{"id":13625,"date":"2012-10-24T10:04:47","date_gmt":"2012-10-24T08:04:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=13625"},"modified":"2012-10-24T10:36:06","modified_gmt":"2012-10-24T08:36:06","slug":"schlechtes-honigjahr-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/schlechtes-honigjahr-2012\/","title":{"rendered":"Schlechtes Honigjahr 2012"},"content":{"rendered":"<p>Heimischer <a title=\"Imker\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handwerk\/imker\/\">Honig<\/a> ist in diesem Jahr knapp. Wegen frostiger Temperaturen im April und Mai hat sich schon die <a title=\"Obstbau\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/obstbau\/\">Obstbl\u00fcte<\/a> fast ohne Bienenbeteiligung vollzogen. Und dann war auch noch die sp\u00e4tsommerliche Waldtracht ausgeblieben. Oder wie die Imker sagen: Der Wald hat nicht gehonigt. Der Landesverband Badischer Imker spricht vom schlechtesten Honigjahr seit Jahrzehnten. Auch Alfred Dold, Imker aus Stegen-Eschbach und Vorsitzender des Imkervereins <a title=\"StPeter\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/stpeter\/\">St. Peter<\/a>, hat in diesem Jahr gerade mal ein Zehntel der letztj\u00e4hrigen Erntemenge von seinen 20 V\u00f6lkern erhalten. <!--more-->&#8222;Wobei 2011 ein Spitzenjahr war&#8220;, sagt er. Aber auch gemessen am mehrj\u00e4hrigen Schnitt ist die Honigmenge von etwa 110 Kilogramm bescheiden, die Dold in diesem Jahr insgesamt schleudern und abf\u00fcllen konnte. Von Berufskollegen wei\u00df er, dass sie g\u00e4nzlich ohne Ausbeute die Saison beschlie\u00dfen mussten. In einem mittleren Jahr sammelt ein Volk, das im Hochsommer auf bis zu 50 000 Tiere anw\u00e4chst, 20 bis 30 Kilogramm Honig, im Spitzenjahr 2011 waren es 50 bis 60 Kilogramm. Der sprichw\u00f6rtliche Bienenflei\u00df l\u00e4sst sich veranschaulichen: Bis zu 40 Ausfl\u00fcge macht eine Honigbiene am Tag und besucht dabei ungef\u00e4hr 4000 Bl\u00fcten. Eigentlich ist das Anwesen von Alfred Dolds im Scherlenzendobel hinter Stegens Ortsteil Eschbach perfekt f\u00fcr Bienen. Zwar liegt es auf etwa 700 Meter H\u00f6he, weshalb der Fr\u00fchling sp\u00e4t Einzug h\u00e4lt, aber den ganzen Sommer \u00fcber gibt es normalerweise Futter satt f\u00fcr Bienen: Wiesenblumen, Obstbaumbl\u00fcten und die Waldtracht in einem nah gelegenen Wei\u00dftannengebiet. In diesen Tagen Mitte Oktober bl\u00fcht auf den Wiesen noch das gelbe Habichtskraut und an den Waldr\u00e4ndern das Springkraut. Was Artensch\u00fctzer nicht so gern sehen, weil sich das <a title=\"Neophyten\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/flora\/neophyten\/\">Indische Springkraut<\/a>\u00a0massenhaft vermehrt und dabei heimische Pflanzen verdr\u00e4ngt, sei f\u00fcr die Imker ein Gl\u00fcck, meint Alfred Dold. &#8222;Denn ab August finden die Bienen sonst nicht mehr viel&#8220;, sagt er. 15 Beuten hat er in diesen Tagen am Waldrand stehen. Das sind die Holzk\u00e4sten, die der Imker den Bienen als Behausung zur Verf\u00fcgung stellt. An den Ausflug\u00f6ffnungen ist ein Kommen und Gehen. Mit dem gelben Pollen aus den Habichtskrautbl\u00fcten befrachtete Bienen landen, andere tragen den wei\u00dfgrauen Bl\u00fctenstaub der Springkrautbl\u00fcten auf dem R\u00fccken.<\/p>\n<div id=\"attachment_13635\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/schlechtes-honigjahr-2012\/hilzi3\/\" rel=\"attachment wp-att-13635\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13635\" class=\"size-thumbnail wp-image-13635\" title=\"hilzi3\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hilzi3-180x124.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"124\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hilzi3-180x124.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hilzi3.jpg 497w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13635\" class=\"wp-caption-text\">Alfred Dold am Hilzih\u00e4usle Januar 2007<\/p><\/div>\n<p>Eigentlich sammeln die Bienen Pollen, um die Brut zu ern\u00e4hren, der Bl\u00fctenstaub liefert Eiwei\u00df. Auf den Nektar hingegen sind sie wegen dessen Zuckergehalt aus. Und Honig produzieren sie, um Vorr\u00e4te f\u00fcr den Winter anzulegen. Der entsteht, indem die Tiere den Nektar aufsaugen, in ihrem speziellen Honigmagen ver\u00e4ndern und in Waben zusammen mit dem Pollen einlagern soweit sie beides nicht unmittelbar an die Brut verf\u00fcttern. Versorgt mit Winternahrung \u2013 die Doldschen Bienen kriegen in Lindenbl\u00fctentee gel\u00f6sten Zucker \u2013 wird der Imker die 15 V\u00f6lker Anfang November nach Eichstetten am Kaiserstuhl verfrachten, damit sie dort n\u00e4chsten M\u00e4rz bei der zeitig einsetzenden Fr\u00fchjahrsbl\u00fcte mitwirken k\u00f6nnen.<br \/>\nIn diesem Jahr war kaum etwas zu holen, gleichg\u00fcltig, ob Bienen im Rheintal, am Kaiserstuhl, in der Vorbergzone oder im Hochschwarzwald deponiert waren. Die Imker mussten ihre V\u00f6lker sogar f\u00fcttern. &#8222;Im April, als die Obstbl\u00fcte auf dem H\u00f6hepunkt war, war es f\u00fcr die Bienen einfach zu kalt. Und sp\u00e4ter hat es zu viel geregnet&#8220;, erkl\u00e4rt Alfred Dold. Wenn es k\u00e4lter als zehn Grad Celsius ist, fliegen Bienen gar nicht aus. Loslegen konnten Dolds Bienen erst im Juni nach ihrem Umzug in die Umgebung Donaueschingens, wo die Rapsfelder bl\u00fchten. In st\u00e4dtischen Siedlungsgebieten bl\u00fchten in dieser Zeit die Linden, so dass der eine oder andere Imker Lindenbl\u00fctenhonig gewonnen hat.<br \/>\nAbgesehen von Nektar und Pollen saugen die Bienen auch den klebrig-s\u00fc\u00dfen Saft von Insekten auf, woraus beispielsweise der w\u00fcrzige Wald- und Tannenhonig entsteht. Aber in diesem Jahr war eben auch die Waldtracht ausgeblieben. Das hei\u00dft, dass sich nicht genug Honigtauerzeuger entwickelt hatten. Das sind Insekten, etwa die gr\u00fcne Tannenhoniglaus und die gro\u00dfe schwarzbraune Tannenrindenlaus sowie bestimmte Schild- und Rindenl\u00e4use, die auf die verschiedenen Nadel- und Laubb\u00e4ume spezialisiert sind. Mit Saugr\u00fcsseln ausgestattet stechen diese Tierchen die zuckerf\u00fchrenden Leitungsbahnen in der Rinde an, um den Pflanzensaft zu aufzusaugen. Dabei nehmen sie Mineralien und Eiwei\u00df auf und scheiden Zucker aus, den wiederum die Bienen aufnehmen.<br \/>\nWarum sich die Honigtauerzeuger in einem Jahr massenhaft vermehren und dann wieder nicht, ist weitgehend unerforscht. Schon seit 1977 beobachten Wissenschaftler der Landesanstalt f\u00fcr Bienenkunde an der Universit\u00e4t Hohenheim im ganzen Schwarzwaldgebiet die Populationsentwicklung der wichtigsten Arten.<br \/>\nAn diesen Erhebungen beteiligt ist auch Armin Sp\u00fcrgin, Fachberater f\u00fcr Bienenhaltung im Regierungsbezirk Freiburg. &#8222;Es m\u00fcssen 60 bis 70 Honigtauerzeuger pro Quadratmeter Zweigfl\u00e4che vorhanden sein, damit sich eine ordentliche Waldtracht ergibt&#8220;, erkl\u00e4rt er. Mitte Juni war abzusehen, dass daraus nichts wird. Eine Prognose f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr will er nicht geben. &#8222;Derzeit ist der Besatz gut, was ein g\u00fcnstiges Anzeichen ist. Denn im Oktober und November legen die Weibchen ihre Eier ab. Aber ob dann im n\u00e4chsten Jahr wirklich eine Massenvermehrung eintritt, ist von vielen Faktoren abh\u00e4ngig, die sich heute noch nicht absch\u00e4tzen lassen.&#8220;<br \/>\nSilvia Faller, 24.10.2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heimischer Honig ist in diesem Jahr knapp. Wegen frostiger Temperaturen im April und Mai hat sich schon die Obstbl\u00fcte fast ohne Bienenbeteiligung vollzogen. Und dann war auch noch die sp\u00e4tsommerliche Waldtracht ausgeblieben. 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