{"id":141496,"date":"2025-11-14T17:21:58","date_gmt":"2025-11-14T16:21:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=141496"},"modified":"2025-11-19T20:20:30","modified_gmt":"2025-11-19T19:20:30","slug":"schicksalstag-9-november-1989","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/schicksalstag-9-november-1989\/","title":{"rendered":"Schicksalstag 9. November 1989"},"content":{"rendered":"<p>Wo immer ich mich umh\u00f6re: Der Lieblings-<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/\">Nationalfeiertag<\/a> der Deutschen ist der 9.11.1989, in <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/\">Erinnerung<\/a> an den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Mauerfall<\/a> vor nunmehr 36 Jahren. Leider wurde dieser Tag als Nachfolger f\u00fcr den 17. Juni (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/17-juni-1953-volksaufstand-ddr\/\">Volksaufstand<\/a> am 17.6.1953 in Berlin und DDR) als Feiertag <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/9-11-ist-kein-nationalfeiertag\/\">abgelehnt<\/a>, <!--more-->wegen der angeblichen Konkurrenzsituation am 9. November, dem &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/erinnerungspolitik\/\">Schicksalstag der Deutschen<\/a>&#8222;:<\/p>\n<p><em>9.11.1848: Revolution von 1848 gescheitert. Die Erschie\u00dfung des Demokraten Robert Blum in Wien markiert das Ende der b\u00fcrgerlichen Revolution in den Staaten des deutschen Bundes von 1848.<\/em><br \/>\n<em>9.11.1918: Ausrufung der Republik vergeblich. Der Revolutionsbewegung zur Abdankung des Kaisers und Proklamation der Republik in Berlin war kein Erfolg beschieden.<\/em><br \/>\n<em>9.11.1923: Hitlerputsch vergeblich. Der Versuch von Hitler und Ludendorff, in M\u00fcnchen mit dem Marsch zur Feldherrnhalle die Macht zu ergreifen, mi\u00dflang.<\/em><br \/>\n<em>9.11.1938: <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/reichspogromnacht-9-11-1938\/\">Reichspogromnacht<\/a>. Synagogen und Einrichtungen j\u00fcdischer B\u00fcrger wurden zerst\u00f6rt und Juden ermordet.<\/em><br \/>\n<em>19.11.1989. Die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Berliner Mauer<\/a> f\u00e4llt nach 28 Jahren Teilung der beiden deutschen Staaten.<\/em><br \/>\n.<br \/>\nDie Bilder jubelnder Menschen mitsamt all den Mauerspechten gehen um die Welt. Ein<br \/>\nderma\u00dfen freudiges Ereignis, das die ganze Welt in seinen Bann zog, gab es in der deutschen Geschichte noch nicht. Man sollte es zur Freude der Deutschen festhalten (1), um als Nationalfeiertag Jahr f\u00fcr Jahr in Erinnerung zu rufen: Lasst uns die deutsche Einheit in den jetzigen Grenzen bewahren und vor allem ausgelassen feiern!<br \/>\n.<br \/>\nNur f\u00fcnf Jahre vor dem Mauerfall hatte Richard von Weizs\u00e4cker in seiner Antrittsrede als Bundespr\u00e4sident am 1.7.1984 die Deutschen aufgemuntert: &#8222;Unsere Lage, die sich von der der meisten anderen Nationen unterscheidet, ist kein Anlass, uns ein Nationalgef\u00fchl zu versagen&#8220;. Mit der Begrifflichkeit um &#8222;Nation&#8220; ging es von Weizs\u00e4cker gewiss nicht um den \u00fcberholten Nationalismus des &#8222;wir sind besser als die anderen&#8220;, sondern um einen Nationalismus der Sorge um den Zusammenhalt und Erhalt der freiheitlich-demokratischen Grundordnung im eigenen Land. Schlie\u00dflich gilt das Diktum von Ralf Dahrendorf \u201eOberhalb des Nationalen ist keine Demokratie m\u00f6glich\u201c nicht nur f\u00fcr Franzosen und US-Amerikaner, sondern selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr Deutsche.<\/p>\n<p>Leider hat Deutschland keine Revolution zu bieten wie etwa <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/france\/frankreich2022\/\">Frankreich<\/a> mit dem 14. Juli 1789. Umso wichtiger ist ein Datum, mit dem sich m\u00f6glichst breite Schichten des deutschen Volkes voll <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalstolz\/\">Stolz<\/a> identifizieren k\u00f6nnen. Ich fahre jedes Jahr am &#8222;Quatorze Juillet&#8220; \u00fcber die Grenze ins <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/elsass\/elsass-geschichte\/\">Elsass<\/a> nach <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/colmar-freiburg\/\">Colmar<\/a>, einfach um mich von der unbeschwerten Stimmung der Franzosen an diesem Tag anstecken zu lassen. Und eine solche Unbeschwertheit k\u00f6nnte der Tag des Mauerfalls als Feiertag der Deutschen liefern.<br \/>\nAber was machen wir aus dem 9. November als unserem Schicksalstag im Jahr 2025? Ich m\u00f6chte dies an drei Reden aufzeigen:<\/p>\n<p><em>I. Rede von Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier zum 9. November 2025<\/em><br \/>\nAnstatt der gescheiterten Revolution 1948, der Novemberpogrome am 9.11.1938 oder auch des Mauerfalls am 9.11.1989 zu gedenken, unternimmt der Bundespr\u00e4sident eine parteipolitische Hetze gegen die gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei im Land (2). Damit widerspricht Steinmeier dem auch auf der Website des Bundespr\u00e4sidenten beschriebenen parteipolitischen Neutralit\u00e4tsgebot. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V8NT61DxbAY&amp;t=675s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V8NT61DxbAY&amp;t=675s<\/a>. Mehr dzu auch <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/bundespraesident\/\">hier<\/a>.<br \/>\nIn seinem Beitrag &#8222;Affront gegen die deutsche Einheit&#8220; (3) nennt Thorsten Hinz die Rede &#8222;eine Publikumsbeschimpfung in Richtung der<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\"> \u00f6stlichen Bundesl\u00e4nde<\/a>r &#8230; Ein Bundespr\u00e4sident, der das Ganze im Blick hat, w\u00fcrde die Frage aufwerfen, warum gerade dort, wo die Menschen 1989\/90 nach jahrzehntelanger Diktaturerfahrung hoffnungs- und vertrauensvoll in eine freiheitlich-demokratische Bundesrepublik aufgebrochen waren, heute das Gef\u00fchl vorherrscht, zunehmend in eine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr2-0\/\">DDR 2.0<\/a> geraten zu sein&#8220;.<br \/>\n.<br \/>\n<em>II. Rede von Alexander Gauland: &#8222;Welcher 9. November ist nun der wichtigste?&#8220;<\/em><br \/>\nDer vielgescholtene Alexander Gauland (84) ging auf der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/buchmesse\/seitenwechsel\/\">Buchmesse Seitenwechsel<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/seitenwechsel-8-9-11-2025-halle\/\">Halle an der Saale am 9.11.2025<\/a> auf die Frage &#8222;Welcher 9.11. ist nun der wichtigste?&#8220; ein.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SSDS82InOZw\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SSDS82InOZw<\/a> (ab 17:06). Dazu f\u00fchrte er das Gleichnis aus dem M\u00e4rchen vom Dornr\u00f6schen an: Nach der Geburt der Prinzessin \u00e4u\u00dferten mehrere Feen ihre W\u00fcnsche. Die 13.Fee w\u00fcnschte der Prinzessin &#8222;den Tod&#8220; und die 12. Fee &#8222;100 Jahre in einen tiefen Schlaf fallen&#8220;. Dieser Wunsch der 12.Fee entspricht dem Tag des Mauerfalls am 9.11.1989, denn er hat f\u00fcr Alexander Gauland \u201eden totalit\u00e4ren Fluch dieses Datums ins Vers\u00f6hnliche abgemildert. Mit diesem Tag 9.11.1989 der Freiheit, der Einheit und der Demokratie ist die vertrackte deutsche Geschichte am Ende noch einigerma\u00dfen gut ausgegangen. Deshalb wird der 9.11.1989 f\u00fcr mich der eigentliche Nationalfeiertag bleiben\u201c.<\/p>\n<p><em>III. Rede von Karlheinz Wei\u00dfmann zum 9. November 2025<\/em><br \/>\nIn seinem R\u00fcckblick auf die deutsche Geschichte (4) zitierte Wei\u00dfmann auch den eher linken Zeithistoriker Professor Arnulf Baring, der sich &#8222;entschieden f\u00fcr den 9. November als zuk\u00fcnftigen \u201eTag der deutschen Einheit\u201c aussprach. Alle \u00fcblichen Einw\u00e4nde \u2013 der Zusammenhang mit dem Datum des Hitler-Putsches von 1923 und dem Pogrom von 1938 \u2013 wischte er beiseite. F\u00fcr ihn war entscheidend, da\u00df der 9. November seit 1989 f\u00fcr einen H\u00f6hepunkt der nationalen Geschichte stehe, geeignet, die Deutschen mit Stolz zu erf\u00fcllen, weil sie ein tyrannisches Regime beseitigt hatten. Und solcher Stolz sei notwendig, um die Stellung Deutschlands in Europa zu bestimmen und nach der formellen auch die innere Einheit zu vollenden.&#8220;<br \/>\nDoch in der Euphorie der Zeit unmittelbar nach dem 9.11.1989 waren die &#8222;Vaterlandsver\u00e4chter&#8220; nur kurz verstummt, und schon bald wurden die Widerst\u00e4nde der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/patriotismus\/\">Antipatrioten<\/a> gegen einen Mauerfall-Nationalfeiertag immer lauter. &#8222;Die politische Linke neigt seit den 1960er Jahren zum nationalen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/selbsthass\/\">Selbsthass<\/a>&#8222;, womit der Tag des Mauerfalls als Nationalfeiertag pass\u00e9 und dem <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nationalfeiertag-am-3-10-2025\/\">3. Oktober<\/a>, dem Datum der pomp\u00f6sen Einheitsfeier im Berliner Reichstag, weichen musste.<\/p>\n<p>Man nehme sich die Zeit und h\u00f6re sich unvoreingenommen die Reden von Frank-Walter Steinmeier <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2hIAXsemNJ8&amp;t=10s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2hIAXsemNJ8&amp;t=10s<\/a> und von Karlheinz Wei\u00dfmann <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2RJ4UBnUmLo\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2RJ4UBnUmLo<\/a> hintereinander an, um dann selbst zu urteilen: Welcher Vortrag entspricht dem 9. November als dem &#8222;Schicksalstag der Deutschen&#8220; eher?<\/p>\n<p>Der am 9.11.2022 verstorbene DDR-B\u00fcrgerrechtler Werner Schulz (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/gruene\/\">Gr\u00fcne<\/a>) sagte in seiner fulminanten Rede <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6jIsxkQCzeQ\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6jIsxkQCzeQ<\/a> zum 9. November als Nationalfeiertag: \u201eDie Wiedervereinigung fand am 9. November statt. Als die Berliner Mauer von beiden Seiten der Stadt \u00fcberwunden wurde und sich die Menschen in den Armen lagen. Es war ein Akt der Selbstbefreiung des Volkes, der friedlichen Protestbewegung der DDR und nicht das Werk der gro\u00dfen Politik.\u201c Mehr <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/\">hier<\/a>.<br \/>\n.<br \/>\nWir brauchen einen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/bundespraesident\/\">Bundespr\u00e4sidenten<\/a>, der f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/jammer-ossi-und-besser-wessi\/\">alle Deutschen<\/a> spricht und von ihnen geachtet werden kann. Und der es vermag, zu repr\u00e4sentieren, zu einen, zu vers\u00f6hnen, zu verbinden, Sorgen zu teilen, zur <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/\">Diskussion<\/a> anzuregen und so f\u00fcr den Inneren Frieden im Land beizutragen. In einem Land, in dem der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Mauerfall am 9. November 1989<\/a> vermag, &#8222;die Deutschen mit Stolz zu erf\u00fcllen&#8220; (Arnulf Baring).<br \/>\n14.11.2025<br \/>\nDer Beitrag ist am 16.11.2025 auch erschienen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ansage.org\/warum-ist-der-deutsche-schicksalstag-9-november-kein-nationalfeiertag\/\">https:\/\/ansage.org\/warum-ist-der-deutsche-schicksalstag-9-november-kein-nationalfeiertag\/<\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Schicksalstag 9. November 1989&#8220;<br \/>\n=============================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) -(4)<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(1) Mauerfall 1989 | Seltene Originalaufnahmen aus Berlin<\/strong><br \/>\nDiese seltenen Aufnahmen dokumentieren zentrale Ereignisse in Berlin im Herbst 1989, dem historischen Zeitraum des Mauerfalls. Berichte und Szenen der Tage rund um den 9. November zeigen die \u00d6ffnung der Grenz\u00fcberg\u00e4nge, den Menschenandrang an Orten wie Invalidenstra\u00dfe, Glienicker Br\u00fccke und Brandenburger Tor, erste Begegnungen zwischen Ost und West sowie Reaktionen der Bev\u00f6lkerung und Grenzoffiziere. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IhN7bPLk-Bw\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IhN7bPLk-Bw<\/a><br \/>\n.<br \/>\n&#8222;Der 9. November in der deutschen Geschichte&#8220; vom 7.11.2022 BpB<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/172172\/der-9-november-in-der-deutschen-geschichte\/\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/172172\/der-9-november-in-der-deutschen-geschichte\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(2) Bundespr\u00e4sident eskaliert Kampf gegen Rechts<\/strong><br \/>\n\u2013 sowie: Merz\u2018 Mega-Summe f\u00fcr den Klimaschutz<br \/>\nStatt der Novemberpogrome zu gedenken, nutzte Frank-Walter Steinmeier seine Rede am Sonntag f\u00fcr eine Kampfansage an die AfD. Ohne die Partei namentlich zu nennen, erkl\u00e4rte er deren m\u00f6gliches Verbot zum Instrument der \u201ewehrhaften Demokratie\u201c<br \/>\n\u2026 Alles von 10.11.2025 von Max Mannhart bitte lesen auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V8NT61DxbAY&amp;t=675s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V8NT61DxbAY&amp;t=675s<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/apollo-news.net\/steinmeiers-kriegserklrung-an-die-afd-apollo-news-update\/\">https:\/\/apollo-news.net\/steinmeiers-kriegserklrung-an-die-afd-apollo-news-update\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(3) Affront gegen die Einheit<\/strong><br \/>\n<strong>Bundespr\u00e4sident zum 9. November: Warum Steinmeiers Rede zu einer piet\u00e4tlosen Bankrotterkl\u00e4rung wurde<\/strong><br \/>\nThorsten Hinz<br \/>\nEine Rede zur Bedeutung des 9. November ist f\u00fcr ein deutsches Staatsoberhaupt eine der schwierigsten und zugleich dankbarsten Herausforderungen. Sie ist schwierig, weil drei der historischen Ereignisse, die sich mit diesem Tag verbinden \u2013 die Kriegsniederlage 1918, der Hitler-Putsch 1923, der Judenpogrom 1938 \u2013 ihn verd\u00fcstern. Auch 87 Jahre danach bietet der 9. November 1938 Grund f\u00fcr Schauder und blanke Verzweiflung: Loyale und oft hochverdiente B\u00fcrger des Landes wurden aufgrund einer ideologischen Wahnidee von den staatlichen Machthabern zu Freiwild erkl\u00e4rt, als solche behandelt und sp\u00e4ter massenhaft ermordet.<\/p>\n<p>Das war einmal \u2013 und ist also weiterhin \u2013 eine M\u00f6glichkeit menschlichen und staatlichen Handelns. Gl\u00fccklicherweise ersch\u00f6pft der Nimbus dieses Tages sich nicht im Abgr\u00fcndigen, wie es ja auch mit der Verzweiflung \u201eeine besondere Sache ist: sie tr\u00e4gt die Transzendenz zur Hoffnung schon in sich selbst\u201c. Das schrieb Thomas Mann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Hoffnung hat sich am 9. November 1989 mit dem Mauerfall erf\u00fcllt. Deshalb ist die Aufgabe, an diesem deutschen Schicksalstag eine Rede zu halten, auch eine \u00fcberaus dankbare.<br \/>\nVor ihr hat Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier vollst\u00e4ndig versagt. Die Ansprache, die er am 9. November im Amtssitz Schlo\u00df Bellevue vor applaudierender Politik- und sonstiger Prominenz hielt, war in jeder Hinsicht eine Bankrotterkl\u00e4rung. Der seiernde Tonfall und die Aneinanderreihung der \u00fcblichen, inhaltsleeren Floskeln lie\u00dfen sie zu einem rhetorischen Desaster geraten. In intellektueller Hinsicht war allenfalls ihre Anspruchslosigkeit buchenswert.<\/p>\n<p>Kein einziges der dr\u00e4ngenden Probleme wurde offen angesprochen, geschweige denn, da\u00df Steinmeier sich der Analyse und Reflexion widmete. W\u00e4hrend es an allen Ecken und Enden im Land br\u00f6ckelt, knirscht, zusammenf\u00e4llt und lodert, betonte Steinmeier die Notwendigkeit der Brandmauern \u2013 gegen die AfD, die gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei, die ihre aktuelle St\u00e4rke nicht zuletzt aus der Unf\u00e4higkeit der Altparteien bezieht, die Probleme anzupacken und zu l\u00f6sen. F\u00fcr ein Staatsoberhaupt, das die ihm qua Grundgesetz auferlegte \u00dcberparteilichkeit ernst nimmt und sich um die Integration der unterschiedlichen politischen Lager in die gemeinsame Res publica (Sache des Volkes) sorgt, w\u00e4re der Zusammenhang zwischen der defizit\u00e4ren L\u00f6sungskompetenz der Altparteien und dem Aufstieg einer neuen Opposition ein dr\u00e4ngendes Thema. Steinmeier hingegen machte sich zum Sprecher der Parteien, die ihn ins Amt gebracht und sich aus Angst vor dem Pfr\u00fcndeverlust zu einem Anti-AfD-Kartell zusammengeschlossen haben.<\/p>\n<p>Selbst der zustimmungsf\u00e4hige Satz: \u201eWir d\u00fcrfen nicht gleichsam hineinrutschen erst in eine neue Faszination des Autorit\u00e4ren und dann in neue Unfreiheit\u201c, geriet in seiner Rede zur Phrase, denn ihr Hauptzweck war das Gegenteil, die Insinuation, die AfD sei eine staatsfeindliche, mit den NS-Odium behaftete Partei, die hinter Brandmauern verbannt, durch Unvereinbarkeitsbeschl\u00fcsse eingehegt und durch Berufsverbote demoralisiert werden mu\u00df. Die in einem freiheitlichen Staat nach seiner Fasson nichts zu suchen hat.<\/p>\n<p>Das Weltbild des Bundespr\u00e4sidenten ist klar und \u00fcbersichtlich. Im ver\u00f6ffentlichten Redemanuskript kommt siebenmal der Begriff \u201erechtsextrem\u201c und einmal das Wort \u201eislamistisch\u201c vor. Der Linksextremismus scheint kein Problem f\u00fcr ihn zu sein, jedenfalls wird er nicht eindeutig benannt. Das ist eine Positionierung, die um so alarmierender wirkt, weil kurz zuvor ein linksextremer Anschlag auf den Fraktionsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der AfD im Bundestag, Bernd Baumann, ver\u00fcbt worden war, der unmittelbar auf Einsch\u00fcchterung, mittelbar auf die Beeintr\u00e4chtigung der parlamentarischen Demokratie abzielt. Das Amt des Bundespr\u00e4sidenten gebietet h\u00f6chsten Respekt. Der gegenw\u00e4rtige Amtsinhaber hat sich mit seiner Rede als personifizierte Fehlfunktion deklassiert.<\/p>\n<p>Sie war auch ein Affront gegen die deutsche Einheit, eine Publikumsbeschimpfung in Richtung der \u00f6stlichen Bundesl\u00e4nder, wo die AfD zu st\u00e4rksten politischen Kraft aufsteigt. Ein Bundespr\u00e4sident, der das Ganze im Blick hat, w\u00fcrde die Frage aufwerfen, warum gerade dort, wo die Menschen 1989\/90 nach jahrzehntelanger Diktaturerfahrung hoffnungs- und vertrauensvoll in eine freiheitlich-demokratische Bundesrepublik aufgebrochen waren, heute das Gef\u00fchl vorherrscht, zunehmend in eine DDR 2.0 geraten zu sein.<\/p>\n<p>Stattdessen entstr\u00f6men seinem Mund hohlt\u00f6nende Phrasen wie: \u201e(&#8230;) die Selbstbehauptung der Demokratie: Das ist die Aufgabe unserer Zeit.\u201c Es handelt sich aber um eine Demokratie ohne Demos, wenn Wahlen, egal wie ihr Ergebnis lautet, stets zur Fortsetzung rot-gr\u00fcner Destruktionspolitik f\u00fchren. Wenn nur noch eine regierungskonforme Minderheit glaubt, frei die eigene Meinung \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen. Wenn die Mehrheit sich in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien nicht wiederfindet. Wenn der Bundespr\u00e4sident \u00fcber die sozialen Medien, in die viele sich alternativ fl\u00fcchten, nur drohend zu sagen wei\u00df, da\u00df sie von L\u00fcge, Ha\u00df und Hetze durchflutet w\u00fcrden. Das ist geeignet, Frustration und Angst auszul\u00f6sen. Angst ist ein apolitischer Zustand, der zu Opportunismus und Mitl\u00e4ufertum f\u00fchrt, also genau zu dem, was doch \u201enie wieder\u201c geschehen sollte.<\/p>\n<p>\u201eExtremisten tragen Feindschaft in das soziale Leben und zerst\u00f6ren das Vertrauen in der Gesellschaft \u2013 b\u00fcrgerliche Politik baut Vertrauen auf und stiftet Zusammenhalt\u201c, wei\u00df Steinmeier. Extremisten stehen rechts, die b\u00fcrgerliche Mitte, also die etablierte politische Klasse, hingegen steht f\u00fcr \u201eFreiheit, Verantwortung, Gemeinschaftssinn, Vernunft, Augenma\u00df.\u201c Gewi\u00df, das ist so freiheitlich wie die fr\u00fchmorgendliche Hausdurchsuchung wegen eines sp\u00f6ttischen Tweets. So verantwortungsvoll wie die grenzenlose Migrationspolitik. So gemeinschaftsstiftend wie der \u201eKampf gegen Rechts\u201c und die Cancel Culture. So vern\u00fcnftig wie die Energiewende und die Deindustrialisierung in ihrem Gefolge. So ma\u00dfvoll wie die 500 Milliarden Euro Zusatzschulden, die als \u201eSonderverm\u00f6gen\u201c deklariert werden.<\/p>\n<p>Kein Wunder, da\u00df immer mehr B\u00fcrger das Gef\u00fchl haben, da\u00df die Inhaber der Staatsmacht gegen statt f\u00fcr sie arbeiten und nach Alternativen suchen. Mit seiner rhetorisch, intellektuell und staatspolitisch peinlichen Rede vom 9. November ist Frank-Walter Steinmeier weder der NS-Vergangenheit noch der Gegenwart gerecht geworden. Er hat die Nomenklatura verteidigt, der er angeh\u00f6rt. Das ist, um das mindeste zu sagen, piet\u00e4tlos, egoistisch und b\u00f6sartig.<br \/>\n&#8230; Alles vom 14.11.2025 von Thorsten Hinz bitte lesen in der JF 47\/25, Seite 1<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>(4) Karlheinz Wei\u00dfmann: Rede zum 9. November \u201eDeutschland kann nur durch Deutschland gerettet werden\u201c<\/strong><br \/>\nWie Sie der Einladung entnehmen konnten, feiern wir \u201e35 Jahre deutsche Einheit\u201c. Womit eine recht k\u00fchne Behauptung aufgestellt ist. N\u00e4mlich die, da\u00df der 9. November 1989 eine Entwicklung eingeleitet habe, die letztlich zur Wiedervereinigung gef\u00fchrt hat. Da\u00df man die aber schon zum Zeitpunkt des Mauerfalls absehen konnte, wird man kaum behaupten k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr die Zeitgenossen war die Lage seit dem Beginn der \u201eFriedlichen Revolution\u201c un\u00fcbersichtlich. Als ich wenige Wochen nach dem Mauerfall, im Dezember 1989, mein Rigorosum ablegte, stellte mir mein Doktorvater \u2013 \u00fcbrigens ein linker Sozialdemokrat \u2013 als erste Pr\u00fcfungsfrage die, ob wir Zeugen einer \u201enationalen Revolution\u201c seien. Und meine Antwort war z\u00f6gernd. Zu einer eindeutigen Bejahung konnte ich mich jedenfalls nicht entschlie\u00dfen.<br \/>\nDas hatte verschiedene Gr\u00fcnde: Einer lag in der Entschlossenheit der DDR-F\u00fchrung, an der Behauptung zweier deutscher Nationen \u2013 einer \u201eDDR-Nation\u201c und einer \u201eBRD-Nation\u201c \u2013 festzuhalten, ein zweiter in dem diffusen Bild, das die DDR-Opposition abgab, deren einflu\u00dfreichste Gruppen offenbar kein \u201enationales\u201c Programm hatten, und deren Basis zwischen der Verzweiflung \u00fcber die wirtschaftliche Lage und der Heilserwartung in die D-Mark schwankte, ein dritter in der lavierenden, wenn nicht ablehnenden Haltung des westdeutschen Establishments, das der Einheit bestenfalls indifferent gegen\u00fcberstand, und ein vierter in der schwer einsch\u00e4tzbaren Haltung der Siegerm\u00e4chte.<\/p>\n<p>\u201eZweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da\u201c<br \/>\nDa waren die Sowjets, die ihre Beute kaum freiwillig herauszugeben bereit sein w\u00fcrden, aber auch die der Briten und Franzosen \u2013 also der NATO-Partner, die in l\u00e4ngst \u00fcberwunden geglaubte Verhaltensmuster zur\u00fcckfielen und meinten, es sei in ihrem nationalen Interesse, die Wiedervereinigung zu sabotieren. Wenn die britische Premierministerin Margret Thatcher damals bitter bemerkte: \u201eZweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da\u201c, dann durfte sie bei Fran\u00e7ois Mitterrand, dem franz\u00f6sischen Staatspr\u00e4sidenten, sicher auf Zustimmung rechnen.<br \/>\nDie einzigen, die mit erstaunlicher Konsequenz an ihrem in der Vergangenheit abgegebenen Versprechen festhielten, sich f\u00fcr die deutsche Einheit einzusetzen, waren die Amerikaner. Nat\u00fcrlich nicht aus lauter Selbstlosigkeit, aber in dem Wissen, da\u00df es auf dem Kontinent nach Lage der Dinge nur eine Nation gab, die f\u00fcr das Konzept \u201epartnership in leadership\u201c \u2013 Partnerschaft in der F\u00fchrung \u2013 geeignet war: die deutsche.<br \/>\nTrotzdem bleibt festzuhalten: Wenn es nach dem Mauerfall innerhalb weniger Monate zur Wiedervereinigung https:\/\/www.ostbeauftragte.de\/ostb-de\/themen\/35-jahre-deutsche-einheit kam, dann nicht, weil das eine Zwangsl\u00e4ufigkeit war, sondern das Ergebnis einer \u2013 f\u00fcr die deutsche Geschichte ungew\u00f6hnlichen \u2013 Verkettung gl\u00fccklicher Umst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Der 9. November 1989 war ein H\u00f6hepunkt der nationalen Geschichte<br \/>\nSchon im Fr\u00fchjahr 1990 jedenfalls schien sich die Lage dahingehend gekl\u00e4rt zu haben, da\u00df es nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR gehe. Damals lernte ich bei einer Veranstaltung Arnulf Baring pers\u00f6nlich kennen. Baring war in der alten Bundesrepublik eine feste Gr\u00f6\u00dfe, wenn es um die \u00f6ffentliche Debatte ging. Professor, jemand, der mit dem Linkstrend der sechziger Jahre Karriere gemacht, sich aber immer eine gewisse Unabh\u00e4ngigkeit des Urteils bewahrt hatte und nach und nach zu besseren Einsichten gekommen war. Die Bild-Zeitung apostrophierte ihn einmal als den \u201ekl\u00fcgsten Professor der Bundesrepublik\u201c.<br \/>\nIn jedem Fall war er ein wacher Beobachter, und im Vorfeld der Wiedervereinigung ging es ihm um den zuk\u00fcnftigen Status Deutschlands und um dessen Selbstverst\u00e4ndnis. In dem Zusammenhang sprach er sich bei unserer Unterhaltung entschieden f\u00fcr den 9. November als zuk\u00fcnftigen \u201eTag der deutschen Einheit\u201c aus. Alle \u00fcblichen Einw\u00e4nde \u2013 der Zusammenhang mit dem Datum des Hitler-Putsches von 1923 und dem Pogrom von 1938 \u2013 wischte er beiseite. F\u00fcr ihn war entscheidend, da\u00df der 9. November seit 1989 f\u00fcr einen H\u00f6hepunkt der nationalen Geschichte stehe, geeignet, die Deutschen mit Stolz zu erf\u00fcllen, weil sie ein tyrannisches Regime beseitigt hatten. Und solcher Stolz sei notwendig, um die Stellung Deutschlands in Europa zu bestimmen und nach der formellen auch die innere Einheit zu vollenden.<\/p>\n<p>Die politische Linke neigt seit den 1960er Jahren zum nationalen Selbstha\u00df<br \/>\nDa\u00df dem erhebliche Widerst\u00e4nde entgegenstanden, war uns beiden klar. Auch wenn wir uns in der euphorischen Stimmung dieser Monate nicht vorstellen konnten, wie gro\u00df sie sein w\u00fcrden. Tats\u00e4chlich schien es so, als ob die Vaterlandsver\u00e4chter in die Defensive geraten seien und ansonsten w\u00fcrde der Fortgang der Ereignisse wie von selbst einen neuen nationalen Konsens entstehen lassen. Aber: Wenn es eine Fehleinsch\u00e4tzung der Lage gab, dann diese. Denn nach relativ kurzer Zeit sollte sich zeigen, da\u00df die \u201eDeutsche Frage\u201c keineswegs erledigt war, sondern in anderer Weise als zuvor auf der Tagesordnung stand, und da\u00df es sehr verschiedene Vorstellungen davon gab, wie sie zu beantworten sei. Grob gesagt, bestimmten drei Meinungslager den Ton: die Antipatrioten, die Habermasianer und die Kohlisten.<\/p>\n<p>Zu den wichtigsten Tr\u00e4gern des Antipatriotismus geh\u00f6rte und geh\u00f6rt die politische Linke. Nicht weil das Proletariat kein Vaterland hatte oder am Patriotismus eines Julius Leber oder Kurt Schumacher Zweifel erlaubt sind, sondern weil ihre F\u00fchrung seit den 1960er Jahren zu nationalem Selbstha\u00df neigt. Das ist kein rein deutsches Ph\u00e4nomen, aber auch hier sind wir besonders gr\u00fcndlich. Erinnert sei daran, da\u00df der SPD-Vorsitzende Willy Brandt die Wiedervereinigung zur \u201eLebensl\u00fcge\u201c der Deutschen erkl\u00e4rt hatte und einer seiner Nachfolger \u2013 Oskar Lafontaine \u2013 noch im Vorfeld der Einheit meinte, es bleibe besser bei zwei deutschen Staaten.<br \/>\nBrandt und Lafontaine ist immerhin zuzugestehen, da\u00df sie gewisse realpolitische Argumente f\u00fcr ihre Haltung hatten. Das unterschied sie von den Erben der Achtundsechziger, parteipolitisch organisiert in Gestalt der Gr\u00fcnen. Da w\u00e4re etwa Claudia Roth zu nennen, die \u2013 als sie noch nicht in den Rang einer Kulturstaatsministerin aufgestiegen war \u2013 hinter einem Transparent marschiert ist, auf dem \u201eNie wieder Deutschland\u201c zu lesen stand, oder daran, da\u00df ihr Partei- und Kabinettskollege Robert Habeck meinte: \u201ePatriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland nichts anzufangen und wei\u00df es bis heute nicht.\u201c<\/p>\n<p>Wie J\u00fcrgen Habermas das \u201epostnationale Zeitalter\u201c vorbereitete<br \/>\nUnd Felix Banaszak, der heute amtierende Co-Vorsitzende der Gr\u00fcnen, kann sich lediglich zu einer Liebeserkl\u00e4rung an seine Heimatstadt Duisburg durchringen, aber Deutschland ist ihm nichts. Eine Auffassung, die keineswegs isoliert dasteht. Sie findet sich so oder so \u00e4hnlich vor allem in den gebildeten St\u00e4nden verbreitet, die mehrheitlich links ausgerichtet sind: Von den Verantwortlichen wie den Journalisten des \u00d6ffentlich-Rechtlichen Rundfunks \u00fcber das Personal der Bildungseinrichtungen bis zu den Geistlichen der gro\u00dfen Kirchen. Wobei sich der Antipatriotismus heute noch auf das engste mit Antifaschismus und Antirassismus verbindet und mit s\u00e4mtlichen intellektuellen Moden, vom Wokismus \u00fcber den Postkolonialismus bis zur Theorie Kritischen-Wei\u00df-Seins.<\/p>\n<p>Der Einflu\u00df dieser Ideologien ist allerdings nicht zu erkl\u00e4ren ohne die Deckung, die sie aus dem zweiten Meinungslager erhalten, von dem hier die Rede sein mu\u00df: den Habermasianern, so benannt nach J\u00fcrgen Habermas, der nicht ganz zuf\u00e4llig als \u201eStaatsphilosoph der Bundesrepublik\u201c gilt. Gemeint ist da die sp\u00e4te Bundesrepublik, nicht die des Wiederaufbaus nach dem Zusammenbruch von 1945, sondern die, die infolge eines Vorgangs entstand, den Habermas als \u201eFundamentalliberalisierung\u201c bezeichnet hat. Der sollte den \u00dcbergang in ein \u201epostnationales\u201c Zeitalter vorbereiten.<br \/>\nAlle politischen Stellungnahmen von Habermas gegen das, was er \u201eDM-Nationalismus\u201c nannte, um die Wiedervereinigung zu diskreditieren, dienten wie das Pl\u00e4doyer f\u00fcr den europ\u00e4ischen Superstaat dem Zweck, den Deutschen auszureden, was er eine \u201ekonventionelle\u201c Identit\u00e4t nannte: also eine, die aus dem folgt, was man \u00fcblicherweise Nationalstolz nennt.<\/p>\n<p>Kohl hat die D-Mark f\u00fcr Mitterrand geopfert \u2013 ein \u201eVersailles ohne Krieg\u201c<br \/>\nDazu entwickelte Habermas eine neue politisch-moralische Doktrin, die au\u00dferordentlichen Einflu\u00df gewann: Die beruhte \u2013 und beruht \u2013 auf der prinzipiellen \u201eAnerkennung des Anderen\u201c, der keinen Nachteil gegen\u00fcber dem \u201eEigenen\u201c haben darf, etwa als Nichtb\u00fcrger gegen\u00fcber dem B\u00fcrger; der Forderung, da\u00df die Deutschen ihr Selbstverst\u00e4ndnis nur aus ihrer Kollektivschuld ableiten d\u00fcrfen und ihr Beitrag zum \u201eProjekt der Moderne\u201c darin zu bestehen hat, sich klaglos in einen \u201eWesten\u201c hinein aufzul\u00f6sen, der als Vorbild des k\u00fcnftigen \u201eWeltstaats\u201c ohne V\u00f6lker auskommt, weil er nur noch freischwebende Individuen kennt, die sich \u201euniversalen\u201c Werten verpflichtet f\u00fchlen.<br \/>\nObwohl das angesichts der Rolle, die Helmut Kohl als \u201eKanzler der Einheit\u201c gespielt hat, ganz unwahrscheinlich schien, haben er und seine Anh\u00e4nger \u2013 die Kohlisten \u2013 dieses Programm letztlich akzeptiert. Fragt man nach dem rationalen Kern ihres Verhaltens, wird man sagen m\u00fcssen, da\u00df die Kohlisten nicht nur ganz ernsthaft an die westliche Wertegemeinschaft und daran glaubten, da\u00df das Zeitalter der Nationalstaaten vorbei sei, sondern auch, da\u00df man alles tun m\u00fcsse, um eine neuerliche \u201eEinkreisung\u201c Deutschlands zu verhindern.<br \/>\nWenn Kohl also die D-Mark geopfert hat, weil sein \u201eFreund\u201c Mitterrand diesen Preis f\u00fcr die Zustimmung zur Einheit verlangte, und er hinnahm, da\u00df die Franzosen nach dem Abschlu\u00df des Vertrags von Maastricht noch einmal triumphieren konnten \u2013 das sei \u201ewie Versailles, nur ohne Krieg\u201c -, dann nicht deshalb, weil er naiv war, sondern weil er hoffte, mit der Selbstfesselung Deutschlands das Wiederaufflammen alter Ressentiments und eine neuerliche Isolierung verhindern zu k\u00f6nnen, aber auch, weil er \u00fcberzeugt war, da\u00df man die Deutschen vor sich selbst sch\u00fctzen m\u00fcsse, indem man ihnen bestenfalls eingeschr\u00e4nkte Souver\u00e4nit\u00e4tsrechte zubilligte und sie daran hinderte, im Niemandsland zwischen Ost und West herumzuirren.<\/p>\n<p>Soll Deutschland zukunftsf\u00e4hig sein, mu\u00df es eine \u201eselbstbewu\u00dfte Nation\u201c werden<br \/>\nDiese Einstellung erkl\u00e4rt nicht zuletzt, warum die Kohlisten nie bereit waren, dem vierten \u2013 und j\u00fcngsten, eigentlich erst mit der Wiedervereinigung entstandenen \u2013 Meinungslager Unterst\u00fctzung zu gew\u00e4hren. Gemeint sind die \u201eNormalisierungsnationalisten\u201c. Den Begriff hat Peter Glotz, der ehemalige Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der SPD und fraglos einer der klugen linken K\u00f6pfe gepr\u00e4gt. Er war negativ gemeint, aber nicht ganz unzutreffend. Denn entgegen allen Erwartungen entstand am Beginn der neunziger Jahre eine Gruppe aus M\u00e4nnern und Frauen sehr verschiedener Herkunft \u2013 entt\u00e4uschte Gr\u00fcne, entt\u00e4uschte Sozialdemokraten, Nonkonformisten, nationale Liberale, Konservative und Neurechte -, die sich in einem Punkt einig waren: Deutschland mu\u00dfte, wenn es zukunftsf\u00e4hig sein wollte, eine \u201eselbstbewu\u00dfte Nation\u201c werden, um den Titel eines damals breit diskutierten Buches zu zitieren.<br \/>\nDie Erwartung dieser Normalisierungsnationalisten, da\u00df man ihre Auffassungen als legitim anerkennen und ihnen im politischen Spektrum einen Platz einr\u00e4umen w\u00fcrde, hat sich aber sehr schnell als Illusion erwiesen. F\u00fcr die Antipatrioten waren sie selbstverst\u00e4ndlich \u201eNazis\u201c, f\u00fcr die Habermasianer \u201eJungkonservative\u201c, die Deutschland zur\u00fcck auf den \u201eSonderweg\u201c locken wollten, der irgendwie in einem zweiten Auschwitz enden mu\u00dfte, und f\u00fcr die Kohlisten problematische Anh\u00e4nger einer Realpolitik, von der man nichts mehr wissen wollte und unliebsame Konkurrenten, die die Berliner Republik tats\u00e4chlich als etwas Neues verstanden, nicht als remake der Bonner Republik.<br \/>\nMustert man heute das politische Minimum der Normalisierungsnationalisten durch \u2013 F\u00f6rderung der nationalen Identit\u00e4t, Schlu\u00df mit der Masseneinwanderung, Kampf gegen die destruktiven Kr\u00e4fte in der Gesellschaft, starker Staat und starke Wirtschaft, Schutz der Grenzen und Verteidigungsf\u00e4higkeit \u2013, stellt man fest, da\u00df das meiste davon, wenn nicht mehrheitsf\u00e4hig, dann doch Ausdruck dessen ist, was seit der \u201eZeitenwende\u201c eine erhebliche Resonanz findet. Noch bedeutsamer als das ist aber, da\u00df es heute eine starke, organisierte Kraft in Deutschland gibt, die vieles von dem, was damals nur Theorie war, als ihr Programm betrachtet.<\/p>\n<p>Der Mauerfall bedeutete kein \u201eEnde der Geschichte\u201c<br \/>\nWomit noch nichts entschieden ist. Denn zwischen einem Programm und seiner Verwirklichung steht die Notwendigkeit, sich die Macht zu verschaffen, die man zur Umsetzung braucht. Das ist keine Platitude. Denn zum Erbe von `89 geh\u00f6rt auch die z\u00e4he Illusion vom \u201eEnde der Geschichte\u201c: die Vorstellung, da\u00df wir nur noch als Weltb\u00fcrger leben m\u00fcssen, die Globalisierung genie\u00dfen und gutes Geld verdienen, um komfortabel tun und lassen zu k\u00f6nnen, was wir wollen.<br \/>\nAber damit ist es nichts, und: Kein \u201eEnde der Geschichte\u201c hei\u00dft auch kein \u201eEnde der Politik\u201c: Also keine Erl\u00f6sung von Macht und Geographie und dem Konflikt der Interessen, kein internationales System mit nur einem Pol, keine feministische, nicht einmal eine \u201eregelbasierte\u201c Au\u00dfenpolitik, keine Stabilit\u00e4t von \u201eHippiestaaten\u201c, die ihre Regierungen nach irgendwelchen Quoten bilden, aber keine Kontrolle \u00fcber das \u201eStadtbild\u201c ihrer Metropolen oder ihrer Durchschnittskommunen haben.<br \/>\nIm Sinne Karl Freiherr vom Steins: \u201eDeutschland kann nur durch Deutschland gerettet werden\u201c<br \/>\n\u201ePolitik ist das Schicksal\u201c hat Napoleon gesagt, und damit nicht das t\u00e4gliche Klein-Klein in irgendwelchen Ausschu\u00dfsitzungen gemeint, das ewige Durchwursteln oder die Intrige oder den faulen Kompromi\u00df. Politik ist im letzten darauf ausgerichtet, das Gemeinwesen in Form zu bringen und in Form zu halten. Das setzt harte sachliche Arbeit f\u00fcr das voraus, was man das Gemeinwohl nennt.<\/p>\n<p>In diesem Sinn hat unser Gegen-Napoleon \u2013 Karl Freiherr vom Stein \u2013 in einer Situation, in der die Nation machtlos und zersplittert war, Verr\u00e4ter auf manchem Thron sa\u00dfen und sich die Intelligenz in Opportunismus \u00fcbte, erkl\u00e4rt, es gehe zuerst um die \u201eBelebung des Gemeingeistes und B\u00fcrgersinns, die Benutzung der schlafenden oder falsch geleiteten Kr\u00e4fte und der zerstreut liegenden Kenntnisse, der Einklang zwischen dem Geist der Nation, ihren Ansichten und Bed\u00fcrfnissen und denen der Staatsbeh\u00f6rden, die Wiederbelebung der Gef\u00fchle f\u00fcr Vaterland, Selbst\u00e4ndigkeit und Nationalehre\u201c. Und zuletzt: \u201eDeutschland kann nur durch Deutschland gerettet werden\u201c.<br \/>\n&#8230; Alles vom 12.11.2025 von Karlheinz Wei\u00dfmann bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/jungefreiheit.de\/politik\/deutschland\/2025\/deutschland-kann-nur-durch-deutschland-gerettet-werden\/\">https:\/\/jungefreiheit.de\/politik\/deutschland\/2025\/deutschland-kann-nur-durch-deutschland-gerettet-werden\/<\/a><\/p>\n<p><em>\u201eDeutschland kann nur durch Deutschland gerettet werden&#8220; &#8211; Karlheinz Wei\u00dfmann&#8217;s Rede zu 35 Jahren Deutscher Einheit am 9. November auf Youtube<\/em><br \/>\n<em>9.11.2025, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2RJ4UBnUmLo\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2RJ4UBnUmLo<\/a> (41 min)<\/em><br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo immer ich mich umh\u00f6re: Der Lieblings-Nationalfeiertag der Deutschen ist der 9.11.1989, in Erinnerung an den Mauerfall vor nunmehr 36 Jahren. 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