{"id":13222,"date":"2012-05-20T17:11:42","date_gmt":"2012-05-20T15:11:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=13222"},"modified":"2012-10-17T17:36:42","modified_gmt":"2012-10-17T15:36:42","slug":"hohwart-windrad-breitnau-20-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hohwart-windrad-breitnau-20-jahre\/","title":{"rendered":"Hohwart-Windrad Breitnau 20 Jahre"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\">Dass\u00a0die Stra\u00dfe hinter <a title=\"Breitnau\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/breitnau\/\">Breitnau<\/a> auf einen Veteranen zuf\u00e4hrt, erkennt auch ein <a title=\"Wind\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/wind\/\">Windkraft<\/a>-Laie auf den ersten Blick. Die kastenartige Gondel ist in ihrem Design von den schnittigen Turbinen-Nasen heutiger Windr\u00e4der so weit entfernt, wie eine Ju52 von einem D\u00fcsenjet. Tats\u00e4chlich n\u00e4hert man sich an diesem bedeckten Mittag auch einem\u00a0Geburtstagskind: Die Maschine des\u00a0Herstellers Enercon wurde im\u00a0Maivor exakt 20 Jahren dort aufgestellt.\u00a0Zu einem Zeitpunkt, als\u00a0mit dem Thema Windkraft in\u00a0der Region noch niemand etwas\u00a0verband und zehn Jahre bevor an\u00a0selber Stelle die B\u00fcrgerinitiativen gegen die\u00a0\u201eVerspargelung der\u00a0Landschaften&#8220; <!--more-->aus dem Boden\u00a0schossen und die CDU-gef\u00fchrte\u00a0Landesregierung mit allen Kr\u00e4ften\u00a0versuchte, die Ansiedlung\u00a0von Windkraftanlagen im L\u00e4ndle\u00a0 zu verhindern.\u00a0Noch einmal zehnJahre sp\u00e4ter\u00a0hat sich der Wind erneut gedreht.\u00a0Diese Woche \u00e4nderte der\u00a0Stuttgarter Landtag wie angek\u00fcndigt\u00a0das Landesplanungsgesetz,\u00a0jetzt soll der Ausbau der\u00a0Windenergie richtig in Fahrt\u00a0 kommen. Fr\u00fcher konnten die\u00a0Regionalverb\u00e4nde Gebiete festlegen,\u00a0in denen der Bau von\u00a0Windr\u00e4dern verboten war \u2013 was\u00a0sie dann auch ausgiebig taten.\u00a0Jetzt ist es umgekehrt: Der Planungsverband\u00a0kann Regionen\u00a0als besonders geeignet und eben\u00a0auch zul\u00e4ssig f\u00fcr Windkraftanlagen\u00a0ausweisen, in allen anderen\u00a0Gebieten k\u00f6nnen die Gemeinden\u00a0selbst entscheiden, was sie\u00a0auf ihrem Grund und Boden zu\u00a0tun gedenken. \u201eAnders als fr\u00fcher\u00a0ist der Bau von Windr\u00e4dern\u00a0k\u00fcnftig grunds\u00e4tzlich erlaubt\u00a0und nicht mehr grunds\u00e4tzlich\u00a0verboten&#8220;, \u00fcbersetzt Ministerpr\u00e4sident\u00a0 Winfried Kretschmann\u00a0die Sachlage.\u00a0An solche politischen Dimensionen\u00a0hatte noch niemand gedacht,\u00a0als sich am 26. Mai 1992\u00a0der Windkraft-Pionier in Breitnau\u00a0zu drehen begann. Wie einzigartig war\u00a0er damals? ImInternet\u00a0findetman die Maschine als\u00a0die erste Windkraftanlage modernen\u00a0Typs im Hochschwarzwald\u00a0verzeichnet, die\u00a0\u00a0<em><span style=\"font-family: TheAntiqua-B4iSemiLightItalic; font-size: xx-small;\">Badische <\/span><\/em>Zeitung\u00a0<span style=\"font-family: TheAntiqua-SemiLight15; font-size: xx-small;\">bezeichnete die Anlage g<\/span>ar einmal als das \u00e4lteste Baden-W\u00fcrttembergs. Ob das tats\u00e4chlich\u00a0stimmt, ist schon 20 Jahre\u00a0danach nur noch schwer festzustellen.\u00a0Aufgestellt hat das Rad die Firma Kraftwerk Laufenburg,\u00a0doch die ist mittlerweile in der\u00a0Energiedienst AG aufgegangen.\u00a0Nein, sagt Ingrid Mardo, Sprecherin\u00a0bei Energiedienst, man\u00a0finde leider keinen Mitarbeiter\u00a0von damals mehr, der den Pionierstatus\u00a0der Anlage best\u00e4tigen\u00a0k\u00f6nne.\u00a0Andreas Markowsky, Chef der\u00a0Freiburger \u00d6kostromgruppe\u00a0und damit des regionalen Windkraft-Marktf\u00fchrers, erinnert\u00a0sich zumindest sofort: \u201eEine\u00a0Enercon 33. Die hatte damals\u00a0noch ein Getriebe&#8220;. Allerdings,\u00a0sagt er, habe fr\u00fcher auch ein\u00a0Windrad auf dem Feldberg gestanden, und noch immer gebe\u00a0es eine Anlage auf der Baar bei\u00a0H\u00fcfingen \u2013 und die\u00a0 k\u00f6nnte \u00e4lter\u00a0sein. Das Windrad auf demFeldberg\u00a0erzeugte in den 50er und\u00a060er Jahren Strom f\u00fcr eine\u00a0 Wetterstation, hatte mit den Anlagen\u00a0heutiger Pr\u00e4gung allerdings\u00a0nichts tun. Und das Rad bei\u00a0 H\u00fcfingen?\u00a0Auch Walter Witzel, lokaler\u00a0Vertreter des Bundesverbands\u00a0Windenergie, ist sich sicher,\u00a0dass sie \u00e4lter ist \u2013\u00a0 ein Baujahr\u00a0aber wei\u00df auch er nicht.\u00a0Andreas M\u00fcller im Hauptamt\u00a0der Gemeinde Breitnau kennt\u00a0den korrekten Status der \u00f6rtlichen\u00a0Anlage ebenfalls nicht \u2013\u00a0immerhin aber hat er noch einen\u00a0Prospekt von Kraftwerk Laufenburg\u00a0zum Breitnauer Windrad\u00a0herumliegen, einige Jahre\u00a0nach ihrem Baumuss er herausgekommen sein.\u00a0\u201eEs war die erste\u00a0Anlage dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung im Binnenland&#8220; steht darin, und\u00a0\u201eseiner Zeit der gr\u00f6\u00dfte Windkonverter\u00a0S\u00fcddeutschlands&#8220;. Vielleicht\u00a0kann man, wenn man es\u00a0vorsichtig formuliert, das Windrad\u00a0auf dem Hohwart bei Breitnau wohl\u00a0als die erste Windkraftanlage\u00a0modernen Typs im\u00a0Schwarzwald und sogar in Baden-\u00a0W\u00fcrttemberg bezeichnen.\u00a0Obwohl sie mit den Riesen,\u00a0wie sie beispielsweise oberhalb\u00a0von Freiburg stehen oder in\u00a0 Freiamt\u00a0bei Emmendingen oder in\u00a0St. Peter, nicht viel zu tun haben.\u00a0Die Nabe des Enercon-Veterans\u00a0von Breitnau liegt in 33 Metern H\u00f6he, die Naben der jetzt auch\u00a0schon 10 Jahre alten Windr\u00e4der\u00a0\u00fcber Freiburg in 100MeternH\u00f6he.\u00a0Jedes von ihnen liefert fast\u00a0das Zehnfache der j\u00e4hrlich rund\u00a0280000 Kilowattstunden\u00a0Strom, die der uralte Breitnauer\u00a0Generator herstellen kann.\u00a0Wenn die \u00d6kostromgruppe ihre\u00a0Pl\u00e4ne umsetzt, steht auf dem\u00a0Freiburger Schauinsland irgendwann\u00a0im kommenden Jahr ein\u00a0zigfacher Urenkel der Breitnauer\u00a0E33: Die E-126 erreicht, die Motoren mit\u00a0eingerechnet, eineH\u00f6he\u00a0von 200 Metern. Die \u00d6kostromgruppe\u00a0hat auf den Startschuss\u00a0der Landesregierung diese Woche\u00a0gar nicht erst gewartet.\u00a0Schon im M\u00e4rz verk\u00fcndete man\u00a0die Bestellung von gleich 20 neuen\u00a0Anlagen, ihre Standorte sollen\u00a0\u2013 wenn genehmigt \u2013 in den\u00a0Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald\u00a0und Emmendingen sowie\u00a0in Freiburg und im Ortenaukreis\u00a0liegen. An potenziellen\u00a0Standorten auf dem Blauen\u00a0haben fast zwei Dutzend Investoren\u00a0Interesse angemeldet.\u00a0\u00dcberall im Schwarzwald stehen\u00a0Rath\u00e4user, Energieversorger\u00a0oder\u00a0 <a title=\"Genossenschaften\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/genossenschaften\/\">B\u00fcrgergenossenschaften<\/a>\u00a0bereit ,um am Windboom teilzuhaben, zahlreiche Gemeinden\u00a0gr\u00fcnden Zweckverb\u00e4nde.\u00a0Christian Riesterer und Uwe\u00a0Tischler backen da etwas kleinere\u00a0Br\u00f6tchen. \u201eM\u00fchsam ern\u00e4hrt\u00a0sich das Eichh\u00f6rnchen&#8220;, sagt\u00a0Riesterer nach einem Blick auf\u00a0den Stromz\u00e4hler. Er und Tischler\u00a0haben die alte Enercon 33 auf\u00a0dem Hohwart bei Breitnau vergangene\u00a0Jahr gekauft und betreiben\u00a0sie jetzt selbst. \u201eUm den\u00a0Standort zu halten&#8220;, sagt Riesterer.\u00a0Denn die Energiedienst AG\u00a0hatte an dem damals\u00a0 sanierungsbed\u00fcrftigen\u00a0Ger\u00e4t kein\u00a0gro\u00dfes Interesse mehr gehabt \u2013\u00a0dochw\u00e4re die Anlage nur stillgestanden\u00a0und dann abgebaut\u00a0worden, h\u00e4tte der Standort m\u00f6glicherweise\u00a0seine amtliche \u201eWidmung&#8220;\u00a0als Windm\u00fchlen-Areal\u00a0verloren. Und der Standort, das\u00a0ist das Land, das zu Christian\u00a0Riesterers Bauernhof geh\u00f6rt \u2013\u00a0der Landwirt denkt durchaus\u00a0daran, die alte Anlage eines Tages\u00a0vielleicht durch eine neue,\u00a0effizientere zu ersetzen. Durch\u00a0einen Riesen wie bei Freiburg?\u00a0\u201eNein&#8220;, sagt er, \u201ehier w\u00fcrde nat\u00fcrlich\u00a0niemals eine 100-Meter-Anlage\u00a0herkommen&#8220;.\u00a0Als die Ingenieure vom Kraftwerk\u00a0Laufenburg vor 20 Jahren\u00a0hier oben ihren Rotor aufstellten,\u00a0um erste Erfahrungen mit\u00a0der Windkraft zu sammeln,\u00a0mussten sie noch mit Riesterers\u00a0Vater verhandeln. Dass zu diesem Zeitpunkt\u00a0irgend jemand im\u00a0D\u00f6rfchen das Windrad als Bedrohung\u00a0empfunden hat \u2013 wie es\u00a0zehn Jahre sp\u00e4ter \u00fcberall im\u00a0Schwarzwald der Fall war. Der\u00a0Mann, der in der Ortsmitte Auskunft\u00a0gibt, wie man zum Windradkommt,\u00a0sagt nur: \u201eDaswar eine\u00a0Sehensw\u00fcrdigkeit damals.&#8220;\u00a0Der Hauptamtsleiter im Rathaus\u00a0denkt \u00e4hnlich: \u201eEigentlich ist das\u00a0fast schon ein Wahrzeichen des\u00a0Ortes.&#8220; Jeden Tag, sagt Neu-\u00a0Windradbesitzer Riesterer, seien\u00a050 Leute da gewesen und\u00a0h\u00e4tten\u00a0beim Bau zugeschaut. \u201eDas war\u00a0das Ereignis.&#8220; Fortan speiste das\u00a0Windradseinen Ertrag in das \u00f6rtliche\u00a0Stromnetz von Breitnau\u00a0ein \u2013 der Identifikation der B\u00fcrger mit dem\u201e\u00a0Wahrzeichen&#8220;d\u00fcrfte\u00a0das nicht geschadet haben.\u00a0<br \/>\nJens Kitzler, 20.5.2012,\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\">www.der-sonntag.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"left\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass\u00a0die Stra\u00dfe hinter Breitnau auf einen Veteranen zuf\u00e4hrt, erkennt auch ein Windkraft-Laie auf den ersten Blick. 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