{"id":13405,"date":"2012-10-20T11:04:51","date_gmt":"2012-10-20T09:04:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=13405"},"modified":"2012-10-24T16:19:39","modified_gmt":"2012-10-24T14:19:39","slug":"arm-und-reich-faire-verteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/arm-und-reich-faire-verteilung\/","title":{"rendered":"Arm und reich &#8211; faire Verteilung"},"content":{"rendered":"<p>\u00d6ffnet sich die Schere zwischen <a title=\"Armut\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/armut\/\">Arm<\/a> und Reich? Wie sieht eine faire oder unfaire Verteilung aus? Zu unterscheiden ist zwischen <a title=\"Lohn\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/lohn\/\">Einkommen<\/a> (was man monatlich erwirbt) und Verm\u00f6gen (was man angeh\u00e4uft hat). Die Einkommensungleichheit misst man \u00fcber den\u00a0Gini-Koeffizienten: Null f\u00fcr &#8222;alle Einkommen gleich verteilt&#8220; und 1 f\u00fcr &#8222;extrem ungleich verteilt&#8220;. F\u00fcr Deutschland liegt der Gini laut OECD bei 0,42 f\u00fcrs Bruttoeinkommen (incl Steuer) und 0,3 f\u00fcrs verf\u00fcgbare Einkommen (nach Steuer) &#8211; das <a title=\"Steuern\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/verbraucher\/steuern\/\">Steuersystem<\/a> hat\u00a0von oben nach unten umverteilt.\u00a0Unter 33 OECD-L\u00e4ndern liegt Deutschland auf Platz 15 im Mittelfeld.<\/p>\n<p><!--more-->Weitaus ungleicher verteilt sind die verf\u00fcgbaren Einkommen in den USA, in England, Italien, Spanien, Griechenland oder Japan, gleicher in einigen nordischen L\u00e4ndern. Das Argument der &#8222;sich \u00f6ffnenden Schere zwischen Arm und Reich&#8220; stimmt also international gesehen keineswegs.<br \/>\nLaut OECD sind 4,2 % der Bev\u00f6lkerung in Deutschland arm, der OECD-Durchschnitt\u00a0liegt bei 6 %. Dass die Armutsrate z.B.\u00a0in Ungarn am niedrigsten ist, liegt\u00a0 daran, dass nicht die absolute Armut (Einkommen, das\u00a0zum \u00dcberleben nicht reicht), sondern die relative Armut (arm ist, wer\u00a0weniger als 60%\u00a0des Durchschnittseinkommen bezieht) gemessen wird. W\u00fcrde jeder\u00a0Deutsche das\u00a0doppelte oder gar 10fache Einkommen nach Steuern und Transfers erhalten, l\u00e4ge die Armutsquote bei uns unver\u00e4ndert bei 4,2 %.<br \/>\nEinkommensteuers\u00e4tze und\u00a0Unternehmensbesteuerung wurden in den letzten Jahrzehnten gesenkt, um den Wirtschaftsstandort Deutschland attraktiver zu machen &#8211; die Einkommensungleichheit hat sich kaum vergr\u00f6\u00dfert, der\u00a0 Gini der verf\u00fcgbaren Einkommen ist in den letzten 10 Jahren unmerklich gestiegen.<br \/>\nBeim Verm\u00f6gen liegt der Gini-Koeffizient f\u00fcr Deutschland bei 0,8, aber auch hier\u00a0ist Deutschland international im Mittelfeld. Die\u00a0Besteuerung von Verm\u00f6gen ist bei uns vergleichsweise gering &#8211; hier besteht Handlungsbedarf. Aber: Bei gro\u00dfer Belastung der Verm\u00f6gensertr\u00e4ge w\u00fcrden sich Reiche aus Deutschland verabschieden und die Steuerhinterziehung zunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<div id=\"zoneAdserverMrec\">\n<div id=\"helperAdserverMrec\">\n<p>\u00a0<strong>Armuts-Definition der EU &#8211; verwirrend<\/strong><\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der Armuts-Definition der EU gilt\u00a0 als von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen, auf den mindestens EINER der drei folgenden Indikatoren zutrifft:<\/p>\n<div>\n<ul>\n<li><strong>Armutsgef\u00e4hrdungsquote:<\/strong> Wer weniger als 60 % des mittleren Netto-Einkommens verf\u00fcgt, gilt als von Armut bedroht. das sind in D 15,8 % der Deutschen bzw. 12,8 Mio Personen. Diese haben weniger als 952 Euro im Monat (Single) bzw. 2000 Euro (Familie mit zwei Kindern unter 14).<\/li>\n<li><strong>Materielle Entbehrungen:<\/strong> Wenn das Geld f\u00fcr\u00a0 mindestens vier der folgenden neun Dinge fehlt: Miete, Heizung, unerwartete Ausgaben, mindestens jeden zweiten Tag eine angemessene Mahlzeit, mindestens eine Woche Urlaub im Jahr au\u00dferhalb der eigenen vier W\u00e4nde, Auto, Waschmaschine, Farbfernseher oder Telefon. 5,3 % der Deutschen leben in solchen Haushalten<\/li>\n<li><strong>Geringe Erwerbsbeteiligung:<\/strong> Wenn die Erwachsenen\u00a0eines Haushaltes\u00a0nur bei unter 20 % der m\u00f6glichen Zeit einen Job haben. Beispiel:\u00a0Single\u00a0weniger als 2,4 Monate\/Jahr im Job.\u00a0\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p>Da\u00a0nur einer der drei Indikatoren zutreffen mu\u00df, ergeben sich\u00a0bizarren Armutsf\u00e4lle:Ein Facharbeiter in einer strukturschwachen Region wie Mecklenburg (L\u00f6hne niedrig, aber\u00a0auch die Lebenshaltungskosten) mag wie 8,5% der deutschen unter 60%\u00a0des bundesweiten mittleren Einkommens verdienen, sich aber keineswegs als &#8222;arm&#8220; f\u00fchlen.<br \/>\nNoch seltsamer wird die Statistik beim Kriterium Erwerbst\u00e4tigkeit. 2,3 Prozent der Deutschen verf\u00fcgen \u00fcber mehr als 60 Prozent des mittleren Einkommens und m\u00fcssen sich bei den grundlegenden Dingen des Lebens auch nicht einschr\u00e4nken.<br \/>\nEin Mehrfamilienhauseigent\u00fcmer in Stuttgart\u00a0erreicht nicht die Erwerbszeitquote von 20 % &#8211; und wird prompt in die Gruppe der Armen eingestuft.\u00a0\u00a0<br \/>\nStuttgart hatte 2011 eine Armutsgef\u00e4hrdungsquote von 20,8 %, Berlin hingegen nur 15.5% (obwohl hier jeder F\u00fcnfte von Hartz IV lebt. In Rum\u00e4nien muss man lediglich knapp 110 Euro im Monat verdienen, um nicht als arm zu gelten, in Luxemburg hingegen 2833 Euro &#8211; obwohl die unterschiedliche Kaufkraft bereits herausgerechnet wurde.<br \/>\n24.10.2012<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6ffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich? Wie sieht eine faire oder unfaire Verteilung aus? Zu unterscheiden ist zwischen Einkommen (was man monatlich erwirbt) und Verm\u00f6gen (was man angeh\u00e4uft hat). 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