{"id":129450,"date":"2024-12-26T17:18:32","date_gmt":"2024-12-26T16:18:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=129450"},"modified":"2025-01-02T17:32:20","modified_gmt":"2025-01-02T16:32:20","slug":"familienkrach-und-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/familienkrach-und-politik\/","title":{"rendered":"Familienkrach und Politik"},"content":{"rendered":"<p>An <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirchen\/weihnachten\/weihnachtsgeschichte\/\">Weihnachten<\/a>, in der &#8222;Zeit zwischen den Jahren&#8220; bzw. in den Raun\u00e4chten zwischen Heiligabend und Dreik\u00f6nig, wenn es drau\u00dfen eher schnuddelig, drinnen aber umso gem\u00fctlicher ist &#8211; dann ist viel Zeit f\u00fcr gute <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/diskussionskultur2023\/\">Gespr\u00e4che<\/a>, aber auch f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/familie\/familie-fundament\/\">Familienkrac<\/a>h und Disput. <!--more-->Zur Vermeidung desselben r\u00e4t der Psych\u00edater Dr. Spaemann (1): <em>&#8222;H\u00e4nde weg von den unpolitischen Durchwurstlern! Sie sind der Kitt in unserer Gesellschaft. Es ist immer ein Zeichen f\u00fcr eine freie Gesellschaft, da\u00df man die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/politik\/politik-infantil\/\">unpolitischen<\/a> Menschen in Ruhe l\u00e4\u00dft.&#8220;<\/em><br \/>\n.<br \/>\nOb die Flucht ins Unpolitische und in die Belanglosigkeiten einer <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/diskussionskultur2023\/\">Diskussion<\/a> von AUS (Apotheke &#8211; Krankheiten, Urlaub &#8211; Nixtun und Sucht &#8211; EssenUndTrinken) das Richtige ist? Oder doch nur einen famili\u00e4ren Scheinfrieden wahrt?<br \/>\n.<br \/>\nNein, eine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/diskussion\/\">Diskussion<\/a> ist immer gut, auch dann, wenn die Politik dabei ins Spiel kommt. Hauptsache, man kommt ohne Beleidigungen aus. Man mu\u00df ja nicht gleich wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/bundespraesident\/\">Steinmeier<\/a> am 4.8.2016 den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/usa-trump\/\">Trump<\/a> einen &#8222;Hassprediger&#8220; nennen oder wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/bigtech\/musk\/\">Musk<\/a> am 1.1.2025 den Steinmeier einen &#8222;Tyrann&#8220;.<br \/>\nBeleidigungen sind immer mies und armselig. Und ohne sie lebt man besser, weil friedlicher.<br \/>\n26,12,2024<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Familienkrach und Politik&#8220;<br \/>\n=======================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211;<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(1) \u201eLiebe ist ein g\u00f6ttlicher Funke\u201c<\/strong><br \/>\nInterview: Zum Fest wird wieder vor dem \u201eAfD-Opa\u201c gewarnt. Doch was, wenn die Gr\u00fcnen-Tante den Feiertagsfrieden st\u00f6rt? Der Psychiater Christian Spaemann r\u00e4t dringend, haben Sie sie trotzdem lieb<br \/>\nMoritz Schwarz<\/p>\n<p>Herr Dr. Spaemann, alle Jahre wieder bereiten Medien ihre Leser mit Tips auf das Schlimmste vor: das Treffen mit dem \u201eSchwurbel-Opa\u201c oder \u201eAfD-Onkel\u201c beim Familienweihnachtsfest.<br \/>\nChristian Spaemann: Oh, wie wunderbar hilfreich \u2013 doch unterlassene Hilfeleistung gegen\u00fcber allen, die an den Feiertagen ihre Gr\u00fcnen-Tante f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Was tun Sie, sollten Sie zum Fest auf Ihre Gr\u00fcnen-Tante oder Ihren AfD-Onkel treffen?<br \/>\nSpaemann: Das ergibt sich aus dem Quotienten meiner politischen Haltung und dem Ziel, das ich gegen\u00fcber den jeweiligen Tanten oder Onkeln verfolge.<\/p>\n<p>Das bedeutet?<br \/>\nSpaemann: Beim einen, sich angeregt zu unterhalten, beim anderen, den Arsch \u2013 Pardon \u2013 zusammenzwicken, um die Familienharmonie zu erhalten.<\/p>\n<p>Einige Tips der Medien zielen keineswegs auf diese, sondern vielmehr darauf, den b\u00f6sen Onkel beim Weihnachtsessen zu stellen. Was ist davon zu halten?<br \/>\nSpaemann: Mir scheinen solche Ratschl\u00e4ge, in die eine wie die andere politische Richtung, unterkomplex: Wichtig w\u00e4re etwa die \u00dcberlegung, ob ich meiner Tante, mit der ich sonst nichts am Hut hab, schon immer mal gerne eine reinw\u00fcrgen wollte oder ob ich mich mit ihr gut stellen mu\u00df, weil ich noch etwas von ihr will &#8230; Aber nun mal Spa\u00df beiseite: Die Politisierung des Familienkreises ist aus meiner Sicht kein gutes Konzept.<\/p>\n<p>Sind solche Medienbeitr\u00e4ge also im Grunde Anleitungen zum Familienzwist?<br \/>\nSpaemann: Das kommt auf den einzelnen Beitrag an. Einige von ihnen finde ich sehr gelungen, vor allem wenn es darum geht, das Verstehen zu f\u00f6rdern. Es gibt ja Gespr\u00e4chsfallen, in die man schon immer gerne bei Auseinandersetzungen hineingetappt ist. Allerdings f\u00e4llt auf, da\u00df es bei diesen Artikeln so gut wie jedesmal um den \u201eAfD-\u201c oder \u201eSchwurbel-Onkel\u201c und nie um die Gr\u00fcnen-Tante geht.<\/p>\n<p>Dann stellen wir jetzt hier die Frage nach ihr.<br \/>\nSpaemann: Mag sein, doch statt sich ausgiebig argumentativ vorzubereiten, sollte man sich fragen: Warum ist mir ihr politisches Gezeter so wichtig? Warum bin ich nicht in der Lage, das zu \u00fcberh\u00f6ren und in den Vordergrund zu r\u00fccken, was wirklich wichtig ist, etwa wie es ihr geht oder was ihre Kinder machen? Im Famili\u00e4ren sollte man sich fragen, welche Art Beziehung langfristig f\u00fcr alle Beteiligten, einschlie\u00dflich der k\u00fcnftigen Generationen, die beste ist: Meiner Erfahrung nach wirkt Liebe in der Familie als ein g\u00f6ttlicher Funke, der, wohl beh\u00fctet, \u00fcber Generationen wirksam sein kann.<\/p>\n<p>Was konkret bedeutet?<br \/>\nSpaemann: Viel Nachsicht, Geduld und Abwarten, wann welches Wort wichtig und passend ist.<\/p>\n<p>Was tun, wenn die Gr\u00fcnen-Tante \u2013 wie der AfD-Onkel in den Beispielen der Medien \u2013 den Feiertagsfrieden unabl\u00e4ssig durch politisches Insistieren st\u00f6rt?<br \/>\nSpaemann: Verbohrte Menschen, die nicht anders k\u00f6nnen, als sich \u00fcber Politik oder auch anderes zu streiten, gab es schon immer. Allerdings hat das in meinen Augen nichts mit unserer aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation zu tun.<\/p>\n<p>Nicht urs\u00e4chlich, aber kehrt nicht der Typ des totalit\u00e4ren Ideologen fr\u00fcherer Zeiten bei den Gr\u00fcnen wieder?<br \/>\nSpaemann: Es sind h\u00e4ufig Menschen, die wenig Zugang zur eigenen Lebendigkeit haben. Oft sind sie in einem stark rationalisierten famili\u00e4ren Umfeld aufgewachsen, in dem nicht \u00fcber tiefere Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle gesprochen wurde, und falls doch nur in allgemeiner, prinzipieller Form. So k\u00f6nnen sich diese Menschen schlecht \u201efallenlassen\u201c, ihre Bed\u00fcrfnisse nur schwer anders als in Form von Prinzipien ausdr\u00fccken, hinter denen sie diese verstecken.<\/p>\n<p>Welchen Rat haben Sie also f\u00fcr jene, die sich schon wiederholt vorgenommen haben, nicht mehr auf Provokationen solcher Verwandter zu reagieren. Und doch mit dem Wissen in die Feiertage gehen, da\u00df es ihnen bisher noch jedesmal mi\u00dflungen ist?<br \/>\nSpaemann: Das ist eben nicht einfach. Zum Beispiel habe ich selber Probleme mit jemandem, den ich lange sehr gut kenne, der aber eine blasierte Art an den Tag legt, mit dem umzugehen, was in der Corona-Zeit vielen Menschen passiert ist und womit ich folglich auch in meiner Praxis viel zu tun hatte. Ich gebe zu, da\u00df da durchaus ich derjenige bin, der gerne mal provokant stichelt. \u00dcbrigens sind es nach wie vor vor allem die nicht aufgearbeiteten Corona-Ereignisse, die Familien- und Freundeskreise am tiefsten spalten. Das ist zumindest meine Erfahrung.<\/p>\n<p>Inwiefern?<br \/>\nSpaemann: Jene, die im Widerstand gegen diese waren, die ihre k\u00f6rperliche Selbstbestimmung geltend gemacht und sich eingehender mit den Hintergr\u00fcnden der Krise besch\u00e4ftigt und deshalb selbst unter eheblichen Nachteilen gelitten haben, f\u00fchlen sich bis heute unverstanden und im Stich gelassen. Denn sie sto\u00dfen in ihrer Umgebung oft weiterhin auf Desinteresse, wenn nicht auf mit Arroganz gepaarte Ignoranz, die Entt\u00e4uschung und Bitterkeit, ja sogar Ha\u00df erzeugen kann. Man sollte anerkennen, wie verletzt und unverstanden sie sich f\u00fchlen. Ich kann den Betroffenen nur empfehlen, dies als Herausforderung anzunehmen, sich bewu\u00dftzumachen: Welche Ziele habe ich? Was ist mir im Leben wirklich wichtig? Selbstverst\u00e4ndlich soll die Familie wissen, wie man denkt und f\u00fchlt. Es gibt aber eine Art menschliches Grundgesetz, nach dem letztlich nur Liebe und Geduld im Familien- und Freundeskreis \u00fcberzeugen. Nur wer selber Frieden in sich hat, kann diesen auch in der Familie ausbreiten.<\/p>\n<p>Und wie kommt der einzelne zu solch innerem Frieden?<br \/>\nSpaemann: Indem man ein Gegengewicht schafft gegen\u00fcber all dem, was medial auf einen eindringt, gegen\u00fcber dem st\u00e4ndigen L\u00e4rm, dem wir ausgesetzt sind. Das kann sch\u00f6ne Literatur oder auch Gebet sein, kein Geplapper, sondern Stille, Dankbarkeit und Hinh\u00f6ren auf das Geheimnis der Sch\u00f6pfung. Was allerdings nicht hei\u00dft, auf den gesellschaftlich-politischen Kampf zu verzichten.<\/p>\n<p>Ihn aber in Familien- oder Freundeskreis zu f\u00fchren, zumal zu Weihnachten, davon raten Sie ab?<br \/>\nSpaemann: Ja, ich habe zum Beispiel eine Patientin, die sich mit ihrer Corona-kritischen Haltung von ihrer Familie alleingelassen f\u00fchlt. Neben meinem Verst\u00e4ndnis versuche ich ihr aber auch ihre Verantwortung f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr ihre Familie klarzumachen, damit sie aus der Position der Schw\u00e4che und der Opferrolle herauskommt. Das m\u00fcndet in der Erkenntnis: Ich schlucke nicht einfach alles um des lieben Friedens willen, sondern ich, die ich in der Sache mehr durchschaut habe als meine Familie, \u00fcbernehme entsprechende Verantwortung. Ich erkenne an, da\u00df meine Familie in einer anderen Welt lebt, die Dinge anders wahrnimmt und gewichtet. Und weil ich meine Beziehung zu ihr erhalten will, stelle ich die Kl\u00e4rung der Streitfragen zur\u00fcck und versuche stattdessen, als Mensch zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Also statt sachlich lieber charakterlich, durch Lang- und Gro\u00dfmut bei gleichzeitiger Festigkeit in der Sache?<br \/>\nSpaemann: Genau! M\u00f6glicherweise sagt die Familie eines Tages: \u201eDa hat sie ja vielleicht doch recht gehabt.\u201c Ja, vielleicht ist sie sp\u00e4ter sogar stolz auf sie.<\/p>\n<p>Schlimm wird es, hat man es in der Familie mit jenem Typus zu tun, der schon eine andere Meinung als Angriff sieht. Wie kommt es zu solch einer Emotionalisierung?<\/p>\n<p>Spaemann: Die Spaltung der Gesellschaft ist nicht neu. Ein Jugendlicher aus einer Arbeitersiedlung der f\u00fcnfziger Jahre befand sich ebenso in einer relativ festgef\u00fcgten Welt wie der b\u00fcrgerliche Oberministrant des Nachbarviertels. Da konnten sich Jungsozialisten und Jungunionisten auch schon mal gegenseitig die \u201eFresse polieren\u201c, wie es damals hie\u00df, ohne irgendwelche Emotionen verinnerlichen zu m\u00fcssen. Zwischen damals und heute liegen aber siebzig Jahre der Aufl\u00f6sung identit\u00e4tsstiftender Milieus und zunehmenden Wohlstands. Radikaler Individualismus und Massengesellschaft sind zwei Seiten einer Medaille, und die mit letzterer einhergehende Massenmanipulation mu\u00df per innerer Dramatisierung individualisiert werden, damit sich der einzelne noch als vermeintlich freies Wesen sp\u00fcren kann.<\/p>\n<p>Was bedeutet diese Tendenz zur Dramatisierung f\u00fcr die Demokratie? Die jungen Deutschen ja zunehmend nicht mehr als Recht auch des Andersdenkenden vermittelt wird, sondern als dessen Niederk\u00e4mpfung.<br \/>\nSpaemann: Bei der Demokratie handelt es sich um ein Verfahren zur Bottom-up-Delegierung von Macht in Verbindung mit dem Rechtsstaat. Jedem, dem man das Demokratsein absprechen will, m\u00fc\u00dfte man nachweisen, da\u00df er vorhat, dieses Regularium abzuschaffen. Die zunehmende Aufladung des Demokratibegriffs mit diversen Gesinnungen legitimiert dagegen, dies als eine \u201eDDR 2.0\u201c zu bezeichnen. Solch ein Demokratieverst\u00e4ndnis lebt von dem, was uns die Ex-DDR-B\u00fcrgerrechtlerin B\u00e4rbel Bohley nach dem Lesen ihrer Stasi-Akte prophezeite: Diffamierung, Diskreditierung, Ausgrenzung und Zersetzung \u2013 das alles werde wiederkommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr bizarre Beispiele der Dramatisierung sorgte j\u00fcngst die Wahl Donald Trumps: Zu bewundern waren in sozialen Medien Menschen, die enthemmt weinten, in unb\u00e4ndige Raserei verfielen oder verk\u00fcndeten, aus Protest fortan auf K\u00f6rperpflege oder auf Sex zu verzichten. Ist zu f\u00fcrchten, da\u00df der im Januar anstehende Amtsantritt Trumps vielen Deutschen das Fest verdirbt?<br \/>\nSpaemann: Ich glaube, da\u00df sich die Trump-Apokalyptiker bei uns bis dahin schon wieder erholt haben werden. Umgekehrt w\u00e4re es dagegen anders gewesen.<\/p>\n<p>Inwiefern?<br \/>\nSpaemann: Jene, die gro\u00dfe Sorge angesichts einer Wahl von Kamala Harris hatten, w\u00e4ren bei deren Sieg nicht hysterisch ausgezuckt \u2013 hingegen aber weit \u00fcber Weihnachten hinaus tief bedr\u00fcckt gewesen.<\/p>\n<p>Wieso das?<br \/>\nSpaemann: Die Harris-Warner wurden nicht von den Medien gef\u00fcttert, sondern mu\u00dften sich selbst ein kritisches Bild von ihr und ihren Zielen machen, was zu einer eher authentischen Sorge f\u00fchrte. Informierte und sich authentisch Sorgende reagieren nicht hysterisch, sondern mit Erleichterung oder einem Gef\u00fchl der Bedr\u00fcckung. Womit ich jedoch nicht jedem Trump-Kritiker die Authentizit\u00e4t absprechen will. Die besten Kritiker von Kamala Harris und Analysten ihrer woken Bubble finden sie \u00fcbrigens bei den amerikanischen Linksintellektuellen.<\/p>\n<p>Bei der Nachricht von Trumps Sieg h\u00e4tten sie und ihr Mann sich in den Arm gelegen und \u201ef\u00fcnf bis zehn Minuten geweint\u201c, erkl\u00e4rte im ZDF Ronja von Wurmb-Seibel. Doch weder lebt die vielgelobte und preisgekr\u00f6nte Journalistin und Bestsellerautorin in den USA, noch ist die fast Vierzigj\u00e4hrige pubert\u00e4re 16.<br \/>\nSpaemann: Da\u00df Menschen ob der Wahl eines US-Pr\u00e4sidenten unterschiedlich emotional reagieren, erscheint mir normal. H\u00e4tte sich diese Journalistin f\u00fcr Harris engagiert und kraftraubend Wahlkampf gef\u00fchrt, k\u00f6nnte ich Weinen aus Entt\u00e4uschung nachvollziehen. So aber wirkt die Reaktion des Paares befremdlich. Ich vermute eine medial- und milieuinduzierte, phantasievolle Symbolisierung der Personen Trump und Harris, die zu entsprechend inszenierten Gef\u00fchlen der Entt\u00e4uschung gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Gespannt d\u00fcrfen wir sein, ob der \u201eSpiegel\u201c zu Trumps Amtsantritt wieder, wie nach dessen Sieg, eine Verhaltenstherapeutin interviewt zum Thema: \u201eWas tun, wenn ich wegen Trump Angst habe?\u201c<br \/>\nSpaemann: Dieses Interview stellt f\u00fcr mich ein bemerkenswertes soziologisches Zeitdokument dar. Es zeigt die medial begleitete Milieu-Blase einer deutschen Gro\u00dfstadt unserer Zeit, in der auch Therapeut und Patient eine Einheit bilden. Diese Art Interview h\u00e4tte \u00fcbrigens in emotional etwas verd\u00fcnnter Form genauso ins M\u00fcnchen des linksliberalen Milieus der achtziger Jahre bei einer Wahl von Franz Josef Strau\u00df zum Bundeskanzler gepa\u00dft.<\/p>\n<p>Auch wenn Sie in \u00d6sterreich praktizieren: Nehmen Sie Politisierung und Spaltung der Gesellschaft in Ihrer t\u00e4glichen Arbeit als wachsendes Ph\u00e4nomen wahr?<br \/>\nSpaemann: Lassen Sie mich eine indirekte Antwort geben: Bei mir handelt es sich um einen nerven\u00e4rztlichen Outlaw, den es nach Mattighofen im ber\u00fcchtigten Innviertel Ober\u00f6sterreichs verschlagen hat. Hier habe ich mit Bauern, Handwerkern und Schichtarbeitern aus Serbien und Bosnien zu tun. Eine fantastische Mischung! Was sie verbindet, ist ihr Realismus. Nichts zieht mich nach M\u00fcnchen-Bogenhausen zur\u00fcck, wo ich in den Neunzigern meine Ausbildung gemacht habe. Nat\u00fcrlich gab es vor allem in der Coronazeit auch hier Spaltungen. Insgesamt aber scheint mir die Spaltung zwischen dem an der Grenze zu Bayern gelegenen kleinen Mattighofen und Bogenhausen gr\u00f6\u00dfer zu sein als die innerhalb von Mattighofen und Bogenhausen.<\/p>\n<p>Apropos \u00d6sterreich: Stellen Sie dort einen anderen Umgang mit der politischen Spaltung fest?<br \/>\nSpaemann: Ich mu\u00df Sie entt\u00e4uschen. Man neigt dazu, den Nachbarn zu idealisieren. Doch die \u00d6sterreicher waren es, die w\u00e4hrend Corona die allgemeine Impfpflicht eingef\u00fchrt hatten, und jetzt machen sie bei der Regierungsbildung in Wien den gleichen Murks wie in Th\u00fcringen. Dennoch, es gibt, was Ideologie angeht, im deutschsprachigen Raum ein Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle. Die \u00d6sterreicher waren und sind eher schwache Ideologen. Lassen Sie mich zum Schlu\u00df aber noch einen Appell an die Leser richten!<br \/>\n.<br \/>\nBitte.<br \/>\nSpaemann: H\u00e4nde weg von den unpolitischen Durchwurstlern! Sie sind der Kitt in unserer Gesellschaft. Es ist immer ein Zeichen f\u00fcr eine freie Gesellschaft, da\u00df man die unpolitischen Menschen in Ruhe l\u00e4\u00dft. Frohe Weihnachten!<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 20.12.2024 von Christian Spaemann bitte lesen in der JF 52\/24, Seite 3<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Dr. Christian Spaemann ist Facharzt f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie und war zuletzt Leiter einer Psychiatrischen Klinik in Braunau am Inn. Der Sohn des Philosophen Robert Spaemann wurde 1957 in M\u00fcnster geboren, lebt in Niederbayern und betreibt im grenznahen \u00f6sterreichischen Mattighofen-Schalchen eine eigene Praxis. <a href=\"https:\/\/www.www.spaemann.com\">https:\/\/www.www.spaemann.com<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Weihnachten, in der &#8222;Zeit zwischen den Jahren&#8220; bzw. in den Raun\u00e4chten zwischen Heiligabend und Dreik\u00f6nig, wenn es drau\u00dfen eher schnuddelig, drinnen aber umso gem\u00fctlicher ist &#8211; dann ist viel Zeit f\u00fcr gute Gespr\u00e4che, aber auch f\u00fcr Familienkrach und Disput.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,197,192,198,191,36,195,58,19],"tags":[749,521,520,525,468],"class_list":["post-129450","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-caritas","category-carsharing","category-diakonie","category-elsass","category-engagement","category-eu","category-familie","category-religion","tag-diskussionskultur","tag-family","tag-frieden","tag-politik","tag-weihnacht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129450","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=129450"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129450\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":129455,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129450\/revisions\/129455"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=129450"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=129450"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=129450"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}