{"id":13988,"date":"2012-10-29T08:45:02","date_gmt":"2012-10-29T07:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=13988"},"modified":"2012-11-05T15:38:20","modified_gmt":"2012-11-05T14:38:20","slug":"kartaus-architekten-fuer-moderne-streuwuerfelwiese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kartaus-architekten-fuer-moderne-streuwuerfelwiese\/","title":{"rendered":"Kartaus-Architekten fuer moderne Streuwuerfelwiese"},"content":{"rendered":"<p>Un\u00fcberbietbar sch\u00f6ne Kl\u00f6tzchen &#8211; Der Architekt Peter Kulka, der nun das Umfeld der <a title=\"Kartaus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/garten\/kartaus\/\">Freiburger Kartause<\/a>\u00a0mit zw\u00f6lf W\u00fcrfeln verbauen darf, scheint ein Freund dogmatischer <a title=\"Architekt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/architekt\/\">Architekturlehre<\/a> zu sein \u2013 wie so mancher seiner Kollegen im 20. und 21. Jahrhundert. Der W\u00fcrfel sei die sch\u00f6nste Bauform der Welt, intellektuell und rein, verk\u00fcndet er; und so d\u00fcrfen wir uns nun von Herzen freuen, dass er das kostbarste der derzeit zur Bebauung anstehenden Freiburger Grundst\u00fccke mit un\u00fcberbietbar sch\u00f6nen Kl\u00f6tzchen schm\u00fccken wird <!--more-->\u2013 eine reine Freude intellektueller Klarheit und sinnlicher Reinheit. Nur schade, dass die alte Kartause so wenig diesen Ma\u00dfst\u00e4ben gen\u00fcgt, haben deren Architekten es doch geradezu in peinlicher Weise, so scheint es dem naiven Betrachter, vermieden, ihren Bauten die reine W\u00fcrfelform zu geben. Nein, w\u00fcrde Kulka uns wohl belehren, das h\u00e4tten sie zwar liebend gern getan, aber sie beherrschten leider noch nicht die Kunst, dauerhaft dichte Flachd\u00e4cher zu konstruieren Das, was manche von uns \u2013 zumal bei der barocken Architektur \u2013 als fantasievolle, belebende Dachformen preisen, sei also reiner Behelf, welcher die Idealgestalt des W\u00fcrfels verunklare und somit bewirke, dass die Bauten eines Balthasar Neumann oder Peter Thumb weit hinter den ewig g\u00fcltigen Idealen des rein kubischen Bauk\u00f6rpers zur\u00fcckblieben. Je l\u00e4nger man \u00fcber Kulkas Dictum und Parallel\u00e4u\u00dferungen zeitgen\u00f6ssischer Architekturp\u00e4pste nachdenkt, sieht man sich in der Auffassung best\u00e4tigt, dass wir es bei diesen Herren mit Anh\u00e4ngern einer neuplatonischen Architekturphilosophie zu tun haben, deren Lieblingslekt\u00fcre wohl der platonische Timaios ist. Den haben allerdings auch schon die Theologen der Schule von Chartres im 12. Jahrhundert eifrig studiert und mit ihren Gedanken Auftraggeber und Architekten der Kathedrale beeinflusst. Merkw\u00fcrdig nur, dass sie nicht zu den gleichen Schlussfolgerungen gelangt sind wie Peter Kulka: Die weltber\u00fchmte Kathedrale und ihre &#8222;Schwestern&#8220; stellen nachgerade unertr\u00e4gliche Abweichungen vom Ideal des reinen W\u00fcrfels dar, was gewiss auch das Freiburger M\u00fcnster zu einem unvollkommenen Bauwerk macht.<br \/>\nDass sie dennoch bei unz\u00e4hligen Besuchern aus aller Welt Gefallen finden, muss an einem unausrottbaren Hang zum Dekorativen und oberfl\u00e4chlich Abwechslungsreichen beim Durchschnittsmenschen liegen, der die reine, strenge Sch\u00f6nheit der W\u00fcrfel nur schwer ertr\u00e4gt. Es liegt nun auf der Hand, dass niemand aus der Freiburger Politik und Gesellschaft sich derlei Banausentum zurechnen lassen m\u00f6chte; und so verwundert es nicht, dass die Kulka\u2019schen W\u00fcrfel so viel Beifall finden. Wie immer man zu dem Projekt von Peter Kulka stehen mag, die Dreisamflaneure werden vermutlich niemals die moderne Streuw\u00fcrfelwiese mit der gleichen Begeisterung betrachten wie das l\u00e4ndlich-charmante Ambiente, das uns die gestrengen Kart\u00e4user hinterlassen hatten.<br \/>\nKarl Hillebrand, Freiburg (Netzwerk Architektur und Landschaft), 29.10.2012<\/p>\n<p>W\u00fcrfel mit Hang zum Tanzen&#8220; vom 19.10.2012 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/wuerfel-mit-hang-zum-tanzen--64736408.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/wuerfel-mit-hang-zum-tanzen&#8211;64736408.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quadratisch, praktisch \u2013 also muss es gut sein<br \/>\n<\/strong>Der Hang in der Kartaus wird bebaut. Nun gut, ein Prestigeobjekt wie das UWC will und soll die Stadt sich nicht entgehen lassen. Muss man diese Fl\u00e4che aber wirklich mit Geb\u00e4uden versehen, die schlichte W\u00fcrfel sind? Kein Dach, keine Fassade, nur Betonw\u00fcrfel in unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen? Begr\u00fcndung: Der prominente und kreative Architekt hat verlautbart, W\u00fcrfel seien die &#8222;sch\u00f6nste Architekturform der Welt&#8220;? Wie bitte? Man stelle sich vor, am M\u00fcnsterplatz oder in der Konviktstra\u00dfe st\u00fcnden nur W\u00fcrfel \u2013 wie viele Menschen w\u00fcrden wohl nach Freiburg kommen, um eine solche architektonische Meisterleistung zu betrachten? Nur die unverstellte Sicht eines Architekturexperten kann wohl eine solche Gestaltung erkl\u00e4ren. Davon versteht der einfache Betrachter einfach zu wenig. Quadratisch, praktisch, also muss es auch gut sein. Neben einem historischen Klostergeb\u00e4ude solche Dinger zu genehmigen, ist fragw\u00fcrdig. Aber der Architekt Kulka ist sich ja der Verantwortung bewusst, wie er sagt. Gott sei Dank! Und er will, dass &#8222;die W\u00fcrfel tanzen&#8220;. Na, dann k\u00f6nnen wir uns ja sicher freuen. Und ein paar Touristen kommen sicher auch zum Anschauen.<br \/>\n30.10.2012, Andreas Schnitzler, Freiburg<\/p>\n<p><strong>Verschandelung eines der wichtigsten zeitgeschichtlichen Denkm\u00e4ler Freiburgs<\/strong><br \/>\nMit gro\u00dfem Entsetzen habe ich die Pl\u00e4ne der Bosch-Stiftung verfolgt, die jetzt ihre Umsetzung finden. Es bleibt mehr oder weniger schleierhaft, wie sowohl Stadt als auch B\u00fcrgerschaft die Verschandelung eines der wichtigsten zeitgeschichtlichen Denkm\u00e4ler Freiburgs hinnehmen, gar unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Die alte Kartause, 1346 errichtet, stellt f\u00fcr Freiburg und seinen Werdegang als Universit\u00e4tsstadt und die st\u00e4dtebauliche Geschichte ein einzigartiges Denkmal dar. Grunds\u00e4tzlich spricht nichts gegen die St\u00e4rkung des Bildungsstandorts Freiburg, dies darf jedoch nicht auf Kosten denkmalgesch\u00fctzter Geb\u00e4ude, beziehungsweise eines Landschaftsbildes geschehen. Genau das geschieht: An das Konventgeb\u00e4ude aus dem 18. Jahrhundert werden &#8222;Wohnw\u00fcrfel&#8220; aus Beton gebaut; wohl weniger eine &#8222;perfekte Form&#8220; als eine g\u00fcnstige Art zu bauen. Sp\u00e4testens seit den 70er Jahren sollte man gelernt haben, dass Betonw\u00fcrfel weder zu Barockarchitektur passen noch die Eigenschaft besitzen zu &#8222;tanzen&#8220;, wie der Architekt stolz ank\u00fcndigt. Anstatt aus Fehlern der Vorzeit zu lernen, opfert man verbliebene Freiburger Geschichte f\u00fcr Prestige. Schade eigentlich!<br \/>\n5.11.2012, Fridolin Dorwarth, Freiburg <!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Un\u00fcberbietbar sch\u00f6ne Kl\u00f6tzchen &#8211; Der Architekt Peter Kulka, der nun das Umfeld der Freiburger Kartause\u00a0mit zw\u00f6lf W\u00fcrfeln verbauen darf, scheint ein Freund dogmatischer Architekturlehre zu sein \u2013 wie so mancher seiner Kollegen im 20. und 21. Jahrhundert. 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