.&#8220;<\/em><br \/>\nDie Ukraine mu\u00df neutral werden, also ohne die von Merz so sehr gew\u00fcnschten deutschen Soldaten.<br \/>\n.<br \/>\nDeutschland braucht endlich eine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/frieden\/friedensgebot\/\">Friedensrhetorik<\/a> &#8211; von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kriegsrhetorik-beenden-brief\/\">Kriegsrhetorik<\/a> hatten wir genug.<br \/>\n18.12.2025<br \/>\nDieser Beitrag wurde garantiert ohne KI geschrieben<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Merz: Russische Angriffe erwidern&#8220;<br \/>\n=============================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211; (3)<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(1) M\u00fcssen deutsche Soldaten einer \u201eUkraine-Schutztruppe\u201c in den Krieg ziehen?<\/strong><br \/>\nMerz spricht von Bundeswehrsoldaten als Teil der westlichen Schutztruppe. Das k\u00f6nnte Russland als direkte Beteiligung der NATO am Konflikt interpretieren, was zu Angriffen auf diese Truppen \u201eberechtigte\u201c \u2013 und der Konflikt k\u00f6nnte zum NATO-Russland-Krieg eskalieren. Hat Merz das bedacht?<br \/>\n.<br \/>\n<em>Sahra Wagenknecht @SWagenknecht<\/em><br \/>\n<em>Wahnsinn! #Merz spricht im ZDF entlarvend ehrlich aus, was die Entsendung von #Bundeswehr-Soldaten in die #Ukraine als Teil westlicher Sicherheitsgarantien f\u00fcr Folgen haben k\u00f6nnte, sollte der Konflikt dann wieder aufflammen: \u201eWir w\u00fcrden auch entsprechende russische \u00dcbergriffe und Angriffe erwidern.\u201c Hei\u00dft: Wir w\u00e4ren im Krieg mit der Atommacht #Russland. Wer vor diesem Hintergrund ernsthaft in Erw\u00e4gung zieht, deutsche Soldaten an die ukrainisch-russische Front zu schicken, spielt mit der Sicherheit unseres Landes und hat in der Regierung nichts verloren!<\/em><br \/>\n<em>1.12.2025, <\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/x.com\/SWagenknecht\/status\/2001235752919716225\">https:\/\/x.com\/SWagenknecht\/status\/2001235752919716225<\/a><\/em><br \/>\n.<br \/>\nWas ist der \u201eErnstfall\u201c, von dem Pistorius, Baerbock und Merz reden?<br \/>\nIn Deutschland gibt es keinen klassischen \u201eOberbefehlshaber\u201c wie anderswo, wo der Pr\u00e4sident oder jemand Vergleichbarer diese Rolle hat. Das Grundgesetz sagt zur Befehls- und Kommandogewalt \u00fcber die Bundeswehr:<br \/>\n\u2022 In Friedenszeiten hat der Bundesminister f\u00fcr Verteidigung die Befehls- und Kommandogewalt (Artikel 65a Grundgesetz) \u2013 die operative F\u00fchrung.<br \/>\n\u2022 Im Verteidigungsfall (wenn das Bundesgebiet angegriffen wird oder ein Angriff unmittelbar droht \u2013 was parlamentarisch festgestellt werden m\u00fcsste) geht der Oberbefehl automatisch auf den Bundeskanzler \u00fcber (Artikel 115b Grundgesetz).<br \/>\nMerz k\u00f6nnte also \u201eKriegsherr\u201c werden, was er anklingen l\u00e4sst, jedenfalls wenn er so locker vom Hocker daher redet wie oben. Wohl kann einem bei dieser Vorstellung nicht sein \u2013 vor allem bei der Merz\u2019schen Attit\u00fcde nicht.<br \/>\n.<br \/>\nAm gef\u00e4hrlichsten ist es, durch verbale Ank\u00fcndigungen, wie sie bei Merz und den anderen Regierungspersonen an der Tagesordnung sind, in eine Spirale zu geraten, aus der nichts mehr rausf\u00fchrt \u2013 oder rausf\u00fchren soll wie 1870 vor dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg und 1914 vor dem Ersten Weltkrieg.<br \/>\nMerz, Klingbeil und die anderen haben ihre schnell wechselnden Ank\u00fcndigungen \u2013 nicht einmal, sondern regelm\u00e4\u00dfig oft ins Gegenteil, hin und her und wieder zur\u00fcck \u2013 als folgenlose Scheinpolitik im politmedialen Betrieb v\u00f6llig verinnerlicht. <em><strong>Sie merken daher gar nicht, dass Tod oder Leben deutscher Soldaten nicht Gegenstand solcher Spr\u00fcchepolitik sein darf.<\/strong> <\/em>Wo Merz sagt, dass Soldaten \u201erussische \u00dcbergriffe und Angriffe erwidern\u201c, hat er den Unterschied zwischen Spr\u00fcchen und der Wirklichkeit offenbar nicht erkannt.<br \/>\n&#8230; Alles vom 18.12.2025 von Fritz Goergen bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/goergens-feder\/muessen-deutsche-soldaten-einer-ukraine-schutztruppe-in-den-krieg-ziehen\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/goergens-feder\/muessen-deutsche-soldaten-einer-ukraine-schutztruppe-in-den-krieg-ziehen\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(2) Merz \u00fcber deutsche Truppen in der Ukraine: \u201eWir w\u00fcrden russische Angriffe erwidern!\u201c<\/strong><br \/>\nBundeskanzler Friedrich Merz \u00e4u\u00dferte sich am Dienstagabend im ZDF \u00fcber den Einsatz deutscher Truppen in der Ukraine. \u201eSehr konkret: Wir w\u00fcrden auch entsprechende russische \u00dcbergriffe und Angriffe erwidern\u201c, sagte der Bundeskanzler in Bezug auf eine neue Einsatztruppe unter deutscher Beteiligung, welche die Ukraine und den Aggressor Russland k\u00fcnftig voneinander trennen soll.<br \/>\nF\u00fcr den Schutz der Ukraine habe Merz mit seinen Verhandlungspartnern \u201esogar \u00fcber Artikel-5-\u00e4hnliche Sicherheitsgarantien gesprochen.\u201c Dieser Artikel regelt innerhalb der Nato, dass der Angriff auf einen Nato-Partner als Angriff auf alle gewertet werde.<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 17.12.2025 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nius.de\/politik\/news\/merz-ueber-deutsche-truppen-in-der-ukraine-wir-wuerden-russische-angriffe-erwidern\">https:\/\/www.nius.de\/politik\/news\/merz-ueber-deutsche-truppen-in-der-ukraine-wir-wuerden-russische-angriffe-erwidern<\/a><br \/>\n.<br \/>\nDas war NIUS Live am Mittwoch: Deutsche Soldaten in Ukraine w\u00fcrden \u201erussische Angriffe erwidern\u201c<br \/>\n&#8230; Friedrich Merz\u2019 Hammersatz gestern Abend im ZDF: \u201eWir w\u00fcrden russische Angriffe erwidern\u201c \u2013 Was bedeutet er wirklich f\u00fcr Deutschland?<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.12.2025 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nius.de\/nius%20live\/news\/das-war-nius-live-am-mittwoch-deutsche-soldaten-in-ukraine-wuerden-russische-angriffe-erwidern\">https:\/\/www.nius.de\/nius%20live\/news\/das-war-nius-live-am-mittwoch-deutsche-soldaten-in-ukraine-wuerden-russische-angriffe-erwidern<\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(3) Offener Brief von Jeffrey Sachs: \u201eLernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!\u201c<\/strong><br \/>\nDer amerikanische \u00d6konom Jeffrey Sachs zeigt Friedrich Merz Wege auf, wie Diplomatie den Krieg in der Ukraine beenden k\u00f6nnte. Der Brief im Wortlaut.<br \/>\nSehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,<br \/>\nSie haben wiederholt von Deutschlands Verantwortung f\u00fcr die europ\u00e4ische Sicherheit gesprochen. Diese Verantwortung l\u00e4sst sich nicht durch Parolen, selektive Erinnerung oder die Normalisierung von Kriegsrhetorik ersetzen. Sicherheitsgarantien sind keine Einbahnstra\u00dfen. Sie wirken in beide Richtungen. Dies ist weder ein russisches noch ein amerikanisches Argument; es ist ein Grundprinzip der europ\u00e4ischen Sicherheit, das explizit in der Schlussakte von Helsinki, dem OSZE-Rahmen und jahrzehntelanger Nachkriegsdiplomatie verankert ist.<br \/>\nDeutschland ist verpflichtet, diesem Moment mit historischem Ernst und Ehrlichkeit zu begegnen. In dieser Hinsicht bleibt Ihre j\u00fcngste Rhetorik gef\u00e4hrlich hinter den Erwartungen zur\u00fcck.<br \/>\nSeit 1990 wurden Russlands zentrale Sicherheitsbedenken wiederholt ignoriert, verw\u00e4ssert oder direkt verletzt \u2013 oft mit aktiver Beteiligung oder Duldung Deutschlands. Diese Geschichte darf nicht ausgel\u00f6scht werden, wenn der Krieg in der Ukraine beendet werden soll, und sie darf nicht ignoriert werden, wenn Europa einen permanenten Konfrontationszustand vermeiden will.<\/p>\n<p>Am Ende des Kalten Krieges gab Deutschland der sowjetischen und sp\u00e4ter der russischen F\u00fchrung wiederholt und unmissverst\u00e4ndlich die Zusicherung, dass die NATO nicht nach Osten expandieren w\u00fcrde. Diese Zusicherungen erfolgten im Kontext der deutschen Wiedervereinigung. Deutschland profitierte enorm davon. Die rasche Wiedervereinigung Deutschlands \u2013 innerhalb der NATO \u2013 w\u00e4re ohne die auf diesen Zusagen beruhende sowjetische Zustimmung nicht m\u00f6glich gewesen. Sp\u00e4ter so zu tun, als seien diese Zusicherungen bedeutungslos gewesen oder lediglich beil\u00e4ufige Bemerkungen, ist nicht realistisch, sondern geschichtsrevisionistisch.<br \/>\n1999 beteiligte sich Deutschland an den NATO-Bombenangriffen auf Serbien, dem ersten gr\u00f6\u00dferen Krieg, den die NATO ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates f\u00fchrte. Dies war keine Verteidigungsaktion, sondern eine wegweisende Intervention, die die Sicherheitsordnung nach dem Kalten Krieg grundlegend ver\u00e4nderte. F\u00fcr Russland war Serbien keine abstrakte Angelegenheit. Die Botschaft war unmissverst\u00e4ndlich: Die NATO w\u00fcrde Gewalt jenseits ihres Territoriums anwenden, ohne UN-Mandat und ohne R\u00fccksicht auf russische Einw\u00e4nde.<\/p>\n<p>Im Jahr 2002 traten die Vereinigten Staaten einseitig aus dem ABM-Vertrag aus, einem Eckpfeiler der strategischen Stabilit\u00e4t \u00fcber drei Jahrzehnte. Deutschland erhob keine ernsthaften Einw\u00e4nde. Doch die Aush\u00f6hlung der R\u00fcstungskontrollarchitektur erfolgte nicht im luftleeren Raum. Raketenabwehrsysteme, die n\u00e4her an Russlands Grenzen stationiert wurden, wurden von Russland zu Recht als destabilisierend wahrgenommen. Diese Wahrnehmungen als Paranoia abzutun, war politische Propaganda und keinesfalls kluge Diplomatie.<\/p>\n<p>2008 erkannte Deutschland die Unabh\u00e4ngigkeit des Kosovo an, trotz ausdr\u00fccklicher Warnungen, dass dies den Grundsatz der territorialen Integrit\u00e4t untergraben und einen Pr\u00e4zedenzfall mit weitreichenden Folgen schaffen w\u00fcrde. Erneut wurden Russlands Einw\u00e4nde als b\u00f6swillig abgetan, die grunds\u00e4tzlichen Bedenken wurden nicht ernst genommen.<br \/>\nDas stetige Dr\u00e4ngen auf eine NATO-Erweiterung um die Ukraine und Georgien \u2013 formell erkl\u00e4rt auf dem Gipfeltreffen in Bukarest 2008 \u2013 \u00fcberschritt die deutlichsten roten Linien, trotz jahrelanger, lautstarker, klarer, konsequenter und wiederholter Einw\u00e4nde Moskaus. Wenn eine Gro\u00dfmacht ein zentrales Sicherheitsinteresse benennt und es \u00fcber Jahrzehnte hinweg immer wieder betont, ist dessen Ignorieren keine Diplomatie, sondern eine bewusste Eskalation.<br \/>\nDeutschlands Rolle in der Ukraine seit 2014 ist besonders beunruhigend. Berlin vermittelte gemeinsam mit Paris und Warschau das Abkommen vom 21. Februar 2014 zwischen Pr\u00e4sident Janukowitsch und der Opposition \u2013 ein Abkommen, das die Gewalt beenden und die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung wahren sollte. Innerhalb weniger Stunden scheiterte dieses Abkommen. Es folgte ein gewaltsamer Umsturz. Eine neue Regierung entstand auf verfassungswidrigem Wege. Deutschland erkannte das neue Regime umgehend an und unterst\u00fctzte es. Das von Deutschland garantierte Abkommen wurde folgenlos aufgegeben.<\/p>\n<p>Das Minsker Abkommen II von 2015 sollte die Korrektur darstellen \u2013 ein ausgehandelter Rahmen zur Beendigung des Krieges in der Ostukraine. Deutschland fungierte erneut als Garantiemacht. Doch sieben Jahre lang wurde das Minsker Abkommen II von der Ukraine nicht umgesetzt. Kiew lehnte seine politischen Bestimmungen offen ab. Deutschland setzte sie nicht durch. Ehemalige deutsche und andere europ\u00e4ische Staats- und Regierungschefs haben inzwischen einger\u00e4umt, dass Minsk weniger als Friedensplan denn als Verteidigungsma\u00dfnahme behandelt wurde. Allein dieses Eingest\u00e4ndnis erfordert eine Auseinandersetzung mit den Vorg\u00e4ngen.<br \/>\nVor diesem Hintergrund klingen Forderungen nach immer mehr Waffen, immer sch\u00e4rferer Rhetorik und immer gr\u00f6\u00dferer \u201eEntschlossenheit\u201c hohl. Sie fordern Europa auf, die j\u00fcngste Vergangenheit zu vergessen, um eine Zukunft permanenter Konfrontation zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Genug der Propaganda! Genug der moralischen Infantilisierung der \u00d6ffentlichkeit! Die Europ\u00e4er sind durchaus in der Lage zu verstehen, dass Sicherheitsdilemmata real sind, dass NATO-Aktionen Konsequenzen haben und dass Frieden nicht dadurch erreicht wird, dass man so tut, als g\u00e4be es Russlands Sicherheitsbedenken nicht.<\/p>\n<p><em><strong>Die europ\u00e4ische Sicherheit ist unteilbar.<\/strong> <\/em>Dieses Prinzip bedeutet, dass kein Land seine Sicherheit auf Kosten eines anderen st\u00e4rken kann, ohne Instabilit\u00e4t zu provozieren. Es bedeutet auch, dass Diplomatie nicht Beschwichtigung ist und historische Ehrlichkeit kein Verrat.<br \/>\nDeutschland hat dies einst verstanden. Ostpolitik war keine Schw\u00e4che, sondern strategische Reife. Es wurde erkannt, dass Europas Stabilit\u00e4t von Dialog, R\u00fcstungskontrolle, Wirtschaftsbeziehungen und der Achtung der legitimen Sicherheitsinteressen Russlands abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Deutschland braucht diese Reife heute erneut. Es darf nicht l\u00e4nger so reden, als sei Krieg unvermeidlich oder gar tugendhaft. Strategisches Denken darf nicht l\u00e4nger auf B\u00fcndnisparolen reduziert werden. Es muss sich endlich um echte Diplomatie bem\u00fchen \u2013 nicht als PR-Ma\u00dfnahme, sondern als ernsthafter Versuch, eine europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur wiederaufzubauen, die Russland einschlie\u00dft, statt es auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine erneuerte europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur muss mit Klarheit und Zur\u00fcckhaltung beginnen. Zun\u00e4chst erfordert sie ein unmissverst\u00e4ndliches Ende der NATO-Osterweiterung \u2013 um die Ukraine, Georgien und jeden anderen Staat entlang der russischen Grenzen.<br \/>\nDie NATO-Erweiterung war keine unvermeidliche Folge der Nachkriegsordnung; sie war eine politische Entscheidung, die unter Verletzung feierlicher Zusicherungen von 1990 getroffen und trotz wiederholter Warnungen vor einer Destabilisierung Europas verfolgt wurde.<\/p>\n<p><em><strong>Sicherheit in der Ukraine wird nicht durch die Stationierung deutscher, franz\u00f6sischer oder anderer europ\u00e4ischer Truppen erreicht, da diese die Spaltung nur vertiefen und den Krieg verl\u00e4ngern w\u00fcrde. Stabilit\u00e4t wird durch Neutralit\u00e4t erreicht, gest\u00fctzt auf glaubw\u00fcrdige internationale Garantien.<\/strong> <\/em>Die Geschichte ist eindeutig: Weder die Sowjetunion noch die Russische F\u00f6deration haben in der Nachkriegsordnung die Souver\u00e4nit\u00e4t neutraler Staaten verletzt \u2013 weder Finnland, \u00d6sterreich, Schweden, die Schweiz noch andere. Neutralit\u00e4t funktionierte, weil sie legitime Sicherheitsbedenken aller Seiten ber\u00fccksichtigte. Es gibt keinen triftigen Grund, anzunehmen, dass sie nicht erneut funktionieren kann.<br \/>\nZweitens erfordert Stabilit\u00e4t Entmilitarisierung und Gegenseitigkeit. Russische Streitkr\u00e4fte m\u00fcssen von den NATO-Grenzen ferngehalten werden, und NATO-Streitkr\u00e4fte \u2013 einschlie\u00dflich Raketensysteme \u2013 m\u00fcssen von den russischen Grenzen ferngehalten werden. Sicherheit ist unteilbar, nicht einseitig. Grenzregionen sollten durch \u00fcberpr\u00fcfbare Abkommen entmilitarisiert und nicht mit immer mehr Waffen \u00fcberladen werden.<\/p>\n<p>Sanktionen sollten im Rahmen einer Verhandlungsl\u00f6sung aufgehoben werden; sie haben keinen Frieden gebracht und der europ\u00e4ischen Wirtschaft schweren Schaden zugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Insbesondere Deutschland sollte die leichtfertige Beschlagnahmung russischer Staatsverm\u00f6gen ablehnen \u2013 ein eklatanter Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht, der das Vertrauen in das globale Finanzsystem untergr\u00e4bt. Die Wiederbelebung der deutschen Industrie durch rechtm\u00e4\u00dfigen, auf Vertr\u00e4gen beruhenden Handel mit Russland ist keine Kapitulation, sondern wirtschaftlicher Realismus. Europa sollte seine eigene Produktionsbasis nicht im Namen moralischer Rhetorik zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich muss Europa zu den institutionellen Grundlagen seiner eigenen Sicherheit zur\u00fcckkehren. Die OSZE \u2013 nicht die NATO \u2013 sollte wieder als zentrales Forum f\u00fcr europ\u00e4ische Sicherheit, Vertrauensbildung und R\u00fcstungskontrolle dienen. Strategische Autonomie f\u00fcr Europa bedeutet genau dies: eine europ\u00e4ische Sicherheitsordnung, die von europ\u00e4ischen Interessen gepr\u00e4gt ist, nicht von der permanenten Unterordnung unter den NATO-Expansionsgedanken.<br \/>\nFrankreich k\u00f6nnte seine nukleare Abschreckung als europ\u00e4ischen Sicherheitsschirm ausweiten, jedoch nur in einer rein defensiven Haltung, ohne vorgeschobene Systeme, die Russland bedrohen.<br \/>\nEuropa sollte dringend auf eine R\u00fcckkehr zum INF-Rahmen und auf umfassende strategische Verhandlungen zur nuklearen R\u00fcstungskontrolle unter Beteiligung der Vereinigten Staaten und Russlands \u2013 und sp\u00e4ter auch Chinas \u2013 dr\u00e4ngen. Die Analogie zwischen Kosovo und Ukraine muss ebenfalls ehrlich anerkannt werden: Grenzen wurden in Europa bereits mit westlicher Unterst\u00fctzung verschoben. Grenzen werden verschoben. Das Streben nach Frieden muss unantastbar sein.<br \/>\nUnd das Wichtigste: Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler! Und seien Sie dabei ehrlich! Ohne Ehrlichkeit kann es kein Vertrauen geben. Ohne Vertrauen kann es keine Sicherheit geben. Und ohne Diplomatie riskiert Europa die Katastrophen zu wiederholen, aus denen es angeblich gelernt hat.<br \/>\nDie Geschichte wird beurteilen, woran sich Deutschland erinnert \u2013 und was es vergisst. Lassen Sie Deutschland dieses Mal Diplomatie und Frieden w\u00e4hlen und zu seinem Wort stehen.<br \/>\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nJeffrey D. Sachs, Universit\u00e4tsprofessor, Columbia University<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 17.12.202 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/offener-brief-von-jeffrey-sachs-lernen-sie-geschichte-herr-bundeskanzler-li.10010628\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/offener-brief-von-jeffrey-sachs-lernen-sie-geschichte-herr-bundeskanzler-li.10010628<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir w\u00fcrden russische Angriffe erwidern!&#8220; (1) &#8211; dieses unfassbare Statement vom 16.12.2025 stammt von keinem irgendwie ausgerasteten Kriegsbef\u00fcrworter, sondern vom deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Steckt Wunschdenken dahinter oder diplomatisches Missgeschick oder einfach nur Dummheit?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,181,52,36,80,172],"tags":[520,667,525,807,796],"class_list":["post-143077","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-buergerbeteiligung","category-einewelt","category-engagement","category-medien","category-zukunft","tag-frieden","tag-krieg","tag-politik","tag-russland","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/143077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=143077"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/143077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143182,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/143077\/revisions\/143182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=143077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=143077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=143077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}